MAG 2020

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INTERVIEW

Community statt Klick-Vieh: Interview mit Wolf Lang zur MAG 2020


Am Wochenende startet die MAG 2020 – diesmal als Online-Videospiel! Wir sprechen mit Wolf Lang, dem Chef von Super Crowd, über das digitale Konzept und die Highlights dieser ungewöhnlichen Messe für Games, Manga, Anime und Artverwandtes.

TOR ONLINE: Hallo Wolf! Die MAG ist dein Baby, richtig?

Wolf Lang: Genau, die MAG ist mein Baby. Ein Kindheitstraum, meine eigene Messe mit dem Schönsten aus Manga, Anime und Gaming machen zu dürfen. Dieses Jahr kommen zwei meiner Leidenschaften zusammen. Ich bin ja eigentlich Spieleentwickler. Weil wir als kleine und mittlere deutsche Studios vermarktungstechnisch fast gar nicht stattfinden, haben wir die Indie Arena Booth auf der GamesCom gegründet. Das ist so eine Art Kollektiv von Spielestudios, aus dem schließlich 2018 die Super Crowd entstanden ist. Irgendwann wollten wir ein eigenes Stand-Event machen, wo man mehr auf individuelle Inhalte und Editorial setzt und nicht so sehr auf BÄMBÄM und T-Shirt-Kanonen. Also haben wir uns mit Mikkel Robrahn und den anderen von PietSmiet zusammengetan, weil die auch nach einem Event gesucht haben, wo sie nicht nur als Klickvieh behandelt werden, sondern sich inhaltlich einbringen können. So entstand dann die Idee: Die MAG ist eine Messe für uns, für unsere Community. Und mit den Themen Buch, Cosplay, Anime, Japan, Gaming und Creating sind wir sehr breit aufgestellt – alle Kreativbranchen, die sich von ihrer inhaltlichen Seite zeigen wollen, sind bei uns sehr willkommen.

MAG 2020

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Dieses Jahr fallen ja wegen Corona alle Großveranstaltungen aus. Was für eine Lösung habt ihr euch überlegt, auch im Unterschied zu anderen Messen?

Uns war wichtig: Wie können wir als Spieleentwickler ein Messe-Feeling schaffen? Meiner Meinung nach entsteht Messe-Feeling nicht auf einer Website, wo man ein paar Bilder anklicken kann und Bildbeschreibungen liest, sondern durch Gemeinschaft, durch Interaktion, dass man selber Dinge entdecken kann. Was lag näher, als das Ganze als Videospiel zu entwickeln? Deswegen haben wir die ganze MAG als Online-Videospiel nachgebaut. Spielerische Elemente hatte sie ja sowieso schon immer – man konnte zum Beispiel Sticker sammeln. Aber nur, wenn man seine Scheuklappen runterfährt, nicht bloß beim Gaming rumhängt oder sonst wo, sondern die ganze Messe einmal aufsucht. Oft haben die Stars die Sticker auch persönlich dabeigehabt, sodass man sie dann fragen musste: Hey, Mr. Brammen, kann ich nen Sticker haben? So kam ein ganz toller Austausch zustande. Das ist die DNA der MAG, dieses Spielerische; der persönliche Umgang miteinander. Darin steckt natürlich eine Gamification-Mechanik.

Artist
Fashion
Merch Guy

Und jetzt ist diese Stickerjagd die virtuelle Karotte vor der Nase des Spielers. Man kann mit seinem digitalen Avatar rumlaufen, sieht relativ bald, dass man in manche Bereiche noch nicht reinkommt, weil man vom Level nicht hoch genug ist. Und hochleveln kann man durch Quizze der Aussteller. Überall im Spiel sind an die siebzig Sticker versteckt. Man muss viel lesen, Dialoge durchspielen, gucken, ausprobieren, und es kann teilweise ganz schön knifflig werden. Ich bin auch gespannt, ob jemand das komplette Spiel durchspielt. Dazu hat er oder sie ja drei Tage Zeit, das wird ganz spannend. Den Progress behalten wir auch über die Streaming-Show im Auge: Mit unseren Influencern und Creatorn in der Halle gucken wir immer wieder live ins Spiel rein und machen Challenges zusammen. Das ist ein spannendes Hybrid-Modell!

Und um auf deine Frage zurückzukommen: Wir als Entwickler spielen es auch gerade selber viel, und es ist richtig geil, da mit seinen Freunden rumzulaufen. Dann bist du über Discord mit den anderen im Chat drin, kannst miteinander quatschen, kannst die Artists entdecken, das macht super viel Spaß. Und wir freuen uns mega, wenn wir am Freitag mit Tausenden von Besuchern, die dann idealerweise da um die Häuser ziehen, an den Start gehen.

