Die 100 besten Fantasy-Bücher aller Zeiten

© keller/pixabay

Die 100 besten Fantasy-Bücher aller Zeiten

Unter dem Hashtag #100fantasy riefen wir euch auf Tor Online dazu auf, uns eure liebsten Fantasy-Romane zu nennen. Gemeinsam mit euch und unserer Jury wollten wir eine Liste der 100 besten Fantasy-Bücher aller Zeiten küren. Und hier ist sie nun endlich, unsere Top 100 der besten Fantasy-Romane. Viel Spaß beim Stöbern, Wiederfinden, Neuentdecken!

Was für ein Unterfangen! Zwar kann unsere Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Und auch ein Ranking haben wir nicht vorgenommen; die Titel sind in alphabetischer Reihenfolge geordnet. Aber gemeinsam mit euch hat unsere großartige Jury – an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Simone Heller, Jade S. Kye, Heike Lindhold, Bernd Perplies, Gerd Rottenecker, Klaudia Seibel, James Sullivan und Frank Weinreich! – eine tolle Mischung aus Klassikern und aktuellen Fantasy-Highlights zusammengestellt. Diese Top 100 macht euch hoffentlich genau so Lust wie uns, den ein oder anderen Fantasy-Roman (wieder) zur Hand zur nehmen.

Details zum Auswahlverfahren und statistische Einblicke findet ihr unterhalb der Liste. Zum besseren Verständnis hat Redakteur Markus Mäurer euch in 4 separaten Artikeln alle 100 Titel noch einmal inhaltlich umrissen. Die Artikel findet ihr hier: 

Linkliste

Die 100 besten Fantasy-Bücher

(in alphabetischer Reihenfolge)

Ein paar abschließende Gedanken zur Bestenliste und ihrem Sinn

Ist es überhaupt möglich, eine Liste mit den ultimativ besten Fantasy-Büchern aller Zeiten zu erstellen?

Nein! Natürlich nicht. Fragt man allein das Publikum, kommt eine Liste mit den zurzeit beliebtesten Büchern heraus, weil viele einfach ihre Lieblingsbücher nennen. Was bekannt ist, wird entsprechend häufig genannt. Nimmt man nur eine Jury, wird die Sache deutlich akademischer angegangen, konzentriert sich aber vielleicht zu sehr auf den bekannten Kanon und Klassiker, während aktuelle Titel und Strömungen, so wie die Vorlieben der Leserschaft außen vor bleiben könnten.

Deshalb haben wir uns für eine Mischung aus beidem entschlossen, eine Vorauswahl wurde durch alle, die teilnehmen wollten getroffen, indem jede*r fünf Nominierungen abgeben konnte. Aus der Gesamtliste dieser Nominierungen hat unsere achtköpfige Jury (mit 16 Händen) - bestehend aus Simone Heller, Jade S. Kye, Heike Lindhold, Bernd Perplies, Gerd Rottenecker, Klaudia Seibel, James Sullivan und Frank Weinreich - 100 Titel für die finale Liste ausgewählt. So hoffen wir, mit der Liste der Tradition des Fantasygenres gerecht zu werden, ohne dabei aktuelle Bücher und Entwicklungen zu vernachlässigen. Ob dies gelungen ist, könnt ihr nur mit einem Blick auf die Liste beantworten.

Es wird sich nicht um die ultimative Bestenliste handeln, es gibt sicher viel zu kritisieren, viele Titel hätten auch durch andere ersetzt werden können, und überhaupt sind nur 100 Plätze doch viel zu wenig. Trotzdem kann die Liste einen ganz guten Überblick über das Genre, seine Vielfalt und seine Entwicklung bieten. Und, was uns am wichtigsten ist, vor allem viele tolle Lesetipps bieten. Wir freuen uns aber auf eine lebhafte Diskussion über die Liste mit euch.

Fantasy ist mehr als Eskapismus


Der Fantasy wird oft vorgeworfen, mit ihren phantastischen Welten und Fabelwesen reiner Eskapismus zu sein. Doch wie sagte Tolkien einst sinngemäß, nur die Gefängniswärter hätten ein Interesse daran, Eskapismus zu verhindern. Mit dem Gefängnis ist unser Denken gemeint, mit dem Eskapismus, sich aus den üblichen Denkmustern zu lösen, sich auf neue Konzepte und Ideen einzulassen.

