Der Recycler | Günther Kienle

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FICTION FRIDAY

Der Recycler | Günther Kienle


Len arbeitet auf einer Recycling-Station. Doch es fliegt nur noch so wenig Weltraum-Müll herum, dass die Station abgeschafft werden soll – und damit auch Lens Job …

Unsere PAN-Story des Monats, »Der Recycler« von Günther Kienle, stammt aus der Anthologie  Maschinen – Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018 (Verlag Torsten Low).

***

Len nahm die Mundharmonika von den Lippen und steckte sie in die Brusttasche. Tränen trübten seinen Blick auf den blauen Planeten. Zum fünften Mal feierte er ihren Geburtstag – ohne sie. Bevor Len sich vom Bullauge abstieß, stoppte er die Kerzensimulation. Er schwebte zum Kontrollpanel, um das Radio einzuschalten.

»Die von Beginn an umstrittene Recyclingstation Whiskey Victor 17 könnte bald ausgedient haben. Vertreter des IADCs stimmen morgen darüber ab, ob die Station nach sechs Jahren Betrieb stillgelegt wird. Gemäß gut informierter Quellen ist der Ausgang der Abstimmung völlig offen.«

Bestürzt schaltete Len ab. Er versuchte Pierre zu erreichen, doch über den ExKom meldete sich nur eine Vertretung. Wieso hatte ihm Pierre nichts gesagt? Und wieso hatte er seine Schicht getauscht? Wenn sie die Station dichtmachten, holten sie Len wieder auf die Oberfläche. Unwillkürlich massierte er seine Wirbelsäule.

Die Wände vibrierten, und die Mahlwerke des Recyclers dröhnten durch die Station. Len sah auf die Uhr. Die letzten Monate dauerten die automatischen Wartungsläufe länger als die eigentliche Arbeit.

Der unerträgliche Ton der Warnhupe fuhr Len durchs Mark. Er kontrollierte das Statusdisplay des Recyclers. Die Leistung des Sekundärkühlers lag schon bei siebzig Prozent – und das im Leerlauf. Der Hauptkreislauf lief schon lange nicht mehr. Bei den wenigen Sammlern, die derzeit noch andockten, reichte die Leistung des Sekundärkühlers aus, aber eine Schadensmeldung kurz vor dieser Abstimmung wäre fatal.

Len glitt durch die Verbindungsgänge zum Recyclemodul, griff zur Werkzeugtasche und hangelte sich zum Kühlsystem. Bei jeder Berührung des Recyclers schien es ihm, als streiche er über Myrna. Das war das Einzige, was ihm von ihr geblieben war: ihre Maschine, ihr Ein und Alles. Zärtlich legte er seine Hand auf den Sekundärkühler und fühlte in die Maschine hinein.

Zwei Stunden später schwebte Len zum Bullauge zurück und spielte Mundharmonika. Der Kühlkreis lieferte wieder neunzig Prozent Leistung. Immerhin. Die Fehlermeldung hatte er ohne Skrupel aus dem Protokoll gelöscht - schließlich hatten die da unten schon ganz andere Vorfälle manipuliert. Erneut sah er Myrnas Gesicht vor sich. Manchmal überlegte er, wie es wäre, ihr zu folgen.

Ein Signalton unterbrach seine Gedanken. Der ExKom meldete die Ankunft von Dyson Space Vessel 2713. Das war Grischa! Len glitt zur Ladeschleuse, um den alten Haudegen zu begrüßen.

»Alter Eisenfresser«, rief Grischa wenige Minuten später. »Hab deinem Maschinchen was mitgebracht. Hoffentlich halten das seine Dritten aus.«

Er stieß einige mit Satellitenschrott gefüllten Säcke in Lens Richtung.

»Mehr als eine Viertelstunde Arbeit hast du nicht dabei. Wird wohl langsam sauber da draußen.«

Grischa schnaubte. »Da draußen fliegt immer weniger rum. Meine Netze sammeln nur noch das kleine Zeug.«

»Kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wann zuletzt ein Greifer angedockt hat«, sagte Len. »Ich glaube, er brachte einen Satelliten der GLONASS-Reihe.«

Beide sahen aneinander vorbei und schwiegen. Es war offensichtlich, dass Grischa nicht wegen der paar Säcke Weltraumschrott angedockt hatte.

