Die Leben des Tao - Wesley Chu

FISCHER TOR

Leseprobe: Die Leben des Tao (Wesley Chu)


Plötzlich hört Roen Tan, übergewichtiger Programmierer mit Hang zur Rund-um-die-Uhr-Faulheit und zum Dauergaming, Stimmen in seinem Kopf. Die gute Nachricht: Er ist nicht verrückt. Die schlechte: Ein Außerirdischer namens Tao hat sich in Roens Geist eingeklinkt. Seine Mission lautet: Roen fit gegen einen Alien-Stellvertreterkrieg auf Erden machen. Hier gibt es die Leseprobe zu Wesley Chus "Die Leben des Tao".

 

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Die fünf selbstgefälligsten Persönlichkeiten der Geschichte. Los.

»Das ist einfach. Du, Dschingis, Alexander, Napoleon und Kathys Neffe.«

Der in Cambridge?

»Jedes Mal, wenn ich ihm begegne, macht er mir das von neuem klar.«

Keine schlechte Liste. Dschingis Khan taucht jedenfalls zu Recht darauf auf.

»Woran du nicht ganz unschuldig bist. Eigentlich ist es ein wenig redundant, dich und Dschingis auf die Liste zu setzen.«

Nur ein wenig. Lass uns den Platz wechseln. Die Aussicht hier ist schlecht.

Edward Blair musterte die blonde Frau im anthrazitfarbenen Anzug, die auf der anderen Seite der Bar saß. Ihre Blicke trafen sich, und auf ihrem Gesicht zeigten sich Ansätze von Grübchen, begleitet von einem verheißungsvollen Lächeln. Dabei rückte sie etwas an ihrer Taille zurecht und gab dem Barkeeper ein Zeichen. »Die Aussicht hier ist ganz wunderbar, Tao.« Edward schwenkte die goldbraune Flüssigkeit in seinem Glas und nippte daran. Er ließ den Blick auf der Frau ruhen und zwinkerte ihr zu. Sie erwiderte sein Zwinkern, und Edward sah, dass sie leicht errötete. Dann kam der Barkeeper und verstellte ihm die Sicht.

Wir haben keine Zeit für dieses alberne Spielchen.

Edward trank seinen Scotch aus und bestellte noch einen. »Oh, ich vergaß. Wir unterhalten uns ja darüber, wie großartig Dschingis war. Tatsache ist doch, Kumpel, dass sein Stil kopiert und von anderen perfektioniert wurde. Ich sage nur: Alexander. Und meines Wissens spielt die Mongolei auf der Weltbühne des 21. Jahrhunderts eine reichlich unbedeutende Rolle.«

Der Vergleich mit Alexander hinkt. Es ist leicht, ein Imperium aufzubauen, wenn man eine Armee erbt.

»Das gute alte britische Empire war sogar noch größer. Kolossal und stabil. Es kommt eben doch auf Größe und Standfestigkeit an. Frag meine Frau.« Edward wandte sich von der Bar ab und blickte durch das Fenster auf die schwindelerregende Lichtermatrix der nächtlichen Straßen – ein komplexes Gitter aus hellen Linien, die sich in die Ferne erstreckten, so weit das Auge reichte. Riesige wogende Wolken löschten den Mond und die Sterne aus und verdunkelten den Nachthimmel.

In der 94. Etage konnte man das sanfte Schwanken spüren, wenn heftige Böen auf das John Hancock Center einpeitschten und es ganz leicht erzittern ließen. Einen halben Kilometer über dem Boden fühlte sich der Frühling in Chicago eher unangenehm an. »Gut, dass wir nicht mit dem Gleitschirm reingekommen sind«, murmelte er, nahm noch einen Schluck vom Scotch und spürte, wie sich die Wärme in seinem Körper ausbreitete. »Man sollte meinen, ein kriminelles Superhirn würde sich einen abgelegeneren Ort als Operationsbasis aussuchen, nicht ausgerechnet die Spitze eines Wolkenkratzers. Was ist nur aus der guten alten Zeit geworden, als die Bösewichte auf verlassenen Pazifikinseln residiert haben?«

Ferienanlagen und durch die Decke gehende Immobilienpreise für Strandlagen, das ist draus geworden. Außerdem sind Superschurken letztlich auch nur Menschen. Sie brauchen Supermärkte und Kabelempfang wie alle anderen auch. Und einfach ist es nicht gerade, hier hereinzukommen.

