Battletech - Intrigen und Krieg im 31. Jahrhundert

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Battletech - Intrigen und Krieg im 31. Jahrhundert


Battletech ist eine hervorragende Space Opera rund um Kriege, Intrigen und Politik - zu recht eine der erfolgreichsten Romanreihen der 90er. Henning Mützlitz wirft einen Blick zurück auf die Romane und beleuchtet darüber hinaus aktuelle Entwicklungen um das längst multimedial aufgestellte Franchise auf Tabletopbasis.

 

Wachroboter mit Maschinenpistolen, Drohnen mit Flammenwerfern – die Zukunft hat bereits begonnen, und natürlich beabsichtigt die Menschheit unter ihren weisen Führern ihre neuen Technologien nicht für kriegerische Zwecke zu gebrauchen – so wie sie das ja nie in ihrer Geschichte getan hat … Es gibt viele Science-Fiction-Settings, die den Gedanken mechanisierter Kriegsführung in der Zukunft weitergesponnen haben, und auch bemannte Kampfroboter gehören dazu. Eine der erfolgreichsten Romanreihen der 90er, die riesige Kampfkolosse mit einer hervorragenden Space Opera rund um Kriege, Intrigen und Politik miteinander verwoben hat, war zweifelsohne Battletech.

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Intrigen und Krieg im 31. Jahrhundert

Battletech? Da war doch was! Klar, viele kennen das Tabletopspiel mit den futuristischen Kampfrobotern, die Battlemechs genannt werden. Beim Stöbern in der SF-Ecke kam man in den 1990ern kaum an den begleitenden Taschenbüchern vorbei. Bei Heyne erschienen seinerzeit über 60 Battletech-Romane, und man kann die Storys rund um Krieg, Intrigen und Politik mit Fug und Recht als eine der interessanten Space Operas der vergangenen Jahrzehnte bezeichnen.

Grundlage für die Romane war das 1984 lancierte Tabletopspiel gleichen Namens, das in verschiedenen Editionen bei FASA, WizKids, FanPro und mittlerweile Catalyst Games erschien. Neben dem bis heute einfach zu erlernenden und dennoch komplexen Regelsystem begeistert Battletech vor allem durch seinen Hintergrund, der unzählige Möglichkeiten für Geschichten aller Art bietet. Die Menschheit hat sich ins All ausgebreitet, verschiedene Adelshäuser und Reiche gebieten über den bekannten Weltraum, die so genannte „Innere Sphäre“. Die Kriege und Machtspiele der an terranische Kulturen angelegten Sternenreiche werden zwar nach wie vor auch mit konventionellen Panzern und Fußtruppen ausgefochten, die Könige des Schlachtfelds sind jedoch die erwähnten Battlemechs, aufrecht gehende Kampfmaschinen mit einem Gewicht von 20 bis 100 Tonnen und angetan mit einem Arsenal an Waffen, das u.a. Laser, Raketen und Autokanonen umfasst.

Diese Mechs werden von so genannten „Mechkriegern“ gesteuert, die hoch angesehen sind und in den Truppen der Häuser oder von Söldnereinheiten für die Interessen ihrer Herrscher/innen oder schlicht für den schnöden Mammon kämpfen. Andere treten beispielsweise auf dem Arenaplanet Solaris VII an, um als moderne Gladiatoren interstellaren Ruhm zu erringen. Diese riesige Spielwiese wurde neben dem Tabletop in weiteren Medienformen aufbereitet, u.a. für Computerspiele, ein begleitendes Pen&Paper-Rollenspiel und natürlich für Romane – wie erwähnt wohl die Adaption, die dem Military-SF-Setting die größte Bekanntheit einbrachte.

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Battletech bei Heyne

Schon 1986 war in den USA der erste Battletech-Roman von William H. Keith erschienen, der 1989  mit dem Titel „Entscheidung am Thunder Rift“ den Auftakt für die legendäre „Gray-Death-Trilogie“ und die deutsche Taschenbuchreihe bei Heyne bildete. Die Ereignisse der Handlung rund um den Söldnerführer Grayson Carlyle beeinflussten die Geschichtsschreibung der Inneren Sphäre im 31. Jahrhundert maßgeblich, entdeckten die Söldner doch überlegene Technologie aus den Zeiten des Sternenbunds, einer besseren Ära in der Menschheitsgeschichte des dritten Jahrtausends. Diese „Lostech“ ermöglichte einen Sprung in der Technik, die später das Überleben der Inneren Sphäre gegen aufkeimende äußere Bedrohungen ermöglichen sollte.

