Phantastik ist für alle da - Progressiv-Phantastische Lesetipps
Lena Richter, 05.02.2026
Habt ihr genug von den ewig wiederkehrenden altbackenen Klischees in der Phantastik? Wollt ihr was Neues lesen, progressiv, divers und zeitgemäß? Dann hat Lena Richter für euch eine ganze Reihe an Tipps mit deutschsprachige Phantastik.
Vor einiger Zeit gab es in der deutschsprachigen Phantastik-Szene wieder mal einen Vorfall, bei dem deutlich wurde, dass einige Personen die Bestrebungen nach progressiven Büchern, Sichtbarkeit von queeren und anders marginalisierten Personen und das Bemühen um sensible, nicht verletzende Darstellungen von Lebensrealitäten als Affront ansehen. In diesem Text soll es nicht darum gehen, was da genau los war, sondern darum, was am nächsten Tag passierte. Da hatte ich nämlich Lust, dem ganzen Hass etwas entgegenzusetzen und fragte auf allen sozialen Medien, in denen ich unterwegs bin:
„Schreibt unter diesen Post ein (idealerweise deutschsprachiges) Science-Fiction-Buch (Fantasy auch okay), das einen progressiven Ansatz hat und Themen wie Feminismus, Queerness, Dis_ability, Neurodivergenz, Klassismus oder Rassismus gut thematisiert.“
Ich erhielt sehr viele Antworten, teils mit Büchern, die ich auch kenne und liebe, und teils auch mit Tipps, die mir noch vollkommen neu waren. Und da es sehr mühsam ist, auf drei Plattformen die Empfehlungen zusammenzusuchen, freue ich mich über die Gelegenheit, sie hier als Artikel zusammenzutragen!
Disclaimer: Ich werde mich hier auf originär deutschsprachige Bücher konzentrieren, denn erstens sind es ja auch deutschsprachige Autor*innen, über deren Arbeit bei dem besagten Vorfall hergezogen wurde. Und zweitens wurden im englischsprachigen Bereich sehr viele Bücher genannt, die ich auch sehr gut finde, die aber nun echt keine Promo mehr nötig haben. Also an alle, die z. B. Becky Chambers, N. K. Jemisin oder Ursula Le Guin empfohlen haben: Danke euch, volle Zustimmung, aber diese Bücher führe ich jetzt hier nicht mit auf. Einige genannte Buchtipps habe ich aus anderen Gründen nicht mit aufgenommen – aber keine Sorge, es sind echt viele Lesetipps zusammengekommen, von Kurzgeschichten bis mehrteiligen Reihen, von Science Fiction bis Fantasy, von Self-Publishing bis Großverlag.
Ich habe die Buchtipps in verschiedene Kategorien sortiert und hoffe, ich habe die jeweiligen Bücher richtig eingeordnet - danke dazu noch an Judith Madera von Literatopia, die mir zu einigen ihrer Tipps noch ein paar Fragen beantwortet hat. Da es um die 50 Buchtipps geworden sind, bekommt ihr die Tipps jetzt auch einfach in Listenform, weil ich nicht noch zu jedem Buch ein paar Sätze schreiben konnte, da wäre ich vermutlich bis Ostern nicht fertig.
Abgeschlossene Reihen
Wer gerne durch eine ganze Buchreihe schmökern möchte, die bereits vollständig erschienen ist, kann sich folgende Buchreihen mal näher anschauen:
- Die Etomi-Dilogie von Jol Rosenberg
- Wasteland und Laylayland von Judith und Christian Vogt
- Berlin - Rostiges Herz und Berlin - Magische Knochen von Noah Stoffers
- Fools in Space-Trilogie von Calin Noell
- Die Chroniken von Beskadur-Dilogie von James A. Sullivan
Reihen, die noch fortgesetzt werden
Bei anderen Buchreihen kann man sich noch auf die Fortsetzung freuen. Ob zwei oder mehr Bände, ob feste Fortsetzung oder eher loser Bezug zum ersten Band, und auch inhaltlich ist von Science-Fiction über historische Fantasy bis hin zu Urban Fantasy alles dabei.
- Outlaws in Space-Trilogie von Elea Brandt (bisher erschienen: Kalubs End und Phoenix Rises)
- Geflecht-Dilogie von Jol Rosenberg (bisher erschienen: Das Geflecht. An der Grenze)
- Die Kemet-Reihe von Melanie Vogltanz und Jenny Wood (hat bereits sechs Bände und wird weiter fortgesetzt)
- Die Mutter der Masken-Reihe von Freya Petersen (Band 1 von 4 erschienen)
- Die Maschinenmacht-Reihe von E.V. Ring (drei Bände erschienen, ein letzter folgt noch)
- Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko ist als Einzelband abgeschlossen, mit Die Helden sind tot ist aber ein zweiter Band geplant, der sich an die Geschichte anschließt
- Das Tricontium-Universum von Maike Claußnitzer bietet eine ganze Reihe von Romanen und Geschichtensammlungen, die teilweise aufeinander aufbauen und teilweise auch ohne Vorkenntnisse zu lesen sind.
Debütromane
Mehrere der genannten Bücher sind die Debüts der jeweiligen Autor*innen. Damit könnt ihr entweder ins Frühwerk von Schreibenden eintauchen oder ihr unterstützt bei den gerade erst erschienenen Büchern das besonders wichtige erste Buch! Genannt wurden in dieser Kategorie:
- Seelengrube von Marie Meier (Auftakt zu einer Reihe)
- Winteraustreiben von Jasper Nicolaisen
- Phytopia Plus von Zara Zerbe
- Star Girl Space Boy von Mirjam Kay Mashkour
Einzelbände
Wer gerne eine abgeschlossene Geschichte lesen möchte, die in einem Buch zu Ende erzählt ist, kann sich in dieser Kategorie umschauen. Einige der genannten Bücher bieten durchaus die Möglichkeit einer Fortsetzung, andere sind Einzelbände, die aber im selben Setting spielen oder Bezug aufeinander nehmen, beispielsweise die Bücher von Elea Brandt, Aiki Mira und Sven Haupt.
