Grundkurs Nerd - Lektion 6: Der Weltraum, unendliche Weisheit

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KOLUMNE

Grundkurs Nerd - Lektion 6: Der Weltraum, unendliche Weisheit


Willkommen im "Grundkurs Nerd"! Hier lernt ihr, wie ihr zu einem waschechten Nerd werdet. Heutiges Übungsobjekt: Star Trek.

 

Star Trek: amerikanische TV-Serie (1966 – 1969) des Autors und Produzenten Gene Roddenberry aus dem Genre der Science Fiction. Fortgeführt in mehreren Ablegerserien, Kinofilmen und Lizenzprodukten. Blütezeit in den 1990er Jahren. In Deutschland ursprünglich als „Raumschiff Enterprise“ bekannt. Unterscheidet sich von ähnlichen Produktionen durch Roddenberrys zutiefst humanistisch-utopischen Grundton, der selbst bei Actionabenteuern immer noch mitschwingt.

 

Die Ausgangslage

Science Fiction war Kinderkram, zumindest im TV. Als der ehemalige Polizist Eugene Wesley Roddenberry (1921 – 1991) im liberalen Klima der 1960er auf die Idee einer „Raumschiffserie“ fürs Fernsehen kam, hatte er allerdings keineswegs nur kindlichen Eskapismus im Sinn. Sein „Star Trek“ sollte – ganz in der Tradition literarischer Altmeister des Genres – parabelhaft sein und den politischen und gesellschaftlichen Problemen der Gegenwart den Spiegel vorhalten. Roddenberry, streitbar aber durchaus visionär, strich allerdings bald die Segel und machte Raum für neue Produzenten. Nach drei Staffeln war Schluss, doch in Wiederholungen – und später im Kino – fand die Serie ihr Publikum.

Ende der 1980er Jahre wurde das Franchise fürs Fernsehen wiederbelebt, und da die Rechteinhaber den Zuspruch des Fandoms wünschten, wurde abermals Roddenberry ans Ruder bestellt. Tatsächlich gelang es diesem, den Erfolg von einst zu wiederholen. Bis weit ins neue Jahrtausend blieb „Star Trek“ in Dauerproduktion. In den letzten Jahren ließ diese es allerdings an der nötigen Innovation mangeln, weswegen sie schließlich erneut eingestellt wurde. 2009 gelang Regisseur J.J. Abrams ein (umstrittener) Reboot auf der großen Leinwand, dem Fortsetzungen folgten.

Der Nerd-Faktor

Das Mutterschiff der SF-Franchises heißt „Star Trek“. Die Geschichten rund um die Captains Kirk, Picard, Sisko, Janeway, Archer & Co. begeistern teilweise schon seit über fünfzig Jahren und sind für viele Fans – darunter der Autor dieser Zeilen, der in Form der Romantrilogie „Star Trek Prometheus“ selbst schon zum Franchise beitragen durfte – weit mehr als bloße Unterhaltung. Roddenberrys „advanced human“, der über seine eigenen Grenzen hinausschauende, aufgeklärt-friedliebende Mensch, gilt als Ideal und Sehnsucht ganzer Generationen.

„Star Trek“ handelt von den Wehen und Wandlungen der so genannten Vereinigten Föderation der Planeten, einem Bund gleichgesinnter und die Vielfalt feiernder Welten, dessen Hauptquartier die Erde darstellt. Ihr halb forschend, halb militärischer Zweig ist die Sternenflotte, als deren Flaggschiff das legendäre Raumschiff Enterprise fungiert. Dieses – und viele weitere Schiffe und Abenteurer – ist allzeit unterwegs, die Grenzen des unerforschten Raums zu weiten und neue Freunde zu finden, neue Erkenntnisse zu sammeln und zu helfen, wo immer es nur kann.

Der Selbstversuch

Ich weiß, ich weiß: „Star Trek“ ist uncool. Schon früher auf dem Schulhof bekamen die Jedi-Ritter und Sturmtruppler der vermeintlichen (und vermeintlich eskapistischeren) Pseudo-Konkurrenz „Star Wars“ weit eher die Mädchen ab als wir verkopfte Trekkies. Ein Lichtschwert macht mehr her als spitze Vulkanierohren, oder? Han Solo galt als Vorbild, Jean-Luc Picard als bieder. Wer will da schon den Selbstversuch wagen und sich zu uns „Eierköpfen“ begeben?

Na, Sie, hoffe ich doch! Denn wenn Gene Roddenberrys Schöpfung für eines steht, dann dafür, mit absurden Vorurteilen abzuschließen und die Gemeinsamkeiten im Fremden zu erkennen. Und: Keine Sorge, auch in der Föderation geht es mitunter heiß her! Wir mögen Diplomaten sein, aber wir sind keine Klosterbrüder.

Wenn Sie erst einmal erkannt haben, wie viel sich so mancher Politiker vom Prinzip des UMUK abgucken könnte - dann: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein Nerd!


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Superhelden im Kino, Zauberlehrlinge und Vampire in der Bestsellerliste – die Nischenthemen von früher sind heute fest im Mainstream angekommen. Geeks, Nerds und Überfans regieren vielleicht nicht die Welt, wohl aber die Popkultur. Grund genug, sich diese Spezies mal genauer anzuschauen. Wie wird man eigentlich ein Nerd?

Kolumnist Christian Humberg setzt sich für FISCHER Tor das lustige Akademikerhütchen auf und verwandelt das Internet in seine ganz persönliche Volkshochschule. Auf zum Grundkurs Nerd!

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