Mehr Phantastik

Phantastisches aus dem Pott: Die Pott Phantastika 2026

Der Händlerraum der Pott Phanstastika von oben fotografiert. Viele Stände mit Tischen und reges Treiben.
© Joachim Sohn

Joachim Sohn (mit Salvatore Treccarichi), 08.10.2026

Joachim Sohn berichtet von der Pott Phantastika, einer kleinen Phantastik-Messe im Ruhrgebiet, die dieses Jahr zum fünften Mal stattgefunden hat.

Bereits zum fünften Mal fand am vorletzten Wochenende (26. – 27. September 2026) die Pott Phantastika in beeindruckender Kulisse im Gelsenkirchener Schloss Horst statt. Insgesamt 64 Ausstellende, darunter Verlagsautor:innen, Selfpublisher, Kleineverlage und Illustrator:innen, präsentierten ihre Werke vor interessiertem Publikum. Zum dritten Mal wurde zudem der ausgelobte und dotierte Publikumspreis für Cosplayer und Lieblingswerke vergeben. Erstmals konnten 750 Besucherinnen und Besucher an diesem Wochenende gezählt werden und viele zufriedene und glückliche Gesichter. Ein großer Erfolg für eine kleine Autor:innen-Messe, die es in dieser Region bislang noch nicht gab.

Ein unperfekter Anfang

Genau das störte Anfang der 20er-Jahre drei Phantastik Liebende Gefährt:innen, die sich zu einem regelmäßig stattfindenen Autor:innen-Stammtisch in Bochum trafen. Jana Jeworreck, Karsten Zingsheim und Salvatore Treccarichi. 

Zu der Zeit gab es bereits ähnliche Veranstaltungen am Niederrhein in Krefeld und im Rheinland in Bonn. Beides ursprünglich kleine Rollenspiel-Events, die sich zwischenzeitlich ebenso zu Publikumsmagneten für die Phantastik-Szene entwickelt haben. Und es gab und gibt natürlich das jährlich parallel zur Frankfurter Buchmesse stattfindende nunmehr 40-jährige Urgestein, der Buchmesse-Convent (BuCon) in Dreieich-Sprendlingen. 

Im Ruhrgebiet fand 2017 eine durch die BuCon inspirierte Con statt, auf der alle Bereiche der Phantastik, also neben Büchern auch Film, Hörspiel, Cosplay und Modellbau, zusammenkommen sollten. Dieses großangelegte Event im bahnhofsnahen Congress-Centrum in Oberhausen, auf dem auch der zuvor in Dreieich verliehene Deutsche Phantastik Preis vergeben wurde, blieb jedoch ein einmaliges Ereignis. Zu groß, zu aufwändig für die Macher und zu stark kritisiert von der Nerdgemeinde, so dass die Laune für eine weitere Durchführung schnell verflog.

Das wollten Jana, Salvatore und Karsten besser machen: Lieber klein, aber oho! 

Dazu bot sich das Unperfekthaus in Essen an, eine Einrichtung, die Künstlern und Kreativen aus allen Bereichen Räume für ihre Veranstaltungen oder Ateliers für ihre Projekte zum kleinen Preis zur Verfügung stellt. Hier fand vor mehr als zehn bereits eine kleine Buchmesse statt. Leider blieben die Besucherzahlen jedoch hinter den Vorstellungen zurück und es blieb das Gefühl, als seien mehr Händler vor Ort gewesen als eine interessierte Käuferschaft. 

Werbung fehlte, Sponsoren und eine gute Städtekooperation. 

Das gelang schließlich mit Gelsenkirchen und dem unter Denkmalschutz stehenden Schloss Horst, das nicht nur mit seinen Museumsräumen Besucher anlockt, sondern den großen Saal und weitere Räume wie den Rittersaal für Veranstaltungen zur Verfügung stellt. 

Von Anfang an war es die Idee, es nicht nur den Besucher:innen so angenehm wie möglich zu machen, sondern vor allem auch den Ausstellenden. Günstige Standpreise und für das Publikum freien Eintritt. So entwickelte sich die Pott Phantastika an diesem neuen Ort schnell zu einem gut besuchten Event vor allem von Buch- und Phantastik affinen Menschen, die den Ort mit vollen Tüten und den Kopf voller inspirierender Gespräche wieder verlassen. Die gezielte Ansprache entfaltete also ihre Wirkung. Und das nicht nur beim Publikum, sondern vor allem auch bei den Ausstellenden. Die Veranstaltung sprach sich in der Szene schnell herum. Wer dabei sein will, muss ausgeschlafen sein. Mit Bekanntgabe der Anmeldungsfristen ist die Messe in den vergangenen zwei Jahren bereits nach 48 Stunden ausgebucht gewesen. Wer sich zu spät anmeldet, landet auf der unglücklichen Warteliste. 