»Lass uns einen auf sie trinken«, sagte Len schließlich.

Er glitt aus der Schleuse und kramte zwei Trinkbeutel mit einer dunklen Flüssigkeit aus seinem Spind. Stumm prosteten sie sich zu und saugten einen großen Schluck heraus. Die ungewohnte Schärfe brachte Len zum Husten. Alleine trank er selten. Einsamkeit und Alkohol waren schlechte Freunde. Schon jetzt spürte er, wie ihm der Schnaps in den Kopf stieg.

»Hätte ich Myrna nicht kennengelernt, säße ich jetzt vielleicht auf dem Mond. Aber heute bin ich zu alt.«

Grischa seufzte. »Vor zwei Jahren wollte ich mich für die Mondstation bewerben. Sie haben mich ausgelacht und gefragt, ob ich glaube, dass sie dort ein Seniorenheim betreiben. Also habe ich mich damit abgefunden, dass ich irgendwann in der Glenn-Ford-Klinik lande und Rollstuhlrennen fahre. Das war dir doch auch klar, als du die Verzichtserklärung unterschrieben hast.«

Len zuckte mit den Schultern. »Ich hatte gehofft, es bis siebzig hier auszuhalten. Aber jetzt bin ich erst Mitte fünfzig, und morgen stimmen sie ab, ob sie den Recycler stilllegen. Und dann werden auch keine Sammler mehr gebraucht.«

»Es ist zum Heulen«, sagte Grischa. »Aber Olsen hat es geschafft, seine Muskeln aufzubauen und die Knochen in Schuss zu bekommen. Konnte er nicht wieder kurze Strecken ohne Hilfe laufen? Ist eine Weile her, dass ich von ihm gehört habe.«

»Apropos, was treibt eigentlich Thomsen?«, fragte Len. »Er soll eine Auszeichnung erhalten haben.«

»Als Säufer des Monats?«

»Ich mag es nicht, wenn du schlecht über ihn sprichst. Er war mein Ausbilder.«

»Hast ja recht«, lenkte Grischa ein. »Wer weiß, was aus uns einmal wird? Werd auf der nächsten Tour Ausschau nach ihm halten. Unsere Erntebahnen überdecken sich manchmal. Letztes Mal hat er nichts von einer Auszeichnung erwähnt.«

 

Lens Kopf dröhnte im arrhythmischen Getöse des Recyclers. Er war wieder allein. Sack für Sack entleerte er in den Ansaugschacht der Maschine. Das hässliche Knirschen von Metall auf Metall ließ ihn aufhorchen. Das unterschied sich von den üblichen Arbeitsgeräuschen! Er schlug auf den Notausschalter und schwebte zum Maschinenmodul. Dort schaltete er die komplette Anlage stromlos und strich über die Verkleidung der Grobzerkleinerung.

»Was fehlt dir, mein Kleines?«

Beunruhigt stieß sich Len zu den Schränken ab und zog die Werkzeugtasche heraus. Seine Fingerspitzen fuhren gedankenverloren über Myrnas in das Leder eingebrannten Namen. Eigentlich war er Meteorologe, aber er reparierte die Maschine nun schon seit so vielen Jahren, dass er sich mehr als Mechaniker fühlte. Behutsam löste er die äußeren Bleche und arbeitete sich in das Herz der Maschine vor. Eines der Hauptprobleme blieb die Schwerelosigkeit. Wie oft hatte er sich Magnetleisten gewünscht! Eine unachtsame Bewegung und alle Teile wirbelten durcheinander.

Eine halbe Stunde später fand er das Problem: Ein Strang Stahl hatte sich um eine der Verkleinerungswellen gewickelt. Die Schneiden verloren mit der Zeit ihre Schärfe oder rissen einfach ab. Zu allem Unglück sah das Knäuel zu dick aus, als dass er es mit Muskelkraft herausziehen könnte. Len wurde bleich. In diesem Zustand war der Recycler nicht mehr wert als der Schrott, den er verarbeitete. Es war besser, er trank erst mal einen Kaffee und vertrieb die Schnapsgeister aus seinem Kopf.

 

Selbst nach der Schlafphase fühlte sich Len noch erschöpft. Mit roher Gewalt war es ihm gelungen, die Welle freizubekommen. Zum Glück hatten die Schneiden hinterher gar nicht so schlecht ausgesehen. Der restliche Weltraumschrott war in acht Minuten durchgelaufen und die Materialien getrennt in den jeweiligen Sammelbehältern gelandet. Der Container mit den Rohstoffen für die Mondstation zeigte fast maximalen Füllstand an.

