Ready Player X – Romane über Computerspiele

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Ready Player X – Romane über Computerspiele


Fabian Neidhardt
17.03.2019

Ob die Trisolaris-Trilogie, Enders Spiel oder Ready Player One: Seit einigen Jahren tauchen immer mehr Bücher auf, in denen Computergames eine große Rolle für die Handlung spielen. Hier ein kleiner Überblick samt Highlights. 

Schon vor mehr als 25 Jahren waren Computerspiele und das Internet gute Möglichkeiten, der Realität zu entfliehen. In Snow Crash von Neal Stephenson muss Hiro einer Verschwörung auf die Spur kommen, die ihren Ursprung in einem Online-Multiplayerspiel hat. Auch in der Otherland Serie von Tad Williams müssen die Held*innen gegen eine virtuelle Übermacht antreten, um die reale Welt zu retten.

Arena von Holly Jennings spielt 2054 und erzählt das Leben von Kali Ling, virtuelle Gladiatorin der Profiliga, in der das Spielen zu einem Milliardengeschäft geworden ist und das Sterben real wird, wenn man die falschen Fragen stellt. Arena hat keine Kapitel, sondern Level, und ist der erste Teil einer Serie. In Erebos von Ursula Poznanski bekommt Nick in der Schule 'Erebos' zugesteckt. Ein süchtig machendes Computerspiel, das immer mehr mit der Wirklichkeit verschwimmt und Nick vor immer krassere Aufgaben stellt, die echte Konsequenzen haben. Ein Thriller für jüngere Leser, der 2011 den deutschen Jugendliteraturpreis gewann.

Ready Player One von Ernest Cline, letztes Jahr als großartige Bilderschlacht und 80er-Hommage von Steven Spielberg verfilmt, hat das Computerspielen schon im Titel verankert. Wade Watts lebt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der sich alles in einer großen virtuellen Welt abspielt, der OASIS. Bis deren Gründer stirbt und sich die halbe Welt auf die Suche nach einem Easter Egg macht, das er in OASIS versteckt hat. Hier geht es gleich um eine ganze Reihe Computerspiele, größtenteils aus den 80ern. Großer Spaß, besonders wenn man die Musik, die Filme und eben die Computerspiele kennt. Und: In der amerikanischen Ausgabe des Buches ist auch ein Easter Egg im Text versteckt.

 

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GOD JR. von Dennis Cooper geht diese Flucht ganz anders an. Es ist ein schmales Bändchen um die wichtigsten Fragen des Lebens: Liebe, Schuld, Tod und Trauer. Nach einem Autounfall sitzt Jim im Rollstuhl und sein Sohn ist tot. Um das irgendwie zu verarbeiten, taucht Jim in das Computerspiel ein, das sein Sohn geliebt hat.

Auch in Wolf in White Van von John Darnielle verändert ein Unfall das Leben des Protagonisten. Sean flüchtet erst in Bücher, Serien und Filme, bis er seine eigene apokalyptische Welt als Rollenspiel erfindet. Als sein Spiel tödliche Konsequenzen hat, muss Sean sich fragen, wie viel Schuld er daran trägt.

Nur schwer wieder rauskommen

Was passiert aber, wenn das Computerspiel die Spieler (wie die Unendliche Geschichte) tatsächlich vereinnahmt? In der Level 4 Reihe von Andreas Schlüter verschwinden die Spieler im Computerspiel Stadt der Kinder und müssen ihren Weg rausfinden.

Jump, Run und Kill, die Das Spiel-Serie von Eve Silver ist eine Trilogie um Miki, die bei einem Unfall nicht richtig stirbt, sondern in eine Zwischenwelt kommt, in ein Computerspiel, in dem sie überleben muss. Ähnlich funktionieren auch die Play to Live von Dmitry Rus, und Das letzte Level von Chris Bradford.

 

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Mehr als Computerspiele

Eine ganze Reihe der Bücher tut nur so, als seien es Computerspiele, die die Held*innen spielen. In Armada von Ernest Cline geht es um Zack Lightman, Nerd und Gamer, der seinen Vater nie kennengelernt hat und am liebsten Armada spielt, ein Virtual Reality Game, in dem die Erde vor Außerirdischen geschützt werden muss. Nur: Armada ist kein Spiel, sondern ein Rekrutierungssystem und Übungsplatz für den echten Angriff von Aliens. Dieser Plot ist nicht neu und taucht sowohl in Starfight, als auch in Enders Spiel von Orson Scott Card auf. Davon ab haben die amerikanischen Streitkräfte Computerspiele tatsächlich als Rekrutierungssystem genutzt. Trotzdem: Eine unterhaltsame Geschichte, die am besten funktioniert, wenn man die Anspielungen und Referenzen kennt.

Auch in der Trisolaris Trilogie von Cixin Liu ist das Computerspiel Three Body nur ein Vorwand, um die Menschheit auf die tatsächliche Ankunft der Außerirdischen vorzubereiten.

In For the Win von Cory Doctorow geht es zwar um Computerspiele, die aber nur dafür da sind, dass Jugendliche immer mehr Geld zahlen. Der Roman ist einerseits die Geschichte dreier Jugendlicher, die sich nicht ausbeuten lassen wollen. Andererseits Bedienungsanleitung für uns Leser, wie wir mit solchen Spielen umgehen sollten.

 

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Teil des Alltags

Manche Bücher sehen Computerspiele aber eben als das, was sie mittlerweile wohl sind: Teil unseres Lebens.

jPod von Douglas Coupland ist das Trainspotting oder das 39,90 dieser Liste: eine Kritik an unserem Leben 2.0, erzählt aus der Sicht von Nathan, der in einer Spielefirma arbeitet. Es geht aber gar nicht darum, gute Spiele zu entwerfen, sondern den Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Sehr wirr, sehr schnell und bitter unterhaltsam. Leider nur noch gebraucht zu bekommen, aber wichtig für diese Liste. Billy Marvins Wunderjahre von Jason Rekulak gehört zur 80er-Jahre-Fraktion dieser Liste. Billy und seine Freunde sind 14 und weil er unbedingt dieses Spiel auf seinem Commodore programmieren will, muss er die Klasse wiederholen. Aber statt sich darauf zu konzentrieren, versuchen er und seine Freunde, an die neue Ausgabe des Playboy zu kommen. Was damals um einiges schwieriger war. Und dann ist da auch noch dieses Mädchen. Eine süße Mischung aus Jugendliebe, 80er und Computer. Und: Jedem Kapitel ist ein Stück Code vorangesetzt. Gibt man diesen in einen C64 ein, kann man tatsächlich Billys Spiel spielen. Wer keinen C64 mehr hat, kann das online tun.

Auch Geister von Nathan Hill sieht Computerspiele als elementaren Teil des Lebens an. Auf knapp 900 Seiten erzählt Hill ein Dutzend Lebensgeschichten, unter anderem jene von Pwnage, einem hochverschuldeten Computerspieler, dessen Leben sich fast nur in der virtuellen Welt abspielt, bis er es dann doch schafft, der Held der realen Welt zu sein.

Was habe ich vergessen? Welches sind eure liebsten Bücher über Computerspiele?

 

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