Draußen in der Heide

© Krystian Piatek/unsplash

FICTION FRIDAY

Draußen in der Heide | Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser


Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser
03.07.2020

Hütet euch, im Schwarzen Moor geht der Moorgeist um und will euch in den Tod locken! Doch zuvor muss Marie gefunden werden, die allein durch die Dunkelheit läuft …

Unsere PAN-Story des Monats von Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser entstammt der Anthologie Irrlichter (Verlag Torsten Low).

 

***

Der Nebel, der mich umgab, leuchtete in blutigem Purpur vom Licht der untergehenden Mutter Sonne. Es war, als hätte sie ihre Adern geöffnet, um ihrem leeren Dasein in dieser Welt ein Ende zu setzen, und als färbte ihr herausströmender Lebenssaft den Himmel und die Erde rot. Schon griffen die Schatten nach ihrem sterbenden Herzen, um mit diesem auch den Rest der Welt in die Finsternis der Nacht zu ziehen. Mit dem schwindenden Licht schlich sich die Angst wie ein Totengeist in meine Gedanken und flüsterte mir zu:

Kehre um. Es ist zu gefährlich im Moor. Du wirst sie nicht finden. Du wirst sterben.

Aber ich wollte nicht aufgeben, ich konnte nicht aufgeben. Mitten im Nirgendwo blieb ich stehen, um mich zu orientieren. Vor mir, am westlichen Horizont, konnte ich die Sonne durch den Dunst ausmachen. Ich kam also von Osten. Aber wie war das möglich? War ich nicht die ganze Zeit nach Norden gelaufen? Abermals hörte ich die grabeskalte Stimme meiner Furcht:

Du hast dich verlaufen. Suche das Dorf, dort ist es sicher. Jetzt hast du noch die Möglichkeit dazu.

Dann aber sah ich wieder Maries ebenmäßiges Antlitz, als stünde sie geradewegs vor mir. Ihr geschwungener Mund lächelte mich an, wie er es stets getan hatte, und eine Strähne ihres duftenden, sommerblonden Haares fiel ihr ins Gesicht – direkt neben der kleinen Narbe an ihrer linken Schläfe, die sie sich damals bei einer unserer Mutproben zugezogen hatte und die wie eine Träne aussah. Ich sah ihre großen Augen vor mir, die manchmal blau oder auch grün glänzten, je nachdem, wie das Licht in sie einfiel. Dieser tiefe, liebevolle Ausdruck, der in ihnen lag … nein, so groß meine Angst auch sein mochte, alleine im Schwarzen Moor, ich musste weiter. Marie war hier draußen in großer Gefahr.

Entschlossen hob ich die Laterne und entzündete sie mit einem Feuerhölzchen, doch ihr schwacher Schein vermochte kaum, den Dunst zu durchdringen.

Das Schwarze Moor war ein schlimmer Ort, es war verfluchtes Niemandsland. Der allgegenwärtige Nebel, der sich nie verzog, schluckte gefräßig das meiste Sonnenlicht und dämpfte alle Laute, sodass man nie wusste, woher sie wirklich kamen. Mit seinen Schwaden verwandelte er die gedrungenen Sumpfweiden in Missgeburten, die mit ihren spitzen Astfingern hungrig nach dem Wanderer griffen. Tod und Fäulnis lagen in der Luft, fleischfressender Sonnentau überwucherte den Boden, schwanger mit klebrigem Sekret, das die Schuhe bis auf die Haut durchweichte. Es hatten schon einige Mutige versucht, das Schwarze Moor zu durchqueren, aber keiner von ihnen war jemals in das Dorf zurückgekehrt. Nicht einmal die Vögel kamen hierher, um ihre Lieder zu singen. Es hieß, der entweihte Boden ließe die darin Umgekommenen nicht ruhen. Als Geister gierten sie nach dem Blut der Lebenden. Diese Untoten brachten die Unglücklichen, die sich zu tief in das Moor hineinwagten, vom festen Grund ab, sodass sie jämmerlich im stinkenden, schwarzen Morast versanken. Es gab beinahe nichts, wovor ich mich mehr fürchtete, als vor den Geistern des Moores. Außer davor, dass sie Marie vor mir finden und sie zu sich in die kalten Tiefen ziehen könnten.