Edward beugte sich vor und ließ den Blick an einer der Metallstreben entlangwandern, die sich durch das Gebäude zogen. Da war was dran. Es dürfte genauso schwer sein, unbemerkt eine Basis an der Spitze eines Wolkenkratzers mitten in einer Großstadt zu infiltrieren wie eine entlegene Insel. Im Erdgeschoss herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen, und das Wetter machte einen Fallschirmsprung riskant. Wenn man nicht gerade das ganze Gebäude in die Luft jagen wollte, blieb nur der Weg über den Signature Room, das Restaurant im 95. Stock, eine Etage über der Basis der Genjix. »Was ist mit Napoleon?«

Was soll mit ihm sein? Er dürfte nicht einmal auf dieser Liste stehen.

»Er wurde immerhin zum Kaiser gekrönt.«

Du meinst, er hat sich selbst zum Kaiser gekrönt. Aber nur weil man sich selbst als Genie bezeichnet, ist man noch lange keins.

»Sagt der geniale Tao …«

Nach menschlichen Standards ist es nicht allzu schwer, genial zu sein.

»Napoleon hat sich gar nicht so schlecht geschlagen. Du bist nur etwas voreingenommen, weil ihr euch nicht leiden konntet.«

Die Beinahe-Eroberung von Europa macht einen noch nicht zum rechtmäßigen Kaiser. Er war ein brillanter General, aber mit seiner kurzen Amtszeit disqualifiziert er sich für einen Platz in der Ruhmeshalle.

»Du meinst, er hat seine Macht schlecht verwaltet? Das ist alles?«

Darf ich dich daran erinnern, dass ein wesentlicher Bestandteil der politischen Herrschaft im Herumschieben von Papierstapeln besteht? Denke daran, dass …

»Entschuldigen Sie, mein Herr, die Geschäftsführerin würde Ihnen gerne einen Drink ausgeben.« Der Barkeeper stellte ein weiteres Glas Scotch auf den Tresen.

Edward wandte sich wieder zur Bar um und lächelte erneut, als die Frau, die vorhin ein Stück entfernt gesessen hatte, neben ihn trat. In der einen Hand hielt sie einen Martini, die andere streckte sie in seine Richtung aus.

»Simone«, schnurrte sie. »Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel. Ich habe Ihnen statt des 12-Jährigen einen 18-Jährigen bestellt.«

Edward blickte auf seinen Drink und lächelte. Er nahm ihre Hand und hielt sie geradezu unanständig lange fest. »Blake Emanuel. Ich werde den Gefallen wohl auf andere Weise erwidern müssen.« Die nächsten zwanzig Minuten plauderten die beiden vertraut und rückten immer dichter zusammen.

Edward, ich will dir nicht den Spaß verderben, aber uns läuft die Zeit davon. Die Codes werden in zwei Tagen ungültig, und wir kommen hier nicht weiter. Vielleicht hätten wir uns doch für die Gleitschirm-Variante entscheiden sollen.

»Bei diesem Wetter? Offenbar hast du größeres Vertrauen in meine Flugkünste als ich. Still jetzt, und stör mich nicht. Ich muss meine Tarnung als erfolgreicher Architekt aufrechterhalten.«

Zwanzig gemeinsame Jahre, und du bist immer noch unverbesserlich.

»Intergalaktischer Bürgerkrieg war nach meinem Abschluss in West Point nicht unbedingt Teil meiner Karriereplanung, Tao.«

Wünschst du dir, ich hätte dich nie gefunden?

»Die Frage kannst du dir doch selbst beantworten.«

Sein In-Ear-Kopfhörer knisterte. »Abelard, bist du in Stellung?«

»Wie süß. Erinnere mich dran, mal mit Marc über diese dämlichen Codenamen zu reden, wenn ich zurück bin.«

Ich finde ihn passend. Eigentlich ein ziemliches Kompliment.