Stichwort Hybrid: Wie kann man sich das vorstellen? Es gibt also das Online-Spiel, das man im Browser spielen kann, und in der tatsächlichen Messehalle in Erfurt gibt es auch noch mal Programm?

Genau. Logischerweise können bei den Produktionen in der Show-Halle keine Fans anwesend sein. Aber wir haben die Halle digital im Spiel nachgebaut, sodass die Fans hingehen und sich mit den Avataren der Creator unterhalten können. Und gleichzeitig kann man im Browser das Spiel spielen, hat aber auch das Tap-off für den Twitch-Stream. Das heißt, man kann gucken, was gerade live im Programm passiert – und unsere Creator können da auch auf Dinge im Spiel reagieren, wenn zum Beispiel Events geschaltet werden oder wenn jemand schon Level 20 ist. Das wird glaube ich ganz witzig. Wir werden ein bisschen improvisieren, denn so was hat bis heute wohl noch keiner gemacht [lacht]. Aber das wird auf alle Fälle eine coole Erfahrung.

Digitale Convention als MMO | Die MAG 2020 | First Look vom Prototypen der Fanmesse | DICED

Was war denn die größte Herausforderung für euch, als ihr beschlossen habt, ihr wollt das Ganze online umsetzen?

Natürlich ist die technische Entwicklung immer eine Herausforderung. Du musst dir vorstellen, unsere Server müssen Kapazitäten für dreißig- bis vierzigtausend Leute haben, die gleichzeitig im Spiel sind. Das wird zwar wahrscheinlich nicht passieren. Aber wenn, dann darf das Spielerlebnis nicht auseinanderfallen.

Die andere, größere Herausforderung ist die hohe wirtschaftliche Unsicherheit durch die Pandemie. Viele Unternehmen überlegen sich gerade, wie sie überhaupt ihre Mitarbeiter bezahlen können. Besonders hart hat es – und das tut mir sehr weh – die ganzen Conventionhändler getroffen. Viele von denen, auch sehr gute Freunde von uns, sind durch die Corona-Krise sehr schwer angeschlagen. Wir können die Teilnahme an der MAG natürlich auch nicht verschenken, weil wir auch selber Produktionskosten haben. Den einen oder anderen hat es wirklich sehr, sehr hart getroffen. Man hat halt kein Spielgeld mehr rumliegen, um einen Ausstellerstand in einem komplett neuen Digitalprodukt zu kaufen. Aber wir haben jetzt 80 sehr bunte Aussteller in allen Bereichen, ihr seid ja auch dabei – total cool, denn auch Bücher können Spaß machen und digital und nice sein [lacht] – das finde ich total gut, dass alle Branchen da mitziehen.

Und auf der anderen Seite: Abgesehen von dem Vorteil, dass man sich nicht mit Corona anstecken kann – welche Möglichkeiten bietet die digitale Version, die es analog nicht gab?

Wir können noch mehr Publikum überregional erreichen. Auch ihr verkauft ja nicht nur in Bundesland Soundso eure Bücher, sondern natürlich online und deutschlandweit. Und der eine oder andere hatte nun mal nicht das Ticket oder die Möglichkeit, für drei Tage nach Erfurt zu reisen. Da holen wir also sicher ein breiteres Publikum ab.

Und wir sind sehr auf das Thema Inklusion bedacht. Sowohl in Bezug auf Menschen mit Behinderung, aber auch auf Menschen, die einfach Angst haben, auf Großveranstaltung zu gehen. Man unterschätzt, wie viele Menschen Angst vor einer GamesCon, Angst vor einer MAG haben, mit so vielen Leuten. Das kann man sich jetzt logischerweise besser vorstellen, weil wir alle ein bisschen Angst vor großen Menschenmassen haben. Aber an diesem Event kann ein wirklich großer Anteil an Leuten trotzdem teilnehmen. Dass wir so mehr Menschen ermöglichen können, an unseren Inhalten teilzuhaben, die wir ja teilweise seit einem Jahr vorbereiten, freut mich sehr.

Messebild

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Ein sehr sympathischer Ansatz. Du hast es schon kurz angesprochen: Ihr habt auf der MAG EasterEggs versteckt, es wird Quests geben. Kannst du beschreiben, wie das online abläuft?

