Das Haus, das Heinz gebaut hat

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FICTION

Das Haus, das Heinz gebaut hat | Daniel Krauser


In diesem Haus hat Heinz sich den goldenen Schuss gesetzt. Da muss doch noch was zu holen sein, denken sich drei Druffis – und finden stattdessen etwas völlig anderes.

»Das Haus, das Heinz gebaut hat« von Daniel Krauser ist unsere Gewinner-Story des PAN-Kurzgeschichtenwettbewerbs mit dem Thema »Grenzen – Ende oder Anfang?«

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Du wachst zum Geräusch einer Schildkröte auf, die jemand mit einer Drahtbürste sauber schrubbt, aber es ist bloß Dumbo, der das Zeug kleinmahlt. Er guckt dich an, als kämst du vom Mond, als du dich neben dem Sofa aufrappelst, weil du’s wieder mal geschafft hast, dich neben dem Sofa langzumachen, deine Spezialität. Du würdest es schaffen, dich in einem Bettenladen in der Besenkammer abzulegen, über deine Abneigung gegen Schlafmöbel wirst du dich irgendwann mal mit einer psychologischen Fachkraft unterhalten müssen. Dumbo poliert weiter die Schildkröte, der ist ja nicht doof, Paisano: Je feiner das Zeug gemahlen ist, desto schneller kommt’s, weil die Partikeloberfläche größer ist, also im Verhältnis, bei den Gesetzen von Geometrie und Osmose lässt Dumbo sich nicht ficken.

Du lässt ihn erst mal weiter mahlen, knirsch und scheuer und Metall auf Metall, und fingerst auf dem vollgestellten Couchtisch nach einer Kippe und dann dem Mineralstoffzeug und der zerknautschten Tüte Orangensaft und irgendwo muss ja noch ein Glas aufzutreiben sein: Das Zeug zieht dir die o-so-wertvollen Mineralstoffe und Spurenelemente aus den Knochen wie du das Zeug in die Nase, und deshalb ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit dem Mineralstoffzeug so wichtig, wenn du auf Crank bist. Was die jungen Leute natürlich nicht wissen, blöd wie sie sind, und wenn ihnen dann irgendwann die halbe Schnauze weggefault ist, waren’s wieder mal die anderen.

Im Klo reihert wer, muss der Heini sein, der reihert morgens meistens. Du schluckst schwer an der O-Saft-Mineralstoff-Pampe, als er aus dem Klo kommt und dir zuwinkt, der gute, treue Heini, irgendwie wirkt er erleichtert, dich zu sehen, obwohl er dich wahrscheinlich drei oder fünf Tage am Stück gesehen hat: Seit Mittwoch oder Freitag, als ihr euch im Anglerhäuschen getroffen und die erste Linie eines noch jungen, vom sonnendurchfluteten Glitzern der Frühlingsluft förmlich von innen erleuchteten Tages gezogen habt, und danach seid ihr rumgerannt und habt Sachen gemacht, fick dich kreuzweise, wenn du noch weißt, was, aber man muss eben Sachen machen, wenn man drauf ist, und rumrennen, bis man neben dem Sofa umfällt. Die Baustelle schräg gegenüber liegt still, da ist heute also Samstag oder Sonntag oder nach fünf.

Vielleicht guckt der Heini ja erleichtert, weil er nicht alleine mit Dumbo in der Wohnung ist: Der hat die Segelohren vom fliegenden Elefanten, aber nicht sein freundliches Gemüt, wenn er richtig drauf ist, kann er dir an die Gurgel gehen, auch, wenn er zu lange nicht drauf ist oder auf dem falschen Zeug oder wenn du nach der Rothaarigen schielst, auf die er selber scharf ist. Der Heini entspannt also seine breiten Gesichtszüge wie ein Bettlaken, das man straff zieht, und Dumbo meldet sich von hinten: »Fertig«, sagt er, gehäufelt und nicht gezogen. Ihr nehmt den kleinen Löffel und zieht das Zeug hoch, der bittere Rotz läuft euch hinten runter und sofort, pow, auf der Stelle, wooosh, wird euch die Mundhöhle taub, vorne oben, wo der Rotz drüber läuft. Dumbo hat halt das geile Zeug und du merkst, dass du seit dem Aufwachen ziellos rallig bist und jetzt irgendwas vögeln könntest, wenn’s sein muss einen Pelikan, nur konsensual, natürlich.

