Zehn Computerspiel-Drachen, die nicht mit sich spaßen lassen

Quelle: Capcom

GAMES

10 Drachen in Computerspielen, die nicht mit sich spaßen lassen


Vom Weltenfresser bis zum Lilalaunedrachen: Wir stellen euch zehn Drachen vor, die Games-Geschichte geschrieben haben.

„Ich muss dir direkt in die Augen, in dein Innerstes blicken, aber dafür bin ich jetzt noch nicht gut genug. Mir fehlt Erfahrung, deshalb muss ich mit dem Lernen beginnen. Heute. Hier. Jetzt. Komm her, Drache, ich werde dich bekämpfen! Sancho Panzo, mein Schwert! Für die Wahrheit! Für die Schönheit! Für die Kunst! Aaaaattackeeee!“ (Chris Crawford, „The Dragon Speech“)

Es war die Rede seines Lebens. 1992 hielt der Game-Designer Chris Crawford auf der Game Developers Conference seine berühmte „Dragon Speech“: Darin benutzte er den Drachen als Metapher für die Möglichkeiten künstlerischen Ausdrucks – und für die damit verbundenen Herausforderungen. Nach der Rede stürmte Crawford mit gezogenem Schwert aus dem Konferenzsaal – und kehrte der Games-Industrie den Rücken, die seiner Meinung nach nur konventionelle, langweilige Spiele produzierte. Bis heute kämpft Crawford mit seiner ganz eigenen Vision von Computerspielen. Ein Don Quixote des Game-Design.

GDC Founder Chris Crawford's Dragon Speech

Drachen überall

Crawford suchte sich nicht ohne Grund einen Drachen als Endgegner aus. Kein anderes Fabeltier ist ähnlich prominent im Fantasy-Genre vertreten. Ob „Herr der Ringe“ oder „Jim Knopf“, ob „Game of Thrones“ oder „Der Kleine Drache Kokosnuss“: In allen diesen Werken mischen die mythischen Monster ordentlich mit. Fantasy-Autoren wie Kai Meyer, Cornelia Funke, Bernd Perplies oder Todd Lockwood („Der Sommerdrache – Die ewigen Gezeiten“) lassen Drachen in ihren Romanen lebendig werden.

Auch die Games-Geschichte wimmelt nur so vor Drachen jeder Größe, Farbe, Form und (Un)freundlichkeit. Einen ihrer mutmaßlich ersten Auftritte hatten die Biester 1979 in „Adventure“, wenngleich nur als grüne Pixelhaufen. Berühmt wurde das Atari-Game von Warren Robinett denn auch nicht durch die Drachen, sondern durch ein frühes Easter Egg, das auch im Ernest-Cline-Roman „Ready Player One“ gewürdigt wird.

Durchbruch in 3-D

So richtig starteten die Drachen erst durch, als Computerspiele in 3-D-Grafik erschienen: Die Räumlichkeit ließ die Monster sehr viel imposanter erscheinen als ihre zweidimensionalen Vorgänger. In den meisten Computerspielen tauchen Drachen seitdem als Zwischen- oder Endgegner auf; nur selten sind sie Begleiter oder gar spielbare Charaktere. Was nicht heißt, dass sie in Spielen nur stereotyp als feuerspeiende Schatzhüter dargestellt werden. Oft sind sie auch ein Sinnbild des Chaos, das die Spielwelt bedroht, als Weltenfresser, der nicht endgültig besiegt, sondern bestenfalls vorübergehend aufgehalten werden kann.

Im Kampf gegen Drachen kommen Spieler ohne ausgefeilte Strategie nicht weit: Nur mit den passenden Waffen und Zaubersprüchen, mit viel Geduld und guter Beobachtungsgabe lassen sich die Schwachpunkte der scheinbar übermächtigen Ungeheuer ausnutzen. In unserem Special stellen wir euch die imposantesten Exemplare der Gattung vor. Viel Spaß!

 

Hivernal - Dragon Age: Inquisition (2014)

In einem Spiel wie „Dragon Age“ stolpern Helden alle Ritt lang über Drachen – könnte man meinen. Doch erst im dritten Teil der Serie spielen die Monster eine tragende Rolle. Insgesamt zehn Hohe Drachen treiben in der Welt von „Dragon Age: Inquisition“ ihr Unwesen. In den Hochlanden von Emprise du Lion treffen Spieler auf ein besonders reizvolles Exemplar: den Eisdrachen Hivernal. Mit seinen Beiß-, Klauen- und Kälteattacken ist Hivernal nicht der schwierigste Gegner des Spiels, wohl aber der unterhaltsamste. Kleiner Tipp: Eisdrachen mögen kein Feuer.

