Terminator - Sarah Connor

© 20th Century Fox Home Entertainment

FILM

Ripley, Leia & Co. - Frauenfiguren in Geek-Filmen der 80er


Die 80er haben uns einige der ersten und wichtigsten starken Frauen in Geek-Filmen gegeben. Wir alle kennen Sarah Connor aus "Terminator", Ellen Ripley aus "Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" und natürlich Prinzessin Leia aus "Krieg der Sterne". Und außerdem … ja, wen eigentlich noch? Und was soll eine „starke Frauenrolle“ eigentlich bedeuten?

Lautet die Antwort lapidar: Ein Film mit einer Frau, die eine Waffe in die Hand nimmt, damit schießt und dabei weder übermäßig sexualisiert wird, noch auf einen Mann angewiesen ist? Ja, wo kommen wir denn da hin? Das ist ja wie Barbarella, nur in langweilig!

Gerade Science-Fiction und Horror wurden als Genres für Männer angesehen, und die Frauenrollen darin waren darauf ausgelegt, jungen, männlichen Fans zu gefallen. Vom Drehbuchautor bis hin zum Produzenten handelte es sich um Filme von Männern für Männer. Frauen waren dabei Dekoration, die es gelegentlich zu retten oder zu begatten galt. Und dann kam Leia. Eine Prinzessin, die schlagfertig und selbstständig ist, Befehle erteilt und auch selbst kämpft – so viel Fortschrittlichkeit war nicht nur revolutionär, sondern von George Lucas keineswegs so beabsichtigt. Glücklicherweise fand jedoch niemand am Set sein Drehbuch besonders gelungen, und so bat er heimlich weitere Autoren um Verbesserungen am Skript. Gloria Katz und ihrem Mann Willard Huyck ist es zu verdanken, dass Leia zur ersten Prinzessin wurde, die auch Arsch treten durfte.

Zumindest manchmal. Dass Lucas weiterhin die Oberhoheit am Set besaß, erkennt man zum Beispiel am eklatanten Mangel an Unterwäsche, dem sich die Darstellerin Carrie Fisher zu unterwerfen hatte und den sie in späteren Jahren gemeinsam mit Lucas’ Attitüde immer wieder kritisch kommentierte. Auch als Fans sollte uns heutzutage Leias Auftritt als „Slave Leia“, einer Lustsklavin in Jabbas Palast, zumindest ein bisschen Unwohlsein verursachen, da er doch stark die Rolle verdeutlicht, die Lucas ursprünglich für angemessen hielt. So ist Leia nicht immer und ausschließlich eine starke Frau – das verhindert das teils arg widersprüchliche Drehbuch. Es ist deutlich spürbar, dass sowohl Carrie Fisher als auch Katz und Huyck versuchten, aus Leia eine selbstständige, coole Heldin zu machen, doch Lucas maß dem offensichtlich keine besondere Relevanz bei. Dennoch bahnte Leia durch ihre unerwartet signifikante Rolle vor allem im ersten Star Wars-Film sicherlich den Weg für unsere nächste Heldin: Ellen Ripley.

Alien - Ellen Ripley

© 20th Century Fox

„Get away from her, you bitch!“

Ripley ist in jeder erdenklichen Hinsicht beeindruckend. Als Crewmitglied eines Raumschiffs ist sie gleichberechtigt, nicht besonders beliebt oder unbeliebt, sie macht ihren Job wie alle anderen und genießt keine Sonderbehandlung. Die Frauen in Alien dürfen statt kurzer Röcke und High Heels sogar die gleichen Uniformen tragen wie die Männer. Darüber hinaus ist Ripley einfach eine realistisch und cool gezeichnete Protagonistin – sie behält in der Krise einen klaren Kopf, selbst wenn sie sich damit gegen Autoritäten stellt. Daneben ist sie keineswegs eine Sexbombe, sondern überzeugt mit hartem, realistischem Körpereinsatz im Kampf. Sie schwitzt und blutet wie selten eine Heldin zuvor, sie flucht, schießt, überlebt. Das gab es zuvor nur bei Männern.

Genau das ist das Geheimnis dieser absolut überzeugenden starken Frauenrolle: Sie war ursprünglich für einen Mann gedacht. Ridley Scott gebührt heute noch Ehre dafür, dass er die Rolle kein Stück änderte, als er statt eines männlichen Schauspielers Sigourney Weaver als Darstellerin auswählte. Auch heute ist eine so menschliche, unstereotype Zeichnung eines weiblichen Charakters im Film ungewöhnlich und stößt mitunter auf massiven Widerstand (man denke nur an den heftigen Backlash, den Mad Max: Fury Road einfuhr). Damals stellte sie einen absoluten Geniestreich dar. Und auch in Aliens – Die Rückkehr von 1986 lässt Ripley kein Stück nach, sondern geht den klassischen Weg des Actionhelden: Noch größere Waffen, noch krassere Action.

