V. E. Schwab: Vier Farben der Magie

FISCHER TOR

Leseprobe: Vier Farben der Magie (V.E. Schwab)


TOR Team
22.02.2017

Mit ›Vier Farben der Magie‹ erscheint jetzt der erste Band von V. E. Schwabs großer Fantasy-Trilogie bei FISCHER Tor. Die ADSOM ("A Darker Shade Of Magic")-Reihe hat in Amerika bereits eine riesige Fangemeinde. Hier könnt ihr die ersten Seiten aus Band 1 lesen.


Es gibt vier Farben der Magie: Im Roten London befindet sie sich im Gleichgewicht mit dem Leben. Im Weißen wird die Magie versklavt, kontrolliert, unterdrückt. Dem Grauen London ist sie fast abhandengekommen. Und im Schwarzen London hat sie das Leben selbst vertilgt.

Als einer der wenigen Antari springt Kell zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Doch er führt ein Doppelleben ...

 

***

Kapitel I - Der Reisende

Kell trug einen ganz besonderen Mantel.

Dieser hatte nicht nur eine Seite, wie es sich gehört, oder zwei, was schon ungewöhnlich gewesen wäre, sondern gleich mehrere. Was natürlich ganz und gar unmöglich war.

Immer wenn Kell ein London verließ und ein anderes betrat, zog er als Erstes seinen Mantel aus und wendete ihn ein-, zwei- oder bisweilen sogar dreimal, bis er die Seite fand, die er gerade brauchte. Nicht alle davon waren besonders elegant, doch jede erfüllte einen bestimmten Zweck. Manche ließen ihn in der Menge verschwinden, andere wiederum zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Und eine davon – sie mochte er besonders gern – war einfach nur so da.

Als Kell durch die Wand des Palasts getreten und in den Vorraum gelangt war, brauchte er einen Moment, um sein Gleichgewicht wiederzufinden – das Wandern zwischen den Welten hatte seinen Preis; dann ließ er sich den roten Mantel mit dem hohen Kragen von den Schultern gleiten und wendete ihn, bis er in eine schlichte schwarze Jacke gehüllt war – nun ja, so schlicht, wie eine Jacke mit silbernem Innenfutter und zwei Reihen schimmernder Silberknöpfe eben sein konnte. Nur weil er auf seinen Reisen weniger auffällige Farben vorzog (er wollte die Mitglieder des hier herrschenden Königshauses schließlich nicht beschämen und keine unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen), hieß das noch lange nicht, dass er auf alle Eleganz verzichten musste.

Immer diese Könige!, ging es Kell durch den Kopf, während er die Jacke zuknöpfte. Manchmal dachte er schon wie Rhy.

An der Wand hinter ihm war der geisterhafte Abdruck, den er bei seiner Ankunft verursacht hatte, kaum mehr zu erkennen. Flüchtig wie ein Fußabdruck im Sand.

Er machte sich nie die Mühe, die Tür von dieser Seite zu markieren, weil er ohnehin nicht auf demselben Weg zurückreiste. Windsors Entfernung vom Grauen London war schrecklich ungünstig, da Kell sich bei seinen Reisen nur zwischen genau demselben Ort in der einen und der anderen Welt bewegen konnte. Und da es in der Roten Stadt kein Schloss Windsor gab, war Kell gerade durch die Steinwand eines prächtigen Innenhofs getreten, der einem wohlhabenden Bürger von Disan gehörte. Was im Großen und Ganzen ein nettes kleines Städtchen war.

Was sich von Windsor nun wirklich nicht behaupten ließ.

Beeindruckend, zweifellos. Aber ganz bestimmt nicht nett.

An der Wand stand ein Marmortisch, auf dem wie immer eine Schüssel mit Wasser auf Kell wartete. Er wusch seine blutige Hand und die Münze, eine silberne Krone, die er für den Durchgang benutzt hatte; dann zog er sich die Schnur, an der die Münze befestigt war, wieder über den Kopf und verbarg sie unter seinem Hemd. In der Halle nebenan konnte er leises Fußgetrappel und das Gemurmel der Diener und Wachen hören. Er hatte den Vorraum gewählt, um nicht von ihnen gesehen zu werden – denn wie er nur zu gut wusste, war der Prinzregent über seine Besuche alles andere als erfreut. Und Kell wollte unbedingt vermeiden, dass er von seiner Anwesenheit erfuhr.

