Star Trek Expeditions

GAMES

To Boldly Roll – 5 Brettspiele für Star-Trek-Fans


„Star Trek“ ist ein Phänomen. Seit knapp 55 Jahren begleitet uns das Franchise – und mit gleich mehreren neuen Streaming-Serien geht es immer wieder auf Warpgeschwindigkeit. Vom Comic übers T-Shirt-Motiv bis zur Sammlermünze: „Star Trek“ ist überall. Und wie sieht es am Brettspiel-Markt aus? Bernd Perplies hat sich umgesehen.

Als ich 2017 anfing, auf Tor Online über Brettspiele zu schreiben, galt mein erster Artikel Spielen zu dem einen der beiden ganz großen „Star“-Franchises: „Star Wars“. Eigentlich wollte ich den „Star Trek“-Artikel direkt nachschieben, aber eins kam zum anderen, und eine temporale Anomalie später ist es plötzlich 2020. Was die Sache nicht leichter macht.

Denn „Star Trek“ hatte nie das Glück, dass eine Spiele-Schmiede wie Fantasy Flight Games daherkommt, die Lizenz kauft und dann gleich im halben Dutzend großartige Spiele-Reihen auf den Markt wirft. Gut, Kollege WizKids hat versucht, den FFG-Erfolg mit Captain Kirk und Co zu wiederholen, aber dieser Erfolg war zumindest hier in Deutschland kaum zu spüren. Was ich damit sagen will: Viele der Spiele, die ich euch gleich vorstelle, sind nicht einfach im Hobbyshop um die Ecke zu kriegen. Aber zum Glück existiert das World Wide Web – und dort gibt es ja nichts, was es nicht gibt. Also schnappt euch Phaser und Tricorder und beamt euch mit mir ins All …

Star Trek – Attack Wing Miniatures Game

Als 2012 das „Star Wars – X-Wing Miniatures Game“ bei FFG erschien, ging eine Erschütterung der Macht durch die Spielerschaft. Das an das ältere „Wings of War“ erinnernde Tabletop-Spiel entwickelte sich zum echten Bestseller. Nur ein Jahr später zog WizKids überraschend nach, lizenzierte den „Flight Path“-Spielmechanismus von den Kollegen und brachte seine Version des Spiels: das „Star Trek – Attack Wing Miniatures Game“, ein kompetitives Raumschiff-Miniaturen-Spiel, bei dem Föderation, Klingonen, Romulaner und mehr gegeneinander antreten. Dabei waren die Schiffsmodelle, Spielmarker und Karten immer etwas schlichter im Design, dafür hatten und haben die WizKids in Sachen Szenarien und Zusatzspielmaterial die Nase vorne.

Zum heutigen Einstieg in das Spiel erwirbt man sinnvollerweise das „Federation vs. Klingons Starter Set“ (2017), das neben vier Schiffen der TNG-Ära und Aufrüstungskarten – von Jean-Luc Picard bis zum Photonentorpedo – die Spielregeln, Spezialwürfel, Spielmarken, Schadenskarten und Bewegungsschablonen enthält. Dann kann es auf dem Spieltisch direkt losgehen, wobei sich, um der Atmosphäre willen, eine Unterlage mit Sternenfeldmotiv (BattleMat aus PVC oder – besser – Neopren) empfiehlt. Die Spieler bewegen abwechselnd ihre Schiffe und versuchen dabei entweder, ein Szenarioziel zu erreichen oder schlicht den Gegner zu bezwingen. Das spielt sich flott und macht Laune, man muss nur aufpassen, dass man die ganzen Effekte der eigenen Schiffskarten (Personal, Waffen, Technologien) nicht zu berücksichtigen vergisst.

Auch interessant: Wenn ihr nach „Star Trek – Attack Wing“ googelt, werdet ihr es merken: Die Auswahl ist mittlerweile erschlagend. Wer also Spaß an dem Konzept gefunden hat, findet eine Menge Material, um die Spiele abwechslungsreicher zu gestalten, sei es mithilfe von Fraktionsboxen zu den Borg, Ferengi oder Romulanern, durch Einzelschiffe oder gar „dicke Brummer“ wie die Raumstation Deep Space 9. 