Stattdessen mixt du dem guten, treuen Heini einen Mineralstoff-Mixdrinkcocktailbrei, weil es soll ihm gut ergehen, dem Heini, und außerdem musst du dich bewegen: Siffspüle, Hängeschrank aus grünem Resopal, Orientteppich mit Kamelen, Heini, Löffel, Kloschüssel mit Bremsstreifen, Gang mit Haken, Heini, Sofa, Orientteppich, Balkon, Ostwind weil Schokoladenfabrik in der Luft, Orientteppich, Gang mit Haken. Ein Gedicht: Ich bin ein Riese aus Gelee, ich knicke Wolken, trink’ die See, ich halt’ die Welt in meinen Händen, im Klo klebt Scheiße an den Wänden.

Heini hibbelt auf dem Sofa, Dumbo dackelt im Quadrat, der Mann ist ein Vulkan von einem Mann ist ein Vulkan. Plötzlich legt er eine Vollbremsung hin und guckt in die Runde, zum Heini und dir und dem Heini, und in sein Gesicht malt sich so was wie, keine Ahnung, jedenfalls leuchtet seine Akne. »Ich hab’s«, sagt Dumbo, »wir gehen ins Haus, das Heinz gebaut hat. Vielleicht finden wir’s ja.« Dumbo nickt sich selbst zu und kann nicht mehr aufhören zu nicken, und der Heini guckt bedenklich und kann nicht mehr aufhören, bedenklich zu gucken. »Scheiße, ja«, hörst du jemanden sagen und merkst dann, dass du selber es bist, der da sabbelt, »vielleicht finden wir’s ja.«

Der Heinz hat das Haus natürlich nicht gebaut, keine Ahnung, wer das Haus gebaut hat, ein alter, schmutziger Backsteinbau, ziemlich einsam an der Straße um den See, wohnt seit Menschengedenken keiner dort, soweit zu erkennen jedenfalls: hohe Mauern außen rum, Gittertor, verwilderter Garten. Der Heinz hat das Haus also nicht gebaut, aber er hat angeblich immer seinen Vorrat dort gebunkert, und als man ihn dann gefunden hat, mit der Spritze im Arm, da war der Vorrat weg, was natürlich nicht verwundert: Der Vorrat ist immer weg, gibt keine Ehre unter Junkies, und wer sich selbst mit dem Zeug ummachen kann, hatte das gute Zeug, und das ist dann immer als Erstes weg.

Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, im Haus, das Heinz gebaut hat, sei noch was zu holen, und deshalb gehen immer wieder Leute hin und suchen, und manche, bruhahaha, sind dann angeblich wie vom Erdboden verschluckt. Dopehead-Schwachfug, dies, natürlich, es verschwinden ständig Leute und tauchen dann wieder auf oder auch nicht, ist eh wurst: Den Heini hast du ein halbes Jahr oder so nicht gesehen, ehe er am Mittwoch oder Freitag oder im April wieder aufgetaucht ist, in grünen Kordhosen. Wahrscheinlich einfach ’ne urbane Legende, das mit dem Haus, das Heinz gebaut hat, so wie die Geschichte von Susi Schmidt, die angeblich mal mit einem Klapprad kopuliert hat.

Ob’s stimmt oder nicht, ist sowieso egal: Ihr müsst was machen, weil man halt was machen muss, wenn man drauf ist, und deshalb sucht ihr jetzt eure Jacken und den Tabak und die Blättchen und die Dosen und die Schuhe und den Gürtel vom Heini und den Gürtel vom Heini und den jämmerlichen Rest an Kohle und nehmt den Fahrstuhl und tretet draußen in eine warme Luft, von der ihr kotzen könntet, weil Ostwind und Schokoladenfabrik. Ihr könntet den Siebener nehmen, aber die Aussicht, von einem Haufen Arbeitnehmer oder Frauen mit Kinderwagen dumm beglotzt zu werden an diesem schönen Samstag oder Sonntag oder nach fünf, behagt euch nicht, lauft ihr eben.