Die Fantasy bietet die Möglichkeit, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche usw. Entwicklungen aufzugreifen, sie in Extremformen durch phantastische Elemente oder einfach in anderen, neuen Varianten auszuformulieren; aufzuzeigen, wie es auch gehen könnte. Die Fantasy behandelt philosophische und ethische Fragen zum Menschsein, unserem Verhältnis zur Natur, Rassismus und Vorurteilen auf eine Weise, die sie viel bildhafter und allegorischer darstellt, losgekoppelt von unserem Alltag und unseren eingefahrenen Denkmustern. Aber manchmal geht es auch einfach darum, ein tolles Abenteuer zu erleben und eine schöne Zeit zu haben.

Was auf der Liste fehlt

Ja, auf der Liste stehen vor allem Bücher, die auf Deutsch oder Englisch geschrieben wurden und vor allem aus Deutschland, England oder den USA stammen. Das dürfte vor allem dem Umstand geschuldet sein, dass in den letzten Jahrzehnten nur sehr wenig aus anderen Sprachen ins Deutsche übersetzt wurde. Es gibt sie natürlich, die Fantasy aus Japan (Kaoru Kurimoto, Nahoko Uehashi), Russland (Sergej Lukianenko, Alexey Pehov, Michail Bulgakow), Frankreich (Pierre Grimbert, Henri Loevenbruck, Italien (Licia Troisi, Valerio Evangelisti), Spanien (Ana María Matte), Portugal (Ricardo Pinto) den Niederlanden (Tonke Dragt, W.J. Maryson, Wim Gijsen), oder auch aus Neuseeland (David Hair) oder Australien (Ian Irvine). Aber selbst wenn sie auf Deutsch erschienen ist, sind nur sehr wenige dieser Titel so erfolgreich und bekannt, dass sie für eine solche Abstimmung in Erinnerung bleiben.

Und warum erscheint so wenig aus diesen Sprachen? Da dürfte auch die Sprachbarriere in den Verlagsredaktionen eine Rolle spielen. Englisch dürften die meisten Lektor*innen beherrschen, eventuell noch Französisch, in manchen Fällen kommen noch ein, zwei Sprachen dazu. Aber bei Büchern aus Sprachen, die man nicht kennt, muss man sich auf Gutachten von Übersetzer*innen verlassen, oder einfach darauf, dass der Titel im Ursprungsland ein Riesenerfolg war. Da wird dann das Risiko gescheut, die Katze im Sack zu kaufen.

Zum Zweiten haben es Titel, die nicht in den klassischen Fantasysettings spielen, selbst wenn sie auf Englisch oder Deutsch verfasst wurden, leider immer noch schwer, von einer größeren Leserschaft angenommen zu werden (siehe z. B. Ken Liu, Saladin Ahmed oder G. Willow Wilson). Auf dem englischsprachigen Markt und vor allem in den USA hat sich in Bezug darauf viel getan, inzwischen erscheinen unzählige Titel von Autor*innen mit einem anderen familiären und kulturellen Hintergrund als einem anglo-amerikanischen, und es setzen sich immer mehr Szenarien durch, die nicht durch eurozentrische Einflüsse geprägt sind. Bisher erscheint davon aber nur ein Bruchteil auf Deutsch, und gerade diese Titel haben es oft noch schwer. Doch so langsam tut sich was. Sollten wir in zehn Jahren noch einmal diese Umfrage durchführen, dürfte die Liste deutlich vielfältiger und diverser ausfallen.

Und nun zu etwas Statistik

An dieser Stelle möchten wir uns noch mal ganz herzlich bei euch für die zahlreiche Teilnahme an der Suche nach den 100 besten Fantasy-Büchern bedanken, und natürlich auch bei der Jury, die aus 460 Titeln 100 ausgewählt hat. Wobei es unter diesen 460 Titel natürlich viele Mehrfachnennungen gab.