Star Trek Fluxx

Captains der Sternenflotte müssen flexibel sein und sich immer wieder an neue Umstände anpassen können, beispielsweise im Umgang mit unbekannten Zivilisationen. Diesen Umstand hat „Star Trek Fluxx“  (einer der zahlreichen Ableger des Kartenspiels „Fluxx“ aus dem Jahr 1996) zum Spielprinzip erhoben. Das kleine Kartenspiel von Looney Labs, das für 2 bis 6 Spieler ausgelegt ist, entwickelt nämlich Regeln und Spielziel während einer Partie dynamisch, und beides ist ständiger Veränderung unterworfen, so dass sich Spieler immer wieder anpassen müssen.

Der Einstieg ist so simpel, dass er in einem Satz erklärt ist: In der Mitte des Tischs wird die „Basic Rule“-Karte ausgelegt, die besagt, dass jeder Spieler abwechselnd 1 Karte zieht und 1 Karte ausspielen muss, in dieser Reihenfolge. 3 Karten bilden die Starthand. Ausgespielte Karten können nun Personal wie James T. Kirk oder Mr. Spock sein, die man im eigenen Spielbereich behält, sie können Spielziele definieren oder Regeln ändern, z. B. „Zieh 3 Karten pro Runde“ oder „Spiele alle Karten pro Runde aus“. Inmitten dieses Chaos versuchen die Spieler jeweils, die Partie für sich zu entscheiden. Damit ist „Star Trek Fluxx“ sicher kein atmosphärisches Schwergewicht; dafür passt es aber in jede (größere) Hosentasche und eignet sich perfekt, um zwischendurch eine kleine, kurzweilige Runde zu spielen.

Auch interessant: Mittlerweile existieren für die TV-Serien „The Next Generation“, „Deep Space Nine“ und „Voyager“ eigene „Fluxx“-Ausgaben. Dem Vernehmen nach ähnelt aber zumindest „The Next Generation“ dem „Fluxx“ mit Kirk und Co sehr. Wer übrigens will, kann mit der Mini-Erweiterung „Star Trek Fluxx: Bridge“ die TOS- und die TNG-Variante verschmelzen und so für heilloses temporales Durcheinander sorgen. 

Star Trek Fleet Captains

Dieses Spiel von WizKids ist bereits neun Jahre alt und heute entsprechend schwierig zu bekommen; außerdem bleibt die Komponentenqualität – höflich formuliert – etwas hinter ihren Möglichkeiten zurück. Trotzdem gehört „Fleet Captains“ unbedingt auf diese Liste, denn selten hat sich ein Brettspiel so sehr nach „Star Trek“ angefühlt. 2 bis 4 Spieler übernehmen hier jeweils eine Flotte von Raumschiffen, die sich über einen zu Beginn völlig verdeckten und variabel großen Spielplan aus modularen Weltraum-Hex-Feldern bewegen, um das All zu erforschen, Planeten zu kolonisieren und Bedrohungen (auch gegenseitige) zu bewältigen. In der Grundbox stehen hierfür die Föderation und das Klingonische Reich zu Auswahl. Dabei wird inhaltlich ein „Best of“ aller „Star Trek“-Epochen geboten. So fliegen die Enterprise-A, die Defiant und die Voyager genauso nebeneinander her wie die Captains Kirk, Picard und Janeway.

Gespielt wird in abwechselnden Zügen auf eine vorher festgelegte Anzahl von 6 bis 38 Siegpunkten hin. Wann immer ein neues Weltraum-Feld aufgedeckt wird, muss der entsprechende Spieler würfeln, ob es zu einer Begegnung kommt. Die hierzu gezogenen Encounter Cards bieten vielfältige Herausforderungen: von fahrenden Ferengi-Händlern über die Entdeckung aufgegebener Außenposten bis hin zu Tribbles – die man natürlich nicht mehr los wird. Auch sonst wird Vielfalt großgeschrieben. Man kann Außenposten errichten, Material und Besatzungen beamen, Gegner angreifen, das eigenen Schiff tarnen – sprich alles, was zu einer zünftigen Erforschung des „Star Trek“-Universums gehört. Und auch der Umstand, dass man für sehr unterschiedliche Dinge Siegpunkte erhält, erhöht den Wiederspielwert, denn hat man sich beim ersten Mal auf das Lösen von Missionen konzentriert, möchte man sich bei der nächsten Partie vielleicht bloß durch Raumschlachten zum Sieg durchkämpfen. Kurz gesagt: Ich kann dieses Spiel jedem „Star Trek“-Fan wärmstens empfehlen.

