Alles über Feen: Fantasywesen und Fantasyvölker

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Alles, was du über Feen wissen musst


Fee oder Elfe? In der modernen Fantasy ist das kaum mehr zu trennen. Doch während die Elfen vorwiegend der germanischen Mythologie entstammen, fußt das Feenbild vor allem auf keltischen Vorstellungen. Ein Überblick zur (Literatur-)Geschichte von Sídhe, Vily und anderen Fairies.

Feen sind etwa handtellergroß, haben insektenartige Flügel und lieben Blumen. So zumindest das Bild, das Illustrationen von Warwick Goble bis Stephanie Pui-Mun Law, berühmte Popkultur-Feen wie Tinkerbell oder Romane wie die „Elfen“-Reihe von Bernhard Hennen vermitteln. Andererseits tauchen auch in Amelia Hutchins „Fae Chronicles“ Feen auf – und die ähneln deutlich mehr Tolkien-Elben denn menschenähnlichen Libellen.

In der Fantasy existieren diese Vorstellungen derzeit parallel, hinzu kommen zahlreiche Mischformen. Eine Fee, das kann also irgendein Anderweltbewohner sein, aber auch ein Blumenwesen oder eine klassische High-Fantasy-Elfe.

Von Fomoriern, Sídhe und gefallenen Engeln

Die Verwirrung basiert auf einer Vermischung keltisch-slawischer und germanischer Vorstellungen. Während die Elfen hauptsächlich von den alfar / Elfen abstammen, wie sie bei Snorri Sturluson beschrieben werden, lassen sich als klassischstes Vorbild der Feen die keltischen fairies nennen. Der Begriff leitet sich dabei von fays ab, was so viel wie „Schicksalskräfte“ bedeutet und als Verweis auf die prophetischen Fähigkeiten und die Rollen verstanden werden kann, die Feen im Leben menschlicher Sagengestalten einnehmen.

Aber auch diese fairies sind alles andere als eine heterogene Gruppe: In ihrem „Lexikon der keltischen Mythologie“ verstehen John und Caitlín Matthews Feen als französische oder britische Version der irischen Sídhe (ausgesprochen „Schie“), musisch begabten, glückseligen Hügelbewohnern.

Eine Sichtweise, die von anderen Expert*innen rund um die keltische Mythologie jedoch als verkürzt betrachtet wird: Sylvia und Paul F. Botheroyd etwa sehen „Fee“ als Sammelbegriff für das Hügelvolk aes síde, das dienende Feenwesen, Tuatha Dé Dannan, aber auch Untote, missgestaltete Fomorier, keltische Gottheiten und, nach christianisierter Auffassung, gefallene Engel umfasst. Die Tuatha Dé Dannan, das Volk der Göttin Dana, ähnelt dabei heutigen Elfen- bzw. Elbenvorstellungen und ist wiederum in zahlreiche Untergruppen unterteilt. Eine Variante von ihnen sind etwa die Banshee, wehklagende Todesfeen, die bis heute ihren festen Platz in der Popkultur haben (z. B. in Janika Nowaks „Das Lied der Banshee“ oder Nina MacKays „Plötzlich Banshee“). Als Selkies oder Merrows bewohnen sie auch Seen, Flüsse und Meere.

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Die Feen des Festlands

Zumindest in Irland wurde den Feenwesen bis ins 17. Jahrhundert hinein eine Verehrung zuteil, die vor allem darauf fußte, dass den aes síde Macht über die Elemente zugeschrieben wurde.

Darin zeigt sich wiederum die Verwandtschaft zu zahlreichen Geisterwesen Festland-Europas (und weit darüber hinaus), die ebenfalls als Feen betrachtet werden. Dazu zählen die slawischen Rusalky und Vily, aber auch die Moorjungfrauen der Rhön, die Rheintöchter oder die Bernsteinfee der Ostsee. Typische „Wohnorte“ der Feen sind Anderwelt-Orte wie Avalon, der Wald Brocéliande oder Tir na nÓg, aber auch diesseitige Burgen, Quellen oder Höhlen.

Elisabethanische und viktorianische Feen

Insbesondere die inselkeltischen Exemplare waren Helfer wie Unglücksbringer gleichermaßen. Das führte zu zwei verschiedenen Auffassungen von ihnen: In der einen sind sie wilde, unberechenbare Geschöpfe, die sich ihre zuweilen böswilligen Späße mit den Menschen erlauben, jedoch unfähig zu Lügen sind und sich überraschend bürokratisch zeigen, wenn es um das Einhalten von Verträgen geht. Diese elisabethanische Sichtweise findet sich in Shakespeares „Sommernachtstraum“, und in der modernen Fantasy beispielweise bei den Elfen der Scheibenwelt (siehe z. B. „Lords und Ladies“, „Kleine freie Männer“), in Maggie Stiefvaters „Lamento“, Broms „Der Kinderdieb“ oder Neil Gaimans „Der Ozean am Ende der Straße“. Einen direkten inhaltlichen Bezug zum „Sommernachtstraum“ hat die populäre „Plötzlich Fee“-Reihe von Julie Kagawa.