Kell warf einen raschen Blick in den Spiegel, der in einem vergoldeten Rahmen über dem Becken hing. Er machte sich nicht die Mühe, sein Haar zurückzustreichen, das ihm in einer rotbraunen Strähne über das rechte Auge fiel. Doch er nahm sich die Zeit, die Schultern seiner Jacke zurechtzuzupfen, bevor er die Tür durchschritt, um seinen Gastgeber zu begrüßen.

Drinnen war es drückend heiß, da die Fenster trotz des herrlichen Oktoberwetters verriegelt waren und im Kamin ein helles Feuer loderte.

Vor dem Kamin saß George III. – gehüllt in ein weites Gewand, das seinen Greisenkörper noch gebrechlicher erscheinen ließ, ein unberührtes Tablett mit Tee vor sich. Als Kell eintrat, umklammerte der König die Armlehnen seines Sessels.

»Wer ist da?«, rief er, ohne sich umzudrehen. »Räuber? Gespenster?«

»Gespenster würden Euch wohl kaum einer Antwort würdigen, Majestät«, gab Kell sich zu erkennen.

Das Gesicht des siechen Königs verzog sich zu einem Grinsen, das seine verfaulten Zähne entblößte. »Meister Kell«, sagte er. »Ihr habt mich warten lassen.«

»Nur einen Monat«, sagte Kell und trat näher.

König George kniff seine blinden Augen zusammen. »Das muss doch länger her sein.«

»Ich versichere Euch, das ist nicht der Fall.«

»Für Euch mag das ja stimmen«, sagte der König. »Doch die Zeit verstreicht anders für die Blinden und Verrückten.«

Kell lächelte. Der König war heute in ausgezeichneter Form. Was beileibe nicht immer so war – Kell konnte sich nie sicher sein, in was für einem Zustand er ihn antreffen würde. Vermutlich kam es dem König wirklich so vor, als sei bereits mehr als ein Monat seit Kells letztem Besuch vergangen; damals waren die Nerven seiner Majestät überreizt gewesen, und Kell war es gerade noch gelungen, ihn so weit zu besänftigen, dass er ihm seine Botschaft übermitteln konnte.

»Vielleicht ist es ja schon ein Jahr her«, fuhr der König fort, »und nicht erst einen Monat.«

»Ach, wir schreiben noch dasselbe Jahr.«

»Und das wäre?«

Kell runzelte die Stirn. »Achtzehnhundertneunzehn«, sagte er.

Das Gesicht des Königs verdüsterte sich kurz, dann schüttelte er nur den Kopf und sagte: »Zeit«, als wäre dieses eine Wort an allem Elend der Welt schuld. »Setzt Euch«, fuhr er fort und machte eine unbestimmte Geste in den Raum hinein. »Irgendwo muss hier noch ein Stuhl sein.«

Doch da war keiner. Das Zimmer war geradezu erschreckend karg eingerichtet, und Kell hegte keinerlei Zweifel daran, dass die Türen zur Halle nur von außen zu öffnen und zu schließen waren.

Der König streckte ihm eine seiner knotigen Hände entgegen. Man hatte ihm die Ringe abgenommen, damit er sich nicht verletzen konnte, und seine Fingernägel so kurz wie nur möglich geschnitten.

»Gebt mir den Brief!«, sagte er, und für einen kurzen Moment erhaschte Kell einen Blick auf den majestätischen König George von einst.

Kell tastete die Taschen seiner Jacke ab und merkte, dass er vergessen hatte, die Briefe herauszunehmen, bevor er sich umgekleidet hatte. Er ließ sich den Mantel von den Schultern gleiten und war einen Moment lang wieder in Rot gehüllt. Dann durchstöberte er die vielen Falten, bis er auf den Umschlag stieß, den er dem König in die ausgestreckte Hand legte. George betastete sogleich behutsam den Brief und insbesondere das wächserne Siegel mit dem Emblem des Roten Thrones, einen Kelch vor der aufgehenden Sonne. Dann hielt er sich das Papier unter die Nase und atmete tief ein.