Auch interessant: Wer den Abwechslungsreichtum noch erhöhen will, legt sich zusätzlich die beiden Erweiterungen „Romulan Empire“ (2012) und „Dominion“ (2014) zu, die jeweils die genannten Fraktionen beinhalten. Damit wird der Wettstreit um den Alpha-Quadranten – nicht zuletzt aufgrund der schicken Schiffsminiaturen (die den „Attack Wing“-Minis von WizKids entsprechen, bloß einfarbig) – endgültig filmreif.

Star Trek Attack Wing
Star Trek Fluxx
Star Trek Fleet Captain

Star Trek Ascendancy

Ein ähnliches Schwergewicht (aber leichter erhältlich, weil neuer) ist „Star Trek Ascendancy“ (2016) von Gale Force Nine, ein sogenanntes 4X-Spiel (explore, expand, exploit, exterminate), das allein mit der Grundbox exakt 3 Spieler für wenigstens drei Stunden an den Spieltisch bindet (eher länger). Gespielt wird entweder auf dem blanken Tisch oder – noch stilechter – auf der großen „Ascendancy“-Space-Mat, die man optional erwerben kann. Dort werden dann im Laufe des Spiels modulare Planeten ausgelegt, die entdeckt und erobert werden können. Überhaupt ist das Spielmaterial extrem thematisch und für den „Star Trek“-Fan ein echter Hingucker, von den kleinen Plastikschiffchen über die Planetenmarker bis zu den Begegnungskarten. Das sieht auf dem Wohnzimmertisch einfach gut aus.

Ziel, des Spiels ist es, 5 Aszendenz-Marker zu sammeln, wobei man einen gleich zu Beginn besitzt – man kann auch militärisch gewinnen, aber das ist echt schwer. Die Aszendenz-Marker geben den Grad an „Zivilisation“ an, den eine Kultur besitzt. Die drei enthaltenen Fraktionen sind die Föderation, die Klingonen und die Romulaner, die sich angenehm unterschiedlich spielen, so wie es zu „Star Trek“ passt. In zwei Phasen pro Runde baut man dann seine Produktionsstätten aus, entwickelt Technologien, entdeckt Planeten, handelt Begegnungen ab usw. Das klingt grundsätzlich ähnlich wie bei „Fleet Captain“, aber „Ascendancy“ fühlt sich doch wie eine Ebene „weiter oben“ an. Man kommandiert nicht nur Flotten aus individuell ausgerüsteten Schiffen, man leitet gleich alle Raumfahrtbemühungen einer ganzen Kultur. Das baut sich entsprechend langsam auf und ist auch nicht immer fair (der Glücksfaktor ist nicht der kleinste), aber wer so richtig tief in ein galaktisches Abenteuer einsteigen will, wird hiermit einen ganzen langen Spieleabend (oder auch mehrere) extrem glücklich werden.

Auch interessant: Gale Force Nine hat bei dem Spiel nicht gekleckert, sondern geklotzt. Bis heute sind bereits vier weitere Fraktionen erschienen: Ferengi (2017), Cardassianer (2017), Vulkanier (2019) und Andorianer (2019). Dass da noch mehr geht, kann man sich vorstellen. Außerdem wurde eine Borg-Erweiterung (2017) herausgebracht, und wer will, kauft sich noch einen Satz Fraktionswürfel oder kleine Resin-Raumstationen dazu.

Star Trek Expeditions

Dieses Spiel nimmt eine Sonderstellung unter den vorgestellten ein, denn es ist in der Kelvin-Zeitlinie der neuen „Star Trek“-Kinofilme angesiedelt. Bei diesem kooperativen Brettspiel, das 2011 fast parallel zu „Fleet Captains“ bei WizKids erschienen ist, übernehmen 1 bis 4 Spieler Mannschaftsmitglieder der U.S.S. Enterprise – Kirk, Spock, McCoy oder Uhura –, die zum Planeten Nibia geflogen sind, um mit der dortigen Bevölkerung Beitrittsverhandlungen zu führen. Leider ist man nicht allein vor Ort. Auch die Klingonen tauchen mit einem Schlachtkreuzer auf. Während man sich diesen im Orbit vom Leibe zu halten versucht, müssen Kirk & Co gleichzeitig die in drei Handlungsstränge geteilte Mission auf Nibia bewältigen. Nebenbei läuft die Zeit bis zum Eintreffen einer größeren klingonischen Flotte ab. Bis zu deren Eintreffen, müssen die Spieler die Mission komplett abgeschlossen haben, sonst ist das Spiel ebenso verloren wie beim Verlust der Enterprise.