Es gibt ein Level-System, das einen in neue Bereiche erst hineinlässt, wenn man so und so hoch geschaltet ist. Und wir haben das Sticker-Spiel. Teilweise ist es super easy, Sticker zu kriegen. Das heißt, ich rede zum Beispiel mit Brammen von PietSmiet, und da steht dann als Frage: Hey, willst du meinen Sticker haben? Und wenn du Ja sagst, hast du deinen Sticker. Das sind die einfachen Dinger. Aber komplizierter wird es, wenn man zum Beispiel mich im Spiel sucht. Ich tauche auch als gezeichneter Avatar auf, als Gamedesigner. Wenn man mit mir redet, sag ich: Hey, ich hab gar keine Sticker mehr, die hab ich wohl verloren. Schau doch mal da und da. Bei den knackigeren Aufgaben findet man die Sticker also nur durch Hinweise. Die sind teilweise relativ vage und blumig formuliert, wie man das auch aus den Zelda-Spielen kennt. Wir haben auch ein paar Jokes eingebaut. Es gibt zum Beispiel eine einzige Toilette im ganzen Spiel. Und wer die findet, wird mit etwas belohnt, was ich gerade noch nicht verrate!

Klingt echt witzig. Welches Messe-Highlight darf man denn absolut nicht verpassen?

Was sicher für Leage-of-Legends-Fans ganz, ganz cool ist: RIOT hat eine eigene Welt mit uns auf die Beine gestellt, und wir haben in unserer Spielegrafik eine Leage-of-Legends-Karte nachgebaut. Dazu ist ein Influencer-Turnier geplant. Super interessant für alle, die League of Legends lieben.

Ansonsten ist es ja immer subjektiv, was man gut findet und was nicht. Ich glaube, unser Zeichner-Bereich wird dieses Jahr wieder sehr spannend. Über 25 Zeichner aus der ganzen Welt zeigen ihre Arbeiten. Manche haben sich ihre Avatare komplett selbst gezeichnet, in ihrem eigenen Stil, wirklich sehr schön anzusehen.

Der Merch-Bereich, wo unter anderem die Bücher untergebracht sind, sieht auch sehr nice aus. Da sind auch viele Sticker versteckt, ein Besuch lohnt sich also. Der abgedrehteste Bereich ist vermutlich der Indie-Kola-Bereich. Da haben wir eine Kola-Galaxie nachgebaut, optisch sehr spannend. Aber jede Welt ist anders, und ich hoffe, es ist für jeden ein Highlight dabei.

Messe-Action

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Das mit der Indie-Kola musst du mir kurz erklären.

Letztes Jahr haben wir mit Fritz-Kola eine gemeinsame Initiative namens Indie-Kola aufgezogen, um Indie-Developern zu Promotion und Reichweite zu verhelfen. Dafür wurde extra ein eigenes Label entwickelt: Auf der ganz normalen Fritz-Kola klebt dann vorn so ein Indie-Kola-Label drauf.  Im Rahmen von Indie-Kola ermöglicht Fritz-Kola sechs Indie-Teams, kostenfrei auf der MAG mit dabei zu sein. Auf der Messe findet ja alles mehr oder weniger in Hallen statt, aber im Indie-Kola-Bereich kommt man in einen endlosen schwarzen Raum, der so ein bisschen wie eine Galaxie aussieht, ziemlich spacig mit UFOs und so. Da wird Fritz-Kola ihrer kreativen Ader gerecht, die Welt ist ganz schön wild. Aber sehr, sehr cool.

Was glaubst du: Wenn wir die Corona-Pandemie in den Griff bekommen sollten, hält die MAG trotzdem an diesem Konzept fest?

Wir wollen – auch vor dem Hintergrund von Inklusion und Accessability – in Zukunft auf alle Fälle ein Hybrid-Programm fahren. Durch die erstmalige Vernetzung von Show und Spiel lernen wir jetzt, welche Synergien beide Bereiche in Echtzeit miteinander entstehen lassen. Das Ganze macht so viel Spaß, das werden wir nicht aufgeben. Plus: Wir erreichen Leute, die sonst nicht auf so ein Event kommen, und ermöglichen denen Freude an der Sache. Und auch wenn wir die Pandemie in Griff kriegen – die Zeit der Dreihunderttausend-Leute-Events, eng an eng, die ist vielleicht für die nächsten Jahre erst mal vorbei. Eigentlich war das so ein kleiner Tritt in Richtung Digitalisierung der Event-Branche. Auch wenn uns allen die physischen Veranstaltungen fehlen, werden wir hinterher wahnsinnig viel darüber gelernt haben, was Online für Möglichkeiten bietet, was Online nicht kann. Und dann werden wir langfristig viele schöne Hybrid-Versuche sehen, wie man die Dinge zusammen stattfinden lassen kann.

Ich bin jedenfalls auch super gespannt und ein bisschen aufgeregt, ob sich Leute an unseren Buchstand verirren werden.

Ich komme auf alle Fälle vorbei [lacht].

Schön. Danke dir für das Gespräch!

 

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Wolfgang Lang

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Wolf Lang
ist CEO bei Super Crowd. Mitbegründer der Indie Arena Booth. Gamedesigner + Eventmacher = Chef von MAG online. In diesem Jahr Super Saiyajin.

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