Das Buch will ich spielen: Mikkel Robrahn über Romane, die eine super Games-Vorlage abgeben

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Das Buch will ich spielen: Mikkel Robrahn über Romane, die eine super Games-Vorlage abgeben


Welche Bücher würden ganz phantastische Computerspiele abgeben? Mikkel Robrahn, Chefredakteur von Pietsmiet und Autor der Fantasy-Serie “Hidden Worlds”, schlägt sechs Titel vor, die sich die Gamesmacher dringend mal ansehen sollten.

Wenn es Spieleentwickler*innen an einer Sache nicht mangelt, dann sind es Ideen für neue Spiele. Das hindert mich aber nicht daran, hier jetzt mal ein paar Bücher aufzuschreiben, zu denen ich mir Videospielumsetzungen wünsche. Und dabei lasse ich jede wirtschaftliche Umsetzbarkeit völlig außer Acht. Ich brauche keine Rücksicht auf Ressourcen, Finanzierung oder Marktanalyse nehmen. Ich habe auch keinen BWLer im Nacken sitzen, der mir sagt, dass wir unbedingt noch irgendwie Lootboxen in dieses Singleplayer-Story-Game pressen müssen. Eine schöne Situation, um die mich viele Entwickler*innen bestimmt beneiden!

So, hier kommen meine Vorschläge, und ich freue mich, in den Kommentaren von euren zu lesen.

Brennen muss Salem | Stephen King

Wer denkt, dass ich hier so eine Liste mache, ohne mindestens einmal Stephen King zu erwähnen, liegt mächtig daneben. Ich führe auch gleich einen meiner Lieblingsromane von ihm ins Rennen: »Brennen muss Salem«. In dem Buch übernehmen Vampire langsam eine Kleinstadt in den USA. Und das würde ich auch zum Mittelpunkt des Videospiels machen!

Als Spieler*innen müssen wir die stetig schrumpfende Anzahl von Bewohner*innen managen. Tagsüber sammeln wir Ressourcen, verrammeln und verstärken unsere Gebäude, rüsten uns mit Waffen aus, bauen Fallen und beten in der Kirche zu Gott. Das blöde an der Geschichte: Wir werden das Unvermeidbare nicht verhindern, nur möglichst lange hinauszögern können. Die Vampire werden immer stärker und unsere Menschen immer weniger. Der Clou ist es, möglichst lange zu überleben, bevor irgendwann alle sterben. Im nächsten Durchgang können wir nach Rogue-like-Manier wieder unser Glück versuchen.

Die Sturmlicht-Chroniken | Brandon Sanderson

Die Sturmlicht-Chroniken sind ein Fantasy-Epos, das die Bezeichnung auch wirklich verdient. In zehn Bänden wird eine epische Geschichte rund um den Kronprinzen Dalinar, den Sklaven Kaladin und die Adelige Schallan erzählt. Große Schlachten, Intrigen, alte Götter, Magie – die Sturmlicht-Chroniken bringen alles für ein gigantisches Strategiespiel mit.

Ich stelle es mir wie das uneheliche Kind zwischen »Civilization« und »Crusader Kings« vor. Eine große Karte auf der wir in Runden Einheiten verschieben, Stützpunkte aufrüsten, Artefakte finden, Truppen ausbilden und für Nachschub sorgen. Mit Diplomatie können wir versuchen, unsere Position zu stärken – gelingt das nicht, greifen wir eben auf Attentäter zurück. Genug Lore für DLCs und Erweiterungen existiert auch. In meinen Augen ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand wie Paradox sich die Lizenz schnappt!

Redwall | Brian Jacques

Ich bin ein großer Fan von Animal Fantasy und Brian Jacques ist mit seiner Redwall-Reihe wahrscheinlich der Grund dafür. Mäuseritter und Dachsmönche kämpfen gegen Rattensöldner und anderes böse Getier. Ein klassisches Fantasy-Setting, in dem man einfach die Menschen gegen Tiere ausgetauscht hat. Und Tiere machen alles besser!

Das Videospiel zur Redwall-Reihe wäre natürlich ein Rollenspiel. Wir erstellen uns einen Charakter, zum Beispiel ein Waldläuferwiesel oder eine Schurkenmaus, und erleben die Welt von Redwall. Unterwegs schließen sich weitere Verbündete unserer Gruppe an, wir erledigen Quests und rüsten unsere Gruppe weiter aus. Also um es kurz zu machen: »Dragon Age«, aber statt mit Zwergen, Elfen und Menschen mit Mäusen, Ratten, Eichhörnchen, Dachsen und allem, was so ein Wald hergibt! Immerhin soll Netflix schon an einer Serien-Adaption arbeiten.

