Cornelius Zimmermann: Rocking the Forest

ESSAY

Tierfantasy-Romane: Alles, was du über das Genre wissen musst


Joachim Sohn schreibt Fantasyromane, in denen Tiere die Hauptrolle spielen. Und fragt sich: Ist die Tierfantasy hierzulande schon ein anerkanntes Subgenre in der Fantasyliteratur? Oder geht da noch was?

Ich gebe es zu. Ich schreibe diesen Artikel auch, weil ich selbst Tierfantasy-Autor bin. Aber vor allem, weil ich wissen wollte, wie dieses Genre hier in Deutschland rezipiert wird und ob es sich demnach lohnt, überhaupt weiter Tierfantasy zu schreiben.

Vor kurzem gab es eine virale Aktion unter Autoren und Lesern, bei dem zu einem bestimmten Thema innerhalb der Literatur ein Tweet oder Facebookeintrag abgesetzt werden sollte. Wahrscheinlich auch ein Instagram-Post, aber soweit habe ich es nicht verfolgt Das Ganze lief unter dem Hashtag #phantbest - die Phantastik-Lese-Challenge. Am Tag 29, am 29. Dezember letzten Jahres, war dann das Thema: Bücher mit sprechenden Tieren an der Reihe. Weitere Themen waren unter anderem Schlachtszenen, Lieblingscover oder der Flop des Jahres. Ich wurde nur darauf aufmerksam, weil ich von einem Bloggerfreund mit einem Buch von mir getaggt wurde. Ich folgte dem Hashtag und war gespannt, was die Phantastik-Community noch zu den sprechenden Tieren zu sagen hatte. Das Ergebnis war ernüchternd. Während bei anderen Themen und Genre eifrig Einfälle und Informationen ausgetauscht wurden, war die Beteiligung und das Mitteilungsbedürfnis bei der Tierfantasy äußerst mager, mitunter sogar unangenehm abwertend oder einfach nur hilfesuchend um Ideen ringend. Da wurden dann SF-Titel genannt, in denen Affen oder Delphinen das Sprechen beigebracht wurde. Dabei, so dachte ich, wimmelt es doch von guten Fantasybüchern mit sprechenden Tieren.

Mich begleitet Tierfantasy jedenfalls schon mein ganzes Leben und ich weiß doch, dass ich nicht der Einzige bin. Wir alle lieben Winnie the Puuh, Balu der Bär, sind groß geworden mit Janoschs Tigerente oder dem Hausschwein Wutz aus Urmel aus dem Eis. Okay, Kinderkram. Aber wir haben uns doch mit Rotkäppchen und den sieben Geißlein vor dem bösen Wolf gefürchtet. Ach so, das sind ja bloß Märchen. Aber wir waren in der 9. Klasse betroffen von Animal Farm, Watership Down oder Kästners Konferenz der Tiere. Na und? Wurst schmeckt trotzdem. Und was ist mit Donald Duck und Mickey Maus? Mit Fix und Foxi? Comiiix!

Und heute? Da posten wir das Faultier aus Zootopia und lieben den Waschbären Rocket von den Galaxyguardians. Na ja, das kommt ja auch aus Amerika.

Wenn es also darum geht, aktuelle Bücher zu benennen, die sich mit sprechenden Tieren beschäftigen oder zum Inhalt haben, fällt den meisten außer Narnia oder den Dæmonen aus Pullmans Dark Materials nicht viel ein.

Warum schneidet Tierfantasy hier so schlecht ab?

Selbst bei dem Versuch zu definieren, was Tierfantasy ist, wird es schon schwierig, denn bislang gibt es weder in der deutschsprachigen, noch in der englischsprachigen Wikipedia – und das hat mich dann doch sehr erstaunt – einen Eintrag zu Tierfantasy oder Animal Fantasy. Ich scheine da tatsächlich auf eine große Lücke im kollektiven Wissen gestoßen zu sein. Und dabei, ich wiederhole es noch mal, begleiten uns Tierfiguren mit mehr oder weniger anthropomorphen Zügen von unserer Kindheit an bis ins hohe Alter. Die Bandbreite der Tierfantasyliteratur ist groß.

 

Was haben wir denn da alles?