Von diesen 460 Titeln stammen 150 von Frauen (also 32%), was sich im Verhältnis auch auf der finalen Liste widerspiegelt. Dort sind es 32 von 100 also genau 32%. Ein wenig dürfte es aber auch den Anteil an veröffentlichten Büchern von Frauen an den Gesamtveröffentlichungen widerspiegeln. Auf der Science-Fiction-Bestenliste lag der Anteil bei 20%. Auch wenn es in der Fantasy etwas besser ist, besteht noch deutlich Luft nach oben.

Nur 13 Werke stammen aus deutschsprachiger Feder. Als nicht englisch- und deutschsprachige Werke kommen hinzu: China 1, Schweden 2, das war in der SF-Liste deutlich besser. Nur 3 nicht-englischsprachige Titel (16 mit den deutschen) von 100, was zeigt, wie dominant die angloamerikanische Literatur (auch in der Fantasy) auf dem deutschsprachigen Buchmarkt ist und wie stark sie die Szene geprägt hat.

35 der Titel sind im aktuellen Jahrtausend erschienen. Die Klassiker genießen immer noch ein hohes Ansehen. Was sicher auch mit der demografischen Struktur der Teilnehmer*innen zusammenhängt, und den Büchern, mit denen sie aufgewachsen sind, die einem meist mehr am Herzen liegen, als noch relativ junge Titel.

Von allen TeilnehmerInnen an der Umfrage wurde (natürlich) Der Herr der Ringe am häufigsten nominiert (45 Mal), weit dahinter Der Name des Windes (22) und Die Gabe der Könige (17). Mit 13 Nominierungen ist Das Lied der Krähen vertreten, Momo mit 12, Zerrissene Erde mit 11, ebenso wie Die Stadt der träumenden Bücher. Es gibt also auch neuere Titel unter den meisten Nominierungen.

Wobei diese Zahlen nicht wirklich repräsentativ sind, ging es doch bei der Umfrage von Anfang an nicht darum, wer die meisten Stimmen erhält, weshalb viele TeilnehmerInnen darauf verzichtet haben, Titel zu nominieren, die schon von anderen nominiert wurden.

Fantasy und das Phänomen der Serie

Es gibt wohl kein anderes literarisches Genre, in dem das Format der Serie eine so bedeutende Rolle spielt. Sicher, auch im Krimi gibt es langlebige Reihen, in denen wir den Ermittler*innen über viele Bände und Jahre folgen, in der Regel aber mit abgeschlossenen Fällen. Das eine Handlung von Anfang an über viele Bände geplant wird, gibt es gelegentlich auch in der Science Fiction, doch so prominent wie der Fantasy findet es sich sonst nirgendwo.

Das hat uns als Organisatoren und Jury durchaus vor einige Probleme gestellt. Wie kann man einen Einzelroman wie Momo mit einer Serie wie Das Rad der Zeit vergleichen? Oder kann man einen einzelnen Roman aus einer Serie wie Das Rad der Zeit herausnehmen und mit einem abgeschlossenen Band wie Jonathan Strange & Mr Norrell vergleichen? Nicht wirklich.

Wir haben versucht, einen Mittelweg zu finden, indem wir uns zwar auf einzelne Bände konzentrieren, ihre Bedeutung im Kontext der eventuellen Serie aber hervorheben. Die Umfrage richtete sich maximal nach Trilogien und Einzelbänden, die repräsentativ für die Serie stehen können. Es wurden trotzdem viele Serien und Reihen genannt, eine eigene Liste konnten wir daraus aber nicht machen, da die Umfrageeinschränkungen insgesamt nur zu einem verzerrten Ergebnis geführt hätten, da sich die meiste ja doch an die Vorgaben gehalten haben.

So hoffen wir, dass diese Liste dem Genre der Fantasy mit all seinen Facetten und Formen gerecht wird, es finden sich hier Einzelromane, abgeschlossene Bände aus Reihen, Titel aus Serien und Serien selbst aber auch Kurzgeschichtensammlungen. Eine ideale Lösung gibt es nicht, wir hoffen, eine annehmbare Annäherung gefunden zu haben.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Entdecken, Schmökern, Wiederentdecken und natürlich auch Diskutieren dieser Topliste!

 

Share:   Facebook