Die Weisheit der Nerds: Was können wir vom Autor H.P. Lovecraft lernen?

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: H. P. Lovecraft


„Es gibt Laute, die der menschlichen Sprache eigentümlich sind, und es gibt Laute, die nur von Tierstimmen hervorgebracht werden. Und Laute zu vernehmen, die der einen Quelle zuzuordnen sind, während sie der anderen entstammen, ist etwas Schreckliches.“

H. P. Lovecraft, Cthulhus Ruf

 

Bereitet uns irgendetwas mehr Angst, als wenn wir sehen oder einfach nur hören müssen, wie jemand von einer großen Furcht erfasst wird und darüber seine Menschlichkeit verliert? Zwar reden wir uns permanent ein, keine wilden Tiere zu sein, sondern menschliche Wesen. Doch Furcht ist ein Urinstinkt: So zivilisiert wir auch sein mögen, gelingt es ihr dennoch, sich unter unsere Haut zu schlängeln und in unsere Eingeweide zu bohren. Der Schrecken unserer Kindheit war vielleicht die Dunkelheit, oder vielleicht hatten wir Höhenangst oder Angst vor Spinnen oder Clowns. Das Grundgefühl war aber immer das gleiche: Kontrollverlust. In diesen Momenten der intensiven Furcht ist man kein Mensch mehr, sondern ein wildes Tier. Und ein Gedanke bricht sich Bahn, der noch beängstigender ist als Dunkelheit, Clowns oder Spinnen zusammengenommen. Der Gedanke, dass etwas Fremdes, das tief in dir lauert, jederzeit von dir Besitz ergreifen könnte.

 

H. P. Lovecraft hatte viele Freunde, mit denen er aber meist nur brieflich in Verbindung stand, und er schrieb zahlreiche Horrorgeschichten, in denen die Schreckgestalten seiner Kindheit auftauchten. Kurz gesagt: Er war der Emo-Geek par excellence.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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