In meiner Kindheit gab es zum Beispiel Kinderbücher und Tierfiguren wie Petzi der Bär, Mecki der Igel und Lurchi der Salamander. Vollkommen normal war es, dass in den Disney-Comics fast ausschließlich Tierfiguren ihr Unwesen trieben. Bei Rolf Kauka’s Äquivalent für den deutschen Markt war es nicht anders. Ich mische schon hier bewusst die Medien Text und Bild und werde an späterer Stelle noch mal detaillierter darauf eingehen. Denn vor allem in den Trickfilmen, sei es aus Japan mit Kimba der weiße Löwe, den USA mit seinen Disney-Klassikern, allen voran Robin Hood, Bernhard und Bianca, Cap und Capper, König der Löwen und Bärenbrüder oder Großbritannien mit den Kurzfilmen um Fred Basset oder Nick Parks legendäre Zootiere-Interviews Creature Comforts, Chicken-Run oder Shaun das Schaf sind uns immer und zu jeder Zeit sprechende Tierfiguren begegnet.

Und die Tradition geht, wie jeder weiß, noch viel weiter zurück. Deswegen dürfen die Fabeltiere nicht unerwähnt bleiben. Die gibt es nicht nur in den diversen Mythologien, sei es die sprechende Schlange aus der Bibel, an die selbst heute noch stramme konservative republikanische Gouverneure glauben, wie Bill Maher in der Dokumentation „Religulous“ beweisen konnte, oder die griechischen Mischwesen wie Harpyien und Zentauren. Sie begegnen uns im deutschsprachigen Raum vor allem durch die diversen Tierfiguren wie Adebar, Adelheid, Meister Petz, Grimbart, Henning und Hinze, Isegrim, Meister Lampe und nicht zu vergessen Reineke Fuchs, von dem selbst Goethe ein Tierepos in 12 Gesängen verfasst hat. Hochliteratur also, die heute wahrscheinlich ein jämmerliches Nischendasein führen würde.

Und dann haben wir natürlich noch unsere Einhörner, Werwölfe, Meerjungfrauen, Phönixe und Drachen. Ich meine, was wäre der Hobbit ohne Smaug?

Smaug und Bilbo

© Even Mehl Amundsen

Und dabei hat das Genre doch durchaus seine Berechtigung.

Die Fabelwesen haben die Funktion, uns unser Menschsein in Stereotypen vorzuführen, wobei jedes Fabeltier eine bestimmte menschliche Eigenschaft vertritt. Tiere in Märchen dienten noch dazu, die Kinder zum Aufpassen im Umgang mit wilden Tieren zu erziehen. Tiergeschichten wie „Der Wind in den Weiden“, „Watership Down“, „Animal Farm“ und die „Konferenz der Tiere“ machen uns heute wiederum darauf aufmerksam, dass Tiere mehr sind als ein Produkt, das man zur Profitsteigerung ausbeuten kann.

Also ist Tierfantasy darauf beschränkt, uns menschlich und moralisch zu erziehen? Kann sie nicht nur um des Erzählens Willen existieren, jenseits von Erziehung und Moral?

Gibt es in Deutschland gute Stories, die einfach nur eine spannende Geschichte erzählen wollen, nur eben mit Tieren als Hauptcharaktere?

Werfen wir zunächst einen Blick über den Teich, denn es ist deutlich, dass der überwiegende Teil aller Tierfantasybücher, die es auf dem deutschen Markt gibt, ihren Ursprung in den USA haben. Und natürlich gibt es in den USA noch wesentlich mehr Titel als die, die übersetzt wurden. Denn Bücher wie zum Beispiel „Kenny & The Dragon“ des New-York-Times-Bestsellerautors und Illustrators Tony DiTerlizzi reihen sich dort gleichberechtigt in andere Fantasygenres ein und haben eine riesen Fanbase. DiTerlizzi illustrierte unter anderem auch die Spiderwick-Chronicle-Bücher von Holly Black und lieferte damit die Designvorlage für die gleichnamige Verfilmung. Die Macher solcher fantastisch illustrierten Tierfantasybücher, auch Chapter Books genannt, sind Stars in den USA und innerhalb der Szene.

Hier mal eine kleine Liste der bekannteren Titel. Soweit sie es nach Deutschland geschafft haben, habe ich das in Klammern dazu geschrieben.

Kenneth Graham: Der Wind in den Weiden (Erstveröffentlichung 1908)

Dr. Seuss: Der Kater mit Hut (Piper) 

Garry Kilworth: Gewiefte Wiesel (Piper)

Erin Hunter: Warrior Cats (Beltz & Goldberg)

Jaques Brian: Redwall (Bände 1-9 in Deutschland erschienen. Omnibus / Thienemann)

Lisa Fiedler: Mouseheart (Egmont Schneider)

Lilli Thal: Joran Nordwind (Fischer KJB)

Sara Pennypacker: Mein Freund Pax (Fischer Sauerländer)

Cathryn Lasky: Legenden der Wächter (Ravensburger)