»Rosen«, seufzte er sehnsüchtig.

Damit meinte er den Duft der Magie. Kell war der leichte Wohlgeruch des Roten Londons, der seiner Kleidung anhaftete, nie aufgefallen; doch auf jeder seiner Reisen sprach ihn irgendjemand auf den Duft frisch geschnittener Blumen an. Die einen sagten, er rieche nach Tulpen. Andere wiederum erwähnten Lilien, Chrysanthemen oder auch Pfingstrosen. Doch der König von England sprach immer nur von Rosen. Kell war froh, dass ihn ein angenehmer Geruch umgab, auch wenn er ihn selbst nicht wahrnahm. Das Graue London roch für ihn nach Rauch, das Weiße London nach Blut; doch das Rote London trug für ihn den Duft der Heimat.

»Öffnet ihn für mich«, gebot ihm der König. »Aber passt auf das Siegel auf.«

Kell kam dem Befehl nach und zog ein einzelnes Blatt aus dem Umschlag. Ausnahmsweise war er froh, dass der König erblindet war und nicht sehen konnte, wie kurz der Brief war. Lediglich drei Zeilen, nicht mehr als ein höfliches Zugeständnis an einen siechen Monarchen.

»Er ist von meiner Königin«, erläuterte Kell.

Der König nickte. »Lest!«, befahl er Kell und bemühte sich, seinem Gesicht einen gebieterischen Ausdruck zu verleihen, der jedoch in erschreckendem Gegensatz zu seiner Gebrechlichkeit und der stockenden Greisenstimme stand. »Na los!«

Kell schluckte. »Grüße an seine Majestät, König George III.«, las er vor, »von der Regentin des Nachbarlandes.«

Die Königin sprach nicht vom Roten Thron oder vom Roten London (obwohl die Stadt, die ganz in das satte, alles durchdringende Licht des Flusses gehüllt war, purpurn schimmerte), da das nicht ihrer Art zu denken entsprach. Für sie – wie auch für die meisten anderen Menschen – gab es kaum eine Notwendigkeit, zwischen den Städten zu unterscheiden. Wenn die Herrscher miteinander korrespondierten, nannten sie einander nur »die Anderen« oder »die Nachbarn«; oder sie gaben einander – insbesondere, wenn vom Weißen London die Rede war – weitaus weniger schmeichelhafte Namen.

Nur die Wenigen, die zwischen den Welten wanderten, mussten sich etwas einfallen lassen, um die Städte unterscheiden zu können. Und so hatte Kell – in Anlehnung an jene verlorene Stadt, die gemeinhin als das Schwarze London bekannt war – jeder der verbleibenden Städte eine Farbe gegeben.

Grau für die Stadt ohne Magie.

Rot für das glänzende Reich.

Weiß für die sterbende Welt.

In Wahrheit gab es kaum eine Ähnlichkeit zwischen den Städten (und noch weniger zwischen den sie umgebenden Ländern). Warum sie alle London genannt wurden, war und blieb ein Geheimnis. Die vorherrschende Theorie besagte, eine der Städte habe den Namen vor langer Zeit angenommen, noch bevor die Türen versiegelt worden waren. Keine Einigung herrschte jedoch darüber, welche der Städte den Namen zuerst für sich beansprucht hatte.

»Wir hoffen, dass Ihr Euch guter Gesundheit erfreut«, las Kell vor, »und dass die Jahreszeit in Eurer Stadt so angenehm ist wie hier bei uns.«

Kell hielt inne. Es gab nichts mehr vorzulesen, außer der Unterschrift. König George rang die Hände.

»Ist das alles?«, fragte er.