Zunächst aber befasste sich Michael Stackpole in der „Warrior-Trilogie“ rund um die Söldnereinheit Kell Hounds mit den Wirren des 4. Nachfolgekriegs zwischen den Häusern der Inneren Sphäre. Seine spätere „Blut der Kerensky“-Trilogie, die in Deutschland 1992 erschien, etablierte Stackpole als federführenden Schreiber der großen Politik und des „Metaplots“, der offiziellen Fortführung der Zeitlinie im 31. Jahrhundert, die u.a. die Rückkehr der mysteriösen Clans. Stackpole führte die Haupthandlungslinie des Battletech-Universums bis 1997 weiter, beteiligte sich noch an der epischen „Twilight of the Clans“-Reihe und übergab den Staffelstab der Metaplot-Umsetzung dann an Loren Coleman, da er sich zunächst auf die „X-Wing“-Romanreihe bei Star Wars und eigene Fantasy-Romane konzentrierte.

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In die Heyne-Reihe integriert wurden auch die Romane, die unter dem Label „Mechwarrior“ begleitend zu den „Mechwarrior“-Computerspielen in den USA erschienen waren, sowie mit „Phoenix“ von Peter Heid auch die Geschichte eines deutschen Autors, so dass am Ende 62 Taschenbücher in Deutschland erschienen, die 2002 mit „Finale“ von Loren Coleman ihren Abschluss fanden. Fortgeführt wurde der Metaplot in der weniger erfolgreichen Reihe „Mechwarrior: Dark Age“, an der sich auch Stackpole wieder beteiligte, die aber 65 Jahre nach kataklysmischen Umbrüchen spielt, die die Innere Sphäre verwüsteten und nachhaltig veränderten.

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Eine Chance für deutsche Autoren

Nach dem Ende der Reihe bei Heyne erschienen die Battletech-Romane bei Fanpro, dem deutschen Lizenznehmer des Tabletopspiels, bzw. später Ulisses Spiele. Seitdem sind sie nicht mehr allerorten im Buchhandel erhältlich, sondern werden vor allem über den Spezialhandel, in dem auch das Spiel und die Miniaturen zu finden sind, vertrieben. In dieser Zeit änderte sich jedoch noch etwas Grundlegendes: Der Verlag fuhr zweigleisig, übersetzte die hierzulande weniger beliebte „Mechwarrior: Dark Age“-Reihe und brachte daneben Eigenveröffentlichungen aus der Feder deutscher Autoren unter dem Label „Classic Battletech“ heraus.

Darunter finden sich einige bekannte Namen der deutschen Phantastik: Robert Corvus veröffentlichte beispielsweise unter seinem früheren Pseudonym Bernard Craw diverse Romane in der Reihe, und auch Bernd Perplies steuerte mit „Die Kanonen von Thunder Rock“ im Jahr 2014 einen Titel bei. Daneben verfasste der langjährige Heyne-Battletech-Hauptübersetzer Reinhold H. Mai mit „Wiege der Basilisken“ einen eigenen Roman für die Reihe. Zudem erschienen neben der Neuauflage vergriffener Klassiker wie der „Warrior-Trilogie“ eine Zeitlang Fortsetzungsgeschichten, die zunächst als Ebook veröffentlicht wurden.

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Aktuell sind die neueren Titel noch im Print im Handel zu bekommen, wenngleich erst einmal keine weiteren Romane geplant sind, wie Michael Mingers, deutscher Chefredakteur von Battletech bei Ulisses Spiele, auf unsere Nachfrage hin berichtete. Im Ebook erscheinen allerdings seit 2017 viele alte Heyne-Klassiker unter dem Label der „Legenden“ neu, sofern sie bereits beim Lizenzgeber Catalyst Games ebenfalls als Ebook veröffentlicht wurden. Daneben denkt man darüber nach, auch die bei Catalyst in den vergangenen Jahren publizierten Titel einzudeutschen.

Battletech-Lesestoff gibt’s also wieder genug, antiquarisch sind die alten Romane zum Großteil ebenfalls noch zu bekommen, daneben stehen neue redesignte Grundboxen des Tabletops bei Catalyst in den Startlöchern. Das Label ist auch den Nicht-Tabletoppern unter Umständen in letzter Zeit wieder über den Weg gelaufen: Mit „Battletech“ ist im Frühjahr ein empfehlenswertes Rundenstrategiespiel für den PC erschienen – dort kann man als Befehlshaber einer Söldnereinheit in den Krieg zweier Adelshäuser eintauchen und seine Feinde höchstpersönlich in einen Haufen Schrott verwandeln.

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