Die 90er, als Jaime Lannister noch Oberbekleidung gegen Flammenschwert eintauschte. Foto (c) privat

BUCH

Die besten Fantasybücher für Erwachsene


Seit Jahren erobert Fantasyliteratur auch die Wohnzimmer und Herzen von Nicht-Nerds. Doch welche Fantasyromane muss man unbedingt gelesen haben? Wir präsentieren: Die besten Fantasybücher für Erwachsene.

Früher war es uns unangenehm, mit dem nackten Barbaren zur Kasse zu gehen – heute strahlen uns Fantasy-Titel mit opulenten Covern aus den Regalen an. Die Sicht auf Fantasy hat sich gewandelt – und die Phantastik hat sich auch in den Wohnzimmern und Herzen von Nicht-Nerds ihren Platz erobert.

Dieser ganz subjektive Artikel rund um die besten Fantasy-Bücher für Erwachsene ist der zweite Teil einer dreiteiligen Reihe (Oh nein, ihr habt den mittleren Teil einer Trilogie erwischt!). In Teil 1 konntet ihr meine Hitliste der besten Fantasybücher für Kinder lesen und im nächsten Artikel widme ich mich den besten Fantasybücher aller Zeiten.

Wenn wir das nun geklärt haben, kann es ja losgehen! 

Die Midkemia-Saga 1: Der Lehrling des Magiers bei Amazon bestellen
Elric - Der Blutthron von Michael Moorcock bei Amazon bestellen
Der Drachenbeinthron: Das Geheimnis der Großen Schwerter von Tad Williams bei Amazon bestellen

Klassisch Phantastisches aus den 80ern und 90ern

Lasst mich mit den großen Reihen beginnen, die vor zwanzig, dreißig Jahren starteten und jahrzehntelang Leser erfreuten. Genau, das waren die, die früher lieblos Fantasybilder von nackten Barbaren mit großen Schwertern ohne inhaltlichen Bezug aufs Cover geworfen bekamen. Beim zweiten Teil des ersten Bands von George R.R. Martins Lied von Eis und Feuer trug der Coverboy von Das Erbe von Winterfell etwas, das bedenklich nach seinem Winterfell aussah – und sonst nichts. Dass die Bücher heute in edleren Ausgaben erscheinen, ist natürlich auch dem Beliebtheitsgrad der TV-Serie zu verdanken.

Große Namen dieser Zeit sind Raymond Feist, Michael Moorcock und Robert Jordan. Feist startete seine Midkemia-Saga recht klassisch und schloss sie 2013 als großen Kosmos, bestehend aus mehreren Welten und Zeitlinien, ab.

Moorcocks große Reihen sind der Elric von Melniboné-Zyklus, der Ewige Held und die Runenstab-Saga. Elric verkörpert einen klassischen Helden, wie er auch im Fantasy-Rollenspiel häufig als Spielercharakter auftaucht und verdiente sich sogar einen Crossover-Comic mit Conan.

Ebenfalls Überschneidungen mit dem Rollenspielsektor, beispielsweise mit dem seit 1974 existierenden Dungeons&Dragons, gibt es in der Saga vom Dunkelelf von R.A. Salvatore und den Drachenlanze-Romanreihen von Margaret Weis und Tracy Hickman. Obwohl Weis/Hickmans Reihe Die vergessenen Reiche vom deutschen Titel her Assoziationen an Forgotten Realms aufkommen lassen, haben die Bücher, die im Original Death Gate Cycle heißen, nichts mit dem Rollenspiel zu tun. Tatsächlich spielt Death Gate Cycle, ähnlich Terry Brooks‘ Shannara, in einer Zukunft, in der unsere Zivilisation ausgelöscht und Magie wiedererstarkt ist.