Laut, lauter als zuvor, rief ich Maries Namen, doch ich bekam keine Antwort. Nur das Blubbern der aufsteigenden Blasen in den Tümpeln war zu hören.

Plötzlich gab der Grund unter meinem Fuß nach. Sofort sank ich bis zum Knie ein. Instinktiv ließ ich mich nach hinten fallen und packte ein dickes Büschel Binsen, das neben mir aus dem Boden spross. Die Laterne fiel scheppernd zu Boden, die Feuerhölzer rutschten aus meiner Tasche und verschwanden mit leisem Klatschen im dunklen Wasser. Mit einiger Anstrengung gelang es mir, das Bein wieder aus dem Schlamm zu ziehen. Ich atmete tief durch und hob die Laterne auf. Ihr Lichtlein flackerte, doch es brannte noch.

»Ich muss vorsichtiger sein!«, sagte ich zu mir. Wenn das Licht erlosch, war ich ohne Feuerhölzer verloren. An einer der Weiden schnitt ich mit meinem Messer einen daumendicken Ast ab, den ich als Taststock gebrauchen wollte, um fortan die Festigkeit des Grundes auf meinem Weg zu prüfen.

Als ich weiterging, kam mir eine kleine, zarte Melodie in den Sinn. Es war ein Lied, das ich irgendwann einmal gehört hatte, an dessen Text ich mich aber nicht vollständig erinnern konnte.

 

Da draußen in der Heide,
Zwischen Gagelstrauch und Weide,
Da flocht ich Blumen in dein Haar.
Du sangest Weisen für uns beide
unterm Himmelszelt so klar.

Da draußen in der Heide,
zwischen Gagelstrauch und Weide,
da wurd‘ uns lieblich warm das Herz …

 

Weiter bekam ich es nicht zusammen, aber die Melodie erinnerte mich an früher, als Marie und ich noch Kinder gewesen waren. Ewig währende Sommer hatten wir in unserer kleinen Köhlersiedlung und den angrenzenden Wäldern und Wiesen erlebt; welche Abenteuer und Geheimnisse hatten dort auf uns gewartet!

Doch echte Ewigkeit gibt es nur in der jenseitigen Welt, und so reiften wir heran.

Die letzten Sonnenstrahlen verschwanden, und die Schwere der Dunkelheit senkte sich auf mich und meine kleine Laterne herab. Mutter Sonne hatte sich der Kälte des Todes hingegeben. Trotz des Lampenscheins konnte ich kaum mehr etwas erkennen und schalt mich einen Narren, dass ich Marie alleine und mit nichts als einem Windlicht in das Moor gefolgt war. Aber es war alles so schnell gegangen. Wieder übermannte mich die Angst. Wie sollte ich Marie in der Finsternis finden? Ja, wie sollte ich selber bloß die Nacht hier draußen überleben?

Seltsame Geräusche drangen an mein Ohr. Es klang wie ein Schmatzen. Irgendetwas bewegte sich im Schlamm. Das sind die Geister!, kam es mir in den Sinn. Vor meinem inneren Auge sah ich bleiche, vom trüben Wasser aufgeschwemmte Arme aus dem Morast nach mir greifen. Die Toten verlangte es nach dem Lebendigen. Mein Herz überschlug sich in der Brust, das Atemholen fiel mir schwer. Stieß da etwas gegen meinen Schuh? Mit einem Schrei wirbelte ich herum und stürzte in die Nacht. Wie ein Besessener rammte ich im Laufen meinen Taststock vor mir in den nassen Boden, doch der tückische Grund hielt mich auf, saugte an meinen Sohlen und zwang mich zu einem Irrweg zwischen den Wasserlöchern. Viel zu langsam kam ich voran. Noch immer schien es, als folgte mir etwas mit schweren, schleppenden Schritten. Jeden Augenblick glaubte ich, das weiche, weiße Fleisch verfaulter Finger in meinem Nacken zu spüren. Ich hatte Angst, solche Angst! Meine Lungen brannten wie kaltes Feuer und es stach mir in der Seite. Dennoch versuchte ich, schneller zu laufen. Zweige zerkratzten mir das Gesicht, die Weiden waren meine Feinde geworden. Sie wollten mich festhalten, bis die Toten mich fanden und packen konnten. Schließlich stolperte ich über eine Wurzel und fiel auf die Knie. Bebend hockte ich in der Finsternis und lauschte in die Nacht, aber den Verfolger konnte ich nicht länger ausmachen. Dieses Ding musste von mir abgelassen haben. Doch erst, als es unvermittelt heller wurde und ich den Vollmond erkannte, fand ich langsam wieder zu mir. Seine milchweiße Scheibe war hinter der Wolkendecke hervorgekommen, um mir in der Dunkelheit beizustehen. Dankbar lächelte ich ihn an. Meine Gedanken kehrten zurück zu Marie. Ich dachte daran, wie sie im Mondschein im hohen Gras mein Haupt gestreichelt hatte, und das kleine Lied kam mir wieder in den Sinn. Ich erinnerte mich an die Worte der zweiten Strophe:

 

Da draußen in der Heide,
Zwischen Gagelstrauch und Weide,
Da wurd‘ uns lieblich warm das Herz.
So schliefen wir dann Leib an Leibe.
Eine Zeit, ganz ohne Schmerz.

Da draußen in der Heide,
Zwischen Gagelstrauch und Weide …

 

Es gab noch eine dritte Strophe, aber so sehr ich mich auch bemühte, sie zu fassen, sie blieb im Nebel der Erinnerung verborgen.

Ich beschloss, weiterzugehen. Marie brauchte mich. Ach, würde Gott mir doch beistehen und mir einen Hinweis schicken, wo ich sie finden konnte! Aber vielleicht war sie ja auch schon längst ins Dorf zurückgekehrt, wartete dort auf mich und machte sich große Sorgen. Sie hätte allen Anlass dazu gehabt, denn mittlerweile hatte ich mich hoffnungslos im Schwarzen Moor verirrt.

Immer wieder blieb ich stehen und horchte. Hoffentlich war Marie nichts passiert, hoffentlich würde ich ihr jemals wieder ins Gesicht schauen können. Tränen liefen mir die Wangen hinunter.

»Marie, ich liebe dich so sehr«, flüsterte ich.

Im nächsten Augenblick war mir, als ob ich etwas hörte. Sofort stand ich still. Mein ganzer Körper war angespannt wie eine Bogensehne. War das der Geist? War er doch noch gekommen, um mich zu holen? Da, ich hörte es wieder. Aber es schien sich um eine Stimme zu handeln, eine menschliche Stimme. Ja, jetzt war es ganz klar: Es war ein Mensch, der da rief. Sofort schlug ich die Richtung ein, aus der die Rufe zu kommen schienen. Das war nicht so einfach, denn der Nebel verschluckte sie immer wieder. Aber ich kam ihnen näher, und jetzt verstand ich auch, was sie bedeuteten: »Albrecht, wo bist du?«

Hoffnung spross in mir wie Knospen im Frühling. Im Dorf gab es einen Albrecht; sie waren also auch losgezogen, suchten nach Marie und mir. Vielleicht war Marie längst in Sicherheit, und wenn nicht, hatte ich nun wenigstens Hilfe bei mir.

»Ich bin hier! Hier! Hört ihr mich?«, rief ich und eilte in Richtung der Stimme. Bald erkannte ich den Lichtschein einer Laterne.

»Ist da wer?«, rief die Stimme. »Albrecht? Ich komme!«

Und das Licht tanzte in der Dunkelheit hin und her, genau auf mich zu.

»Ja, hier!« schrie ich und lachte laut.

Im selben Moment brach der Boden unter mir weg. Mit einem lauten Platschen versank ich samt Laterne in einem Moorloch. Augenblicklich wurde es dunkel, und der stinkende Morast stand mir bis zur Brust. Mein Strampeln machte es nur schlimmer, ich sank noch ein Stück tiefer ein. Verzweifelt tastete ich nach etwas, an dem ich mich festhalten konnte.

»Hilf mir, ich bin eingebrochen!«, rief ich.

Mit der Rechten bekam ich eine Wurzel zu fassen und hielt mich mit aller Kraft an ihr fest. Das Licht kam näher.

»Ich bin gleich bei dir!«, rief der Fremde.

Er war nur noch gute zwanzig Schritt von mir entfernt. Ich hörte seine dumpfen Schritte, sein Keuchen. Dann einen Schrei und ein weiteres Klatschen. Das Licht der anderen Laterne erlosch.

