Die acht atemberaubendsten Sci-Fi-Städte der Computerspielgeschichte

"Mirror's Edge Catalyst" (Quelle: Electronic Arts)

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Die 8 atemberaubendsten Science-Fiction-Städte der Computerspielgeschichte


Games wie „Half-Life 2“ oder „Final Fantasy VII“ haben uns schon Metropolen beschert, die wir nicht so leicht vergessen. Eine Auswahl der spektakulärsten Science-Fiction-Schauplätze in Computergames.

Kolosse aus Stahl, die über einen verwüsteten Erdball walzen: In seinen „Mortal Engines“-Romanen inszeniert Philip Reeve die Großstädte der Zukunft als dampfbetriebene Monster, die kleinere Städte jagen und verschlingen. Teil 1 seiner Tetralogie erscheint am 24.10. bei FISCHER Tor, und auch Hollywood hat die Steampunk-Abenteuer längst für sich entdeckt: Niemand Geringeres als Peter Jackson bringt „Mortal Engines: Krieg der Städte“ am 13. Dezember in die Kinos. Kann gut sein, dass schon bald jemand aus dem spektakulären Stoff ein Computerspiel bastelt. Solche Adaptionen gehen zwar nicht immer gut, im Fall von „Mortal Engines“ könnte die Umsetzung aber durchaus gelingen – etwa als MMO, dessen Spieler die fahrenden Städte bevölkern. Auf Destructoid spielt CJ Andriessen die Idee einer Videospiel-Adaption bereits durch – als Survival-Basebuilding-Game: Spieler starten mit einer kleinen Siedlung, bauen dann eine Traktionsstadt und wagen sich schließlich in die Jagdgründe der Monstermetropolen …

Wir sind gespannt, ob jemand die Idee zu „Mortal Engines: The Game“ aufgreift. Womöglich wird auch schon hinter verschlossenen Türen an dem Spiel gearbeitet, denn AAA-Produktionen benötigen bis zur Fertigstellung oftmals zwischen drei und fünf Jahren, manchmal noch mehr. Es ist enorm aufwändig, eine glaubwürdige und spannende Spielwelt zu erschaffen – und das gilt besonders für digitale Städte, die das Ganze in komprimierter Form bieten. Prominentes Beispiel für eine solch lange Entwicklungszeit ist das RPG „Cyberpunk 2077“: Zu dem hat Publisher CD Projekt („The Witcher“) gerade auf der E3 den insgesamt zweiten (!) Trailer präsentiert – sage und schreibe sechs Jahre nach der Ankündigung des Spiels. Zwar handelt es sich bei dem rund 100 Sekunden langen Video um einen sorgfältig inszenierten und gerenderten Cinematic Trailer – doch auch der lässt erahnen, welche Detailfülle das fertige Spiel dereinst bieten könnte. „Cyberpunk 2077“ spielt in der kalifornischen Stadt Night City, die von Hackern, Androiden und Glücksrittern bevölkert ist. Night City wirkt poppig-bunt und erinnert im Trailer streckenweise an Grand Theft Auto – was Neuromancer-Autor William Gibson in einem kritischen Tweet anmerkte.

Cyberpunk 2077

Sei’s drum: CD Projekt haben mit der „Witcher“-Reihe bewiesen, dass sie faszinierende Spielwelten erschaffen können – mit Figuren und Handlungssträngen, die im Gedächtnis haften bleiben. Spielestädte werden erst dann zu Erlebnisorten, wenn sie sich lebendig anfühlen – und wenn sie Fantasie und Neugier genug Raum bieten. Orte also, in denen wir nicht einfach nur von A nach B und von B nach C fahren, um unsere Quests abzuarbeiten. Sondern Orte, an denen uns jemand aus einer dunklen Gasse heraus anspricht, an denen wir im Menschengewühl nach vertrauten Gesichtern suchen, an denen die Hausfassaden Geheimnisse bergen. Wo wir uns auch verirren können … wo vieles unterschiedlich aussieht und manches so ähnlich, dass wir es verwechseln. Wo uns jähe Architektur den Atem nimmt und wir durchatmen, wenn sich das Dächermeer oder die Skyline vor uns ausbreitet. Die faszinierenden Sci-Fi-Städte der Computerspielgeschichte sind Urlaubsorte, anarchische Spielplätze und dystopische Alpträume. Vor allem aber haben sie einen unverwechselbaren Charakter, der sie von allen anderen Städten – ob digital oder echtweltlich – unterscheidet. Unternehmt mit uns eine Städtereise quer durch die Geschichte der Sci-Fi-Spiele – vom Meeresgrund über verstrahlte Ruinen bis ins Weltall. Viel Spaß!

Hinweis: Die meisten der nun folgenden Videos stammen aus dem großartigen YouTube-Kanal „Other Places“, der digitale Orte mit ruhiger Kamera porträtiert.

City 17 aus „Half-Life 2“ (2004)

Kaum ein Computerspiel-Schauplatz steht so sehr für Überwachung wie die City 17 aus dem Shooter-Klassiker „Half-Life 2“. Aliens haben die Erde erobert und die Menschen in tristen Großstädten eingesperrt. Zwischen den grauen, osteuropäisch anmutenden Fassaden patrouillieren Flugdrohnen und nehmen jeden gnadenlos ins Visier, der sich verdächtig verhält. Gehirngewaschene Sicherheitspolizisten mit Gasmasken knüppeln jeden Widerstand nieder, und gigantische Stahlspinnen – die Strider – staksen bedrohlich einher. Die Lage scheint aussichtslos … Doch Protagonist Gordon Freeman und seine Verbündeten planen schon die Revolution.

