Civilization - Ein neues Zeitalter - Grundspiel |

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Doom, StarCraft, Civilization & Co. - Fünf Brettspiele zu Videogames


Digital oder analog? Das war lange eine Entweder-Oder-Frage. Wen es vor die Daddelkiste zog, der saß selten würfelnd am Wohnzimmertisch – und umgekehrt. Heute finden beide Welten immer stärker zusammen, wie fünf großartige Brettspiele zu Videogames beweisen.

Als der Computer Ende der 1980er/Anfang der 1990er seinen Siegeszug antrat, muss das ein herber Schlag für die Brettspielindustrie gewesen sein. Denn auf einmal waren „Monopoly“ und „Scotland Yard“ nicht mehr angesagt, sondern „Zak McKracken“ und „Wing Commander“. Selbst Genre-Schwergewichte wir „Talisman“ und „StarQuest“ dürften es gegen ein „Might & Magic“ oder ein „Doom“ schwer gehabt haben (zumindest wenn mein Freundeskreis und ich irgendwie repräsentativ für die Nerds der damaligen Welt gewesen sind).

Doch obwohl die Videogames bis heute eine starke Position im Kampf um die Freizeitgestaltung spielfreudiger Menschen errungen haben, sind seit ein paar Jahren auch Brettspiele wieder hart im Aufwind. Und auch wie sehr sich beide Unterhaltungsformen befruchten können, zeigt sich gerade in jüngster Zeit immer stärker. Da werden Brettspiele als Digitalversionen umgesetzt, Apps ergänzen als virtueller Spielleiter oder Hilfsmittel den analogen Spielverlauf – und natürlich erscheinen Brettspieladaptionen beliebter Videogames. Also, legt mal den Controller zur Seite und lasst euch von mir in die Welt des Analogen entführen …

DOOM – Das Brettspiel (Neuauflage)

Als 1993 das Videospiel „Doom“ auf den Markt kam, galt der 3D-Ego-Shooter sowohl in technischer Hinsicht als auch aufgrund seiner inhaltlichen Intensität als bahnbrechend. Der ultrabrutale Kampf von Marines gegen eine Dämonenbrut auf dem Mars (und später auch in Höllenleveln) entwickelte sich zum (zeitweise in Deutschland indizierten) Hit. Mehrere Fortsetzungen – die jüngste, „Doom Eternal“, ist gerade erst erschienen –, Romane, Comics und sogar ein Kinofilm mit Karl Urban und Dwayne Johnson in den Hauptrollen adaptierten und erweiterten die Handlung. 2004 veröffentlichte Fantasy Flight Games (FFG) ein erstes Brettspiel zu „Doom 3“. 2016 wurde eine neue Version – begleitend zu „Doom“ (2016) – auf den Markt gebracht.

Das taktische, missionbasierte Miniaturenspiel ist für 1 bis 4 Spieler, die einen Trupp schwer bewaffneter UAC-Marines übernehmen, ausgelegt sowie für einen Zerstörer-Spieler, der die höllischen Horden kontrolliert. Passend zur Vorlage kommt das Spiel schnell, düster und tödlich daher. Die gesichtslosen Marines können durchaus über die Klinge springen. Dafür gibt es dann Respawn-Punkte in jeder Mission. Natürlich liegen, wie es sich für einen 3D-Shooter gehört, überall Med-Kits und Waffen herum. Und Portalmarker, an denen (meist) einmalig Monster auftauchen können, sind das analoge Pendant zu Triggern in der digitalen Welt. So kann nach dem Öffnen einer Tür ein Portalmarker ausgelöst werden, der dann den Raum dahinter mit Höllengezücht füllt. Das Spiel erzählt keine epische Geschichte, die Stärke von „Doom“ liegt eher in den flotten Einzelmissionen, die mit reichlich Geballer und erheblichem Bodycount für Laune am Spieltisch sorgen.

Auch interessant: Das Spielprinzip ähnelt spürbar den taktischen, missionbasierten FFG-Miniaturenspielen „Descent“ und „Star Wars: Imperial Assault“. Wer also statt auf Horror-Action eher Lust auf Fantasy oder Science-Fiction hat – und sich mehr Handlung wünscht –, der sollte mal einen Blick auf diese zwei Spiele riskieren.