»Wenn ich mich recht erinnere, ging es für Abelard und Heloise nicht allzu gut aus. Ich hasse es, wenn er mithört.«

Das ist typisch für Jeo. Marc hat seine schlechten Angewohnheiten übernommen.

Mit einem Lächeln entschuldigte sich Edward und ließ Simone an der Bar zurück, um zum hinteren Teil der Lounge in Richtung Toiletten zu gehen. Er wartete, bis er sich allein im Korridor befand, dann trat er durch eine Tür mit der Aufschrift ›Nur für Personal‹. Er hastete am Küchenpersonal vorbei, bevor ihn jemand aufhalten konnte, betrat ein Hinterzimmer und blieb vor einer verschlossenen Tür stehen. »Roger, Marc. Haltet euch bereit.« Er zog einen Schlüsselbund an einem Band heraus und probierte die Schlüssel nacheinander aus.

Woher hast du gewusst, dass sie die Geschäftsführerin mit den Schlüsseln ist?

»Die Schlüssel an ihrer Taille. Und sie hat gegenüber dem Barkeeper einen ziemlichen Kommandoton angeschlagen.«

Clever, Edward. Ich hätte nicht an dir zweifeln sollen.

»Zwanzig gemeinsame Jahre, Tao. Hab doch ein wenig Vertrauen.«

Mit einem Klicken öffnete sich die Tür. Edward ging durch einen leeren Gang an den Aufzügen vorbei zum Treppenschacht auf der anderen Seite. Er hastete einige Absätze hinab und blieb vor einer unauffälligen Metalltür stehen. Dort zog er sich dünne schwarze Handschuhe an und zerbrach über dem Griff ein kleines Fläschchen. Edward beobachtete, wie sich das ätzende Mittel durch das Schloss fraß, und flüsterte: »Grünes Licht, Marc. Wie sieht es bei euch da oben aus?«

»Es ist ein wenig windig, aber die Skyline ist malerisch. Komm aufs Dach, wenn du so weit bist. Wir haben nur einen Versuch, also mach was draus.«

»Evak um 0100. Verspätet euch nicht.«

»Bestätigt, Abelard. Over and out.«

»Tao, behältst du die Zeit im Auge?«

Ich werde wie immer deine Stoppuhr sein.

»Ist irgendwas mit Marc? Bei den letzten paar Missionen fehlte ihm irgendwie der Schneid. Als wir den spanischen Premierminister bewacht haben, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es Marc vollkommen egal war, ob der Mann überlebt.«

Das liegt an Jeo. Er verabscheut diesen Planeten noch mehr als wir Übrigen, aber ich kenne ihn schon sehr lange. Er ist immer zuverlässig gewesen.

»Ihr verabscheut die Erde, Tao?«

Wir vermissen unsere Heimat. Für uns gleicht das Leben hier einem Besuch beim Steuerberater.

»Verstehe. Trotzdem wäre es mir lieber, wenn er uns nicht so runterziehen würde.« Edward fing den Türgriff auf, als dieser sich löste, und legte ihn auf den Boden. Er öffnete die Tür einen Spaltbreit und ließ den Blick durch den dahinterliegenden Raum schweifen. Dunkle Böden aus Tropenhölzern, antike Lampen und viktorianische Polstermöbel zierten beide Seiten eines langen Gangs. Regalreihen voller Bücher zogen sich an einer Wand entlang; eine große Plato-Büste aus poliertem Marmor stand markant zwischen zwei Aufzugtüren. »Haben wir die richtige Etage erwischt?«

Ich glaube schon. Ich erkenne hier überall Chiyvas Handschrift. Typisch, dass er eine Büste von sich selbst besitzt. Und wie ich sehe, hat sich sein Geschmack seit dem 19. Jahrhundert nicht großartig verändert.

Flach an die Wand gepresst, kroch Edward ans Ende des Korridors und spähte um die Ecke.

Rechts standen zwei Wachen. Im Zwanzig-Sekunden-Takt schwenkten in der Ecke Überwachungskameras hin und her.

»Zwanzig Sekunden, hm? Das wird eng. Schusswaffe?«

Nein, erledige es geräuschlos. Wir dürfen keine Aufmerksamkeit erregen. Jetzt beginnt der Kameraschwenk. Los!

