Durch die Galaxie mit Autor Bernd Frenz

NERD TALK

Durch die Galaxie mit Autor Bernd Frenz


In unserer Interviewreihe "Durch die Galaxie" nehmen uns Autoren mit auf eine Reise durch ihren eigenen Kosmos. Heute hat Bernd Frenz, Autor von „Der Groll der Zwerge", unser Raumschiff betreten. Wir starten in 3...2...1...


FISCHER TOR: 
Du kannst einen persönlichen Song auswählen, der immer dann abgespielt wird, wenn du einen Raum betrittst. Welcher wäre das?

Bernd Frenz: »Bela Lugosi’s dead« von Bauhaus. Dazu hätte ich gerne, das Peter Murphy hinter einem Gitter tanzt, wie in der Eingangssequenz von »Begierde«. Aber ich weiß nicht, ob ihr euch das auf Dauer leisten könnt.

Das war nur eine theoretische Frage, wir organisieren oder bezahlen da gar nichts.

Hab ich doch gleich geahnt, dass es bei dieser Frage einen Haken gibt.

Welches ist dein absolutes Lieblingsmärchen?

Das ist »Lüttjemann und Püttjerinchen«. Das habe ich als zirka Achtjähriger in einem alten Schulbuch gelesen und habe mir spontan weitere Abenteuer mit den beiden Hauptfiguren ausgedacht. Das ist mir bei den Märchen von Hans Christian Andersen oder denen der Gebrüder Grimm nie passiert, vermutlich, weil deren Geschichten alle weniger Fortsetzungspotential hatten. »Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern« ist sicherlich literarisch wertvoller, lässt sich aber schlecht weiterspinnen. Außerdem fand ich das als Kind viel zu traurig, um mich näher damit auseinanderzusetzen. Die Geschichte vom Lüttjemann ist mir dagegen über die Jahrzehnte immer wieder im Kopf rumgegangen. Leider konnte ich sie lange Zeit nicht noch einmal nachlesen, weil ich den Titel und den Autoren vergessen hatte. Als Jürgen Speh, von dem zahlreiche Fantasy-Karten zu meinen Romanen stammen, vor einigen Jahren eine Illustration mit einer Däumeline gemalt hat, wurde ich allerdings wieder so stark an die alte Geschichte mit dem Lüttjemann erinnert, der mit einem Bogen aus einer Fischgräte und Pfeilen aus Wildschweinborsten bewaffnet in die Welt hinaus zieht, das ich von da an immer wieder das Internet mit den verschiedensten Suchbegriffen durchforstet habe, um das betreffende Märchen ausfindig zu machen. Im letzten Jahr ist es mir dann endlich gelungen. Dabei musste ich zu meiner Überraschung feststellen, das »Lüttjemann und Püttjerinchen« von Hermann Löns verfasst wurde. Mit dem verbindet meine Generation ja eher »…die Heide brennt«, aber inzwischen weiß ich, dass er auch phantastische Kurzgeschichten geschrieben hat. Und mit »Puck Kraihenfoot« sogar eine, in der ein Schwarzelb vorkommt. Und das im Jahre 1902, wer hätte das gedacht?

Endlich hat die Menschheit Kontakt zu fremden Wesen aus einer anderen Galaxie aufgenommen. Was ist die erste Information, die du diesen Wesen über uns Menschen und die Erde mitteilen möchtest?

Haut besser ganz schnell ab, wenn euch euer Leben lieb ist! Mit uns habt ihr nur Ärger! Wir sind vielleicht dümmer als ihr, aber mit Sicherheit weitaus gefährlicher.

Welche Art von Apokalypse (Zombies, Roboter, Eiszeit, Meteoritenschauer, etc.) ist zu deinen Fähigkeiten zum Überleben am meisten kompatibel?

Der grenzüberschreitende Zusammenbruch des Stromnetzes, wie er z.B. von  Marc Elsberg in »Blackout – Morgen ist es zu spät« beschrieben wird. Ich besitze eine mit Batterien betriebene Leselampe und außerdem die unheimliche Fähigkeit, tagelang schmökernd im Bett zu verbringen. Vermutlich würde ich das draußen tobende Chaos nur mitbekommen, wenn sich marodierende Horden unvorsichtigerweise an meiner Speisekammer zu schaffen machen.

Wenn es an deine Vorräte geht, könntest du gefährlich werden?

Durchaus.

Hast du einen Lieblingsfilm aus dem Genre Science Fiction / Fantasy?