Wenn du Autor eines Reiseführers für Leute mit Hirnschaden wärst, würdest du etwa Folgendes schreiben: Links Blocks in Ocker, sehen aus wie hingekotzt. Rechts Blocks in Ocker, dito. Der Weg führt durch die Kleingartenanlage, beim völlig abgedichteten Typ, der gerade in seine Rabatten schifft und dabei die Nationalhymne singt, rechts halten. Dem kleinen Mädchen auf seinem Fahrrad eine Nase drehen und dann raus aufs Feld, fette, blöde Kohlköpfe abtreten, Scheißkohl, das Zeug riecht wie die Geschlossene. So 20 Minuten gehen, zwischendurch auf den Heini warten, der wieder kotzen muss. Am See wieder rechts, an der Trinkhalle Manfred grüßen, Mensch Manni, lange nicht und wenn, nur hackedicht. Dann noch ’n knapper Kilometer oder so und dann an der hohen Mauer entlang, die mit Efeu zugewuchert ist bis zum Gittertor.

Am Tor zögerst du, ohne genau zu wissen, warum, und du siehst, dass es den anderen genauso geht, komisch eigentlich: Ist ja nur ein altes Scheiß-Haus, wo schon lange keiner mehr drin wohnen tut, du spähst durch die Gitter des Tors und siehst: blinde Fensterscheiben, so noch vorhanden, die meisten eingeschmissen. Die Fassade zugewuchert mit irgendwas Grünzeug, über der Eingangstüre ein alter Balkon mit Eisengittern. Die Türe war mal rot angestrichen, und sie steht offen, wie du verblüfft bemerkst, einen Spalt nur, aber offen ist sie. Also nichts mit Schmeißen und Glasbruch und Klettern und Fluchen, eigentlich gut, aber irgendwie macht dich das nervös, und du guckst die anderen an und siehst, dass die ebenfalls beunruhigt sind: Der Heini legt sein Gesicht in ernste Falten und in Dumbos Miene zuckt es, sein Schnurrbart macht dich fast seekrank. Du fasst das Gittertor an und fühlst den Rost in der Innenfläche deiner Hand, und dann drückst du es auf und zuckst ein wenig zusammen: Das Tor bewegt sich wie frisch geölt und ohne einen Mucks von sich zu geben, nichts mit Knarren und Knarzen und Kreischen in den Angeln. Du lässt es los und es schwingt ganz auf, wie einladend, und du schreckst schon wieder zusammen, breit und paranoid, wie du bist. Heini und Dumbo gucken immer noch komisch, verunsichert und dünn wie auf Trebe, Scheiße, warum, es ist ja nichts, und so fasst du dir ein Herz und betrittst den Garten, du fühlst in deinem Rücken, dass die anderen dir folgen.

Ihr lauft über einen Kiesweg, der von Unkraut fast zugewuchert ist, und nähert euch langsam der Eingangstüre, zu der drei ausgetretene alte Stufen führen. Langsam gehst du hoch und trittst zur Türe und streichst mit der Hand über das Holz und zuckst wieder zurück: Das Holz ist warm und fühlt sich fast weich an, jedenfalls nicht wie Holz. Du merkst, dass du schwitzt, den guten, alten, stinkenden Meth-Schweiß, und dein Herz bollert, als hättest du zu viel erwischt, dabei müsstest du inzwischen von Rechts wegen eigentlich nachlegen. Vorsichtig schiebst du deinen Kopf zum Spalt, den die offene Türe freigibt, und versuchst, im Inneren irgendetwas zu erkennen, aber da ist nichts, nichts außer undurchdringlichem Dunkel, dabei müssten die geborstenen Fenster eigentlich Licht einlassen. Hinter dir steht der Heini am Fuß der Treppe und schluckt schwer, Dumbo hat sich ein wenig näher herangetraut, sein Schnurrbart liegt wieder ruhig. »Wenn wir da jetzt reingehen …«, sagt Heini mit ganz sinnlos zittriger Stimme und lässt seinen Satz unvollendet. »Kriegt uns was am Arsch?«, schnaubt Dumbo verächtlich. »Bist du blöd im Kopf? Wir ziehen erst noch was.« Löffelt ihr also was direkt aus der Tüte, und sofort fühlst du dich besser und stark und geil und geil und unangreifbar und fick dich.