Kurzfilm aus der Welt von „Half-Life 2“

Rapture aus „BioShock“ (2007)

Rapture ist die Stadt der untergegangenen Träume, ein modernes Atlantis. Der Industrielle Andrew Ryan ließ sie in den 1940er Jahren auf dem Meeresgrund erbauen. Sein Ziel war, eine Gesellschaft jenseits aller politischen und religiösen Zwänge zu erschaffen. Doch das Experiment schlug fehl, und Ryans transhumanistische Ideen verwandelten das Unterwasserparadies in einen Alptraum: An Leistungsdrogen irre geworden, schlachteten sich die Bewohner gegenseitig ab. In „BioShock“ und dem Nachfolger „BioShock 2“ (2010) ist Rapture eine lebensgefährliche, aber auch im Verfall noch wunderschöne Art-Déco-Stadt. Addendum: Columbia, die Wolkenstadt aus „BioShock: Infinite“, ist ebenfalls einen Besuch wert.

Other Places: Rapture

The City aus „Mirror’s Edge“ (2008)

Glänzende Glasfronten, makellos weiße Wolkenkratzer und ein strahlend blauer Himmel: The City wirkt auf den ersten Blick einladend und smart. Spieler erfahren allerdings schon bald, dass die Stadt fest in der Hand eines totalitären Regimes ist. Als Parkour-Spezialistin Faith springen, klettern und balancieren sie den Verfolgern davon: Schwindelfreiheit hilft! Auch die City of Glass im Nachfolger „Mirror’s Edge: Catalyst“ (2016) war ein Kletterparcours aus Stahl und Glas.

Kurzfilm aus der Welt von „Mirror’s Edge“

Boston aus „Fallout 4“ (2015)

Im Jahr 2287 ist die Stadt Boston ein verstrahlter Trümmerhaufen. Wer durch die Häuserschluchten läuft, erkennt die ein oder andere Sehenswürdigkeit wieder, zum Beispiel die Trinity Church, die Boston Public Library oder auch das Massachusetts Institute of Technology. Allzu lange sollte man jedoch nicht in Erinnerungen schwelgen, denn aus Seitenstraßen oder Ruinen können jederzeit Banditen und Mutanten auftauchen. Boston scheint sich übrigens für postapokalyptische Settings besonders gut zu eignen, siehe auch „The Last of Us“.

Other Places: Boston

Midgar aus „Final Fantasy VII“ (1997)

Midgar ist ein Industriemoloch – und ein Musterbeispiel dafür, wie sich Machtverhältnisse in der Architektur widerspiegeln. Die Shinra Electric Power Company besetzt mit ihrem Kraftwerk die Mitte der Stadt, ein unzweideutiges Zeichen ihrer Macht. Drumherum, ebenfalls auf der oberen Stadtebene, befinden sich die Wohnviertel der Reichen. Die Armen hingegen vegetieren in den Slums eine Ebene tiefer – und in der Peripherie. Demnächst soll es ein Remake des Rollenspielklassikers geben. 

Let's Play Final Fantasy VII (Blind)

Detroit aus „Deus Ex: Human Revolution“ (2011)

Auch das Detroit des Jahres 2027 ist eine geteilte Stadt: Auf der einen Seite die glänzenden Wolkenkratzer von Sarif Industries und Co., auf der anderen Seite heruntergekommene Stadtviertel, in denen Straßengangs ihr Unwesen treiben. In seiner düsteren Neonpracht ist „Human Revolution“ deutlich von „Blade Runner“ inspiriert: Detroit ist dabei Schauplatz eines wachsenden Konflikts um künstliche Organe, die sogenannten Augmentations. Ein Fest für Cyberpunk-Fans!

Other Places: Deus Ex: Human Revolution

Seattle aus „Shadowrun Returns“ (2013)

Und noch ein Ausflugsziel für Cyberpunk-Nerds: Das Seattle aus dem Rollenspiel „Shadowrun Returns“ bietet futuristische Technologie, exzentrische Charaktere und natürlich jede Menge Neon. Nicht zu vergessen die Orte und Gebäude, die den Bogen zum heutigen Seattle spannen. Ach ja, regnen tut es auch.

Trailer: Shadowrun Returns

The Citadel aus „Mass Effect“ (2007)

Sie schwebt wie ein riesiger Blütenkelch im All: die Citadel, das Zentrum der galaktischen Gemeinschaft im Rollenspiel „Mass Effect“. Die uralte Raumstation beherbergt Millionen Angehörige unterschiedlicher Völker, ihre fünf Arme sind dicht bebaut. Entlang des zentralen Rings erstreckt sich das Präsidium, von wo aus die Regierung die Geschicke der Galaxie lenkt. Freunden futuristischer Architektur gehen im Präsidium die Augen über: Der Regierungskomplex beeindruckt mit kühnen Bögen, schlanken Brücken und einem künstlichen Tag-Nacht-Zyklus. Wer fliegende Städte mag, sollte auch einen Blick auf Sevastopol aus „Alien: Isolation“ werfen.

Citadel: Introduction - Mass Effect 1

Dies ist nur eine kleine Auswahl lohnender Science-Fiction-Städte in Videospielen. Welche gefällt euch besonders gut? Schreibt es in die Kommentare!

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