Interview mit Wedora-Autor Markus Heitz

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INTERVIEW

Das große Wedora-Interview mit Markus Heitz


TOR Team
01.08.2016

In seinem neuen Roman "Wedora - Staub und Blut" nimmt Autor Markus Heitz die Leser mit in eine sagenhafte Wüstenwelt, in deren Zentrum die umkämpfte Stadt Wedora liegt. Wir haben mit Markus über die Entstehung und Hintergründe von Wedora gesprochen.

 

TOR ONLINE: Für "Wedora" hast Du eine völlig neue Fantasywelt mit eigenen Völkern, Gesetzen, Monstern, Göttern und Kulten erschaffen. Was war dabei die größte Herausforderung? Und was fiel Dir am leichtesten?

Markus Heitz: Alles in allem ist es Spaß. Reiner, purer Spaß. Wäre dieser Antrieb nicht, könnte ich es sein lassen. Und wenn etwas Spaß macht, geht es einfach. Okay, ich gebe zu, dass ich als ehemaliger Rollenspieler entsprechend Vorteile habe, denn wenn man durch unzählige Welten reiste, weiß man, auf was zu achten ist, von Geld bis Götterhimmel, von Herrschaftsstrukturen bis Strafmaß.

Entscheidend ist: Welche Art von Welt will ich zeigen?

Wedora sollte ohne Orks, Zwerge etc. auskommen. Das erste Setting hatte deutlich mehr klassische Fantasyelemente, wie z.B. Wüstenelfen. Aber die Spitzohren flog beim Überarbeiten vorerst raus. Zumal es heute keine Überraschung mehr für die Leserschaft bedeutet, Elfen durch den Sand stapfen zu sehen.

Die Welt ist exotisch genug, um durch die innewohnende eigene Phantastik zu überzeugen: ein andere Magiesystem, neue Monster und Kreaturen, die noch gar nicht alle auf der Bühne erscheinen können.
"Staub und Blut" ist ein erster Band, der Möglichkeiten anreißt, Schwerpunkte setzt und doch ein Kaleidoskop der Fülle bietet. Da steckt noch so viel drin, und ich hoffe, dass der Zuspruch hoch genug ausfällt, damit es mindestens einen Band, gerne weitere Bände gibt.

 

TOR ONLINE: Was fasziniert Dich besonders an dieser Wüstenwelt?

Markus Heitz: Wedora unterscheidet sich von allen bisherigen Settings, von Ulldart bis zu den Zwergen oder den Drachen: Im Mittelpunkt steht die Stadt, ihre neun Viertel, die Statthalter, der unbekannte sowie legendäre Herrscher, die eine Million Bewohner und die Gefahren innen und außen. Es ist das umgekehrte Prinzip: Die Helden reisen nicht durch die Gegend, sondern befinden sich von Beginn an am Ort des Geschehens, von Ausflügen in die Wüstenregionen einmal abgesehen.

Es gab vor vielen, vielen Jahren mehrere Reihen, die sich ausschließlich mit Städten oder bestimmten Orten als Handlungsschauplätze beschäftigten, Stichwort Diebes- und Gildenromane. Ich denke, es ist an der Zeit, diese Tradition wieder zu erneuern. Nur modernisierter. Das bedeutet: Natürlich steht Wedora im Mittelpunkt, aber sie wird nicht nur von Wüste, sondern von von 15 weiteren Ländern umgeben, deren Mächtige versuchen, Einfluss auf die Stadt zu nehmen. Und diese Reiche haben untereinander ihre Konflikte. Es kommt daher zu Wechselspielen, die weitreichend sind, wobei der Fokus auf Wédora ruht.

Sollte es eine Fortsetzung geben, kann ich weitere Register ziehen und versprechen, dass es sicherlich nicht langweilig wird. Schon in Ulldart kam nicht nur Magie, sondern auch die Politik samt fieser Ränke und Machenschaften ins Spiel. Das bündelt sich in einer solch strategisch wichtigen, unentbehrlichen Stadt wesentlich.

Darüber hinaus bietet Wüste so unfassbar viele Möglichkeiten. Es ist mehr als eine Ebene mit Sandhügeln. Felsen, Gebirge, Geröll, Sand, Staub, sogar Eis - die Leserschaft wird zumindest andeutungsweise erfahren, welche Gefahren auf die Reisenden lauern, die aufbrechen, um die Wüste zu durchqueren.


TOR ONLINE:
"Wedora" wurde aus einem Rollenspielkonzept heraus geboren – in wieweit hat sich das auf das Schreiben des Romans ausgewirkt?

Markus Heitz: Ich konzipiere alle meine phantastischen neuen Welten nach dem Prinzip des Rollenspiels, damit der gesamte Kosmos bis in die Details steht und ich beim Schreiben nicht nachdenken muss, wo was ist und wer wen hasst oder mag. Gelegentlich rutscht mir schon was durch, das muss ich zugeben, aber das sind normalerweise die Ausnahmen. Und meistens ist es auch leicht zu korrigieren. *hüstel*

 

TOR ONLINE: Wie können wir uns konkret den Entwicklungsprozess dieser Wüstenstadt vorstellen? Soweit wir wissen, hat dieser insgesamt 20 Jahre (!) gedauert.

