Fantasy

10 der besten historischen Fantasybücher

Coverausschnitt
© Eichborn/Holly Macdonald

Fantasyblogger, 09.04.2026

Historische Fantasy erlaubt es uns, gedanklich in die Vergangenheit zu reisen. In Büchern dieses Genres spielt die Handlung in der Geschichte unserer Welt, mal näher dran, mal weiter weg. Mal mit mehr, mal mit weniger magischen Komponenten. Hier sind zehn Fantasybücher mit Geschichtsbezug.

Age of Iron | Angus Watson

Es gibt drei Ereignisse der britischen Geschichte aus der Zeit der Römer, die immer wieder Vorlagen für Bücher liefern: der römische Rückzug samt dem Aufstieg von Artus zum König, der Aufstand von Boudica und die kurzlebige Invasion Britanniens durch Cäsar. Letztere steht im Mittelpunkt der Age-of-Iron-Trilogie von Angus Watson.

Die Hauptfiguren auf Seiten der Britannier versuchen darin, den römischen Einfluss zurückzudrängen und die Invasion noch abzuwenden. Das gelingt ihnen zwar nicht, was aber weniger an der militärischen Überlegenheit der Römer liegt, als daran, dass diese einen Druiden mit magischen Fähigkeiten in ihren Reihen haben sowie mächtige, menschenfressende Elefanten. Bei allem Wissen um die Antike und das historische Flair – die übertriebene Brutalität macht die Lektüre manchmal schwer erträglich.

Dt. Übersetzung Marcel Aubron-Bülles

Der Hof der Finsternis | Victor Dixen

Was, wenn ausgerechnet der Sonnenkönig die Sonne nicht mehr sehen kann, weil er ein Vampir ist? Victor Dixen baut auf dieser Idee seine Vampyira-Saga auf, die mit Der Hof der Finsternis beginnt.

Die Geschichte setzt ein, wenn Ludwig XIV. bereits seit mehr als 300 Jahren regiert. Die junge Jeanne kommt an den Hof von Versailles mit dem Plan, der Herrschaft des Sonnenkönigs ein Ende zu bereiten. Die höfische Etikette orientiert sich noch immer am 17. Jahrhundert, und die aus bürgerlichen Verhältnissen stammende Jeanne muss sich in der Adelswelt erst einmal zurechtfinden. Zudem ist sie nicht die einzige junge Erwachsene am Hof, sondern konkurriert mit einer Gruppe von Gleichaltrigen. Dixen setzt in seiner Saga auf Action und überraschende Wendungen. Eine große Figurenentwicklung darf man nicht erwarten. Dennoch wird die Vergangenheit in allen drei in deutscher Übersetzung erschienen Bänden lebendig.

Dt. Übersetzung Bernd Stratthaus

Der Bär und die Nachtigall | Katherine Arden

Zwischen Historie und Märchen ist Der Bär und die Nachtigall von Katherine Arden einzuordnen. Ihr Roman spielt im Gebiet des heutigen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine des 14. Jahrhunderts. Das Christentum breitet sich aus und droht, die alten Geister und Gottheiten zu verdrängen.

Der Konflikt spiegelt sich in der im Mittelpunkt stehenden Fürstenfamilie wider. Die jüngste Tochter Wasja kann die alten Geister und Dämonen sehen und versucht, diese vor der Bedrohung durch die Kirche zu schützen. Dabei bekommt sie es nicht nur mit einem Priester zu tun, sondern auch mit einer Stiefmutter. Einer Stiefmutter, die ganz in der Tradition böser Stiefmütter in Märchen steht.

Dt. Übersetzung Michael Pfingstl

Flamme und Harfe | Ruth Nestvold

Einen anderen Mythos verarbeitet Ruth Nestvold in einem Roman. Sie wählte mit der Geschichte von Tristan und Isolde eine der bekanntesten Liebesgeschichten. Drystan und Yseult, wie sie in Flamme und Harfe heißen, leben in der Zeit, als die Christianisierung der britischen Inseln begann und die keltische Naturreligion verdrängte. Die Handlung spielt während der Zeit des legendären König Artus, der im Buch aber Arthur heißt.

Nestvold gelingt eine gute Mischung aus Schlachtenszenen und Liebesgeschichte, die sie gekonnt mit Auszügen aus Geschichten verbindet, die den Stoff von Tristan und Isolde verarbeitet haben.

Dt. Übersetzung Marie-Luise Bezzenberger

Drachenklingen | Pierre Pevel

Die Geschichte der Drei Musketiere gehört zur Weltliteratur. Der Franzose Pierre Pevel baut in Drachenklingen darauf auf und fügt Fantasy-Elemente hinzu. Die Handlung spielt wenige Jahre nach dem literarischen Vorbild. Nachfahren von Drachen, die bereits Spanien und andere Reiche unter ihrer Kontrolle haben, wollen auch in Frankreich Fuß fassen. Doch der schwarzen Kralle, wie die Drachenverschwörer auch genannt werden, stellen sich ausgewählte Fechtkünstler in Diensten Richelieus entgegen. Denn die „Klingen des Kardinals“ sind die Hauptfiguren.