Terry Pratchett: Maurice der Kater – Ein Märchen von der Scheibenwelt (Goldmann)

Kenneth Oppel: Silberflügel (Gulliver)

Suzanne Collins: Gregor und die graue Prophezeiung (Oetinger)

Inbali Iserles: Fox Craft (Fischer KJB), The Tygerine Cat

Robin Jarvis: Deptford Mice

Hilary Wagner: Nightshade Chronicles

Robert C. O’Brian: Mrs. Frisby and the Rats of NIMH

 

Man muss nicht erwähnen, dass die genannten Titel nicht nur von Erwachsenen, sondern AUCH für Erwachsene geschrieben wurden. Damit unterscheiden sie sich nicht von anderen Subgenres der Phantastik.

Mrs. Frisby und das Geheimnis von NIMH und vor allem dessen Verfilmung durch die Don Bluth Studios in Dublin, scheint einen besonders großen Einfluss auf einige Autoren gehabt zu haben (unter anderem auf mich). Sowohl in den Deptford Mice als auch bei den Nightshade Chronicles geht es um eine Auseinandersetzung zwischen Mäusen und Ratten. Und damit komme ich wie bereits angekündigt, auf die Vermischung der Medien, die insbesondere bei Tierfantasy häufig vorkommt. Offenbar hat die Bebilderung bei diesem Genre eine besondere Bedeutung.

Die meisten der genannten Bücher kommen auch ohne Bilder aus, weil sie durch die Geschichte selbst getragen werden. Aber wie sieht es nun mit Comics aus, die Tierfiguren als Charaktere haben, wie eben die Mickey- und Donald-Geschichten? Würden sie ohne Bilder funktionieren? Oder leben sie eigentlich nur von und durch Bilder? Ein gutes Beispiel dafür ist das sich derzeit entwickelnde Web-Comic Scurry von Mac Smith. Jedes einzelne Panel ist ein kleines Meisterwerk. In einem hat Mac Smith eine Anspielung auf Robert C. O’Brians Mrs. Brisby gemacht. Darin halten die Mäuse Rat und als Podium dient ein Buch, auf dessen Buchrücken der Titel von Mrs. Frisby steht. Ich vermute, dass auch David Petersen sich für seine Mousegard Graphic Novel von der starken Bilderwelt des Films hat inspirieren lassen.

„Kenny & The Dragon“ des New York Times Bestsellerautors und Illustrators Tony DiTerlizzi

© Toni DiTerlizzi

Bild und Wort

Ein weiteres großartig illustriertes Tierfantasy-Webcomic kommt von der talentierten Tracy J. Butler aus Springfield, Massachusetts. Es heißt Lackadaisy, spielt zur Zeit der Prohibition in St. Louis und wird von anthropomorphen Katzen bevölkert. Der Web-Comic hat bereits mehrere Preise und eine Eisner-Nominierung erhalten.

Die Frage ist also, ob man die Bebilderung von der Geschichte überhaupt trennen kann bzw. ob das eine ohne das andere noch funktioniert? Das scheint mir wiederum mit der Frage zusammenzuhängen, ob es überhaupt Tiere sein müssen, mit denen eine Geschichte erzählt wird. Würde die Geschichte vielleicht auch ohne Tierfiguren funktionieren?

Meine Antwort ist, wenn die Tiere in der Geschichte Tiere bleiben und nur gerade so anthropomorph sind, dass sie ihre Geschichte erzählen können, wie zum Beispiel in Watership Down, dann ist es sinnvoll und spannend, die Perspektive der betroffenen Tiere zu wählen. Auch bei Titeln wie den Warrior Cats bleiben die Katzen letztendlich Katzen und erzählen ihre Geschichte als Freigänger, die sich in Clans zusammengeschlossen haben. Wobei hier schon eine Reihe phantastischer Elemente und Weltenbauten hinzukommen, die mit einem ‚normalen‘ Katzenleben nicht mehr viel zu tun haben.

Je anthropomorpher es jedoch wird, umso hilfreicher scheinen mir auch die Illustrationen dazu zu sein. Die Notwendigkeit, dass es dann noch Tiere sein müssen, um die Geschichte zu erzählen, nimmt hingegen ab.

Mit diesem Problem ist die Tierfantasy bekanntermaßen nicht allein. Denn auch alle anderen Genres müssen sich die Kritik der Realitätsflucht gefallen lassen.