Markus Heitz: Als ich damals mit einer Handvoll Freunden am ersten Stadt-Entwurf plante, gab es nur Grobes: einen Götterhimmel, eine Vorstadt, ein bisschen Atmosphäre. Angelegt war hierbei von vornherein der Grundkonflikt: Wedora steht über einer Grotte mit Wasser, dem Heiligtum der Wüstenvölker, und das ist essentiell in dieser Umgebung. Ohne die geheimen Oasen wären diese Erstvölker ausgerottet. Aber so konnten sie - trotz des Betrugs an ihnen - dezimiert überleben und sorgen für eine permanente Bedrohung sowohl für die Menschen als auch die Reisenden. Zumal sie noch im Recht sind. Weiter sind wir und der Runde damals nicht gekommen.

Ich kehrte die Körner von den Ruinen, riss manche davon ein, andere blieben als Fundament des Damaligen bestehen, und dann entstanden mehr als 35 Seiten Hintergrund zu Wedora, das mit seiner Größe von einer Million Einwohner und seinen Ausdehnungen an Rom zu seiner Blütezeit heranreicht. Den Aufbau hingegen nahm ich systematischer vor, da die Stadt von Kaufleuten geplant wurde und zugleich als massive Festung dienen muss. Da kann man sich Spielereien oder Fehler nicht leisten, sonst fallen die Feinde drüber her, wie auch Rom schon zu spüren bekam. Ich will nicht ausschließen, dass ein ähnliches Schicksal durchaus bei Wedora zuschlagen könnte. Mal abwarten.

Das Schöne ist: Heiko Jung, der die Karten und Bilder anfertigte, gehörte zur Riege von Freunden, mit denen Wedora. Als ich ihn fragte, ob er dabei wäre und malt (was ich so gar nicht kann), war er sofort dabei. Da schloss sich der Kreis wieder.


TOR ONLINE: Wenn Du einen Tag in Wedora verbringen könntest, was würdest Du dort tun?

Markus Heitz: Auf den Turm des Herrschers steigen. Das kann ja sonst keiner - na, sagen wir, ich würde es versuchen. Ach, was soll’s, ich bin der Autor, ich müsste das eigentlich schaffen. Und dann erstmal die Aussicht von dort oben genießen, einen leckeren kühlen Gewürzchai in der Hand, über die Viertel, die Stadt, die Wüste und das Umland schauen.

Anschließend mit einem Gleiter aus der Festung Sandwacht eine Runde drehen und über die Oasen der Wüstenvölker ziehen, weit über den Gefahrenstellen, und rechtzeitig vor einem Sturm zurück sein, um das Prachtviertel zu bestaunen sowie die Bibliotheken zu besuchen.

Keine Sorge, abends wird gefeiert und Musikanten sowie Geschichtenerzählern gelauscht. Solche Ausflüge machen hungrig und sehr durstig, fürchte ich. Wie gut, dass diese Stadt reichlich Vorräte besitzt.

TOR ONLINE: Welchen Charakter aus Wedora würdest Du gerne treffen? Und welchem würdest Du unbedingt aus dem Weg gehen?

Markus Heitz: Ich halte das bewusst allgemein, weil manche LeserInnen des Interviews das Buch noch nicht gelesen haben könnten. Außerdem steigen geheimnisvolle Andeutungen die Neugier, hoffe ich.

Sagen wir es so: Mit einer ehemaligen Gesetzeshüterin um die Häuser ziehen, das wäre recht spannend, da die Dame ein dunkles Geheimnis umgibt. In einer Stadt wie Wedora ist es wichtig, jemanden dabei zu haben, der mit dem Schwert verdammt gut umgehen kann.

Dann haben wir noch einen Magier, dessen Bücher ich ganz gerne lesen würde. Aus Interesse, mehr nicht. Fehler beim Erlernen der Magie sind mir zu fatal, das lasse ich lieber.

Keinesfalls begegnen möchte ich dem unbekannten Herrscher der Stadt. Mit dem ist nicht gut essen, weder Kirschen noch Brot oder Datteln oder sonst was. Oh, bevor ich einen Charakter vergesse: ein Mann mit unterschiedlich farbigen, leuchtenden Augen, dessen Rasse einen gewissen, gefährlichen Ruf hat. Bei dem wäre ich mir nicht schlüssig. So. Das muss aber an Andeutungen genügen.

 

TOR ONLINE: Danke, Markus, für diese spannenden Einblicke in den Wedora-Kosmos.


>> Mehr Infos gibt es auf der Website von Knaur Fantasy

>> Hier geht es zur Website von Markus Heitz

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