Dumbo stößt die Türe auf, die aufgeht wie Butter oder Hefeteig und ihr geht über die Schwelle, die die Schwelle ist und die Schwelle, und dann steht ihr erst mal da und wartet, bis sich eure Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Du ziehst die Luft durch die Nase und den Rotz hoch und du merkst, dass die Luft im Haus warm ist und feucht und komisch riecht: nicht abgestanden und faulig, sondern frisch und beinahe wie Waschpulver, der Geruch weckt eine vage Erinnerung in dir, du kannst sie nicht zuordnen. Allmählich schält sich der Raum aus der Dunkelheit: Ihr steht in einer großen Eingangshalle, einer abstrus großen Eingangshalle, einer Halle, die viel zu groß ist für das Haus. Links und rechts ziehen sich zwei geschwungene Treppen nach oben, dazwischen, ganz hinten im Raum, steht ein alter Konzertflügel, der Deckel ist geschlossen. Auf dem Deckel ist ein Objekt zu erkennen, du trittst langsam näher und siehst, dass da ein Fuchsschwanz liegt, und der erinnert dich an etwas, und du denkst und suchst und forschst in deiner Erinnerung und dann zuckst du zusammen, weil der Fuchsschwanz genau wie der aussieht, den du als Kind an deinem Rad hattest. »Warum liegt da ’n Messer?«, fragt Dumbo von hinten, mit dünner Stimme. »Das sind ’n paar Jeans«, sagt der Heini, und du musst dich allmählich und ganz vorsichtig fragen, ob ihr euch nicht doch zu viel für diesen schönen Frühlingsmorgen in eure zugeballerten Hirne reingepfiffen habt.

Langsam und vorsichtig steigt ihr die Treppe hinauf, du gehst voran und führst die beiden anderen ins Innere des Hauses. Auf halber Strecke hältst du inne, legst eine Hand auf die Wand und kriegst schon wieder Nervenflattern: Die Wand ist warm und weich wie die Türe, und sie scheint zu schwitzen und zu pulsieren wie lebendiges Fleisch. Du drehst dich um und guckst die anderen an, aber die haben nichts bemerkt, und so gehst du einfach stumm weiter.

Oben zieht sich ein langer Gang durchs Haus, wieder viel zu groß, der Gang, das Ende verliert sich im Dunkel. Du siehst eine kniehohe Holzverkleidung, darüber eine alte Tapete aus dem Zeug, dessen Name dir gerade nicht einfällt, so ähnlich wie Krokant. Links und rechts gehen Türen ab, im gleichen Rot wie die Eingangstüre, du stößt die erste rechts mit dem Knie auf und betrittst den Raum.

Das Zimmer ist schwach erleuchtet, in einem roten Licht, obwohl nirgendwo eine Lampe zu sehen ist, Holz an der Wand und Brokat, so heißt der Scheiß nämlich. Der Raum ist leer bis auf einen einsamen Stuhl an der Schmalseite, und über dem Stuhl ist der blaue Kittel einer Supermarktkassiererin drapiert. Du starrst auf den Kittel, und etwas krampft sich in deinem Bauch zusammen. Du siehst die Augen deiner Mutter, müde vom Neonlicht, und sie hebt den Kopf und es legt sich ein Lächeln über ihre erschöpften Züge und sie hebt die Hand und streicht dir sanft durchs Haar. Du zuckst weg, weg von jener Hand mit ihrer rauen Haut, und plötzlich schlägt Scham in dir hoch wie die Brandung. »Heike?«, sagt der Heini von hinten wie in Trance, »Vater …«, sabbelt Dumbo. Du reißt dich los vom Anblick des Kittels, stößt die beiden anderen beiseite und stürzt aus dem Zimmer.