Hoffentlich wickelte sich beim nächsten Durchlauf nicht wieder eine Strebe um diese Welle! Und eine Ersatzteilmeldung brauchte er gar nicht erst abzusenden.

Er sah auf die Uhr. Pierres Schicht hatte begonnen. Seit Stunden brannte Len darauf, von seinem Freund zu erfahren, was wirklich hinter dieser Sache steckte. Er stieß sich von der Wand ab und hangelte sich zu den Kontrollen. Wenige Sekunden nach der Kontaktanfrage zeigte der Monitor das vertraute hagere Gesicht mit den melancholischen Augen.

»Salut, du Brummkreisel«, begrüßte ihn Pierre mit seinem elsässischen Dialekt.

»Ich spuck dir auf den Kopf, Erdmännchen«, antwortete Len, aber der alte Kalauer klang heute nicht fröhlich, sondern bitter.

»Du hast mir jahrelang auf den Kopf gespuckt und nie getroffen.«

Beide schwiegen sich einige Augenblicke traurig an.

»Was sagt der Flurfunk zur Abstimmung, Pierre?«

»Ach, Len, wenn ich ehrlich bin, sieht es nicht besonders gut aus. Du weißt, wie ich abstimme, aber ich habe nicht mehr so viel Einfluss wie früher.« Er zögerte. »Ich weiß, was dir die Station bedeutet. Vielleicht gelingt es mir, dass wir einen Teil des Recyclers im Museum of Space unterbringen.«

»Gleich wirst du mir noch einen behindertengerechten Arbeitsplatz als Museumsführer anbieten.«

Pierres sonst so fröhliche Mundwinkel spiegelten die Melancholie seiner Augen wider. »Warum hast du bloß den Verzicht unterzeichnet und bist nicht regelmäßig auf die Erde zurückgekehrt?«

»Du warst nie hier oben, Pierre. Dieser Blick in die endlose Weite der Sterne … diese funkelnden Edelsteine auf schwarzem Samt … das Gefühl, wenn die Sonne hinter dem Horizont auftaucht … Weißt du, wie wunderschön dieser Planet aussieht, auf dem ihr Landwürmer herumkriecht? Und erzähl mir nicht, dass du das in 4D-Simulationen schon tausendmal erlebt hättest. Das ist kein Vergleich.«

»Aber war es das wert, Len? Du hast noch mehr als zehn Jahre bis zur Rente, und dein Körper ist am Ende. Deine Muskeln kannst du trainieren, aber die Knochen sind im Eimer.«

»Allein das Jahr mit Myrna war es wert. Erzähl mir lieber etwas über Bronstein. Normalerweise steckt er doch hinter den Angriffen auf die Station. Kannst du ihn nicht unter Druck setzen? Sag ihm, er hätte die Schweinerei mit Myrnas Raumanzug nicht gut genug vertuscht. Du brauchst ja keine Beweise zu liefern, es reicht, wenn er nervös wird.«

»Du hast keine Ahnung von der Stimmung hier unten. Es sind nicht nur Bronstein und seine Seilschaft, sondern all diese jungen Managertypen. Aber ich verspreche dir, dass ich versuchen werde, das Beste für dich herauszuholen.«

»Warten wir’s ab.« Len grüßte in die Kamera und unterbrach die Verbindung. In diesem Moment hätte er Pierre am liebsten tatsächlich auf den Kopf gespuckt.

Er kehrte in das Maschinendeck zurück und sah durch das Bullauge die Sonne hinter der Erdkugel verschwinden. Die Menschen glaubten immer, es wäre absolut still im Weltall, dabei summte und knackte es in der gesamten Station. Versonnen strich er mit der Hand über den Recycler.

 

Nach dem Mittagessen meldete der ExKom einen analogen Anruf. Len aktivierte die Verbindung. Aus einem verrauschten Bild erschien Grischas blasses Gesicht.