Kell zögerte. Schließlich verneinte er und faltete den Brief zusammen. »Das ist erst der Anfang.«

Er räusperte sich und ging im Zimmer umher, um seine Gedanken zu sammeln und in den Worten der Königin sprechen zu können. »›Danke, dass Ihr Euch nach meiner Familie erkundigt‹, schreibt sie des Weiteren. ›Mein Gemahl und ich sind wohlauf. Prince Rhy hingegen versteht es wie eh und je, uns ebenso sehr zu beeindrucken wie in Rage zu versetzen; aber zumindest hat er sich schon einen Monat lang keine Knochen mehr gebrochen oder sich unpassend verlobt. Wir verdanken es allein Kell, dass weder das eine noch das andere – oder gar beides – geschehen ist.‹«

Kell war fest entschlossen, die Königin seine Verdienste in aller Ausführlichkeit preisen zu lassen, doch in diesem Moment schlug die Wanduhr fünfmal. Kell stieß einen unterdrückten Fluch aus. Wie spät es schon war!

Daher schloss er eilig: »›Bis zum Eintreffen meines nächsten Briefes wünsche ich Euch Glück und Wohlergehen. In Zuneigung – Emira, Königin von Arnes.‹«

Kell wartete auf eine Reaktion des Königs, aber da dessen blinde Augen starr in die Ferne gerichtet waren, fürchtete er, ihn nicht mehr erreichen zu können. Kell legte den Brief auf das Teetablett und war bereits auf dem Weg zur Wand, als er George murmeln hörte: »Ich habe keine Antwort für sie.«

»Macht Euch keine Gedanken«, sagte Kell sanft. Der König war bereits seit Jahren nicht mehr in der Lage, Briefe zu schreiben. Bisweilen versuchte er bei Kells allmonatlichen Besuchen, die Feder in unleserlichem Gekritzel über das Pergament zu führen; dann wieder bestand er darauf, dass Kell für ihn schrieb. Zumeist aber teilte er seinem Gast die Botschaft für die Königin mündlich mit, und dieser versprach, sie sich gewissenhaft einzuprägen.

»Leider fehlte mir die Zeit dafür«, fügte der König hinzu und versuchte damit, einen Rest seiner Würde zu bewahren.

Kell half ihm dabei. »Ich verstehe«, sagte er. »Ich werde der königlichen Familie Eure Grüße ausrichten.«

Kell wandte sich wieder zum Gehen, als der König ihn erneut rief.

»Wartet!«, sagte er. »Kommt zurück!«

Kell blieb stehen und warf einen Blick auf die Uhr. Verflixt, wie spät es schon war! Er sah den Prinzregenten vor sich, wie er an seinem Tisch im St.-James-Palast saß und vor Wut kochend die Armlehnen seines Sessels umklammerte. Bei dem Gedanken musste Kell lächeln, und er wandte sich wieder dem König zu, der soeben mit unbeholfenen Fingern einen winzigen Gegenstand aus seinem Gewand zog.

Eine Münze.

»Der Zauber hat bereits nachgelassen«, sagte der König und barg das Metallstück in seinen vom Alter gezeichneten Händen, als handle es sich um eine zerbrechliche Kostbarkeit. »Ich kann ihn schon nicht mehr spüren. Auch nicht mehr riechen.«

»Es ist eine Münze wie jede andere, Majestät.«

»Keineswegs. Und das wisst Ihr ganz genau«, brummte der alte König. »Zeigt mir, was Ihr in den Taschen habt.«

Kell seufzte. »Ihr bringt mich noch in Schwierigkeiten.«

»Nun seid doch nicht so«, beharrte der König. »Es bleibt unser kleines Geheimnis.«

Kell griff in seine Jackentasche. Bei seinem allerersten Besuch hatte er König George als Beweis dafür, wer er war und woher er kam, eine Münze gegeben. Jeder Herrscher wusste von den anderen London und gab dieses Wissen an seinen Erben weiter; doch zu jener Zeit hatte bereits seit vielen Jahren kein Reisender mehr das Graue London besucht. König George hatte den schmächtigen Jungen nur eines kurzen Blickes gewürdigt, die Augen zusammengekniffen und seine feiste Hand ausgestreckt. Woraufhin Kell ihm die Münze gereicht hatte; einen Lin, der fast genauso aussah wie ein Graulondoner Schilling, nur dass ihn statt des Konterfeis eines Königs ein roter Stern zierte. Der König umschloss die Münze mit den Fingern und hielt sie sich unter die Nase, um ihren Duft einzuatmen. Dann lächelte er, steckte den Lin in seine Manteltasche und hieß Kell eintreten.