Um die Story auf dem Planeten zu lösen, muss man pro Handlungsstrang drei aufeinander folgende Herausforderungen bewältigen, die auf dem Planeten erst einmal gefunden werden wollen. Zu Spielbeginn ist die Planetenoberfläche nämlich mit verdeckten Ereigniskarten bedeckt, die neben der Story auch andere Begegnungen enthalten. Um den Wiederspielwert zu erhöhen, teilen sich alle drei Storys zweifach auf, je nachdem, ob eine Herausforderung mit hohem oder geringem Erfolg geschafft wurde. Proben werden – ähnlich wie bei einem Rollenspiel – mit Würfeln abgelegt, zu denen sich die Attributswerte der Figuren und diverse Boni durch helfende Besatzungsmitglieder oder gefundene Artefakte addieren. Typisch für ein WizKids-Spiel dieser Zeit ist, dass die Figurenwerte auf drehbaren Clix-Basen zu finden sind, auf denen die Miniaturen stehen. Durch Verletzungen sinken diese Werte natürlich auch. Um zu gewinnen, können und sollten die Spieler einander während der ganzen Mission unterstützen, etwa indem sie Gegenstände austauschen oder ihre Spezialfähigkeiten füreinander anwenden. Sonst hat man keine Chance. Aber dass Gemeinsamkeit stark macht und jeder Einzelne mit seinen Fähigkeiten wichtig ist, entspricht ja letztlich ganz dem Geiste von „Star Trek“.

Auch interessant: Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ein paar wichtige Besatzungsmitglieder der Enterprise in dem Spiel fehlen. Tatsächlich sind Sulu, Chekov und Scotty nur in einer kleinen, zusätzlichen Figurenerweiterung erhältlich, die ein Jahr nach dem Grundspiel nachgereicht wurde. Leider wurde verpasst, dem Spiel mit der Erweiterung auch eine neue Mission zu spendieren (dabei wäre das nur eine Frage von ein paar zusätzlichen Karten gewesen).

Star Trek Ascendancy
Star Trek Expeditions

Und sonst so?

Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination: Das Lebensmotto der Vulkanier trifft zwar nicht ganz auf den Markt an „Star Trek“-Spielen zu, aber einige weitere Titel vermag ich trotzdem zu nennen, die ihr euch bei Interesse ja mal anschauen könnt. Natürlich gibt es mehr als nur ein paar Umsetzungen anderer Brettspiele im „Star Trek“-Format, etwa „Star Trek Risiko“ (2016), „Star Trek Catan“ (2012) und das heiter chaotische „Star Trek Panic“ (2016). Hervorheben möchte ich hier „Star Trek Frontiers“ (2016) samt Erweiterung „The Return of Khan“ (2018) von WizKids, das auf dem tollen Spiel „MageKnight“ basiert. Außerdem von WizKids stammen die beiden Clix-Miniaturen-Spiele „Star Trek HeroClix Tactics“ (2012-2017, mit Schiffen) und „Star Trek HeroClix Away Team“ (2017-2019, mit Figuren). Ein waschechtes Raumkampfspiel im Look der 1980er ist das in der TOS-Ära angesiedelte „Star Fleet Battles“ (1979-heute), das seit mittlerweile vierzig Jahren unter eigenwilliger Lizenz eine Parallelexistenz mit zig Erweiterungen führt. Und für Kartenspieler gibt es zwei kleine, feine, aber leider nicht ganz leicht zu erwerbende Card Games, namentlich „Star Trek Five-Year Mission“ (2015) und das „Star Trek Deck Building Game“ (2011-2012) in drei verschiedenen Boxen. Genug Auswahl also, um mehr als ein paar Spieleabende dorthin vorzustoßen, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Make it so!

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