»Schon was von der Abstimmung gehört, Len?«

»Bis jetzt nicht. Pierre hätte mich sicher sofort angerufen. Bist du nervös?«

Grischas Gesicht blieb ausdruckslos. »Hab was von Thomsen gehört.« Er machte eine Pause. »Besser gesagt: gesehen. Seit zwei Stunden verfolge ich ihn auf dem Radar. Sein Kurs führt direkt zur Sonne. Aber er reagiert nicht auf Funksignale.«

Lens Hände zitterten. »Wie genau ist der Kurs?«

»So genau, dass es kein Zufall sein kann.«

»So ein Mist!« Er griff unbewusst an seine Brusttasche. »Wann hast du zum letzten Mal mit ihm gesprochen?«

»Vor einer Woche. Er sagte mir, er hätte keine Lust, im Rollstuhl zu enden. Und er würde am Ende seiner Reise ein Licht sehen. Ich dachte, wir hätten zu viel getrunken und er bekäme den Moralischen.«

»Thomsen«, sagte Len. »Zum Abschluss meiner Ausbildung hat er mir die Mundharmonika geschenkt. Und bald geht er in die Ewigkeit ein, so wie … so wie sie.«

»Ich denke oft an sie«, sagte Grischa ungewohnt weich. »Und an diesen verflixten Anzug.«

Len schluckte. »Sie sagte: Wenn du ständig meinen Job an der Maschine übernimmst, dann erledige ich eben deinen am Sonnensegel. Wie konnte ich sie nur in einem dieser abgelaufenen Raumanzüge rauslassen?«

»Du bist in den alten Dingern doch auch immer raus. Myrna wusste schon, was sie damit riskierte. Also denk nicht mehr darüber nach. Lass uns einen auf Thomsen trinken und auf die alten Zeiten.«

»Während der Abstimmung trinke ich nichts. Aber danach melde ich mich bei dir.«

 

Vier Stunden später hatte Len noch immer nichts von Pierre gehört. Im Ground Center brach der neue Tag an, und das Ergebnis der Abstimmung musste eigentlich schon feststehen. Trotzdem schwiegen sich die Nachrichten über das Thema aus.

Len sah durch das Bullauge ins All und griff in die Brusttasche. Seine Hand packte die Mundharmonika, aber er brachte es nicht fertig, sie an den Mund zu setzen. Auf seiner Brust spürte er einen unnatürlichen Druck. Vor seinem inneren Auge sah Len Myrnas Anzug reißen und die Luft entweichen. Sie entfernte sich kreisend von der Station, und hörte noch einmal diese grausamen Geräusche über ihren Helmfunk.

Len schluchzte. Seine Gedanken überschlugen sich. Er dachte an die Verzweiflung Thomsens und was er empfinden musste, auf seinem letzten Flug. Dann sah er eine Vision seiner selbst, zusammengesackt in einem Rollstuhl, den Kopf mühsam zum Nachthimmel erhoben, um wenigstens einen Hauch der Sterne zu erblicken.

Lange Zeit später steckte er die Mundharmonika zurück, wischte sich übers Gesicht und stieß sich zum ExKom ab. Zähe Sekunden nach der Kontaktanfrage zeigte der Bildschirm diesen Schnösel Alain. Seine Ohren leuchteten rot unter den Haaren hervor, und er schien zu schwitzen.

»Hallo, Len.«

»Wo ist Pierre?«

»Wir haben kurzfristig die Schichten getauscht.«

»Wieso das? Wie lief die Abstimmung? Glaubt ihr, ihr könnt mich verarschen?«

»Beruhige dich, Len, alles wird gut.« Alain sah hektisch zur Seite. »Bleib cool, bis sich jemand bei dir meldet.«

»Ich soll cool bleiben?«, entfuhr es Len. »Was für eine Nummer läuft bei euch da unten?«

Alain verzog das Gesicht. »Ich hatte befürchtet, dass du so reagierst. Mach keinen Unsinn und vertrau uns!«

Der Bildschirm wurde schwarz, und Lens weitere Anfragen blieben unbeantwortet. Er ballte die Fäuste und war kurz davor, auf die Konsole zu schlagen.

In der Statusanzeige erschien eine neue Meldung. Len erschrak. In einer halben Stunde dockte ein Transport an. Der Kennung nach handelte es sich um das schwere Transportshuttle für Sondereinsätze. Len zitterte.