Sid Meier’s Civilization – ein neues Zeitalter

Dieses Brettspiel ist ein etwas eigenartiger Spross, denn es ist die Analogadaption einer Digitaladaption eines Analogspiels. Wie bitte? Lasst mich erklären. 1991 brachte Computerspieldesigner Sid Meier ein Globalstrategiespiel auf den Markt, das die Welt der PC-Spiele revolutionierte: „Civilization“. Dieses war merklich vom gleichnamigen Brettspiel aus dem Jahr 1980 inspiriert. Meiers Spiel wurde ein gigantischer Hit und die bis heute fortgeführte Videogame-Reihe gehört zu den erfolgreichsten überhaupt. 2002 veröffentlichte Eagle Games das erste Brettspiel zum Franchise, 2010 erschien bei Fantasy Flight Games eine neue Ausgabe. „Sid Meier’s Civilization – Ein neues Zeitalter“ von 2017 ist nun die jüngste Analog-Version von Meiers Werk und basiert eben nicht auf dem ursprünglichen Brettspiel, sondern explizit auf dem Videogame.

Das Spiel erlaubt 2 bis 4 Spielern ab 12 Jahren, Kulturen zu übernehmen, die dann von der Steinzeit bis in die Neuzeit geführt werden wollen. Etwas anachronistisch können dabei Ägypter gegen Amerikaner und Sumerer gegen Franzosen antreten. Jede Kultur beginnt mit einer Stadt, von der aus das eigene Gebiet über einen modularen Hexfeldplan erweitert wird. So fahren Planwagen durch die Lande, neue Städte werden gegründet, Erfindungen gemacht und wahlweise wandernde Barbaren oder das Nachbarreich bekämpft. Das macht absolut Laune und sieht auch gut aus, allerdings sollte man sich vorab von der Vorstellung verabschieden, dass hier Weltreiche auf einer Weltkarte konkurrieren. Dafür fühlt sich der Hexfeldplan einfach zu „klein“ an, die Ressourcen der Reiche sind zu begrenzt und der Ritt durch die Zeitalter geht zu flott vonstatten. (Die Spieldauer beträgt auch „nur“ etwa 3 bis 4 Stunden.) Im Vergleich zum Umfang des Videospiels liegt hier ein deutliches „Civilization light“ vor – aber mit der Einschränkung haben fast alle Brettspielumsetzungen zu kämpfen. Auf der Habenseite genügt ein Nachmittag, um eine Partie zu beenden.

Auch interessant: Wer übrigens lieber „das Original“ spielt, der muss ein wenig aufpassen. Ja, das Spiel wird auch heute noch bei einschlägigen Online-Händlern verkauft (von Gibsons). Allerdings handelt es sich wirklich um die Urfassung und mittlerweile gab es bereits drei Weiterentwicklungen: „Advanced Civilization“, „Mega Civilization“ (out of print) und – ganz neu von 2019 – das Brettspiel „Western Empires“ – das zusammen mit der noch kommenden Erweiterung „Eastern Empires“ zu einem aktualisierten „Mega Civilization“ zusammengelegt werden kann. Aber Vorsicht: Die Spieldauer wird mit 8-12 Stunden angegeben! Dagegen ist die „Meier“-Version flott gezockt.

Fallout – Das Brettspiel

Das postapokalyptische PC-Rollenspiel „Fallout“ von Interplay trat seinen Siegeszug im Jahr 1997 an. Nuka-Cola, Pip-Boy, S.P.E.C.I.A.L.-Attributssystem, schwarzer Humor und die retrofuturistische Technik der USA der 1950er-Jahre wurden rasch zu den Markenzeichen des Erfolgstitels, der zahlreiche Folgespiele nach sich zog. 2018 – im Umfeld des jüngsten Videogame-Ablegers „Fallout 76“ – brachte FFG die Analogumsetzung für den Wohnzimmertisch heraus. Auf Deutsch ist das Spiel bei Asmodee erschienen.

„Fallout“ kommt als typisches Abenteuerspiel daher. Man wählt ein Szenario, dann schlüpfen 1 bis 4 Spieler in die Rollen von Überlebenden; das kann ein ebenso ein Atombunker/Vault-Bewohner sein wie ein Supermutant oder ein Ghul. Auf einem modularen Hexfeldplan, der die amerikanischen Wastelands repräsentiert, wandern diese Antihelden umher, haben „Begegnungen“ und bekämpfen Banditen, verstrahltes Ungeziefer sowie durchgedrehte Roboter. Dabei folgen sie sinnvollerweise Questreihen, die sie kreuz und quer über den Spielplan führen und jeweils eine kleine Geschichte erzählen. Ziel des Spiels ist es, eine von der Spielerzahl abhängige Menge Einfluss zu erringen – alternativ endet das Spiel, wenn eine der zwei Fraktionen, die vom Szenario vorgegeben sind, zu viel Macht erlangt. Natürlich kann man in der Zwischenzeit seine Figur aufrüsten und ihre Fähigkeiten verbessern, wie man das von einem typischen Rollenspiel kennt. „Fallout“ verströmt extrem viel Flair und ist für mich eine rundum gelungene Umsetzung des digitalen Vorbilds. Bloß solo spielt es sich nicht so gut, weil man sich dann die Begegnungskarten, die unterschiedliche Entscheidungen zulassen, selbst vorlesen muss – und das kann zu Spoilern führen.

