
Dark Romantasy: Alles, was du über das Genre wissen musst

Judith Madera, 28.08.2025
Dark Romance lockt mit düsteren Covern, starken und gefährlichen Männern, gebrochenen Tabus und expliziter Erotik. Auch in der Romantasy wird es wieder düsterer, dabei ist das „Dark“ hier gar nicht so neu.
Als in den 2000ern Romantasy als neuer Genrebegriff über den Fantasyregalen der Buchhandlungen auftauchte, wurde der Trend insbesondere von einem Mix aus Dark und Urban Fantasy mit Romance befeuert. Vampire und Gestaltwandler wurden zu Love Interests, gefürchtet und begehrt. In nächtlichen Häuserschluchten lauerte Gefahr und Tod und zugleich entbrannten dort finstere Liebesgeschichten. Romantasy war damals oft schon ziemlich „dark“ und manchmal auch toxisch – jedoch selten in dem Maß, in der es der heutigen Dark Romance oft vorgeworfen wird.
Was ist Dark Romance?
Was heute als Dark Romance bezeichnet wird, hat sich aus dem Genre New Adult entwickelt und richtet sich entsprechend an junge Erwachsene. Dark Romance zeichnet sich durch „düstere“ Themen aus wie toxische Beziehungen, Machtgefälle, Mobbing, Stalking, (sexuelle) Gewalt und explizite Erotik. Die männlichen Love Interests werden oft als mächtig, dominant, kalt und gewaltbereit dargestellt, während die Protagonistinnen dagegen oft schwach wirken. Am Ende gibt es wie in der Romance üblich ein Happy End: der Protagonistin gelingt es, die schmerzhafte Vergangenheit ihres Love Interests zu verstehen und mit ihm gemeinsam zu überwinden. Ein schöner Traum, der in der Realität oft mit physischen und psychischen Verletzungen oder im schlimmsten Fall dem Tod der Frau endet.
Dark Romance wird eine Romantisierung von übergriffigem, problematischem und gewalttätigem Verhalten vorgeworfen. Sie vermittele den jungen Leserinnen gefährliche Vorstellungen davon, wie Beziehungen aussehen. Auf TikTok wird mit Tropes wie „Non Con“ geworben – ein Euphemismus für Vergewaltigung, der Vorurteile dem Genre gegenüber bestätigt. Fans der Dark Romance argumentieren, diese sei ein Safe Space für Frauen, in dem sie ihre (erotischen) Fantasien auszuleben können, und dass sich die Romane an junge Erwachsene richten, die die nötige Reife mitbringen, zwischen Fantasie und Realität zu unterscheiden. In eben dieser Realität sind die Leserinnen jedoch oft Teenager, wie man auf der Leipziger Buchmesse sehen konnte, und diese werden gezielt mit dem Coverdesign und schicken Farbschnitten angesprochen. Und hier setzt auch die Kritik an der Dark Romance an: Es geht nicht darum, persönliche Vorlieben schlecht zu reden, sondern um fehlenden Jugendschutz. Verlage wie Piper reagieren inzwischen auf die Kritik und kennzeichnen die Bücher als „empfohlen ab 18 Jahren“. Erwachsene sollen dann selbst entscheiden, was ihr Guilty Pleasure ist.
Und was ist Dark Romantasy?
Wer auf aktuelle Neuerscheinungen blickt, würde Dark Romantasy wohl als Dark Romance x Fantasy definieren – was durchaus richtig, aber nicht die ganze Wahrheit ist. Wie bereits erwähnt, gab es in den 2000ern bereits einen Romantasy-Boom, der zu einem großen Teil von der Dark und Urban Fantasy getragen wurde. Da gab es auch die Dark Romantasy (Dark Fantasy x Romance) schon, die jedoch noch unter dem damaligen Neologismus Romantasy lief. Reihen wie Immortals After Dark von Kresley Cole, Guild Hunter von Nalini Singh, Midnight Breed von Lara Adrian oder Alpha von Sandra Henke vereinten Dark Fantasy mit Romance inklusive finsteren, mächtigen Love Interests und expliziter Erotik. Vampire, Gestaltwandler und dunkle Engel waren prägend für die (Dark) Romantasy, die meist ein düsteres Urban-Fantasy- /Contemporary-Fantasy-Setting hatte. Als der Boom langsam abebbte, behielt die Romantasy ihre eroberten Regalplätze in den Buchhandlungen, indem sie sich anderen Fantasy-Subgenres zuwandte wie der High Fantasy oder Fairytale Fantasy.
Nun wird es also wieder düsterer und eine weitere Ausdifferenzierung von Genrebegriffen macht durchaus Sinn. Wie damals sind es insbesondere Vampire, Gestaltwandler, Hexen und Monster, die das „Dark“ in der Dark Romantasy (oder auch Dark Fantasy Romance) ausmachen. Dieses „Dark“ bedeutet in der Fantasy mehr als in der Romance und die Grenzen zum Horror sind fließend. Zugleich ist Dark Romantasy ein Marketing-Begriff, der genutzt wird, um Romantasy-Bücher mit der boomenden Dark Romance zu assoziieren. Manche Autor*innen kommen auch über die Dark Romance zur Dark Romantasy, die damals schon oft genug toxisch war wie Stephenie Meyer mit Twilight bewiesen hat.
Dark Romantasy ist also nichts Neues, sie wird jedoch stärker reflektiert als früher und Leser*innen diskutieren über problematische Inhalte, was grundsätzlich eine positive Entwicklung ist. Wie für die Dark Romance sollte für Dark Romantasy gelten, dass die Bücher entsprechend für Erwachsene vermarktet und mit Altersbeschränkungen versehen werden. Während die einen berechtigte Kritik an den problematischen Inhalten äußern, suchen andere gezielt nach solchen Inhalten und werden dank Triggerwarnungen und Nennung von beliebten Tropes wie „Enemies to Lovers“ schnell fündig.
Aktuelle Dark Romantasy
Zu den ersten in Deutschland als Dark Romantasy beworbenen Übersetzungen zählen The Book of Azrael von Amber V. Nicole, das neben Vampiren, Gestaltwandlern und Hexen auch finstere Götter und Monster bietet, sowie Empire of Sins and Souls von Beril Kehribar mit den nach Blut gierenden Xathyr. Auch bei deutschsprachigen Autorinnen wird es düster wie in In the Shadows we wait von Alessia Gold, die über finstere Vampirfürsten in Rumänien schreibt, oder The Cursed Knight and the broken Soul von Kaja Evert, die Dark Fantasy und Gay Romance vereint.
Ähnlich wie die Dark Romance sind Dark-Romantasy-Bücher heute an ihren düsteren Covern zu erkennen und wer durch die Verlagsvorschauen blättert, wird so manch schwarzes Romantasycover entdecken wie The Knight and the Moth von Rachel Gillig, How Does it Feel? von Jeneane O’Riley, The Damned - Ein Herz so verflucht von Harper L. Woods oder Nocticadia von Keri Lake. Fans düsterer Romanzen dürfen sich wieder auf nach Blut gierende Vampire, finstere Götter, Dämonen und dunkle Elfen freuen. Dabei wird es manchmal auch toxisch – doch Dark Romantasy braucht nicht unbedingt problematische Themen, um wahrhaft dunkel zu sein.

Judith Madera
Judith Madera ist Literatopia-Chefredakteurin und Herausgeberin des Online-Fanzines PHANTAST. Seit 2019 schreibt sie gelegentlich für TOR online über Science Fiction, Anime und Manga. Mehr unter www.literatopia.de