Nerdige Orte: 16 Let's Play - Das Computerspielemuseum in Berlin

KOLUMNE

Let's Play - Das Computerspielemuseum in Berlin – Orte, die ein Nerd besucht haben muss (Folge 16)


Legenden der digitalen Spielewelt wie Lara Croft in Lebensgröße, Pixelgraphiken und jede Menge Arcade-Automaten. Diana Menschig besucht heute das Computerspielemuseum in Berlin.

52° 31′ 3″ N, 13° 26′ 31″ O

Das Computerspielemuseum in Berlin kuschelt sich in die linke Ecke eines riesigen denkmalgeschützten Gebäudes auf der Karl-Marx-Allee. Direkt am Eingang stehen ein paar Legenden der digitalen Spielwelt wie Lara Croft oder Zelda in lebensgroß (würden sie leben), Pixelgraphiken weisen den Weg in die Ausstellung.

Diese ist zwar eher übersichtlich, veraltet und ein bisschen didaktisch, aber natürlich gibt es ein paar Kleinode, die das Videospielerinnenherz höher schlagen lässt.

Da wäre zunächst ein Raum mit vier Arcadespielen, die allesamt von männlichen Jugendlichen in Beschlag genommen waren, ganz wie es vermutlich früher in den 80ern war, als diese Apparate in den Spielehallen herumstanden. Insofern vervollständigen die Museumsbesucher erst das Gesamtbild – was natürlich aktuell umso besser funktioniert, da die Mode der 80er gerade angesagt ist. Ein Nachbau von „Pong“ lässt die monochrome Welt wiederauferstehen.

Eine Wand aus setzkastenartig zusammengesetzten Vitrinen, Schautafeln und Infotexten zeigt die Meilensteine der Spielewelt im Bereich Adventure zwischen Anfang der 80er und Ende der 90er. Hier jedoch beginnt schon eine gefühlte Willkür. Manic Mansion und Myst mögen dazugehören, aber so richtig erschließt sich die Auswahl nicht.

Und so geht es weiter. Es werden Spiele präsentiert, etwas zu ihrem Hintergrund beschrieben, aber warum nun gerade dieses Spiel eine besondere Beachtung finden sollte, bleibt rätselhaft. Immerhin ist es möglich, sehr viele auszuprobieren und sich in die Welt von Pixel und Textbefehlen zurückzuversetzen.

Ein kleines Highlight ist der Originaltext der Bundesprüfstellte für jugendgefährdende Inhalte zur Indizierung von River Raid. Von „Kriegsverherrlichung“ und „aggressionssteigernden Eigenschaften“ ist da die Rede. Faszinierend dabei, dass die Immersion, also das hineinversetzen in die Spielewelt für die damaligen Prüfenden irgendwie funktioniert haben muss, sonst wären sie nicht diesem Urteil gekommen. Sieht es mit dem heutigen Blick und dem Wissen um Ultra-HD und hochauflösende Graphikkarten putzig aus, war es doch – offen gestanden – auch damals ein Pixelhäufchen, das einen Pixel zu einem Pixelhäufchen schickt, das sich daraufhin in Pixel auflöst. Moorhuhn ist martialischer.

Ein Museum ist häufig ein Ort, in dem Älteres bewahrt und in Erinnerung gerufen wird. Daher mag meine Enttäuschung nicht ganz gerechtfertigt sein, dass die Ausstellung vor ca. 10 Jahren endet. Allerdings frage ich mich schon, was eine Statistik über die weltweiten Internetanschlüsse von 2010 bringen soll. Dazu zeigte der interaktive Bildschirm an der Station zu diesem Thema ein gestreiftes Testbild – vielleicht ist das aber auch Absicht, da es für die Darstellung einen schnellen Internetanschluss bräuchte und dieser nicht vorhanden ist. Dann wäre es eine gelungene Umsetzung des digitalen Status in Deutschland.

Virtual Reality ist immerhin in der Ausstellung angekommen, scheint aber so komplex zu sein, dass die Benutzung der Brillen oder Helme ausschließlich zu bestimmten Zeit und mit Vorreservierung möglich ist. Da ist die mittelalterliche Burg Linn um einiges weiter.

Das Computerspielemuseum ist ein Ort, den ein Nerd gesehen haben sollte, wenn er oder sie alt genug ist, Guybrush Threepwood oder die Tentakel noch persönlich gekannt zu haben und sich über ein Wiedersehen freut. Allen anderen wäre da doch eher der Sprung zurück in die Realität empfohlen und vor der Tür ein wenig Ingress, Pokemon oder Wizards Unite zu spielen. Die Gefahr der Realitätsflucht besteht jedenfalls nicht.

 

 

Über "Orte, die ein Nerd besucht haben muss"

Es muss nicht gleich die ComicCon in San Diego sein, auch in der Nähe gibt es interessante Orte, an denen ein Nerd eigentlich nicht vorbei gehen darf. Bei manchen ist es offensichtlich, bei anderen handelt es sich um echte Geheimtipps, die erst auf den zweiten Blick ihr wahres Potenzial offenbaren. Diana Menschig besucht regelmäßig diese Orte und schreibt darüber in "Orte, die ein Nerd besucht haben muss" auf TOR ONLINE.

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