In der Pressemitteilung der diesjährigen Pott Phantastika heißt es im Nachgang „Besucher wie Aussteller stimmten darin überein, dass der Ort eine besondere Atmosphäre verströmt und das Stöbern durch die große Buchauswahl besonders reizvoll macht.“ 

Der Händlerbereich der Pott Phantastika von oben fotografiert. Stände mit Tischen, viele Bücher
© Joachim Sohn
Vier Personen (die Macher*innen der Veranstaltung) stehen vor dem Tor zum Burggelände
Reges Treiben im Händlerbereich der Pott Phantastika

Die Preisverleihung (Doppelsieg für die Outbirds)

Zum dritten Mal wurde in diesem Jahr sowohl der Cosplay-Preis als auch der Publikumsbuchpreis vergeben. Beide werden von der Volksbank Ruhr Mitte gesponsert, dessen Vertreter vor Ort die Wichtigkeit einer Förderung der Fantasie in allen Bereichen des Lebens betonte. Ohne Fantasie, so sagte er, gäbe es weder Ideen noch Entwicklung.

Übergeben wurden die Preise wie auch im vergangenen Jahr bereits von dem Bezirksbürgermeister von Gelsenkirchen-Horst Joachim Gill.

Den ersten Publikumsbuchpreis durften die Gewinnerinnen und Gewinner von der damals noch amtierenden Oberbürgermeisterin der Ruhrgebietsstadt Karin Welge entgegennehmen. 

Die Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Stadt Gelsenkirchen und der Volksbank Ruhr Mitte ermöglichen es der Pott Phantastika erst, ein solches Angebot bereitzustellen und einen gering dotierten Preis in den Wettbewerb zu schicken. Leserinnen und Leser haben dann die Möglichkeit, über ein Online-Voting für ihren liebsten Schreibenden abzustimmen. 

Die Abstimmung für das beste Cosplay findet vor Ort statt.

In diesem Jahr fielen die Preise gleich auf zwei Autor:innen aus dem Verlagshaus Edition Outbird aus Gera.

Hier die Preisträger:innen

Platz 1 ging an Pia Lüddecke mit „Das Ende der Nacht“, 2026, Edition Outbird 

Platz 2 an Mel Rellington mit „Auf den Schwingen der Finsternis – Feuer und Sturm – Zeit der Schatten“, 2025, Selbstverlag

Platz 3 an Joachim Sohn mit „Merleau – Eine Mondbogengeschichte“, 2026, Edition Outbird. 

Die Preisträger*innen von der Pott Phantastika

Auch die Cosplayer:innen sollen nicht unerwähnt bleiben, die mit ihren fantastischen und aufwändigen Kostümen schon während der Veranstaltung für viel Aufsehen sorgten. 

Platz 1: Susan Abyss als Wanderin zwischen den Welten,

Platz 2: Sabrina Scholz-Mertens als Fuchsfrau,

Platz 3: Mel Rellington als Geschichtenerzählerin.

Wie geht es weiter?

Zunächst sei erwähnt, dass seit einem Jahr auch Charly Mauersberger zum Team gehört und den immer wichtiger werdenden Bereich Social-Media übernommen hat, was der Veranstaltung sehr guttut. 

Aller Voraussicht nach wird die Pott Phantastika 2027 jedoch ein weiteres Mal umziehen müssen. Die Betreiber von Schloss Horst haben die Preise für ihre Veranstaltungen so in die Höhe getrieben, dass eine weitere Durchführung dort nicht umsetzbar wäre. Jana, Charly, Salvatore und Karsten müssten zu hohe Standpreise von den Ausstellenden verlangen, und das Prinzip: freier Eintritt für freie Geister wäre auch nicht mehr einzuhalten. 

Aktuell stehen die vier tapferen Held:innen mit dem Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen in Verhandlung und die Zeichen stehen auf „Let’s do it!“. Größere Räume, mehr Ausstellende, gleiche kleine Preise. So kann es weitergehen!

Die nächste Pott Phantastika wird vom 16. – 17. Oktober 2027 stattfinden. Sehr wahrscheinlich dann mitten in Gelsenkirchen im Hans-Sachs-Haus.

Alle Informationen auf der Webseite der Pott Phantastika:

https://www.pott-phantastika.de

Joachim Sohn

Joachim Sohn

Der gebürtige Wiesbadener Joachim Sohn studierte in Mainz, Konstanz und Berlin Philologie und Filmwissenschaft und schloss seinem Studium eine Ausbildung zum Trickfilmzeichner an der animation-school in Hamburg an. Dort entwickelte er unter anderem die Trickfilmfiguren für Junior-TV (Sat1). Nach mehrjähriger freiberuflicher Mitarbeit an verschiedenen Trickfilmproduktionen deutschlandweit, arbeitet er nun als Animation-Director in einer Krefelder Werbeagentur und wohnt in Oberhausen.

Seit 2010 ist Joachim Sohn auch als Autor tätig. Er schreibt Kurzgeschichten, Erzählungen und Romane, die allesamt der Phantastik zuzuordnen sind. Schwerpunkt sind dabei die Genres Historische Fantasy und Tierfantasy. Er ist Mitglied des Phantastik-Autoren-Netzwerkes e.V. und engagiert sich für Tierschutz und Humanismus.

Homepage: https://www.joachim-sohn.de/

Insta: https://www.instagram.com/joachim_sohn/

Facebook: https://www.facebook.com/JoachimSohn

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