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Wédora – Markus Heitz

Mit seinen Zwergen ist Markus Heitz ja bereits in den Genuss einer Videospielumsetzung zu einem seiner Werke geworden. Ich würde ihm auch noch eine zu Wédora wünschen. Die namensgebende Stadt ist ein Schmelztiegel in der Wüste, Handelspunkt von fünfzehn umliegenden Ländern und gespickt mit Legenden und Geschichten.

In meinem Videospiel würde man in die Rolle des Stadtverwalters schlüpfen. Ähnlich wie bei »Frostpunk« müssten wir alles dafür tun, diese gigantische Maschine am Leben zu erhalten. Steuern erlassen, neue Wasserquellen entdecken, drohende Revolten niederkämpfen und Invasoren abwehren. Jede Entscheidung muss gut überlegt sein, nie werden alle in Wédora davon profitieren. Ganz im Ernst, wenn das niemand entwickelt, dann hole ich mir Games-Förderung und mach es selbst! Hab da jetzt richtig Lust drauf.

Talus – Liza Grimm

In »Talus« von Liza Grimm geht es um Hexen, die in Edinburgh in einer Parallelgesellschaft leben. Sie organisieren sich in verschiedenen Zirkeln und gehen ihren magischen Begabungen nach. Manche können Tarotkarten legen und die Zukunft lesen, andere Wasser kontrollieren und wieder andere Tränke brauen. Die verschiedenen Zirkel können sich nicht immer gut riechen, es gibt Intrigen, Verrat, Politik und Totschlag. Natürlich gibt es Totschlag, das Buch ist ja von Liza.

Das Videospiel dazu wäre ein atmosphärisch dichtes Rollenspiel. Es geht nicht darum, eine möglichst große Open World zu kreieren, sondern eine Welt, in der man hinter jedem Stein und Baum ein neues Abenteuer findet. Unseren Charakter erstellen wir uns zu Beginn und können aus den verschiedenen Zirkeln wählen. Die Auswahl hat natürlich Auswirkungen darauf, wie die Welt auf uns reagieren wird. Ein bisschen »Gothic«, ein bisschen »Vampire: The Masquerade«. Wenn man jetzt losentwickelt, kann man vielleicht noch auf der Hype-Welle des angekündigten Harry-Potter-Spiels mitschwimmen.

Neon Birds – Marie Graßhoff

Neon Birds zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach. Spontan würde ich es so versuchen: Die Menschheit kämpft in rund 100 Jahren gegen eine Künstliche Intelligenz, die uns mithilfe eines Virus in Cyborg-Zombies verwandelt. Das wird dem aber nicht so richtig gerecht, denn in ihrem Buch wirft Marie auch viele andere Fragen auf, etwa wie wir als Menschheit in Zukunft leben wollen.

Tut mir leid, Marie, den Aspekt müssen wir für das Videospiel leider ignorieren. Das Videospiel hat einen klaren Fokus: Immer neue Wellen von Cyborg-Zombies, die gegen unsere Schutzschilde branden und unsere Siedlung einnehmen wollen. Wir müssen neue Einheiten produzieren, Schilde reparieren, Gebäude bauen und Spezialeinheiten über die Karte schicken, um Generatoren anzuschmeißen oder der Künstlichen Intelligenz einen auszuwischen. Vorbild hierfür ist »They Are Billions«, das ich schon beim Lesen einer Szene im Kopf hatte.

Wédora – Staub und Blut
Talus: Die Hexen von Edinburgh
Neon Birds

Über den Autor

Mikkel Robrahn

© Philip Tappert

Mikkel Robrahn, geboren 1991 in Norddeutschland, ist Chief Operating Officer bei der PietSmiet UG & Co. KG. Die PietSmiet UG gehört zu den größten YouTube-Gaming-Kanälen in Deutschland und erreicht jeden Tag Hunderttausende Menschen. Er ist der organisatorische Kopf hinter der kreativen Truppe und bekam von der Community schnell den Spitznamen „Mikkel machts“, weil er Dinge zuverlässig anpackt und umsetzt.

Auf Instagram findet ihr ihn unter @mikkelmachts!

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