Auch Tad Williams‘ großes Epos, zu dem er zurzeit mit Das Herz der verlorenen Dinge zurückkehrt, begann bereits 1988: Das Geheimnis der Großen Schwerter auf der fiktiven Welt Osten Ard. (Mir tut es ein bisschen weh, die deutsche Übersetzung zu nennen, denn Memory, Sorrow and Thorn klingt so viel geheimnisvoller!) Durch das Aussterben der alten Rasse der Sithi und die Fehde eines menschlichen Bruderpaars beginnt ein Krieg, der einen ganzen Kontinent und seine Kulturen verändert.

Wenn ich mir diese Liste so ansehe, fällt mir eines auf: Ziemlich männerlastig, oder?

Zum Glück gibt es noch Ursula K. LeGuin, deren philosophische Erdsee-Bände bereits in den Sechzigern und Siebzigern entstanden und zu Recht aus den klassischen Fantasy-Reihen herausstechen.

Marion Zimmer Bradley schrieb 1982 Die Nebel von Avalon und führte ihr großes Lebenswerk zur Artus-Sage mit keltischen, feministischen und esoterischen Aspekten in weiteren vier Bänden fort, von denen zwei erst nach ihrem Tod erschienen.

Anne Rice hat sich mit Interview mit einem Vampir in die Chronik der Vampire eingeschrieben und war eine frühe Pionierin des Themas „Sexy Vampir“, ohne dabei das Unmenschliche, Grausame auszulassen.

Noch wen vergessen? Aber natürlich: Terry Pratchett! Seine Errungenschaft ist es, den Humor in eine ausgefeilte, durchdachte und kurzweilige Fantasywelt hineinzubringen. MacBest, Wachen, Wachen UND ALLE BÜCHER MIT DEM TOD ALS PROTAGONISTEN möchte ich dabei besonders hervorheben.

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Die neuen Jungen Wilden

Gut, das ist Lesestoff genug für ein ganzes Leben, wer braucht da noch neue Bücher? Nein, wartet! Wer George R. R. Martin sagt, muss auch Glen Cook sagen, dessen Black Company in den Achtzigern bereits eine Wegscheide der Fantasy darstellen – Der Herr der Ringe aus Sicht der Orks in den Gräben. Ohne ihn wäre auch Joe Abercrombie und das Subgenre des „Grim&Gritty“ nicht denkbar. Mein Lieblingsbuch von Abercrombie ist Best Served Cold (Racheklingen – sorry, Heyne, die Übersetzung der genialen englischen Zitate-Titel habt ihr verkackt).

Peter V. Brett schafft mit Das Lied der Dunkelheit eine dämonisch-finstere Welt, Brandon Sanderson schloss nicht nur Das Rad der Zeit des verstorbenen Robert Jordan ab, sondern schuf selbst diverse Reihen, zum Beispiel Nebelgeboren und Die Sturmlicht-Chroniken. Und von Patrick Rothfuss‘ Der Name des Windes muss ich wohl niemandem erzählen, oder?

R. Scott Bekker hat mit Der Krieg der Propheten anspruchsvolle Literatur als Fantasyroman geschrieben, als hätte ihm nie jemand gesagt, dass das Genre-Literatur ist.

Doch mein besonderer Tipp ist Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch und die beiden Folgeromane. In einem phantastischen Venedig-Setting bringt der notorische Berufsschwindler Locke Lamora mit seiner Verbrecherbande aus „Con-Artists“ nicht nur die reiche Oberschicht und verfeindete mafiaähnliche Clans gegen sich auf – sondern zieht die Aufmerksamkeit des Falkners auf sich, der wirklich ein Bösewicht allererster Güte ist. Dabei strotzen die Romane vor schwarzem Humor, Wortwitzen und packenden Wendungen. Meine Liebe ist groß.

Unter den deutschen Autoren hat es mir Oliver Plaschka angetan, besonders Das Licht hinter den Wolken, ein Fantasyroman, der auf die beste Art mit Zeit, Magie und Identität spielt.

