Stephen Segal - Die Weisheit der Nerds

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Hari Seldon, Foundation


„Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen.“

Hari Seldon, Foundation

Intellektuelle glauben an die Kraft des Verstandes – wer auf Gewalt zurückgreift, der hat schon verloren. Diese Einstellung ist edel und bewundernswert, und sie ist größtenteils, wenn nicht sogar komplett, richtig. Das obige Zitat reißt aber ein viel interessanteres Thema an. Wir alle möchten gerne glauben, dass unsere beste Eigenschaft „innere Stärke“ ist – genau wie wir alle automatisch davon ausgehen, dass jemand, der oft unserer Meinung ist, auch ein sehr kluger Mensch sein muss. Deshalb finden wir Intellektuelle physische Gewalt extrem abstoßend: Zum einen deshalb, weil sie es tatsächlich ist, aber auch, weil sich unser Selbstwertgefühl auf unsere mentale Stärke gründet. Das Superhirn Isaac Asimov entwarf ganz gezielt eine Geschichte, in der eine Nation auf friedliche und intelligente Weise über sämtliche gewalttätigen Bedrohungen von außen triumphiert – was so ziemlich allem widerspricht, was in der Geschichte der Menschheit jemals passiert ist. Gewalttätige Menschen nehmen manchmal gerade die friedlichsten von uns aufs Korn – und wenn die sich dann entschließen, um ihr Leben zu kämpfen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie „unfähig“ (im obigen Sinne) sind. Asimov war Jude und erlebte den Zweiten Weltkrieg; er bezweifelte nie, dass die Nazis nur mit militärischer Gewalt gestoppt werden konnten. Wer das Zitat wirklich verstehen will, sollte genau auf die Wortwahl achten: Es ist von „letzter Zuflucht“ die Rede, nicht vom „letzten Mittel“. Gewalt mag leider manchmal notwendig sein. Wer sich aber in die Gewalt flüchtet, hat wirklich ein Problem.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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