In der zweiten, viktorianischen Auffassung sind die Feen deutlich gesitteter, in den ästhetischen Künsten bewandert und meiden die Menschenwelt, soweit es ihnen möglich ist. Dem entsprechen u. a. die „Faeriewalker“-Feen von Jenna Black oder jene in Marie Brennans „Der Onyxpalast“ und Sarah J. Maas‘ „Das Reich der sieben Höfe“. Oft wird darüber hinaus unterschieden in die den Menschen wohlgesonnenen Seelie, und die entsprechend feindlicheren Unseelie. Diese Unterteilung taucht auch in Märchen wie „Dornröschen“ und dessen Adaptionen auf.

In beiden Fällen sind die inselkeltischen Feen oft höfisch organisiert, während sie auf dem Festland eher in kleinen Gruppen von drei bis zwölf Mitgliedern umherziehen.

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Feenmärchen und -illustrationen als Wegbereiter der modernen Fantasy

Entscheidend für den Siegeszug der Feen hinein in die moderne Fantasy waren zahlreiche Sammlungen von Feensagen und -märchen. Zu den populärsten gehörten Andrew Langs von 1989 bis 1910 herausgebrachte Sammlungen, die den Blick auch über Europa hinaus wagten.

Nicht weniger entscheidend waren die Darstellungen von Feen in der Malerei. Im viktorianischen Zeitalter feierte beispielsweise Richard Dadd große Erfolge mit seinen Feen-Bildern, die fortan maßgeblich wurden für die Vorstellung der kleinen, geflügelten Kreaturen.

1917 wiederum stellten sich die beiden Cousinen Frances Griffiths und Elsie Wright – damals 9 bzw. 16 Jahre alt – als äußerst erfolgreiche Foto-Fälscherinnen heraus: Die beiden Cousinen hatten sich mit auf Karton aufgezeichneten und ausgeschnittenen Feenbildern abfotografiert und damit eine Jahrzehnte andauernde Diskussion um realer Existenz von Feen ausgelöst. U. a. überzeugten die „Cottingley Fairies“ – benannt nach dem Ort, an dem die Fotos gemacht wurden – Sir Arthur Conan Doyle von der Existenz der Anderweltler. Erst 1983 gestand Elsie die Fälschungen, wenngleich Frances weiter daran festhielt, die beiden hätten tatsächlich Feen gesehen.

Elben, Vampire, Blütenfeen: Feen des 21. Jahrhunderts

Viele frühe Beispiele der Fantasy-Literatur sind Feengeschichten, beispielsweise Charles Kingsleys „Die Wasserkinder“ (1863), George MacDonalds „Phantastus. Ein Feenmärchen“ (1865), Lord Dunsanys „Die Königstochter aus Elfenland“ (1924) oder Hope Mirrless‘ „Flucht ins Feenland“ (1926). Spätestens mit Mirrless‘ Buch war eindeutig der Weg zur modernen Portal Fantasy geebnet, die – anders als die eher den Elfen zugetane High oder Low Fantasy – bis heute den Feen sehr zugetan ist.

Dennoch bleibt das Bild der Feen uneinheitlich, wie auch die bereits genannten Titel zeigen. Die Seelie aus „Midwinter“ würden kaum auffallen neben tolkienesken Elben, wohingegen die Feen aus „Die Herbstlande“ ebenso wie die „Bayala“-Exemplare eher als Verwandte der Cottingley-Anderweltler durchgehen würden. Klassische Sídhe oder Tuatha Dé Dannan wiederum finden sich vielfach in der Celtic Fantasy und damit u. a. bei Kenneth C. Flint (u. a. „Der Sohn der Sidhe“), Kevin Hearne („Die Chronik des Eisernen Druiden“) oder in Malinda Los „Ash“. In Markus Heitz‘ „Judastöchter“ dagegen stellen sie sich als besonders mächtige Vampire heraus.

Sind sie nicht alle ein bisschen Fee?

Andere Feenwesen wie Leprechauns, Trolle oder die ursprünglich aus dem arabischen Raum stammenden Dschinn haben sich weitgehend emanzipiert und zu eigenen Völkern entwickelt. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel: Im „Harry Potter“-Universum etwa ist von Veela (=Vily) über Hauselfen bis hin zu Banshees die ganze Bandbreite von Feenwesen anzutreffen, und auch in „Die Chroniken der Unterwelt“, „Faeriewalker“ oder „Artemis Fowl“ handelt es sich bei Feen eher um einen Sammelbegriff denn um ein eigenes Volk.

Ob wadenhoher Gnom oder traumhaft schöne Geisterfrau: Letztlich ist also nicht ganz klar, was man sich vorstellen soll, wenn jemand von einer Feensichtung spricht.

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