Auch interessant: „Fallout“ hat in den letzten zwei Jahren einen bemerkenswerten Sprung an den Spieltisch hingelegt. Zu dem hier vorgestellten Brettspiel existiert bereits eine Erweiterung „Fallout: Neu-Kalifornien“. Außerdem wurde von der britischen Spieleschmiede Modiphius mit „Fallout – Wasteland Warfare“ ein Tabletop-Skirmish-Game entwickelt, das, betrachtet man die Menge an Sets, sehr gut zu laufen scheint. Ganz neu ist „Fallout Shelter: Das Brettspiel“, ein witziges, kleines Vault-Management-Spiel, das auf dem gleichnamigen, kostenlosen App-Spiel basiert.

Doom
Civilization
Fallout

Dark Souls – Das Brettspiel

„Das Spiel der tausend Tode“ nannte die Wochenzeitung „Die Zeit“ das Fantasy-Action-Rollenspiel „Dark Souls“, als es 2011 erschien, und „nichts für die breite Masse, sondern nur für eine eng definierte und leidensfähige Zielgruppe“. Trotzdem verkaufte sich das Spiel von Hidetaka Miyazaki weltweit mehr als zwei Millionen mal und zwei Fortsetzungen gab es auch. Im Frühjahr 2016 tauchte dann auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter die Brettspiel-Umsetzung von Steamforged Games auf, ein Ungetüm von einem Spiel mit zahllosen Erweiterungen. Wer da „all in“ gehen wollte, war ratzfatz über 300 britische Pfund los (ohne Porto). Ein Großteil der Erweiterungen sind aber einzelne Bosse für abwechslungsreiche Finalkämpfe. Auch ohne sie – also nur mit dem Grundspiel – kann man gut leben.

Genau wie das Videogame ist „Dark Souls – Das Brettspiel“, das übrigens mit mehr als 31.000 Backern ein herausragender Erfolg wurde, ein taktisches Kampfspiel, das kaum nennenswerte Handlung aufweist und sich ganz auf die Erforschung der Schauplätze und das Bekämpfen von Gegnern konzentriert, die jeweils von den Begegnungskarten des gewählten Szenarios abhängen. Und genau wie das Videogame ist auch die analoge Variante echt knackig. Dabei punktet das Spiel mit einem ausgefeilten Kampfsystem, das den Spielern zwar mächtige Angriffe erlaubt, doch diese immer mit einem Preis belegt. Stark sind auch die Bosskämpfe, die ihre ganz eigene Kartenmechanik haben und ein besonderes Teamwork aller Mitspieler erfordern. Das Spielmaterial ist natürlich, wie bei so dicken Kickstarter-Projekten eigentlich üblich, spektakulär. Das mag jetzt nicht unbedingt auf die eher finsteren Spielplanteile zutreffen, aber auf jeden Fall auf die fantasievollen Plastikminiaturen, die für eine perfekte „Dark Souls“-Atmosphäre am Spieltisch sorgen. Ein Spiel für Leute, die Herausforderungen mögen – aber im höheren Preissegment angesiedelt.

Auch interessant: Wer deutlich weniger Geld investieren, aber trotzdem ein „Dark Souls“-Spiel für den Wohnzimmertisch haben möchte, sollte sich „Dark Souls: The Card Game“, ebenfalls von Steamforged Games, ansehen. Viele Mechaniken sind bei diesem Dungeon-Crawling- und Deck-Building-Game ähnlich, aber es kommt deutlich schlanker daher und kostet nur etwa ein Drittel der Grundbox des Brettspiels.

