Die Weisheit der Nerds: Was können wir von Hugo-Award-Gewinnerin Ursula K Le Guin lernen?

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Ursula K. Le Guin


Stephen H. Segal
30.09.2016

„Zu erkennen, welche Fragen unbeantwortet sind, und sie nicht zu beantworten versuchen: Diese Kunst ist am wichtigsten in Zeiten der Not und der Dunkelheit.“

Ursula Le Guin, Die linke Hand der Dunkelheit

 

Manchmal gleiten die Ratschläge von Sci-Fi-Figuren ins Klischeehafte ab. Manchmal trifft dich ihre Wahrheit aber auch wie ein Schlag ins Gesicht. Besonders Geeks zerbrechen sich oft den Kopf über die unsinnigsten Dinge, weil sie alles aus allen nur möglichen Blickwinkeln betrachten und auf diese Weise eine universelle Antworten finden wollen. So schön das auch wäre, macht die Realität ihnen doch meist einen Strich durch die Rechnung. Wir leben in einer Welt der schnellen, schmutzigen Lösungen, in der vieles auf Augenblicksentscheidungen und Kompromissen basiert. Geeks haben damit oft ihre Schwierigkeiten, weil sie ihre Welt gerne logisch strukturieren und am liebsten nur wasserdichte Entscheidungen treffen. Dass in der Welt nicht das Schöne, Helle dominiert, sondern Stress und Dunkelheit, scheint ihnen recht zu geben. Man kann es aber auch positiv sehen: Falls es irgendjemanden gibt, der eine Situation analysieren und eine Bug-freie Version herstellen kann, dann sind es die Geeks. Entscheidend ist, dass man merkt, wenn es keine richtige Lösung gibt – und dabei kann dir niemand helfen.

 

Ein Pendant zu Le Guins Diktum gibt es auch in der reinen Mathematik: Der Gödelsche Unvollständigkeitssatz (1931) besagt, dass es in jedem mathematischen System Aussagen geben muss, die man weder formal beweisen noch widerlegen kann.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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