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Abgefahrenes – neue Settings und Ideen

Einige Bücher sind zu verrückt, um sie in eine Kategorie zu packen. Hier sei Piratenmond erwähnt, ein Fantasy-Steampunk-Science-Fiction-Hybrid, der sehr Firefly-esk daherkommt und einen mit immer neuen Wendungen bis zur letzten Seite in Atem hält. Leider sind nur zwei Bände von Chris Woodings Reihe übersetzt, den Rest muss man auf Englisch lesen.

Auch die zu früh verstorbene Kage Baker hat eine Welt geschaffen, die erfrischenderweise keinerlei Respekt vor den Konventionen des Genres hat. Leider kann man im Deutschen auch hier nur in zwei Bänden dorthin abtauchen: Das Haus des Hirschs und Der Amboss der Welt. Ihre Geschichten handeln zum Beispiel von einem liebenden Familienvater, der zufällig eine Dämonenarmee anführt.

Das britische Allroundtalent China Miéville hat ebenfalls mit Perdido Street Station einen abgefahren philosophischen Genre-Mix mit Steampunk, Magie und noch nie gesehenen Kreaturen erschaffen.

Walter Moers‘ Zamonien-Romane gehören definitiv in diesen Abschnitt: Rumo oder die Wunder im Dunkeln, Die Stadt der träumenden Bücher und viele andere zitieren Weltliteratur und verdrehen die Gesetze der Logik und Physik auf erfrischende Weise.

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Urban Fantasy

Wie im ersten Artikel bereits erwähnt, hat es die Urban Fantasy in der Erwachsenenliteratur etwas schwer. Eher verkauft sich der vor allem von südamerikanischen Autoren wie Allende, García Márquez und Coelho erprobte Magische Realismus, der viel mit der Urban Fantasy gemein hat.

Warum genau Urban Fantasy nicht auf die gleiche Liebe stößt wie die High Fantasy, kann ich nicht sagen – sie war immer schon mein liebstes Sub-Genre der Phantastik.

Der bekannteste und beliebteste Vertreter der Urban Fantasy ist sicherlich Neil Gaiman. Ich weiß gar nicht, welches Buch ich besonders hervorheben soll: American Gods, Niemalsland, Anansi Boys, Der Ozean am Ende der Straße und die Kurzgeschichtensammlungen sind alle auf ihre eigene Weise genial und völlig unterschiedlich. Das einzige, was sie gemeinsam haben, ist, dass man die Welt aus ganz anderen Winkeln sehen kann und dass Bedrohliches und Unerklärliches an jeder Ecke lauert.

Eine ähnliche Stimmung wie Niemalsland fängt Erin Morgenstern mit dem Nachtzirkus ein, dessen Protagonist ein magischer Zirkus samt Artisten im 19. Jahrhundert ist.

Urban Fantasy kreuzt sich häufig mit dem Krimi-Genre. So beispielsweise in Ben Aaronovitchs Die Flüsse von London-Reihe, die es schafft, solide mit Mythen und Urban Legends aus London anzufangen und einen von Band zu Band mehr in den Bann zu ziehen.

Jim Butcher lässt nun bereits seit 16 Bänden Harry Dresden gegen Werwölfe und Feenhöfe ermitteln und Charles Stross in sechs Bänden seinen Protagonisten Bob Howard gegen cthulhoiden Schrecken und die Tücken des Arbeitsalltags antreten. Der russische Autor Sergei Lukjanenko führt in den Romanen rund um Die Wächter der Nacht Vampire und Zauberer gegeneinander ins Feld, ohne dass die Grenzen zwischen Gut und Böse immer klar sind. Und bei Kevin Hearnes Chronik des Eisernen Druiden muss der titelgebende junge Mann in den USA für Ordnung unter dem Feenvolk sorgen.

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Versteht mich nicht falsch: Dass dieser Artikel zu Ende ist, bedeutet nicht, dass alles gesagt ist. Aber der Platz reicht nicht aus, um alle zu erwähnen, die sich um die Fantasy und ihre Untergattungen verdient gemacht haben, daher: Schreibt euren Lieblingsautor, euren Lesetipp in die Kommentare!

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