Der fremde Blick auf den Menschen

Warum schreibe ich eigentlich Animal-Fantasy-Geschichten, die auch mit Menschen spielen könnten? Im Fall von meinem Katzenabenteuer mit Sunnie & Polli, ihres Zeichens aufmüpfige Kater und selbsternannte Meisterdetektive - sie sind so anthropomorph, dass sie wie Menschen handeln können, aber ihre Bedürfnisse richten sich eindeutig nach ihrer Katzennatur – ist es so, dass sie nicht durch Menschen ersetzt werden könnten, denn dann würde eine wichtige Sache fehlen, die viele Phantastikgenres miteinander verbindet. Der Blick auf die Welt aus der Perspektive eines Nichtmenschen.

Seit ich mir Geschichten ausdenke, spielen Tiere darin eine wichtige Rolle. Mit zehn zeichnete und schrieb ich meine erste. Hauptakteure waren zwei Hunde, die von zu Hause abgehauen sind, ihre Freiheit genossen und auf Verbrecherjagd gingen. Meine erste Kurzgeschichte, die ich in der 3. Klasse vorgelesen habe, hieß „Die Insekteninsel“.

Für mich hat Tierfantasy die Funktion, einen Blick auf die Welt aus nichtmenschlichen Augen zu werfen. Man könnte dafür auch Aliens nehmen, aber wie nah sind die an dem dran, was im Alltag passiert? Nein, es ist die Möglichkeit, am menschlichen Leben teilzuhaben und dennoch eine eigene kritische Perspektive darauf nehmen zu dürfen, so frei wie Pippi Langstrumpf, so klug wie Till Eulenspiegel und so frech wie Garfield. Sie übernehmen die Aufgabe, den Menschen auf die Finger und hinter die Kulissen zu schauen und ihnen einen Spiegel vorzuhalten, ohne dabei selbst Abstriche machen zu müssen. 

Tierfantasy-Webcomic von Tracy J. Butler

© Tracey J. Butler

Ein Blick auf den deutschen Markt

Bei meinen Recherchen, die ich schon mal vor einiger Zeit aus eigenem Interesse zu diesem Thema unternommen habe, habe ich festgestellt, dass bei den meisten großen Verlagen, wenn überhaupt, höchstens ein bis zwei Tierfantasy-Titel im Programm vertreten sind, die dann in der Regel unter Fantasy allgemein abgeheftet werden, während sich andere Subgenres der Phantastik allmählich emanzipieren, in jüngster Zeit vor allem Urban-Fantasy, Paranormal Romance und Mystery.

Steampunk wird längst sehr erfolgreich und besser durch eigene Verlage vertreten, denn die Szene wächst zunehmend und lässt immer weitere Spielarten wie TeslaPunk, Dieselpunk, Brasspunk oder Spacepunk zu. Ich habe aber bislang keinen einzigen Verlag entdecken können, der sich ausschließlich auf Tierfantasy spezialisiert hat. Ich lasse mich da gern korrigieren.

Wenn es um ein Subgenre innerhalb der Phantastik geht, geht es auch ein Stück weit um das Genre der Phantastik insgesamt und seinen Stand innerhalb der deutschen Literaturlandschaft. Ich erinnere an die Aussage des literarisches Quartett-Kritikers Volker Weidemann, der fragte, ob es sich bei phantastischer Literatur überhaupt um Literatur handle. Oder an die Schwierigkeiten, die der Genrefilm „Mara und der Feuerbringer“ von Tommy Krappweis hatte, von Teilen der Community genauso wertgeschätzt zu werden wie US-amerikanische Produktionen. Beides ein typisch deutsches Problem.

Ich will jetzt nicht wieder die Klassiker wie Poe, Verne, Dickens, Kafka, Wells, Huxley oder Orwell aufzählen (okay, zu spät), die sich phantastischer Elemente bedienen und deren literarische Qualität heute sicher nicht mehr in Zweifel gezogen wird.

Aber wenn wir beim Prinzip des Perspektivwechsels bleiben, um das Menschsein und die Welt zu beschreiben, bedient sich dann ein zurecht gelobter Daniel Kehlmann mit seinem Tyll nicht der gleichen Mittel? Nur benutzt er statt einem Alien, Hobbit oder Vampir einen Narren. Eine Figur, die bewusst außerhalb steht und dazu da ist, dass wir unsere Komödien und Tragödien besser verstehen. Nichts anderes machen auch die gewieften Wiesel, die Silberflügel oder die Meisterdetektive.

Warum also Geschichten mit und durch Tiere erzählen? Vielleicht weil wir doch näher mit ihnen verwandt und verbunden sind, als wir uns heute noch zugestehen wollen. Die Forschung bestätigt das mittlerweile. Und wer die Evolution für die wahrscheinlichere Variante hält und mal ein Haustier gehabt hat, weiß es. Auch tierische Charaktere können komplex sein und eine Geschichte erzählen.  

