Agenten und Androiden
Zwischendurch widmete sich Scalzi immer wieder ganz anderen Themen, und die Resultate fallen in meinen Augen sehr unterschiedlich aus. Ich gebe zu, dass ich mit Androidenträume (The Android’s Dream) nie so richtig warm geworden bin. Es geht viel um Fürze, die nicht so mein Lieblingsthema sind. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird.
Richtig gut und witzig dagegen finde ich Agent der Sterne (Agent to the Stars), eigentlich Scalzis erster Roman, der für ihn eher eine »Schreibübung« war, wie er selbst sagt. Bis er sich recht spät zu einer Veröffentlichung entschloss und sehr erstaunt über den Erfolg des Buches war. Es geht um friedliebende Aliens, die gern Kontakt mit uns aufnehmen würden, aber ein Image-Problem haben, weswegen sie einen Hollywood-Agenten anheuern. Hat mir großen Spaß gemacht, vielleicht auch, weil der Roman wieder aus der Ich-Perspektive erzählt wird.
Metatropolis (Metatropolis) besteht aus mehreren thematisch zusammenhängenden Storys von verschiedenen Autoren. Scalzi selbst war »nur« der Projektleiter und hat »nur« das Vorwort und eine Story beigesteuert. Nicht so richtig spannend, kann man aber ruhig mal lesen, weil man einen Eindruck bekommt, wie man sich in den USA eine ökologisch saubere Zukunft vorstellt – mit ganz anderen Denkansätzen als hierzulande. Auf jeden Fall interessant!
In Der wilde Planet (Fuzzy Nation) entdeckt man niedliche Aliens auf einem fremden Planeten, doch aus bestimmten Gründen wird den Menschen erst spät klar, dass die Fuzzys eine intelligente Spezies sind. Das Ungewöhnliche an diesem Buch ist, dass Scalzi hier den Roman Der kleine Fuzzy (Little Fuzzy) von H. Beam Piper neuerzählt. Leider kann ich beide Versionen nicht miteinander vergleichen, da ich das Original von Piper nie gelesen habe. Klingt das seltsam? Vielleicht, aber ich wollte mich bei der Übersetzung nicht beeinflussen lassen. Immerhin kann ich sagen, dass Scalzis Roman für mich als eigenständiges Werk funktioniert!
Mein Lieblingsbuch von John Scalzi ist eindeutig Redshirts (Redshirts). Es hat nur einen Haken: Man muss schon eine gewisse Mindestanzahl von Star Trek-Folgen gesehen haben, um es genießen zu können. Es geht darum, wie den niederen Rängen an Bord des Raumschiffs Intrepid irgendwann klar wird, dass bei Außeneinsätzen immer Leute mit roten Uniformen hopsgehen. Geniale Anspielungen, Überschneidungen verschiedener Fiktionsebenen, gut und witzig erzählt – und man sollte unbedingt auch den Anhang lesen!
Das Syndrom (Lock In) wiederum hat mich nicht so gepackt, obwohl das Buch mit ein paar sehr gelungenen Szenen aufwarten kann. Die Fortsetzung steht bereits ganz unten auf meiner Übersetzungsliste, und trotz allem bin ich gespannt und freue mich schon auf diesen Job!
Das Imperium der Ströme
Vor Kurzem habe ich die Übersetzung von Kollaps (The Collapsing Empire) abgeschlossen, dem ersten Band von Scalzis brandneuer Serie. John Scalzi urteilt in seinem Blohttps://www.tor-online.de/g-Artikel, dass er nach der letzten Überarbeitung rundum zufrieden mit dem Buch ist – »eine verdammt runde Geschichte« und »einige Teile sind richtig toll«. Klingt vielleicht ein bisschen nach Selbstbeweihräucherung, aber ich kann nur sagen: Er hat in allen Punkten recht! Das Buch ist spannend und witzig zugleich, die Figuren sind wunderbar gezeichnet. Eine patente junge Frau, die sich überraschend als Thronfolgerin eines mächtigen Sternenimperiums entpuppt, eine Aristokratin, die nichts anbrennen lässt und alles andere als auf den Mund gefallen ist, überraschende Wendungen in der Handlung, die ich hier natürlich nicht verraten werde.
Vielleicht hat Krieg der Klone die genialere Grundidee, vielleicht ist Agent der Sterne etwas besser erzählt, und vielleicht ist Redshirts deutlich witziger, aber Kollaps hat von allem etwas, und insgesamt betrachtet ist es für mich Scalzis bisher gelungenster Roman. Ich kann es gar nicht abwarten, die Folgebände übersetzen zu dürfen!