Hinter der nächsten Türe ist wieder nur ein Stuhl und auf dem Stuhl eine abgeschossene alte Geldbörse, auf die jemand Schmetterlinge genäht hat, und dieser Jemand guckt dich traurig an, als er zum ersten Mal bemerkt, dass du ihm Geld geklaut hast, da warst du acht oder neun und wolltest irgend einen Scheiß, du weißt nicht mal mehr, was. Wenn sie geschrien hätte, wär’s besser gewesen, hat sie aber nicht, sie hat nur geschaut, müde und unendlich traurig. In dir steigt der Selbsthass hoch wie Kotze, und du reißt dich von der Geldbörse und deinen Erinnerungen los und rennst aus dem Raum. Vorbei an Dumbo, der jetzt schon bedient ist und auf dem Boden sitzt und flennt und sich den Schnurrbart reißt, vorbei an Heini, der irgendwas von Kindern sabbelt, die er nicht hat haben wollen, und dabei mit den Armen rudert, als hätte er ’nen Krampf, und du stößt die Türen mit der Schulter auf, als wären sie aus Papier. Du siehst das teure T-Shirt, auf das deine Mutter so stolz war und das du bewusst versaut hast, weil du ja was Besseres verdient hattest, und du siehst das Moped, wegen dem du die Typen abgezogen hast, und deswegen musste sie in die Schule und danach hat sie am Küchentisch gesessen und geweint, wie nur jemand weint, der jemanden liebt, der ein Arschloch ist wie du. Du siehst die Sauerstoffflasche und die Schmerztabletten und du siehst die Busfahrtkarte, die du dir schon gekauft und dann nie benutzt hast, weil’s ja wichtiger war, sich mit Lala-Larry abzuschießen, als zu deiner Mutter ins Krankenhaus zu fahren, um ihr beim Sterben zuzuschauen. Irgendetwas tickt in deinem Kopf, und das könnte von einem Scheiß-Krankenhausapparat stammen oder von einer Uhr, die dir sagt, dass alles vorbei ist und alles vergebens, du hast den einzigen Menschen im Stich gelassen, der dich jemals bedingungslos geliebt hat, und nichts kommt wieder und nichts ist wieder gutzumachen und alles ist vorbei und verschissen.

Du siehst die Dinge und du siehst dein Leben und du schlägst den Kopf gegen die Wand, die nachgibt und weich ist wie Fleisch, und die Wand sagt »Willkommen zu Hause«, und von hinten hörst du noch das Jaulen von Dumbo wie das eines Tieres, das vor Einsamkeit blöde wird, und dann bist du über die Grenze und eins mit dem Haus, das Heinz gebaut hat.

Heinz hat das Haus nicht gebaut, nicht alleine jedenfalls. Wir alle, die wir jetzt hier sind, bauen am Haus: mit dem, was wir hätten sein können und dann nicht geworden sind; mit dem, was wir hätten tun sollen und dann versemmelt haben; mit dem, was uns jemand selbstlos geschenkt hat und was uns dann nicht genug war, weil wir Arschlöcher sind, unsägliche Arschlöcher; mit allem, was nicht war, und mit dem, was wir in die schmerzende Leere gekippt haben, Sprit und Crank und Dope und H und Selbsthass.

Wir sind das Haus. Wir sind nicht die Ersten, und nach uns werden andere kommen. Wir halten die Türe offen und die Zimmer erleuchtet. Wir warten auf die Neuen. Wir warten nie lange.

 

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© 2020 by Daniel Krauser.
Alle Rechte vorbehalten.

Über den Autor

Daniel Krauser: Geboren am 23. Januar 1969 in Südwestdeutschland. Grundschule und humanistische Lehranstalt halbwegs unbeschadet überstanden. Vom 19. bis zum 27. Lebensjahr wechselnde Tätigkeiten u. a. als Lkw-Fahrer, Aufbauhelfer, Tankwart und im Tiefbau. Anschließend Studium (Journalistik), danach Arbeit als Journalist. Er arbeitet aktuell bei einer Sonntagszeitung in Südwestdeutschland, vorwiegend als Reporter. Seit etwa eineinhalb Jahren schreibt er (wieder) fiktionale Stoffe, in erster Linie phantastische Kurzgeschichten und Erzählungen, vorwiegend „klassische“ Phantastik und phantastischen Realismus. Rausgeschickt hat er bislang wenig.

Als Nächstes erscheint seine Kurzgeschichte „Das Ding parterre“ in der Anthologie „Geschichten aus dem Keller“ des Verlags Ohneohren.

Die nächste Story erwartet dich am Freitag, den 11. Dezember, genau hier.

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