»O Gott. Hilfe!«, schrie er. »Ich versinke!«

»Bewege dich nicht und versuche, dich irgendwo festzuhalten!«, rief ich ihm zu.

»Hilfe!«, schrie er aus Leibeskräften, und ich stimmte mit ein. Da näherte sich aus der Richtung, aus der der Fremde gekommen war, eine weitere Laterne. Das musste Albrecht sein.

»Wo bist du?«

»Albrecht!«, rief der Eingesunkene. »Ich bin hier! Gib acht, der Boden ist nicht fest!«

»Warte«, rief Albrecht, »ich reiche dir einen Ast!«

Ich konnte es kaum noch aushalten, bis unter die Achseln reichte mir der Schlamm bereits.

»Habt ihr Marie gefunden?«, rief ich zu ihnen hinüber, denn Marie war mir das Wichtigste.

Aber Albrecht und der Eingesunkene waren zu sehr mit ihrer eigenen Rettung beschäftigt.

»Ja, gut so, gib mir deine Hand! Jetzt hab ich dich!«

Albrecht zog den anderen heraus.

»Ich danke dir, Albrecht«, sagte dieser. »Zur Hölle mit diesem tückischen Moor. Ich habe wahrlich geglaubt, du wärest dort vorne eingesunken. Deine Stimme kam doch von da.«

»Nein, ich bin hier!«, schrie ich, so laut ich konnte. Ich spürte, wie der Morast sich ein weiteres Stück meiner Brust einverleibte. »Ich versinke, helft mir!«

Albrecht machte ein ernstes Gesicht im Schein der Laterne. »Von wo? Von da vorne?«

Albrecht trat ein paar Schritte auf mich zu und leuchtete mit seinem Licht zu mir herüber, doch obwohl er mich hätte sehen müssen, schweifte sein Blick nur suchend umher. Schließlich nahm er die Laterne wieder herunter.

»Da ist nichts«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Bist wohl von Sinnen. Was hab ich dir vor dem Marsch gesagt? Vorsichtig sollst du sein! Hast eine Stimme gehört?«

Verschmiert vom Morast und mit gesenktem Blick, kauerte der Gerettete da und nickte.

»Ein Licht war wohl auch zu sehen, was?«, fragte Albrecht.

Wieder nickte der andere.

»Ich dachte, das wärst du.«

»Nun, wie du siehst, war ich es nicht«, antwortete Albrecht mit strenger Stimme. »Und auch sonst ist dort niemand.«

»Aber ja doch, ich bin hier hinten, beeilt euch!«, rief ich nochmals, aber sie beachteten mich nicht. Und das Schwarze Moor zerrte an mir, verschlang mich bei lebendigem Leibe. Kaum noch fühlte ich meine rechte Hand, mit der ich mich an der Wurzel festklammerte, längst schien sie nicht mehr zu mir zu gehören. Ich wusste nicht, wie lange ich mich noch würde halten können. Der Schlamm reichte mittlerweile bis an mein Kinn. Verzweifelt hob ich es an.

»Was ist los? So helft mir doch!«, schrie ich noch einmal. »Ihr könnt mich doch nicht versinken lassen!«

Die Männer sprachen seelenruhig weiter.

»Hast Glück gehabt«, sagte Albrecht zu dem Geretteten und half ihm auf die Beine. »Das kann nur der Moorgeist gewesen sein, der dich in den Tod hat locken wollen!«

»Der Moorgeist? Aber so was gibt’s doch gar nicht …«, fing der andere an, doch Albrecht unterbrach ihn.

»Ei, freilich gibt’s den! Du weißt’s bloß nicht, was? Bist ja nicht von hier. Ein junger Köhler war er, der Geist, bevor er eine Frau im Moor erwürgt und sich danach selbst das Leben genommen hat.«

»Was sagst du da?«, fragte der andere.

