Grundkurs Nerd: Ein Ring, sie zu verzaubern

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KOLUMNE

Grundkurs Nerd - Lektion 3: Ein Ring, sie zu verzaubern


Willkommen im "Grundkurs Nerd"! Hier lernt ihr, wie ihr zu einem waschechten Nerd werdet. Heutiges Übungsobjekt: Der Herr der Ringe.

Tolkien, John Ronald Reuel (1892-1973): britischer Autor und Wissenschaftler. Sein Hauptwerk bilden die Geschichten aus „Mittelerde“ (z.B. Der Herr der Ringe, Der kleine Hobbit), einer fiktiven Fantasywelt, die zahlreiche Nachahmer inspirierten und das Genre der Fantasy prägten.

 

Die Ausgangslage

Ganz ausgelastet scheint er nicht zu sein. Der Philologe und spätere Oxford-Professor J. R. R. Tolkien begeistert sich schon früh für Mythologie und Legenden, aber auch für die verschiedensten Facetten des Mediums Sprache. In seiner Freizeit, so heißt es, erfindet er seine eigenen und die dazugehörigen Alphabete gleich dazu. Außerdem schreibt er.

Sein Hauptwerk wird die Saga um den „Herrn der Ringe“, deren erstes Publikum Tolkiens Kinder darstellen. Diesen erzählt der geübte Dozent allabendlich neue Geschichten von Mittelerde und den barfüßigen Hobbits, von edlen Zauberern und feurigen Balrogs. Logisch, dass Tolkien seinen Schöpfungen auch eigene Sprachen andichtet. Gewissermaßen ist er der Sprachnerd unter den Fantasyautoren.

 

Der Nerd-Faktor

„In einem Loch im Boden lebte ein Hobbit.“ So unbedeutend fangen höchst bedeutsame Geschichten an. Denn dieser Hobbit – der ebenso neugierige wie gemütliche Bilbo Beutlin – gerät alsbald ins Kielwasser eines sagenumwobenen Rings der Macht, dessen Energie zur Gefahr für die gesamte Welt werden könnte. Bilbo und weitere kleine Helden, darunter auch sein Verwandter Frodo Beutlin, müssen sich aufmachen, den Ring zu vernichten, bevor er Unheil anrichtet. Dabei reisen sie durch eine faszinierend vielseitige und vielschichtige Welt voller Gefahren und Entdeckungen.

Drachen, Zwerge, Elben und Orks – vieles von dem, was heutige Fantasyleser als Standard des Genres empfinden, bekam von J. R. R. Tolkien den Stempel aufgedrückt. Mit beeindruckender Akribie und Detailfreude entwickelte der Autor und Philologe eine Welt, in der Kindheitsmärchen, etymologische Spielereien, Grammatikfetisch und nordische Mythen eine unvergleichliche Symbiose eingehen. Dies wurde zur Messlatte des gesamten Genres.

 

Der Selbstversuch

Sie können es sich natürlich einfach machen: Setzen Sie sich in den bequemen Lesesessel und arbeiten Sie sich durch Tolkiens literarisches Œvre. (Wir empfehlen nachdrücklich die Carroux-Übersetzung!) Oder noch einfacher: Setzen Sie sich vor den Fernseher und schauen Sie sich Peter Jacksons Verfilmungen desselben an.

Oder Sie machen es sich … lebendiger: Gehen Sie zum Fantasy-LARP. Cosplayen Sie einen mächtigen Zauberer, eine anmutige Elbe, einen furchtlosen Ritter oder einen beständigen Ent. Werden Sie Teil der weltweiten Gemeinschaft von Tolkien-Fans, die nicht minder bunt und kreativ anmutet wie die Welt, die der Meister einst aufschrieb.

Und spätestens wenn Sie das Elbisch in den Jackson-Filmen auch ohne Untertitel verstehen - dann: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein Nerd!

Den nächsten "Grundkurs Nerd" gibt es am Samstag, den 24. Juni. Dieses Mal zum Thema "Mediacons".

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Über die Kolumne "Grundkurs Nerd"

Superhelden im Kino, Zauberlehrlinge und Vampire in der Bestsellerliste – die Nischenthemen von früher sind heute fest im Mainstream angekommen. Geeks, Nerds und Überfans regieren vielleicht nicht die Welt, wohl aber die Popkultur. Grund genug, sich diese Spezies mal genauer anzuschauen. Wie wird man eigentlich ein Nerd? Kolumnist Christian Humberg setzt sich für FISCHER Tor das lustige Akademikerhütchen auf und verwandelt das Internet in seine ganz persönliche Volkshochschule. Auf zum Grundkurs Nerd!

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