LARP für Einsteiger: Alles, was du über Live Action Role-Playing wissen solltest

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LARP für Einsteiger: Alles, was du über Live Action Role-Playing wissen solltest


Sie tragen Gummischwerter im Gepäck oder Elfenohren, sind meist mittelalterlich kostümiert – aber wollen nicht zum Karneval. Diese Leute machen LARP. Hier ein kleiner Crashkurs zum Thema Live Action Role Playing von Lena Krause.

Helden beraten sich auf dem Endzeit LARP Fate XII

Was ist LARP?

Ganz kurzgefasst könnte man sagen: LARP ist gelebte Phantastik.

Live Action Role-Playing, kurz „“LARP“ oder „Liverollenspiel“ ist eine Form des Improvisationstheaters, die es ermöglicht, selbst in die Rolle eines Helden zu schlüpfen und innerhalb einer vorbereiteten Spielgeschichte Abenteuer zu erleben. Allein in Deutschland treffen sich seit mehr als 25 Jahren LARPer zu entsprechenden LARP-Abenteuern. Eine solche Convention kann zwischen 20 und 10.000 Teilnehmern haben.

Als Veranstaltungsorte werden z. B. Wiesen, Wälder, Bunker und Burgen genutzt, die mit phantastischen Kulissen und liebevoller Dekoration in atemberaubende Welten verwandelt werden.

Eine LARP-Con dauert meist 15 Tage, die weitgehend als Spielzeit genutzt werden.

Eröffnungsphoto auf dem Drachenfest 2018 - The Kelric View

Wer gern Pen&Paper-Rollenspiele spielt, Cosplay macht oder Fan-Fiction schreibt, der kann durch LARP in eine neue Dimension des Erlebens vordringen. Es ist eine inspirierende Erfahrung, selbst an einem knisternden Feuer zu sitzen und das Heulen der Monster im Wald zu hören.

Und LARPer scheuen keine Mühen, um das Spielerlebnis so immersiv wie möglich zu gestalten: Sie bauen mittelalterliche Wehranlagen und Dörfer nach (z. B. das LARP-Dorf Bogenwald in Niedersachsen), fertigen kampftaugliche Fantasy-Rüstungen an, und Darsteller phantastischer Wesen wie Orks und Dämonen greifen nicht selten auf Masken in Hollywoodqualität zurück. Auch das Kostüm für ein LARP (die „Gewandung“) wird oft in liebevoller Handarbeit selbst angefertigt, kann aber auch in Onlineshops bestellt oder bei spezialisierten LARP-Schneidern in Auftrag gegeben werden. Auf alles, was nicht in die Spielwelt passt, wird dagegen verzichtet.

Durch die detaillierte Gestaltung des Spielbereiches und das konsequente Schauspielern der eigenen Figur entsteht eine Erlebnistiefe, die sich anfühlt, als wäre man Teil eines Films oder Computerspiels – nur dass man im LARP auf den Verlauf der Geschichte freien Einfluss nehmen kann.

Die Orks greifen an auf dem DrachenFest - The Kelric View

Wie funktioniert LARP?

Ein Organisatoren-Team legt das Regelsystem bzw. den Spielkodex fest, innerhalb dessen Grenzen sich alle Spielhandlungen bewegen. Die Spielteilnehmer erschaffen ihre Spielfiguren anhand dieser Regeln und statten sie mit eigener Weltsicht und Persönlichkeit sowie der für ihre Rolle glaubhaften Ausrüstung aus.

Sobald das Spielgelände hergerichtet ist und alle in ihre Rollen geschlüpft sind, starten die Teilnehmer ins Spiel.

Die Geschichte einer LARP-Con, auch Plot genannt, wird dabei von drei Fraktionen vorangetrieben, von denen jede ein gemeinschaftliches, schönes Spielerlebnis zum Ziel hat:

Die Spieler (SCs) gehen mit ihrer selbsterschaffenen Heldenfigur (Spielercharakter oder SC) in der Spielwelt auf Entdeckungsreise. Wie Abenteurer wissen sie in der Regel nicht, welche Rätsel, Kämpfe und Geheimnisse sie erwarten werden, können den Verlauf des Spiels aber durch die Handlung ihrer Heldenfigur aktiv beeinflussen.

