Die Weisheit der Nerds: Was können wir von Neo, Trinity und Morpheus, gefangen in der Matrix, lernen?

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Matrix


Stephen H. Segal
02.12.2016

„Er ist der Auserwählte.“

Morpheus, Matrix

 

„Ich kann Kung-Fu.“

Neo, Matrix

  

Die meisten Analysen der Matrix-Filme verweisen auf Parallelen zum Christentum. Und das, obwohl Jesus eigentlich nie groß rumflog oder cool aussah – und obwohl er mit Feinden dadurch fertigwurde, dass er sie liebte, nicht dadurch, dass er sie zu Brei schlug. Neos unmessianisches Verhalten rührt womöglich daher, dass Geeks nur sehr ungern „die andere Wange hinhalten“, weil viele von ihnen schon Opfer von Mobbing oder Bullying geworden sind. Neo unterscheidet sich jedoch noch auf andere Weise von Jesus und seiner Frohen Botschaft. Die Matrix-Filme betonen immer wieder, dass alle, die sich für die blaue Pille entschieden haben, potentielle Feinde sind, die für das System arbeiten und jederzeit von Agenten übernommen werden können. Jesus versuchte, alle Menschen, auch die Unbeteiligten, zu retten, indem er Dämonen austrieb und den aufgebrachten Pöbel beruhigte – Neo mäht sie einfach mit Maschinengewehren und fliegenden Roundhouse-Kicks nieder.

Neo ist also definitiv nicht Jesus. Er ist ein Heiland – aber nur für die, die ihn erwarten; ein Erlöser, aber nur für diejenigen, die sich wie er für die rote Pille entschieden haben. Seine Wunder sind das Ergebnis seiner Programmierkunst und der Fähigkeit, mit seinem Geist das Betriebssystem der Matrix zu hacken: Wissen ist für ihn eine Waffe. Das macht ihn zutiefst menschlich – und fehlbar. Zumindest aber ist er ein waschechter Geek-Avatar.

 

Comic-Geeks und Film-Geeks geraten bei der Erwähnung des Namens „Morpheus“ oft aneinander: Ist es eine Anspielung auf Laurence Fishburnes Figur in Matrix oder auf den Protagonisten von Neil Gaimans Sandman?

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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