Länder, Jedi, Abenteuer - Folge 26: Die Nörgel-Nerds oder: Früher war alles trekker

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KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer - Folge 26: Die Nörgel-Nerds oder: Früher war alles trekker


Wenn ein Anime-Cosplayer einen Heftroman-Con betritt, explodiert ihr Blutdruck. Wenn ein Captain der Sternenflotte flucht, springen sie wütend aus dem Fernsehsessel. Und wenn irgendwelche Mittzwanziger in David Tennant den allerbesten Doctor Who von allen erkannt haben wollen, beklagen sie den Untergang der Fankultur (und des allgemeinen Intelligenzniveaus). Nein, Nörgel-Nerds haben es nicht leicht. Überall sehen sie sich von Dummköpfen umgeben. Auf jeder Con, an jedem Stammtisch verzweifeln sie an den Ahnungs- und Geschmacklosigkeiten ihrer Fankollegen. Kapieren die denn nicht, dass nur sie recht haben und dass früher wirklich alles besser war?

Der Fanotyp

Geschmack macht einsam. Entsprechend tritt der Nörgel-Nerd meist solo in Erscheinung. Er lebt dafür, sich über die fannischen Irrungen der anderen (meist: der jüngeren; gern auch: der weiblichen) Fans zu beschweren. Wann immer er nicht lautstark Kritik an den Meinungen und an den Vorlieben seiner Club- oder Stammtischkollegen äußert, zerbricht er sich im stillen Kämmerlein den Kopf über sie. „Discovery“ sei die beste Star-Trek-Serie? Luke Skywalker sei ein von Selbstzweifeln zerfressener Antiheld? Alle James Bonds vor Daniel Craig wären unguckbar? Oh, diese Narren …

Nörgel-Nerds stehen immer mit einem Bein auf der Kanzel, wollen sie eigentlich doch den ganzen Tag lang predigen. Sie sehen es als ihre Aufgabe an, anderen Fans wortreich aufzuzeigen, dass diese null Ahnung von der Materie haben und es eigentlich nur eine korrekte Meinung zu nerdigen Themen geben kann – nämlich die ihre. Sie halten ihre Nase hoch und in jeden Wind, der kommt. Ihr Zorn lodert heller als die Sonne über Arrakis. Rutsch rüber, Mansplaining. Hier kommt Fansplaining!

Dinner for Fan

Da man den Nörgel-Nerd meist in Online-Foren oder in den Kommentarspalten genretypischer Webseiten antrifft, wo er nach Streit sucht und predigt, predigt, predigt, ernährt er sich bevorzugt von der Sorte Fingerfood, die problemlos neben seine PC-Tastatur passt und auch kalt noch schmeckt. Doch selbst wenn er nur Chips und Gummibärchen futtern sollte, sieht er sich im Geiste die Herzen seiner Argumentationsgegner zerkauen. Sie wissen schon: dieser Idioten, die ihm einfach nicht glauben wollen, dass der Doctor gar keine Frau sein kann und nur der originale „Blade Runner“ ein gottverdammtes Meisterwerk ist!

Sag, was du willst, aber …

Im Prinzip bedienen sich Nörgel-Nerds des gleichen Vokabulars wie alle anderen Hirnlos-Hardliner. Ob sie nun gegen den Untergang des Abendlandes oder bloß den des Highlander-Franchises auf ihre Kanzel steigen, im Grunde sagen sie nur: „Früher war alles besser“. Und hüben wie drüben haben sie damit unrecht, denn sie erklären ihre individuelle Meinung zur allgemeinen Norm und zur einzig wahren Wahrheit.

Nörgel-Nerds sehen nur bis zum Tellerrand, sind aber emsig darauf erpicht, selbigen bis aufs Blut zu verteidigen. Jegliche Kritik prallt an ihnen ab wie der Orkprügel am Brustharnisch eines Soldaten aus Gondor, denn wer sie kritisiert, bestätigt ihnen nur seine Ahnungslosigkeit.

Bloß nicht nachmachen!

Glauben Sie mir: Nichts ist leichter, als einen Nörgel-Nerd zu ärgern. Dafür müssen Sie nicht einen einzigen Finger rühren, denn Ärgern ist die größte Passion dieser Menschen. Sollten Sie am Stammtisch, auf dem Con oder im Forum einem Exemplar des Nörgel-Nerds begegnen und über dessen Kurzsichtigkeit staunen wollen, beginnen Sie das Gespräch doch mit einer der folgenden (sicher diskutablen, als individuelle Meinung aber natürlich absolut vertretbaren) Aussagen:

  1. Bei „The Walking Dead“ ist die TV-Serie besser als die Comics.
  2. Captain Kirk war ein schmieriger alter Chauvinist und sonst nichts.
  3. Harrison Ford ist viel zu alt, um noch mal Indiana Jones zu spielen.
  4. Hoffentlich rebootet bald mal jemand „Babylon 5“. Die alten Folgen kann man heute ja niemandem mehr zumuten.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in die schillernde Subkultur der Geeks.

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