Die Weisheit der Nerds: Reise ins Labyrinth

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Die Reise ins Labyrinth


„Ich erbitte doch so wenig. Du brauchst mich nur zu fürchten, mich zu lieben, wenn du tust, was ich sage, bin ich dein Sklave.“

Jareth der Koboldkönig, Die Reise ins Labyrinth

 

„Du hast keine Macht über mich.“

Sarah, Die Reise ins Labyrinth

 

Ein Geek-Girl zu sein war noch nie einfach. Natürlich gibt es da die üblichen Schwierigkeiten, die man als Heranwachsende hat: Man steht unter Anpassungsdruck. Versucht, zu sich selbst zu finden. Versteht irgendwann, dass es okay ist, klug zu sein – und dass es eine Frage der Perspektive ist, ob jemand „komisch“ ist oder nicht. Als wäre das noch nicht genug, bekommen es angehende Geek-Girls auch noch mit Geek-Typen zu tun, die – um es mal so zu sagen – in diesem Alter noch „unfertig“ sind. Das könnte auch der Grund sein, warum der androgyne, verführerische und gerissene Koboldkönig – gespielt von David Bowie – die Herzen und Hirne einer ganzen Generation von Geek-Mädchen eroberte. Er war ein schlimmer Junge ... und dennoch ein ziemlich guter Babysitter. Er hatte ein Schloss, das aussah wie von Escher designt, und dazu noch aufreizend geschickte Hände. Er war zwar alt genug, um Sarahs Opa zu sein – und taugte doch als Projektionsfläche für allerlei Mädchenphantasien. Sarah bemerkte allerdings – und das war sehr wichtig –, dass er keine Macht über sie besaß; es sei denn, sie gewährte ihm welche. Dass sie im Unterschied zu vielen anderen Fantasy-Heldinnen standhaft blieb und das Single-Dasein einer Romanze vorzog, macht sie zu etwas Besonderem. Die Reise ins Labyrinth war anders als die typischen Hollywood-Epen der damaligen Zeit. Der Film zeigte eine junge Frau, die lernte, wie man Verantwortung für sein Handeln übernimmt, wie man sich in einer ungerechten Welt behauptet und wie man seine sexuelle Identität findet. Sarah war nicht einfach ein Babe. Sie war ein selbstbestimmtes Babe.

 

David Bowie spielte einen Außerirdischen (Der Mann, der vom Himmel fiel, 1976), einen Koboldkönig (Die Reise ins Labyrinth, 1986) und ein Wissenschaftsgenie (Prestige – Die Meister der Magie, 2006). Seine Fans hätten ihn auch gerne als Elrond in Der Herr der Ringe gesehen.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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