Terminator - Sarah Connor

© 20th Century Fox Home Entertainment

She’ll be back – zum Glück

Und wen gab es da sonst noch in den 80ern? …Ach ja, Sarah Connor. Die taffe Heldin, die für ihren Sohn alles tut, aus der Psychiatrie ausbricht, sich quasi allein einem tödlichen Roboter aus der Zukunft entgegenstellt … oder eben nicht. Denn so richtig durfte Sarah Connor das alles erst in den 90ern tun, und erst das machte sie zur Ikone – nachdem Heldinnen wie Ripley ausreichend bewiesen hatten, dass Frauen all das wirklich können und die Leute trotzdem ins Kino gehen. Im ersten Terminator hingegen ist Connor noch sehr viel mehr damsel in distress, die klassische, vom Bösen terrorisierte Horrorfilmprotagonistin, definiert durch den männlichen Helden Kyle Reese, der aus der Zukunft kommt, um sie zu retten. Nicht um ihrer Selbst willen, sondern nur, weil sie dereinst den Retter der Menschheit austragen soll. Connor wird damit brachial reduziert auf ihre weibliche Reproduktionsrolle. Herzlichen Dank, James Cameron! Wenngleich Sarah später die von Cameron neulich so selbstbeweihräuchernd gelobte starke Frau sein darf, sollte uns das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Connors Rolle in Camerons Universum nichts weiter ist als ein sexistischer Mutter-Maria-Mythos, dicke Wumme hin oder her.

Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes

© Paramount Pictures / Lucasfilm

Und sonst?

Ja, gab es denn sonst noch starke Frauen im Genrekino der 80er? Jein. Sagen wir mal, es gab Frauen, die auch mal fluchen oder schießen oder trinken durften– wie zum Beispiel Indiana Jones’ Liebelei Marion – und die durch diese „männlichen“ Verhaltensweisen den Anschein einer starken Frau erweckten. Aber welche, die dabei nicht trotzdem sinnfrei dem männlichen, also „eigentlichen“ Helden hinterherlaufen und dann doch gerettet werden müssen? Auch nach Stunden konnte mir Google solche Heldinnen nicht vorweisen. Natürlich gab es in den 80ern und auch vorher starke und souveräne Frauenrollen im Kino allgemein ebenso wie in Geek-Filmen – das will niemand in Abrede stellen. Was wäre Star Trek zum Beispiel ohne Lieutenant Uhura? Auch Dune verdankt Paul Atreides’ Mutter Lady Jessica und den Bene Gesserit viel Tiefgang. Allerdings sind all diese immer nur Nebenfiguren, die zuschauen, während die Männer all das tun, was Männer eben tun müssen, nämlich kämpfen und die Welt retten. Da haben Kinder- und Jugendfilme aus dieser Zeit sogar deutlich mehr zu bieten, nämlich zum Beispiel die schwedische Verfilmung von Ronja Räubertochter von 1984 (und Ronja ist schließlich der Inbegriff des starken, selbstständigen Mädchens!) und das inzwischen zum Kultstatus avancierte Werk Labyrinth von 1986, in dem die 15-jährige Sarah tapfer dem sexy-misogynen Koboldkönig in Gestalt von David Bowie mit den magischen Worten „Du hast keine Macht über mich!“ die Stirn bietet.

Star Trek

© Paramount Home Entertainment

Was ist also das Fazit, das wir hinsichtlich der Frauenrollen in den 80ern ziehen können? Das erste Mal durften Frauen Actionheldinnen im männerdominierten Geek-Metier sein. Das war eine bahnbrechende Sache, die unglaubliche Auswirkungen auf die 90er hatte, denn da sprach sich endlich herum, dass auch Mädchen ins Kino gehen, um diese Filme zu schauen, und auch die steigende Relevanz von Fernsehserien profitierte von dieser Erkenntnis und brachte uns u. a. Buffy und Star Trek – Deep Space 9.

Dennoch bleibt zu bemerken, dass Leia noch nicht wirklich die starke, feministische Heldin sein durfte, zu der sie das Zeug gehabt hätte. Doch dank Carrie Fishers offener und lauter Kritik daran sowie ihrer stillen Hintergrundarbeit als „script doctor“ an Unmengen von Drehbüchern haben wir nicht aufgehört, selbstständigere Heldinnen zu fordern. Unglaublich bleibt, dass Aliens Ripley erst dadurch zum realistischen Charakter wurde, dass sie einfach nicht als Frau geplant war – denn das ist bis heute die klassische Dichotomie in Hollywood: Entweder ist eine Rolle ein echter Charakter oder eine Frau. Beides zugleich ist noch immer eine Seltenheit.

 

Dieser Text stammt aus der GEEK!-Spezial "80er Jahre". Veröffentlichung auf TOR ONLINE mit freundlicher Genehmigung des Geek!-Magazins.

 

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