Die Spielleiter (SLs) sind mit den Rahmenbedingungen der bespielten Geschichte und allen möglichen Plotlösungen vertraut. Mit Funkgeräten untereinander vernetzt, beobachten sie die Aktionen der Spieler aus dem Hintergrund und setzen ihnen zur rechten Zeit die passenden Herausforderungen vor die Nase.

Schlachtreihen auf dem DrachenFest - Burgschneider Photography

Die Nichtspieler-Charaktere (NSCs) sind Statisten im Auftrag der Spielleitung. Ihr Rollenspiel erweckt die Spielwelt zum Leben, denn sie bekleiden alle für den Verlauf des Plots relevanten Rollen. Das können z. B. Dorfbewohner, Räuberbanden, Zombiehorden oder böse Elfen sein – NSCs sorgen dafür, dass die Spielercharaktere sich ihren Heldenstatus verdienen müssen.

Kämpfe werden aus Sicherheitsgründen mit LARP-Waffen durchgeführt, die aus Fiberglasstäben mit Schaumstoffmantel bestehen und mit einem möglichst realistischen Farbfinish versehen sind. Kämpfe unterliegen zudem speziellen Regeln, die Schläge auf den Kopf oder in die Genitalien verbieten. Auch LARP-Pfeile für Bögen besitzen Schaumstoffaufsätze zum Schutz vor Verletzungen.

Im Gegensatz zum Cosplay müssen Kostüme und Rüstungen im LARP Kampfhandlungen und Stürze verkraften können. Zudem müssen sie geeignet sein, den ganzen Tag darin ganz normal zu agieren – umso beeindruckender ist es, Orks, Tierwesen und anderen phantastischen Kreaturen hautnah gegenüberzustehen.

Auch Magie existiert in den meisten LARP-Spielwelten. Zur Simulation magischer Effekte werden neben Stimme und Gestik z. B. LED-Lichter, Kehlkopfmikrophone oder Pyrotechnik verwendet.

Fahrbare Kulissen auf dem Endzeit-LARP Fate XII - The Kelric View

LARP-Genres

In den letzten zehn Jahren hat die LARP-Szene durch große Film- und Serien-Fandoms einen Aufschwung erlebt. Neben klassischen Fantasy-LARPs mit Anlehnung an Der Herr der Ringe, Das Schwarze Auge oder Game of Thrones gibt es z. B. auch Veranstaltungen im Setting von Harry Potter, The Walking Dead oder Star Wars.

Innerhalb eines Fan-Universums gibt es sogar LARPs mit verschiedenen Schwerpunkten. Allein das Fantasy Genre bietet Events mit Fokus auf epischen Schlachten, mystischen Rätseln oder komplexen Intrigen, die obendrein jeweils auf verschiedene Altersgruppen zugeschnitten sind.

Während die beiden größten LARP-Events weltweit, das ConQuest of Mythodea und das DrachenFest, von allem etwas bieten, richten sich einige Veranstaltungen gezielt an Erwachsene, wie beispielsweise das Epic Empires. Andere LARPs bieten sogar spezielle pädagogische Betreuung und Persönlichkeitsbildung für Kinder und Jugendliche an (z. B. die Waldritter und Ellodan Creative Works).

Abendliche Zusammenkunft auf dem LARP Event Nordgaard - Foto von The Kelric View

Warum LARP?

Live Action Role-Playing wird gern beschrieben als „Urlaub von sich selbst“. Durch den Perspektivwechsel, den Rollenspiele ermöglichen, können Teilnehmer ihren Alltagsstress mit größerer Objektivität neu bewerten.