»Ist schon eine Weile her. Vierzig Jahre wohl. Aber jeder hier weiß es noch genau. Bekreuzigt haben sie sich damals, als sie ihn fanden, denn noch im Tod hielt er die Frau in den Armen, so fest, dass man sie kaum von ihm fortnehmen konnte. Und wenn du mich fragst, so hätten sie’s auch besser bleiben lassen. Denn seitdem spukt er hier herum und sucht nach ihr. Man sagt, bei Vollmond könne man ihn manchmal rufen hören oder seine Laterne sehen. Ein verdammtes Irrlicht. Hat schon viele damit ins Verderben geführt, aus Rache, heißt es, weil sie sie ihm weggenommen haben, die schöne Frau. Nun schau mich nicht so an, dich hat er ja nun doch nicht erwischt! Komm jetzt, die anderen warten. Wir müssen weiter, weg aus diesem gottverlassenen Moor.«

Eiskalt schnitten seine Worte in mein Herz.

Was sagte dieser Albrecht da? Der Moorgeist, ein junger Köhler? Er hatte eine Frau erwürgt? Vor Jahrzehnten?

Das Licht entfernte sich von mir, bis ich wieder alleine in der Finsternis war. Wie betäubt war ich, als hätte mich der Schlag eines Schmiedehammers getroffen. In meinen Ohren summte es wie von tausend Bienenschwärmen. Erinnerungen jagten durch meinen Kopf, drängten an die Oberfläche. Es war doch alles schon so lange her! Ich konzentrierte mich auf die Bilder in meinem Kopf.

Ich erkannte mein Messer und Blut; Blut, das aus meinen Armen strömte und in das Dunkelwasser des Moores tropfte. Ich fühlte unerträglichen Schmerz, doch er stammte nicht von den Wunden. Er wütete in meiner Brust.

Mittlerweile schwappte der Sumpf über mein Kinn, meinen Mund und in meine Ohren. Mit aufgerissenen Augen starrte ich hinauf zum weißen Mond.

Stärker noch versuchte ich, mich zu erinnern.

Ich sah Marie. Sie lachte ihr strahlendes Lachen. Doch dann lachte sie nicht mehr, sondern schaute mich entsetzt an. Sie stieß mich weg. Sie schrie mich an, mit Worten, die mir das Herz aus der lebenden, atmenden Brust schnitten.

»Es ist falsch! Es ist unnatürlich!«

»Aber was kann an aufrichtiger Liebe falsch sein?«

Es war meine Stimme, die ich wie aus weiter Ferne wahrnahm.

»Bei Gott, du bist mein Bruder!«

Dann waren da Hände, kräftige Hände, die sich um Maries Hals legten und ihn zudrückten. Wie ein Blitz durchfuhr es mich, als ich die Hände erkannte: Es waren die meinen, mit denen ich Marie doch bloß hatte halten wollen, sie beruhigen, berühren.

Meine Tränen mischten sich mit dem Morast, als er sich über mir schloss. Und zurück kehrte die letzte Strophe des kleinen Liedes.

 

Da draußen in der Heide,
Zwischen Gagelstrauch und Weide,
Da sagtest du, du müsstest geh’n.
Aus Liebe tat ich dir ein Leide.
Werde dich nie wieder seh’n.

 

***

© 2015 by Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser. Erschienen in: Die Irrlichter. Hrsg. v. Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser. Verlag Torsten Low 2015.

Alle Rechte vorbehalten.

Über die Autoren

Thomas Lohwasser und Vanessa Kaiser stammen beide aus dem idyllischen Mittelhessen. Seit 2009 schreiben sie als Autorenduo phantastische Geschichten mit zumeist düsteren Einschlägen, die bisher in zahlreichen Anthologien veröffentlicht wurden. Zudem sind sie Herausgeber dreier Kurzgeschichtensammlungen und wirken seit 2015/2016 in der Jury der Storyolympiade mit. Im Oktober 2016 erschien im Verlag Torsten Low ihr erster Roman »Herbstlande«, der in Gemeinschaftsarbeit mit Fabienne Siegmund und Stephanie Kempin entstand. »Herbstlande - Verklingende Farben« folgte im Oktober 2019.

2019 starteten sie außerdem (als Autorentrio mit Thomas Karg) das Projekt »Die Erben Abaddons«, eine postapokalytische Romanreihe mit Science-Fiction- und Adventure-Anteilen. Bisher erschienen: Band 1, »Nimmerland« und Band 2, »Remedium«. Weitere Bände sind in Arbeit.

Seit 2017 sind sie Vollmitglieder bei PAN.

Weitere Infos unter: www.lohwasser-kaiser.de

 

Die nächste Story erwartet Dich am Freitag, den 24. Juli, genau hier.

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