Escape Rooms: Eingeschlossene Erlebnisse

© Breakout Cologne / David Ruda

SPIEL

Escape Rooms: Eingeschlossene Erlebnisse


Wer lässt sich freiwillig einschließen, nur um nach etlichen Rätseln wieder freizukommen? Klingt komisch, ist aber momentan ein absoluter Trend und nennt sich Escape oder Exit Rooms. Dauermotzgurke Sarah Schindler wollte das einmal testen - ob und wie sie aus dem Raum entkommen ist, erzählt sie in ihrem Erlebnisbericht.

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Um mal vorweg zu spoilern: Ich fand es dufte. Ganz ehrlich jetzt. Ich weiß natürlich, dass ich schon in einem Artikel, geschrieben habe, dass sich mir der Sinn nicht erschließt, warum sich Menschen in einem Raum einschließen lassen, nur um wieder herauszufinden. Aber ich werde ja gerne eines Besseren belehrt und genau das ist passiert, als ich mit meinem Mann und zwei furchtlosen Freunden das Wagnis einging. Wir haben uns in Köln einen Raum ausgesucht, der über eine längere Spielzeit verfügt, weil wir ja blutige Anfänger sind. Uns wurde auch gesagt, dass es nur die Hälfte der Spieler in der vorgegebenen Zeit rausschafft. Ja, nur weiter so. Mach uns Mut. Allerdings könnten wir Hinweise bekommen, falls wir einmal gar nicht weiterwissen. Diese werden dann über einen Monitor eingeblendet.

Die Geschichten um das Warum sind meistens schnell erzählt. Wir versuchen dieses Mal hinter das Geheimnis eines verrückten Professors und eines Mordes zu kommen- und natürlich aus dem Raum zu entkommen. Na gut. Nichts also wie rein, Türe zu und los geht’s. Tja, nun stehen wir rum wie die Ölgötzen und versuchen erst einmal den Raum auf uns wirken zu lassen. Auf den ersten Blick steht nicht viel drin: Ein Tisch mit einem Fernseher drauf, der wahrscheinlich sogar bei meiner Oma als old school durchgegangen wäre, ein Schrank, ein Regal mit ein paar Büchern und ein Sideboard mit Krimskrams drauf. Dazu noch einige Bilder an der Wand und weiterer Nippes, der überall herumliegt. So weit, so gut. Sieht (bis auf den Fernseher) eigentlich aus, wie bei den meisten Menschen zu Hause.  Doch was nun? Wir wuseln ein wenig vor uns herum, lösen die ersten Rätsel und kommen so immer einen Schritt weiter. Es sei nicht zu viel verraten, aber unsere konventionellen Denkansätze haben uns nicht immer weitergebracht. Oft müssen wir um die sprichwörtliche Ecke denken, alle Sinne schärfen und jeden noch so abwegigen Zusammenhang herstellen. Das gelingt nicht immer und wir benötigen einen (ha, aber nur einen) Hinweis. Ich habe mich gefragt, wie viel Hinweise im Durchschnitt so gebraucht werden und der Gamemaster verriet uns, dass manche Gruppen 20-30 Hinweise brauchen. Wie bitte? Boah, sind wir smart, denke ich mir, und stelle mir gleichzeitig die Frage, ob es mit so vielen Hinweisen überhaupt noch Spaß macht. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass manche Spieler, die überhaupt keine Spielerfahrung, und sei es nur von Brettspielen, haben, auf der Stelle treten und beim besten Willen nicht auf die Lösung kommen. Hätte uns auch passieren können. Ist es aber nicht. Vielleicht auch, weil wir uns direkt aufgeteilt, immer laut und deutlich miteinander gesprochen haben. Denn Kommunikation ist alles. Das ist eines, was wir gelernt haben. Wer nur eigenbrötlerisch nach Hinweisen sucht und nicht zusammenarbeitet, wird zwangsweise scheitern. Somit sind solche Räume natürlich vor allem für Familien, Teambuilding-Aktionen und Junggesellenabschiede geeignet. Junggesellenabschiede? Ja, genau so habe ich auch geguckt, als ich das erfahren habe. Würde aber auch die 30 Hinweise erklären, je nach Pegel.

Na, auf jeden Fall sind schon zwei Drittel der Zeit abgelaufen, und wir haben eine ungefähre Ahnung, wie viele Rätsel noch auf uns warten (denn wir sind so klug, die übrigen Schlösser zu zählen). Allerdings wissen wir nicht, wie komplex sie sind und ob wir es wirklich in der Zeit schaffen. Schlüssel werden gesucht, Kombinationen für Zahlenschlösser aus Aufgaben und Rätseln gefischt, Hirnwindungen laufen heiß und das ein oder andere „Ach so, so war das gemeint“ entwischt uns öfter als angenommen. Dabei ging die Zeit schneller rum als erwartet, aber wir haben es schlussendlich geschafft und sogar noch ein wenig Zeit übrig. Sichtlich stolz stapfen wir aus unserem Abenteuer und sind sehr angetan. Das liegt mit Sicherheit auch daran, wie viel Mühe sich bei der Ausarbeitung der Rätsel, der Geschichte und der Gestaltung des Raumes gegeben wurde. Damit wird auch der recht hohe Preis von circa 25 bis 30€ pro Person, je nach Anbieter, gerechtfertigt. Alles in allem lässt sich sagen, dass ich positiv überrascht wurde, denn wir hatten alle zusammen echt viel Spaß. Generell ist so ein Escape Room für alle zu empfehlen, die Spaß am Zusammenarbeiten haben. Das Alter ist egal (der älteste Mitspieler war laut Gamemaster 88 Jahre alt), man sollte nur nicht klaustrophobisch veranlagt sein (da abgeschlossene Räume) und eben Spaß an (kniffligen) Rätseln haben. Es gibt so ein großes Angebot an Räumen, dass für jeden etwas dabei ist. Also raus mit euch, ihr Nerds und Geeks und rein ins Escape-Room-Abenteuer!

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