StarCraft – The Board Game

Fast schon ein Klassiker unter den Brettspiel-Adaptionen von Videogames ist „StarCraft – The Board Game“ von FFG aus dem Jahr 2007. Die digitale Vorlage wurde von Blizzard Entertainment entwickelt und kam 1998 auf den Markt. Im gleichen Jahr erschien auch die einzige offizielle Erweiterung „StarCraft: Brood War“, die übrigens auch für das Brettspiel als Expansion existiert. Das Echtzeitstrategiespiel „StarCraft“ wurde ein Riesenkracher, der sich unter anderem in Südkorea zum regelrechten Volkssport auswuchs. Dementsprechend kommt das Brettspiel als wuchtige Angelegenheit daher, als großformatige Box, die obendrein randvoll mit Spielmaterial ist – und ein 48-seitiges Regelwerk aufweist, das vor der ersten Partie erst einmal verdaut werden will.

Der Spielplan ist modular und besteht aus Planeten, die Siegpunkte und Ressourcen bieten. Hierum streiten sich 2 bis 6 Spieler, die je eine Fraktion des „StarCraft“-Universums übernehmen. Dabei hat jede eigene Siegbedingungen und Fähigkeiten. So kommen die Zerg gern in Masse, die Protoss bieten teure High-Tech-Waffen auf und die Menschen stellen eine Mischung aus Beidem dar. Rundenweise werden dann Einheiten gebaut, Technologien erforscht, Planeten besetzt und Gegner bekämpft – Liebhaber des Videogames werden vieles im analogen Pendant wiedererkennen (nicht nur die Einheitentypen). Das Kampfsystem kommt dabei mit einem netten Twist daher. So stellt man nicht einfach Einheit gegen Einheit und jeder weiß anhand der Werte im Voraus, wer überlegen und wer unterlegen ist, sondern es kommen hier so genannte Kampfkarten (mitunter verstärkt durch Technologiekarten) zum Einsatz, sodass jeder Waffengang risikobehaftet bleibt. Um zu gewinnen, muss man 15 Siegpunkte sammeln (also Planetenareale besetzen) oder die eigene Spezial-Siegbedingung erfüllen. „StarCraft“ ist ein echtes Schwergewicht von einem Brettspiel und die Einstiegshürde ist sicher etwas höher. Für mich stellt es trotzdem eine großartige Umsetzung dar – die leider heutzutage nur noch gebraucht (und oft nicht ganz billig) zu finden ist.

Auch interessant: Nicht nur „StarCraft“ wurde damals von FFG als Brettspiel umgesetzt, auch sein Fantasy-Pendant „WarCraft“ erfreute sich in den 2000ern großer Beliebtheit in Hobby-Kellern. So erschien 2004 „Warcraft – The Boardgame“ samt einem „Expansion Set“. 2006 kam das schwergewichtige „World of Warcraft – Das Brettspiel“ mit zwei Erweiterungen („Shadow of War“ und „The Burning Crusade“) heraus. Im gleichen Jahr erblickte auch das „World of Warcraft“-Sammelkartenspiel von Upper Deck das Licht der Welt, das eine Weile sehr gut lief. Und 2009 wurde schließlich von FFG noch „World of Warcraft – Das Abenteuerspiel“ nachgelegt. All diese Spiele sind heute nur noch gebraucht zu bekommen und rufen durchaus Sammlerpreise auf.

Dark Souls
Star Craft

Und sonst so?

Die hier vorgestellten Spiele sind natürlich nur ein winziger Ausschnitt aus einem erstaunlich weiten Feld an Brettspiel-Adaptionen zu Videospielen. Ganze 1310 listet die Brettspiel-Community „Board Game Geek“ aktuell, von gurkigen Klassikerumsetzungen wie „Pac-Man“ (1982 / Milton Bradley), „Tetris“ (1989 / Tomy) und „Super Mario Bros“ (1988 / Milton Bradley) über frühe Ableger moderner, wertiger Brettspiel-Adaptionen wie „Age of Empires III: The Age of Discovery“ (2007 / Tropical Games), „Gears of War: The Board Game“ (2011 / FFG) oder „Might & Magic Heroes: The Board Game“ (2012 / Axel) bis zu brandaktuellen und expansion-lastigen Crowdfunding-Ungetümen wie „Assassin’s Creed: Brotherhood of Venice“ (2020 / Triton Noir), „Bloodborne: The Board Game“ (2020 / CMON) oder „Horizon Zero Dawn: The Board Game“ (2020 / Steamforged Games). Wer tiefer in die Materie eintauchen will, dem empfehle ich ein Stöbern in der BBG-Übersicht. Eine Adaption wird man hier allerdings leider nicht finden: „Duke Nukem 3D“. Da sehe ich noch Potenzial für die Zukunft.

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