Edward atmete aus, während er das Messer aus der Scheide zog, umkurvte die Ecke und sprintete los. Er drückte sich gegen die rechte Wand und schoss in geduckter Haltung auf die beiden ahnungslosen Männer zu. Sobald er in Reichweite war, wechselte er auf die linke Seite des Korridors, um einen günstigeren Angriffswinkel zu bekommen, und schleuderte mit einer fast unmerklichen Bewegung aus dem Handgelenk das Messer. Es pfiff, als die Klinge an der ersten Wache vorbei­zischte und die zweite in die Kehle traf. Der Mann keuchte und brach zusammen. Der verbleibende Wächter wandte sich gerade um, als Edward sich auf ihn stürzte und dem Mann die Faust in die Rippen rammte.

Die Kamera ist bei fünfzehn Sekunden.

Die Wache krümmte sich, als Edward sie am Kopf packte und ihr das Genick brach. Ehe der Körper auf dem Boden aufkam, hatte er bereits die andere Leiche erreicht und sein Messer gezückt.

Gar nicht schlecht für einen vierzig Jahre alten Mann.

»Wie ich schon sagte, auf die Standfestigkeit kommt’s an.«

Touché. Schaff die Leichen weg. Noch zehn Sekunden für die Kamera.

Edward zog eine modifizierte Schlüsselkarte aus der Tasche und ließ sie durch das elektronische Schloss gleiten, das sich mit einem leisen Klicken öffnete. Die Leichen schleifte er hinter sich her in ein fensterloses Zimmer, in dem reihenweise Computer standen. Es war kühl. Das tiefe Brummen Dutzender Rechner und eines lauten Ventilationssystems erfüllte den Raum. »Hat die Kamera was gesehen?«

Noch gut zwei Sekunden. Der Zielrechner heißt Trixlix GeTr715.

Edwards Blick überflog das Verzeichnis der Server, bis er GeTr715 gefunden hatte, weit hinten in der dritten Reihe im unteren Rack. »Hallo, Zielrechner«, flüsterte er zufrieden. »Wollen wir doch mal sehen, ob du es wert bist, dass ich Simone oben sitzengelassen habe.« Edward zog ein kleines Kabel aus dem Gürtel und verband es mit dem Server. »Die Codes werden akzeptiert. Download eingeleitet.« Der Monitor über dem Server flackerte auf. Edwards Finger huschten über das Keyboard, während er tippte und die Verzeichnisse durchsuchte. »Es scheint, dass die Gerüchte über dieses legendäre Penetra-Programm der Wahrheit entsprechen. Es existiert.«

Prüf das.

Edward wechselte in das entsprechende Unterverzeichnis und öffnete die darin enthaltenen Dateien. »Hmm.« Er hielt inne. »Ordentlich sind sie hier nicht gerade.«

Ihr Archivierungssystem kannst du später kritisieren. Kopier die Pläne, und dann raus hier.

Edwards Pupillen weiteten sich, als er den Inhalt durchging. »Ich habe die Pläne, aber sieh dir diese Vorratslisten und Lagerbestände mit Chemikalien an. Ich dachte, das hier sei der Prototyp einer Überwachungstechnologie. Könnte es sich um eine biologische Waffe handeln? Wie kriegen sie so was bloß durch den Zoll? Ich wünschte, wir hätten auch so gute Connections. Ich beginne mit dem Upload. Moment, die Backup-Zugriffssteuerungsliste hat gerade Schluckauf bekommen. Wir fliegen raus.«

Das Sicherheitsprotokoll hat vermutlich gerade ein ganzes Platoon Wachen alarmiert. Nimm, was wir haben, und dann nichts wie weg hier.

In seinem Kopfhörer knisterte es. »Edward, die Daten sind heil bei uns angekommen. Wir holen dich jetzt raus.«

»Bestätigt. Over and out.« Edward stöpselte das Kabel aus und robbte zum Ausgang. Als er Schritte hörte, hielt er inne und zog sich zu den Serverschränken zurück, nur Sekunden bevor eine Gruppe von Wachen den Raum betrat.