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Bei TOR ist soeben der erste Tierfantasy-Titel erschienen. Er heißt „Rocking The Forest“ von Cornelius Zimmermann. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, ihm einige Fragen zu seinem Buch und zum Thema Tierfantasy zu stellen. Ich wollte von ihm erstens wissen, warum er Tierfiguren als Protagonisten für seine Geschichte gewählt hat und wie er auf die Idee dazu kam, zweitens, ob sie auch ohne Tierfiguren funktioniert hätte und drittens, was er von dem Genre in Deutschland erwartet und erhofft. Seine Antworten waren die Folgenden:

  1. Die Idee ist entstanden aus eigenen Wald-Geschichten, die mir irgendwann aber zu niedlich waren. Da musste dann Iggy der Wolfmorf her, um den Wald mit ordentlichem, krachendem Forest Doom ein wenig aufzumischen. Viele Jahre vorher hatte ich das großartige "Die Elfen von New York" von Martin Millar gelesen, in dem "klassische" Fantasy-Motive (Elfen) mit dem modernen New York, Sex und Drogen verquickt werden. Das hatte mich sehr beeindrucktt. Mit dem Label "Tierfantasy" ist es bei "Rocking the Forest" allerdings so eine Sache: Zwar ist es eine Geschichte ohne Menschen, deswegen sind die Protagonisten aber nicht ohne Weiteres Tiere. Eigentlich ist es Musikfantasy.

  2. Nein, auf gar keinen Fall. "Rocking the Forest" lebt von den seltsamen Kreaturen, die den Müützelwald bevölkern, und die Kreaturen wiederum prägen die ganz eigene Musik, die dort gespielt wird. Mit menschlichen Protagonisten wäre "Rocking the Forest" nur ein Märchen mit Musikbezug, und im Übrigen keins, das ich selber gerne lesen würde. 

  3. Ach, ganz ehrlich, ich habe da keine wirklichen Erwartungen. Bei Fantasy geht es doch im Wesentlichen darum, in fremde Welten einzutauchen. Und da ist es jedem überlassen, welche Welt man erkunden, auf welche Reise man sich begeben will: die epische Queste mit den Elbenkönigen, die blutrünstigen Orks immer auf den Fersen; die Reise zu den absurden Bewohnern Zamoniens; die Suche nach Melitta, Königin der Kaffeepads, um den letzten Kaffeevollautomaten zu finden. Deswegen sind meine Erwartungen an Tierfantasy nicht anders als an jedes andere Fantasy-Subgenre: Ich möchte meine Augen schließen und in die Geschichte eintauchen können, als wäre ich tatsächlich ein Teil von ihr. Ob es sich dann um Sauron den Stinkstiefel oder Putzy das Einhorn mit dem langen Zauberstab handelt, ist dann vielleicht auch ein bisschen egal, Hauptsache, die Geschichte funktioniert. 

Danke für die ehrlichen Worte, Cornelius.

Ein weiterer Titel, der ebenfalls im März erscheint, und zwar bei emons, ist der Katzenkrimi Kamikaze von der in Münster lebenden Autorin Kerstin Fielstedde. Ich kann mir die Bemerkung an dieser Stelle nicht verkneifen, aber nachdem Akif Pirinçci vollkommen durchgedreht ist, brauchen wir im Bereich Katzenkrimi auch dringenden und intelligenten Ersatz! (sidenote: ich durfte den Buchtrailer zu Kamikaze produzieren).

Es wäre schön, bald weitere Titel zu diesem Subgenre aus deutscher Feder vorzufinden. Ich werde jedenfalls gern meinen Teil dazu beitragen.

P.S.:

Ich will jetzt kein neues Fass aufmachen, aber Tierfiguren könnten in allen möglichen Phantastikgenres auftauchen. Ob dann aber eine Science-Fiction-Story oder eine Zombiestory, die mit Tierfiguren erzählt wird, automatisch zu Tierfantasy würde, überlege ich mir für einen anderen Artikel. Auch der Bereich Tierfantasy in der Games-Industrie wäre einen eigenen Artikel wert. Hier möchte ich nur auf einen Titel hinweisen: Das Strategie- und Adventurespiel Armello mit seinen liebevoll und aufwändig gestalteten Tierfiguren von dem australischen Independent-Entwicklerstudio League of Geeks. Alleine die Trailer sind ein Hingucker. Das Studio pitchte das Spiel mit „Game of Thrones meets Kung Fu Panda“ und damit, dass die Welt inspiriert sei von Redwall, Dark Chrystal und Spirited Away vom Studio Ghibli. 

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