Die Weisheit der Nerds: Was können wir vom Blade Runner, gespielt von Harrison Ford, lernen?

© 1982 - Warner Bros. Entertainment

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Blade Runner


„Das Licht, das doppelt so hell brennt, brennt eben nur halb so lang. Und du hast für kurze Zeit unglaublich hell gebrannt, Roy.“

Dr. Eldon Tyrell, Blade Runner


Dr. Tyrell sprach zwar nicht über Rock 'n' Roll, es klang aber so. Neil Young sagte einmal, er wolle lieber ausbrennen, als langsam zu verblassen, was natürlich eine Lüge war, sonst wäre er mittlerweile nicht der Elder Statesman der Grunge-Musik. Allerdings sprach er damit ein bekanntes Phänomen an: Unsere gewaltigsten Kulturikonen erscheinen uns auch deswegen so gewaltig, weil sie viel zu früh von uns gegangen sind. Ob nun durch Leichtsinn (Jimi Hendrix, Jim Morrison), aus eigenem Antrieb (Kurt Cobain, Ernest Hemingway) oder durch Dritte (John Lennon, Abraham Lincoln) – wer in den Wolken wandelt, geht oft wie Ikarus an seiner eigenen Torheit zugrunde. Ist es wirklich besser, wie der wild dreinblickende Roy Batty aus Blade Runner auszubrennen, anstatt zu verblassen? Oder sollte sich die nächste Generation ehrgeiziger, kreativer Visionäre diesem Trend nicht lieber widersetzen, um beim dritten Akt ihres Lebens noch dabei zu sein? Sicher ist: Wenn irgendjemand einen Wandel in dieser unseligen Tradition herbeiführen kann, dann ist es der Geek. Denn anders als Rocker und Replikanten ist er eins garantiert nicht: leichtsinnig.

 

Nach Jahrzehnten stolz glänzender Hollywood-Raumschiffe und Hightech-Roboter entwarf Blade Runner (1982) eine alternative Zukunft voll schmuddeliger Straßen und Firmenwerbung. Seitdem ist unsere Gegenwart dieser Zukunft immer ähnlicher geworden.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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