Die Weisheit der Nerds: Was können wir von Harry Potter und seiner Schule Hogwarts lernen?

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Harry Potter


„Mr. und Mrs. Dursley im Ligusterweg Nummer vier waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar.“

 J. K. Rowling, Harry Potter und der Stein der Weisen

 

Ahhh ... das gute alte „normal“. Eine Vorstellung, an der wir mit verblüffender Hartnäckigkeit hängen. Sie impliziert, dass es für alles im Leben einen Standard gibt, nach dem wir uns richten sollten. Dabei muss man sich das Leben auf der Erde aber nur mal eine halbe Sekunde lang anschauen, um zu erkennen, dass das natürlich Quatsch ist. Dennoch waren Mr. und Mrs. Dursley demonstrativ stolz darauf, normal zu sein, nicht aufzufallen, nichts Besonderes darzustellen. Oje, oje ... Geeks wissen, dass man sich mit demonstrativer Normalität seine ganz eigene Hölle schaffen kann. Wir wollen ja gar nicht um jeden Preis anders sein, denn das ist genauso schlimm wie militante Normalität, wenn nicht sogar noch schlimmer. Glück bedeutet doch letztendlich, dass man sich selbst so akzeptiert, wie man ist – auch wenn man zufällig ein tätowierter, kostümierter, würfelrollender, blauhaariger Hund ist. Wenn eine geheime Zauberschule schon lächerlich sein soll – wie lächerlich ist dann erst diese herbeiphantasierte Normalität? Niemand ist normal. Und die, die das trotzdem von sich behaupten, sind die Kaputtesten.

 

Der noch recht schmale Band Harry Potter und der Stein der Weisen erschien 1997. Daraus wurde eine siebenteilige Romanserie und die Buchsensation des Jahrhunderts. Harry Potter zeigte Millionen Kindern in aller Welt, wie unwichtig die Frage nach dem „Normalsein“ eigentlich ist.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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