Das Phantastische zeigt sich vor allem darin, dass es mit den Draq Mischwesen aus Drachen und Menschen gibt. Ansonsten bleibt Pevel nah an der Historie. Das gilt vor allem für das beschriebene Paris. Und wie in den Drei Musketieren ist das Buch ein Mantel-und-Degen-Abenteuer.

Dt. Übersetzung Carolin Müller

Der Uhrmacher in der Filigree Street | Natasha Pulley

Das London des Viktorianischen Zeitalters ist Schauplatz vieler Romane. Natasha Pulley bringt es in Verbindung mit dem kaiserlichen Japan, das frisch die Zeit der Abschottung von außen hinter sich gebracht hat. Ein mithilfe einer Uhr vereitelter Bombenanschlag bringt hier sehr verschiedene Menschen zusammen.

Der Uhrmacher in der Filigree Street ist ein Buch über Freundschaft und Beziehungen, über die Bedeutung des sozialen Status. Die mechanischen Wunder des titelgebenden Uhrmachers Keita Mori zählen zu den behutsam integrierten phantastischen Elementen.

Dt. Übersetzung Jochen Schwarzer

Fürsten des Nordens | Guy Gavriel Kay

Guy Gavriel Kay ist der Meister der Historischen Fantasy. Seine Werke zeichnen sich einerseits dadurch aus, dass sie sich sehr nah an den historischen Gegebenheiten orientieren, andererseits die Welt, in denen die Handlung spielt, verfremdet ist, auch um sich vom Historischen Roman abzugrenzen.

In Die Fürsten des Nordens greift Kay die Zeit der Wikinger auf, die im Buch Erlinger heißen. Ihre Überfälle auf Höfe und Klöster im Reich Anglcyn haben dazu geführt, dass dieses aufgerüstet hat und sich immer besser zu verteidigen weiß. Es ist eine Zeit des Übergangs, in der das Buch spielt. Dank vieler Perspektivwechsel lässt Kay seiner Leserinnen und Leser die Veränderungen aus der Sicht mehrerer Personen miterleben.

Dt. Übersetzung Irene Holicki

Drachenbrut | Naomi Novak

An ein jüngeres Lesepublikum richtet sich Naomi Novak mit Drachenbrut. Was zunächst nach üblicher Fantasy mit Drachen klingt, hebt sich dadurch ab, dass die Handlung nicht in einer mittelalterlichen Welt angesiedelt ist, sondern in der Zeit der Napoleonischen Kriege spielt. Das Buch ist der Auftakt zur mehrbändigen Reihe Die Feuerreiter seiner Majestät.

In den Büchern sind die Drachen die Luftwaffe, mit der sich Napoleon und die Franzosen einen großen Vorteil verschafft haben. Doch den Briten gelingt es, ein Drachenei zu erbeuten. Der daraus schlüpfende Drache verbindet sich mit einem britischen Offizier – und Napoleons Überlegenheit schwindet. Novak beschränkt sich in ihren Büchern aber nicht auf Europa, sondern bezieht auch Asien sowie Nord- und Südamerika in die Handlung ein. Hier entfernt sie sich von der Historie.

Babel | R. F. Kuang

Das britische Weltreich steht im Mittelpunkt von Babel. Doch in R. F. Kuangs Roman stehen nicht die skrupellosen Aufsteiger im Mittelpunkt, sondern diejenigen, die unter der Herrschaft zu leiden haben. Kritik am Kolonialismus ist aber nur eine Seite an diesem außergewöhnlichen Buch.

Der neue Turm von Babel steht in Oxford. Wie sein biblischer Vorgänger ist es ein Ort der Sprachen. Sprachen, mit denen sich Magie einsetzen und die britische Herrschaft zementieren lässt. Doch eine Gruppe von Rebellen stellt diese infrage.

Dt. Übersetzung  Heide Franck und Alexandra Jordan

Im Schatten des Himmels | Guy Gavriel Kay

Zum Abschluss noch einmal Kay, dieses Mal aber mit einem von chinesischer Geschichte inspirierten Buch. In Im Schatten des Himmels orientiert sich der kanadische Autor am Niedergang der Tang-Dynastie (nennt es aber nicht China). Diese steht kurz davor, von einer Rebellion hinweggefegt zu werden. Der Aufstand ließe sich aber noch verhindern, wenn es nicht zu viele Machtspiele und Intrigen am kaiserlichen Hof gäbe.

In diese Machtkämpfe werden die Geschwister Shen Tai und Li-Mei verwickelt. Sie nehmen mit ihren Entscheidungen Einfluss auf die Entwicklungen. Die Katastrophe aufhalten können sie jedoch nicht. Das liegt daran, dass Kay auf Magie fast gänzlich verzichtet.

Dt. Übersetzung Ulrike Brauns und Birgit Maria Pfaffinger

Autor:in Icon

Fantasyblogger

Fantasyblogger bloggt seit 2008 auf fantasyblogger.wordpress.com über Fantasy-Bücher. Er schreibt vor allem Rezensionen und stellt neue Bücher vor. Außerdem führt er regelmäßig Interviews mit Autoren. Der Berliner bevorzugt komplexe Stoffe für Erwachsene, ist aber auch Jugendbüchern gegenüber nicht abgeneigt.

Weitere Artikel