LARPer stammen aus breit gefächerten Altersklassen und sozialen Schichten, doch die Gründe, bei einem Live Action Role-Playing mitzumachen, sind oft ähnlich. Neben künstlerischen und handwerklichen Möglichkeiten wie Schreiben, Nähen, Basteln und Schauspielern fasziniert LARP vor allem durch das Erlebnis selbst. Als Teil einer spannenden Geschichte, deren Verlauf sie mitgestalten können, lernen die Teilnehmer, im Team zu arbeiten, mit unerwarteten Situationen umzugehen, Konflikte zu lösen und sich tiefgründig mit moralischen Fragen auseinanderzusetzen. Rollenspielelemente können somit als effektive Möglichkeit zur Persönlichkeitsbildung genutzt werden, weshalb LARP-Elemente auch immer häufiger Einzug in die Jugendbildung und Pädagogik finden. Da Liverollenspiele eine Gruppenaktivität sind, lassen sich schnell Kontakte knüpfen und durch gemeinschaftliches Erleben zu langfristigen Freundschaften festigen.

Über den Tellerrand – LARP im Rest der Welt

LARP ist längst kein deutsches oder europäisches Phänomen. Im Gegenteil ist LARP eine wachsende Bewegung aus Phantastikfans weltweit. Kanada besitzt mit Duché de Biccolline sogar eine ganzjährig bespielte mittelalterliche LARP-Stadt. In Australien werden mittelalterliche Burgen nach europäischem Vorbild errichtet und für LARP-Events genutzt. Russlands LARP-Szene dagegen beeindruckt durch imposante Rüstungen nach Computerspielvorbildern.

LARPer aus Kanada, Israel und Taiwan fliegen für das DrachenFest und ConQuest extra nach Deutschland.

Heraldik-Lehrstunde auf der Schurkenakademie im LARP-Dorf Bogenwald - The Kelric View

Wie komme ich auf ein LARP?

LARPs werden oft von gemeinnützigen Vereinen, Jugendgruppen oder privaten Veranstaltern organisiert und öffentlich im Internet zur Teilnahme ausgeschrieben. Sie sind zum Beispiel über Stichworte wie “LARP-Kalender“, „LARP-Gate“ und „Con-Organizer“ oder über soziale Netzwerke wie Facebook zu finden.

Um teilnehmen zu können, muss man ein dort hinterlegtes Anmeldeformular ausfüllen und einen Teilnehmerbeitrag überweisen. Dieser fällt je nach Art und Dauer der Veranstaltung unterschiedlich hoch aus. Auch die Anzahl der Teilnehmer kann begrenzt sein, weshalb man sich oft mit längerer Vorlaufzeit anmelden muss.

Für Neueinsteiger, Schüler oder Leute ohne Auto werden oft Mitfahrgelegenheiten und Zeltschlafplätze organisiert – die LARP Community gilt als äußerst hilfsbereit, sodass du dich nicht zu scheuen brauchst, den Veranstalter oder andere Teilnehmer um Hilfe zu bitten.

Was brauche ich, um bei einem LARP mitmachen zu können?

Detailliertere Informationen über LARP findest du zum Beispiel im LARP-Wiki oder im deutschsprachigen Szenemagazin LARPzeit. Was genau du für eine bestimmte Con benötigst, das hängt von der Art der Veranstaltung ab. Die Website oder Social-Media Fanpage des Veranstalters vermittelt meist schnell einen ersten Eindruck. Darüber hinaus helfen viele Veranstalter und erfahrenen LARPer gern bei der Zusammenstellung der ersten Ausstattung.

 

Sobald du erste Kontakte geknüpft, dich auf einer Con angemeldet und deine Grundausstattung gepackt hast, kann dein phantastisches Abenteuer beginnen!

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Die Veranstaltungsfotos entstanden im Rahmen der Burgschneider Photography Initiative, einem Sponsoring-Programm des Kostümherstellers Burgschneider (http://www.burgschneider.de/), durch den Fotografen Karsten Flögel (The Kelric View).

Über die Autorin

Autorin Lena Krause

Sinthora Fotografie

Lena Krause (Jahrgang 1989) ist seit über zehn Jahren aktives Mitglied des LARP-Szene. Durch ihre Arbeit als Designerin für Fantasykleidung hilft sie fantastische Welten lebendig werden zu lassen. Nebenbei schreibt sie Bastelanleitungen und unterstützt Interessierte beim Einstieg in das vielseitige Hobby LARP. 

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