- Frozen, Ghosted, Dead von Sameena Jehanzeb
- Opfermond von Elea Brandt
- Mutterschoß von Elea Brandt
- Schildmaid von Judith und Christian Vogt
- Ace in Space von Judith und Christian Vogt
- Stadt der Symbionten von James A. Sullivan
- Pantopia von Teresa Hannig
- Prism von Katherina Ushachovs
- Proxi von Aiki Mira
- Neurobiest von Aiki Mira
- Neongrau von Aiki Mira
- Der Himmel wird zur See von Sven Haupt
- Anahita von Sven Haupt
- Niemandes Schlaf von Sven Haupt
- Sanguen Daemonis von Anna Zabini
- Hyphen von Luise Meier.
- Myrie Zange - Die Symmetrie der Schneeflocken von Skalabyrinth
- Wenn es nicht passiert von Skalabyrinth
- Im Auge der Leere von Stefan Cernohuby und Melanie Vogltanz
- Nightowls von Kathrin Tordasi
- The Icebound Kingdom von Juno Reeves
Und noch ein Tipps für einen Einzelband, der erst noch erscheint - er stammen von einer Testleserin, die das Manuskript gelesen hat:
- Cage of the Moon von Noah Stoffers
Novellen
Noch kürzer als abgeschlossene Roman sind natürlich abgeschlossene Novellen - vielen Dank, dass meine eigene Novelle hier auch mehrfach als Tipp genannt wurde, ich habe sie daher in die Liste mit aufgenommen.
- Elektro Krause von Patricia Eckermann
- Die Träume sind kaputt von Skye Gänseblum
- Dies ist mein letztes Lied von Lena Richter
Anthologien
Als kürzestes Format folgt hier nun die Kurzgeschichte - für die kurze Lesepause zwischendurch oder für alle, die zu einem Thema gern vielfältige Stimmen lesen möchten.
- Neuropunk (hrsg. von Saskia Dreßler und Melanie Schneider) - Anthologie zu Neurodivergenz
- Der Atem des Drachen von Nike Leonhard - Sammlung von sieben Märchen aus neuem Blickwinkel
- Planta Nubo (hrsg. von Sven Nieder und Andi Bottlinger) - Solarpunk-Anthologie zum gleichnamigen Brettspiel; in derselben Welt spielt auch der in Kooperation mehrerer Autor*innen geschriebene Roman Suna Valo
- Im Fluss der Zeit vom Autor:innenkollektiv Schreibfeder - Anthologie zum Thema Zeitreisen
- Psyche mit Zukunft (hrs. von Jol Rosenberg) - Science-Fiction-Kurzgeschichten zum Thema psychische Erkrankungen, Neurodivergenz und mehr
Auf meinem Lesestapel
Meine Möchte-ich-lesen-Liste hat sich durch die vielen Tipps, die mir geschickt wurden, auf jeden Fall ganz schön erhöht! Und sozusagen als Rache (Scherz!) teile ich jetzt mit euch noch mal einige Bücher, die bei mir selbst auf der Leseliste stehen und noch nicht auf der Liste auftauchen.
Spaßpark von Brian Frank: Eigentlich bin ich ja zu schissig, was Horror angeht, aber dieser Roman klingt zu gut, um ihn nicht zu lesen. Ein Vergnügungspark, viele queere Themen, übernatürliche Elemente und das Grauen des ländlichen Niedersachsen - ich bin schon sehr gespannt.
Ebenfalls um subtiles Grauen im Ländlichen geht es in Charline Winters Gedichtband Wildwechsel ins Nichts - ich mag Charlines Texte sehr, ich mag Lyrik, die Chance ist also hoch, dass die Gedichte mir gefallen werden.
Ganz frisch erschienen ist Iva Moors Liminal Creatures, und mit der Mischung aus Fantasy, Musik und Ivas tollem Stil, der mir schon von ihrem Debüt Die Alchemie des Träumens vertraut ist, muss ich dieses Buch auch dringend bald lesen.
Und der düstere Reigen schließt sich am Ende damit, dass ich unbedingt endlich Eleanor Bardilacs Dilogie Knochenblumen welken nicht und Knochenasche rottet nicht lesen möchte - auch wenn es darin um Nekromantie geht, die ich auch echt gruselig finde. Offenbar wird es der Winter der Bücher zu Themen, die ich nur lese, wenn die Autor*innen dahinter besonders gut sind.
Lena Richter
Lena Richter ist Autorin, Lektorin und Übersetzerin mit Schwerpunkt Phantastik. Ihre Science-Fiction-Novelle „Dies ist mein letztes Lied“ erschien im Februar 2023 beim Verlag ohneohren. Außerdem veröffentlicht sie Kurzgeschichten, Essays und Artikel. Lena ist eine der Herausgeber*innen des Phantastik-Zines Queer*Welten und spricht gemeinsam mit Judith Vogt einmal im Monat im Genderswapped Podcast über Rollenspiel und Medien aus queerfeministischer Perspektive. Ihr findet sie auf ihrer Website lenarichter.com , auf Instagram unter @catrinity_ und auf BlueSky und Mastodon unter @catrinity