Seither bat der König Kell bei jedem Besuch um ein neues, noch taschenwarmes Geldstück, da der Zauber angeblich nachgelassen habe. Kell wiederholte jedes Mal, dass das verboten sei (was auch stimmte). Woraufhin der König unweigerlich sagte, es werde ihr kleines Geheimnis bleiben, und Kell mit einem Seufzer einen neuen Lin aus der Tasche zog.

Auch diesmal nahm er den Lin, den ihm der König entgegenhielt, und drückte ihm eine frische Münze in die Hand, die er dann sanft mit den knotigen Fingern des Greises umschloss.

»Ja, ja«, flüsterte der gebrechliche König der Münze zärtlich zu.

»Passt auf Euch auf«, sagte Kell und wandte sich wieder zum Gehen.

»Ja, ja«, antwortete der König, während sein Blick sich wieder in der Ferne verlor.

Kell ging in eine Ecke des Zimmers, wo Vorhänge in schweren Falten hingen, und schob den Stoff zur Seite. Auf der gemusterten Tapete kam ein Zeichen zum Vorschein – ein schlichter, von einem Strich durchzogener Kreis, den er vor einem Monat mit seinem Blut gezeichnet hatte. An einer anderen Wand, in einem anderen Zimmer eines anderen Palasts befand sich das gleiche Zeichen; die Symbole waren wie die beiden Klinken einer Tür.

Wenn Kell sich zwischen den Welten bewegte, reichten sein Blut und ein Gegenstand aus der Welt, in die er reisen wollte, aus. An einen bestimmten Ort brauchte er dabei nicht zu denken, denn wo immer er sich gerade befand, kam er auch in der anderen Welt an. Um aber eine Tür innerhalb einer Welt zu schaffen, mussten beide Seiten mit genau demselben Zeichen markiert sein. Die bloße Ähnlichkeit der Symbole reichte nicht aus, wie Kell selbst einst schmerzhaft am eigenen Leib erfahren hatte.

Das Zeichen an der Wand war zwar noch deutlich zu erkennen, lediglich die Ränder waren ein wenig verschmiert. Doch das spielte keine Rolle – er musste es erneuern.

Kell krempelte einen Ärmel hoch und holte das Messer hervor, das er an die Innenseite seines Unterarms festgeschnallt trug. Es war ein exquisit gearbeiteter Dolch mit silberner Klinge und Griff, in den die Initialen K.L. eingraviert waren.

Das Messer war das einzige Erinnerungsstück an sein früheres Leben – ein Leben, das ihm inzwischen fremd war, an das er sich kaum noch erinnerte.

Kell setzte die Schneide auf die Außenseite seines Unterarms. Einen Schnitt hatte er sich heute bereits zugefügt, um die Tür zu öffnen, durch die er vorher getreten war. Nun zog er die Klinge ein zweites Mal über den Arm, woraufhin rubinrotes Blut aus der Wunde quoll. Er steckte das Messer zurück in die Scheide, berührte den Schnitt mit den Fingern und erneuerte den Kreis und die Linie. Anschließend zog Kell den Ärmel über die Wunde – er würde die Schnitte behandeln, sobald er wieder zu Hause war – und warf einen letzten Blick auf den vor sich hinbrabbelnden König; erst dann legte er seine Hand auf das Zeichen an der Wand.

Ein magisches Summen erklang.

»As Tascen«, sagte Kell. Durchschreite.

Ein Beben durchlief die gemusterte Tapete, dann gab sie unter seiner Berührung nach. Kell machte einen Schritt und trat durch die Wand.

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Unverkäufliche Leseprobe aus: V.E. Schwab – Vier Farben der Magie. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Übersetzung oder die Verwendung in elektronischen Systemen.© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

 

 


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