Keine Rüstung. 1911er-Colts, wie es aussieht. Laserzielerfassung. Drei, nein, vier Wachen. Offenbar kein Genjix darunter.

»Das müssen Söldner sein.«

Schalt sie aus. Schnell.

Eine der Wachen knipste das Licht an. Der Rest schwärmte aus und durchsuchte systematisch die Gänge des Rechenzentrums. Edward hörte die Männer mehrmals »Alles sauber!« rufen, während sie sich ihm näherten. Er zog seine Glock und kroch zum Ende des Gangs. Als ein Arm in Sicht kam, griff er zu und stieß der Wache den Ellbogen ins Gesicht. Mit einem Aufstöhnen ging sie zu Boden. Das Geräusch alarmierte die anderen.

Ein weiterer Mann tauchte am anderen Ende des Gangs auf und eröffnete das Feuer. Kugeln prallten von den Metallrahmen der Racks ab. Ein brennender Schmerz explodierte in Edwards linkem Arm. Seine Hand wurde taub. Er ließ sich flach auf den Boden fallen, zielte rasch und schaltete sein Ziel mit drei schnellen Schüssen in die Brust aus.

Nur ein Streifschuss. Lass uns die Kurve kratzen. Jetzt.

Edward lud die Glock nach und stürmte aus dem Gang. Überall um ihn herum heulten Sirenen. Er sprintete zurück zum Treppenhaus. Gleich hinter sich hörte er Schritte. Er brach durch die Tür und hetzte die Stufen hinauf, dicht gefolgt von einer Gruppe Wachen. Während ihm Kugeln um die Ohren zischten, zog Edward eine Granate aus einer Hüfttasche und warf sie über das Geländer. Die Explosion riss ihn von den Beinen. Für einen Sekundenbruchteil wurde alles schwarz. Dann ging die Sprinkleranlage an. Edward schüttelte den Kopf, um sich zu sammeln, rappelte sich auf und setzte seinen Sprint über die Treppe nach oben fort.

»Ich werde zu alt für diesen Scheiß!«

Wo bleibt jetzt deine berühmte Standfestigkeit? Willst du etwa schon in Rente gehen?

Zwei Absätze über ihm erschien eine weitere Gruppe Wachen und eröffnete sofort das Feuer. Edward warf sich an die Wand, als der Kugelhagel auf ihn einprasselte. »Such mir einen anderen Weg zum Dach.«

Durch die Tür. Über das zweite Treppenhaus.

Marcs Stimme drang so laut aus dem Kopfhörer, dass Edward zusammenzuckte. »Wir sind auf dem Dach gelandet. Der Widerstand ist heftiger als erwartet. Beeil dich!«

»Ich arbeite dran!«, brüllte Edward, während er durch die Tür des Treppenhauses krachte und unvermittelt einer attraktiven jungen Frau gegenüberstand. Sie trug einen teuren hellbraunen Anzug und hatte sich das Haar zu einem hochsitzenden Pferdeschwanz zusammengebunden. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre er stehen geblieben und hätte versucht, mit ihr zu plaudern. Aber dies war nicht jeder andere Zeitpunkt. Er packte sie und rammte ihr die Glock in die Seite. »Tut mir leid, Süße, das ist ein schlechter Zeitpunkt für ein erstes Date.«

Es ist Yrrika.

Edward seufzte. »Ehrlich? Yrrika sucht sich immer die Hübschen aus.« Ohne zu zögern, drückte er ab. Die Frau keuchte nur einmal kurz auf, ehe sie zu Boden sank. Ihr Körper schimmerte, als der Genjix daraus entwich und in die Luft emporschwebte.

Hoffen wir, dass Yrrika keinen neuen Wirt findet. Dem Gang bis zum Ende folgen, rechts abbiegen, danach durch die dritte Tür links.

»Erinnerst du dich noch daran, wie ich versucht habe, Yrrikas vorherigen Wirt anzugraben?«

In Istanbul? Ich hab dich davor gewarnt. Du warst ein fünfundzwanzigjähriger Agentenfrischling und sie mindestens sechzig. Was hast du dir nur dabei gedacht?

»Du hättest mir sagen können, dass sie Judomeisterin ist.«

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