Grundkurs Nerd - Lektion 2: Luke Skywalker und der coolste Krieg der Welt

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KOLUMNE

Grundkurs Nerd - Lektion 2: Luke Skywalker und der coolste Krieg der Welt


Willkommen im "Grundkurs Nerd"! Hier lernt ihr, wie ihr zu einem waschechten Nerd werdet. Heutiges Übungsobjekt: Star Wars.

Star Wars (Filmserie, USA): Mehrteiliges, mit Fantasy-Elementen angereichertes Kriegsepos im Weltall. Einflüsse aus Seifenoper und Komödie. Treibstoff der Spezialeffektindustrie.

Die Ausgangslage

Die Siebziger, endliche Weiten. Das alte Kino hat abgedankt, so scheint es den Jungen Wilden der Traumfabriken jedenfalls. Neue Zeiten, sagen sie, verdienen neue Erzählweisen.

Einer dieser Bilderstürmer des Zelluloids heißt George Lucas, ein gebürtiger Kalifornier mit Regie-Ambitionen. Lucas interessiert sich für Historie und Wissenschaft, genauso wie für pulpeske Abenteuer. Den anfänglichen Wunsch nach einer Karriere als Dokumentarfilmer lässt er fahren, als er das fiktive Fach für sich entdeckt. 1977 macht er sich unsterblich.

Dabei bedient er sich eines alles andere als massentauglich scheinenden Themas. Science Fiction gilt entweder als literarische Kunst (man denke an George Orwell, Ray Bradbury, Isaac Asimov) oder als billiger Eskapismus mit zweifelhaftem Realitätsbezug. Ruhm und Ehre, so scheint es, verdient man sich als Junger Wilder eher anderswo.

Doch George Lucas’ großes Werk heißt Star Wars, Krieg der Sterne. Und ja: Es spielt in einer weit, weit entfernten Galaxis.

Der Nerd-Faktor

Die Grundgeschichte ist ebenso simpel wie zugänglich: Junges Landei erfährt, dass es der Auserwählte ist, und wird von wechselnden Mentoren ausgebildet. Letzten Endes bewährt es sich dann im Kampf Gut gegen Böse, den es (Spoiler) ganz gemäß dem obligatorischen Happy End für sich entscheidet. Die nötige narrative Würze entsteht durch archetypische Sidekicks des Helden, die vom halbseidenen Rabauken mit gutem Herz bis hin zum maskottchenesken Alien reichen, und durch wechselnde, auf fremdartigen Welten stationierte Schauplätze. So lautet die (eigentlich durchaus simple) Formel für großes Popcornkino!

Damit hätte George Lucas es bewenden lassen können, doch Jahrzehnte später juckt ihn der Ergeiz. Leider, denn die so genannte Prequel-Trilogie – drei neue, vor den Originalen spielenden Filme – verwechselt Technik mit Drama und Albernheit mit Humor.

Seit einiger Zeit gehört die von Lucas hochgezüchtete Geldkuh Star Wars allerdings dem Disney-Konzern, und der melkt seine Investition inzwischen, indem er im Jahrestakt neue, von gänzlich anderen Kreativen gestemmte Filme (Episode VII, Episode VIII, Rogue One) zur Saga hinzuproduziert. Ein Ende des Sternenkriegs ist daher nicht mehr in Sicht.

Der Selbstversuch

Seien Sie ehrlich: Eigentlich läuft Ihr Selbstversuch schon seit Jahren. Sei es an der Supermarktkasse oder im Wartezimmer des Zahnarztes – überall stoßen wir auf Jedi-Ritter, Sturmtruppler, Ewoks, Gungans, Skywalkers und Konsorten. Denn die Generäle dieses Kriegs der Sterne verstehen sich vor allem auf lukrative Lizenzgeschäfte.

Also, was hindert Sie? Wenn Sie ein Nerd werden möchten, dann lassen Sie sich doch mal auf die „weit, weit entfernte Galaxis“ ein! Greifen Sie zu dem Star-Wars-Comic, auch wenn er in der Kinderecke des Wartezimmers liegt. (Und, ganz ernsthaft: Die „Gala“ wollten Sie doch ohnehin nicht lesen.) Schalten Sie mal nicht weg, wenn Ihnen beim Durchzappen eine Episode der Clone Wars-Trickserie begegnet. Erkennen Sie, dass Obi auch ein Männername und nicht nur ein Baumarkt ist.

Wenn Sie dann an George Lucas’ SF-Märchen Gefallen finden (und das ist gar nicht schwer) - dann: Herzlichen Glückwunsch, Sie sind ein Nerd!

Den nächsten "Grundkurs Nerd" gibt es am Samstag, den 27. Mai. Dieses Mal zum Thema "So werden sie zum echten Tolkienisten".

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Über die Kolumne "Grundkurs Nerd"

Superhelden im Kino, Zauberlehrlinge und Vampire in der Bestsellerliste – die Nischenthemen von früher sind heute fest im Mainstream angekommen. Geeks, Nerds und Überfans regieren vielleicht nicht die Welt, wohl aber die Popkultur. Grund genug, sich diese Spezies mal genauer anzuschauen. Wie wird man eigentlich ein Nerd?

Kolumnist Christian Humberg setzt sich für FISCHER Tor das lustige Akademikerhütchen auf und verwandelt das Internet in seine ganz persönliche Volkshochschule. Auf zum Grundkurs Nerd!

 

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