Ach du je, wie soll ich das eingrenzen? Da gibt es eigentlich viel zu viel, was mir gefällt, allerdings verschieben sich die Vorlieben immer wieder. Am Ende haben bei solchen Fragen meistens die Klassiker die Nase vorn, also Filme, die ich in jungen Jahren gesehen habe, als ich noch nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten hatte und deshalb leichter zu beeindrucken war. Bei Science Fiction nenne ich jetzt einfach mal »Jahr 2022 … die überleben wollen« und »Die Klapperschlange«. Beides Endzeitfilme, die auf der Erde spielen, wie mir gerade auffällt, dabei mag ich auch alles, was mit Raumschiffen zusammenhängt. Nun, sei`s drum, ich bleibe jetzt dabei. Beide Filme habe ich mir im Laufe der Jahrzehnte in regelmäßigen Abständen immer wieder angesehen und mich dabei stets gut unterhalten. Besonders bei »Soylent Green« bzw. »Jahr 2022 …« erstaunt es mich jedes Mal aufs Neue, wie zeitlos der ist.

In Sachen Fantasy hat mir zuletzt »Warcraft: The Beginning« ganz gut gefallen, weil dort die Orks etwas differenzierter als gewöhnlich dargestellt wurden. Optisch ging mir der aber schon ein wenig zuuuu sehr in Richtung Animation. Dank James Purefoy, der mir schon als Mark Anton in »Rom« gut gefallen hat, hat mir auch »Solomon Kane« großen Spaß gemacht, obwohl der nicht unbedingt die mörderisch innovative Handlung hatte. Aber bei dieser Einschränkung geht’s schon los – die Unbedarftheit der frühen Jahre ist einfach verschwunden. Eigentlich bedauerlich. So sehr wie bei »Conan, der Barbar« oder »Excalibur« werde ich mich wohl nie wieder in den Kinosessel krallen. Vergleichbares passiert mir höchstens noch bei »Game of Thrones« und der Fernsehcouch, aber nach Serien wurde ja nicht gefragt.

Du siehst dir also auch aktuelle Sachen an, das beruhigt uns ein wenig.

Ja, sicher, jede Menge sogar. Dabei gehöre ich zu den Serienjunkies, die sich bei Fernsehserien erzählerisch häufig besser aufgehoben fühlen als im aktuellen Genrekino. Nicht nur, was SF und Fantasy angeht, ich habe auch eine starke Ader für Krimis und Historie, gerne in Kombination miteinander. Also nicht nur »Rom« und »Sons of Anarchy«, sondern auch »Boardwalk Empire«.

Welchem Monster aus Literatur, Kino, TV möchtest du im richtigen Leben niemals begegnen?

Mit klassischen Monstern aus der Phantastik würde ich nur zu gerne das eine oder andere Bier trinken, das stelle ich mir sehr unterhaltsam vor. Mich ängstigen eher bestimmte Arten von Menschen. Fanatiker zum Beispiel, oder Psychopathen, die keinerlei Empathie für ihre Mitmenschen aufbringen. Die sind aber eher in den Nachrichten zu finden, als in Romanen, dem Kino oder dem Fernsehen. Ich finde solche Leute auch in keiner Weise unterhaltsam.

Welches ist dein Lieblings-Kinoplakat-Werbespruch?

Ausgehend von den genannten Lieblingsfilmen müsste ich eigentlich »Soylent Green« nennen, mit: Es ist das Jahr 2022 … Die Menschen sind immer noch die gleichen. Sie tun alles, um zu bekommen, was sie brauchen. Und sie brauchen Soylent Green. Tatsächlich hat sich mir aber kein Spruch so tief ins Gedächtnis eingebrannt, wie der von »Quadrophenia«: Rocker gegen Mods... Mods gegen Rocker... Vereint gegen die Bullen...

Der kommt uns in Zusammenhang mit den Völkerkriegen irgendwie bekannt vor.

Inspirationen kommen von allen Seiten, dagegen können sich Autoren nur schwer erwehren. Übrigens war ich in meinem ganzen Leben weder Rocker, Mod noch Polizeibeamter. Sondern einfach nur ein Fünfzehnjähriger, der sich einst die Nase an einem Aushangkasten plattgerückt hat, um sich das Kinoplakat zu einem Film anzusehen, der erst ab 16 Jahren freigegeben war. Traumatisch, sowas! Wer will mir da verübeln, dass sich das irgendwann in meinen Romanen niederschlägt?

Welche Technologie aus futuristischen oder phantastischen Roman- oder Filmstoffen sollte am besten jetzt schon existieren?

Beamen fände ich ganz schick.

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