 

Über eine Minute starrte er den Countdown im Statusdisplay an. Schließlich löste er sich aus seiner Starre und glitt Modul für Modul durch die Station. Im Maschinenraum, vor dem Zentrum der Maschine, brach er in Tränen aus. Die salzigen Tropfen schwebten bizarr in alle Richtungen. Er drückte die Wange an die Verkleidung des Recyclers und breitete seine Arme aus, als wolle er die Anlage umschlingen. Die Visionen, wie Myrna starb und er auf der Erde im Rollstuhl saß, kehrten zurück. Je länger sie dauerten, desto stärker reifte sein Entschluss, die Station zu verlassen.

Aufgewühlt hangelte Len sich zur kleinen Schleuse und stülpte den Raumanzug über. Das Andocksignal erklang. Hastig rastete er die Stiefel ein. Er wollte nicht in der Schleuse sterben. Ein Ruck fuhr durch die Station. Der Helm taumelte davon, und es kostete Len wertvolle Sekunden, ihn wieder einzufangen.

Eine bekannte Stimme drang gedämpft durch den Helm an seine Ohren. »Len, wo steckst du?«

Pierre? Er zögerte. Sollte er nicht doch auf die Chance im Museum hoffen? Als Bewahrer der Maschine? Für sie?

»Ich bringe gute Neuigkeiten.«

Das Erdmännchen tauchte mit dem Abrisskommando auf und faselte von guten Nachrichten?

Pierres Stimme näherte sich. »Salut!«

Len schob den Helm in die Halterung zurück und glitt zum Verbindungsmodul, wo er auf seinen Freund traf.

Pierre sah ihn erstaunt an. »Warst du draußen?«

»Gute Neuigkeiten? Darf ich beim Abreißen helfen?«

Pierre griff sich an den Kopf. »Ich hätte es dir doch über Funk sagen sollen! Aber ich wollte dich persönlich überraschen.«

»Hast du mir einen goldenen Rollstuhl mitgebracht?«

»So lass mich doch erklären …«

»Was gibt es da zu erklären, die Station wird abgewrackt.«

»Ja. Nein.« Pierre wirkte verzweifelt. »Die Station wird zwar aus dem Orbit entfernt, aber …«

»… samt Wärter im Museum ausgestellt«, unterbrach ihn Len.

»Hör doch mal zu, Len. Ich hab einen Deal mit den Mondjungs eingefädelt. Ihre Geologen können den Recycler für ihre Gesteinsproben brauchen. Dafür wurde ihnen bisher kein Budget bewilligt, und deine Maschine und die Umrüstung bekommen sie zum Schnäppchenpreis.«

»Myrnas Erbe soll also auf dem Mond weiterleben. Willst du mir damit meine Zukunft als Krüppel versüßen?«, schrie Len. Er stieß sich ab, um das Erdmännchen am Kragen zu packen.

»Sie brauchen einen Techniker«, rief Pierre.

Irritiert hielt Len sich an einem Haltegriff fest und starrte ihm ins Gesicht. »Was?«

»Die geringe Anziehungskraft des Mondes ist für deinen Körper kein Problem. Und der Blick auf die Sterne und die aufgehende Erde soll wunderschön sein.« Er zwinkerte. »Aber ich kenne das nur aus 4D-Simulationen.«

Len sah seinen Freund sprachlos an. Pierre legte ihm die Hand auf die Schulter.

»Und jetzt zeig mir, von wo man am besten auf die Erde spucken kann.«

 

 

***

 

© 2018 by Günther Kienle

Erschienen in: Maschinen – Die besten Geschichten der Storyolympiade 2017/2018. Hrsg. v. Martin Witzgall und Felix Woitkowski. Verlag Torsten Low 2018.

Alle Rechte vorbehalten

Über den Autor

Günther Kienle wurde 1968 am Bodensee geboren. Sein Steckenpferd ist die Kurzgeschichte. Bei mehreren Verlagen sind zahlreiche Geschichten in thematisch sehr unterschiedlichen Anthologien erschienen. Die Bandbreite seiner Protagonisten reicht vom melancholischen Magier über tolkieneske Zwerge, Tee trinkende Studentinnen, Axolotl-Cyborgs und dem Personal von Weltraumkneipen bis zum Gitarre spielenden Tod.
Ein Roman ist in Vorbereitung.

www.guentherkienle.de www.facebook.com/GuentherKienle

 

Die nächste Story erwartet Dich am Freitag, den 19. Juni, genau hier.

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