Dragon Age Inquisition Hivernal Dragon Solo Kill

Singe - Dragon's Lair (1983)

In Folge 1 der zweiten Staffel von „Stranger Things“ zocken Will, Mike, Lucas und Dustin an einem Arcade-Automaten (Ausschnitt). Sie zocken nicht irgendwas, sondern „Dragon's Lair“ von Cinematronics. Das Game war 1983 eine Sensation: Statt eines Sprites kontrollierten Spieler einen interaktiven Zeichentrickfilm, was nur möglich war, weil die Inhalte direkt von einer Laserdisc kamen. „Dragon's Lair“ ist eine klassische Fantasy-Geschichte, mit einem edlen Ritter (Dirk the Daring), einer holden Prinzessin (Daphne) und einem bösen Drachen (Singe). Die Herausforderung des Spiels besteht darin, im richtigen Moment per Joystick den Fallen und Gegner-Attacken auszuweichen. Dem guten Dustin aus „Stranger Things“ gelingt das nicht wirklich, sein Ritter wird vom feuerspeienden Singe gegrillt. Der Drache entpuppt sich als hartnäckiger Gegner – obwohl er anfangs noch faul auf einem Berg aus Gold döst.

Dragon's Lair Playthrough

Todesschwinge - World of Warcraft (2010)

Es gibt gewöhnliche Drachen. Und es gibt Drachen, die ganze Welten aus den Angeln heben – so wie Todesschwinge aus „World of Warcraft“. Als er aus Tiefenheim ausbrach, stürzte er Azeroth in eine Katastrophe: Der „Kataklysmus“ ließ die Erde beben, Vulkane ausbrechen und den Meeresspiegel steigen. Danach sah Azeroth völlig anders aus – ein netter Kunstgriff, den die Cataclysm-Expansion den „WoW“-Spielern 2010 bescherte. Todesschwinge, der Schuldige, musste irgendwann dafür büßen, logisch.

Trailer: World of Warcraft: Cataclysm Cinematic

Alduin - The Elder Scrolls V: Skyrim (2011)

„Dovahkiin, Dovahkiin naal ok zin los vahriin / Wahdein vokul mahfaeraak ast vaal / Ahrk fin norok paal graan / fodnust vok zin dro zaan / Dovahkiin fah hin kogaan mu draal!“ Ok, ok, wir verlangen nicht, dass ihr das aus dem Stehgreif übersetzt. „Skyrim“-Fans werden die Zeilen aber wiedererkennen: Es ist der Anfang der Ode an Dovahkiin, das Drachenblut, also letztlich unsere Spielfigur. Nur Dovahkiin, so die Prophezeiung, kann eines Tages den Drachen Alduin besiegen. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass Alduin den Beinamen „Weltenfresser“ trägt und sich auch entsprechend verhält. Gleich in der ersten Szene von „Skyrim“ bekommen wir einen Vorgeschmack, wenn Alduin die Stadt Helgen in Schutt und Asche legt. Irgendwann geht's ihm dann aber doch an den Kragen, siehe das Video. In der Virtual-Reality-Fassung von „Skyrim“ kommt Alduin übrigens noch deutlich plastischer und furchteinflößender daher.

Elder Scrolls: Skyrim - Alduin, The final battle

Schwarzer Drache Kalameet - Dark Souls (2011)

 

Die Games der „Dark-Souls“-Reihe stellen Spieler vor enorme Herausforderungen: Nur mit Geschick und Frustresistenz lassen sich die alptraumhaft düsteren Abenteuer bestehen. Der Schwarze Drache Kalameet taucht im Bons-Download „Artorias of the Abyss“ auf – und verkörpert auf furchteinflößende Weise das, was „Dark Souls“ ausmacht. Der letzte der Uralten Drachen besitzt nur ein einziges, orangefarbenes Auge, den „Bringer des Unglücks“. Seine Gegner attackiert Kalameet mit Kopfstößen, Feuer, Telekinese und Schwanzschlägen. Der Kampf gegen das schwarze Riesenvieh ist kräftezehrend und nervenaufreibend, aber niemals unfair. 

Dark Souls: Black Dragon Kalameet Boss Fight

Ur-Drache - Dragon's Dogma (2012)

 

Die Chamber of Lament ist ein ungemütlicher Ort. Speziell deshalb, weil dort der stärkste Gegner von „Dragon's Dogma“ haust. Der Ur-Drache verfügt über eine Vielzahl von Attacken und einen schier endlosen Vorrat an Lebensenergie. Das macht schon den Solo-Kampf im Offline-Modus zu einer haarigen... pardon: schuppigen Sache. Doch erst im Online-Modus zeigt sich der Ur-Drache von seiner echten Badass-Seite: Dutzende Spieler mit komplementären Fähigkeiten und Waffen sind nötig, um ihn zu besiegen. Auch hier ein Tipp: Attackiert die 30 „Herzen“, die über den ganzen Körper des Monsters verteilt sind. Wer die zerstört, erhält auch reichlich Beute.

Dragon's Dogma: Ur-Dragon Boss

Spyro - Spyro the Dragon (1998)

Das Pendant zum Underdog ist der Underdragon – oder so ähnlich. Der violette Winzling Spyro wirkt jedenfalls auf den ersten Blick deutlich ungefährlicher als seine Artgenossen auf unserer Liste. Und doch ist der kleine Racker – er gab sein Debüt auf der Playstation 1 – einer der berühmtesten Drachen der Computerspielgeschichte. Was sicher damit zu tun hat, dass er kein Gegner ist, sondern vom Spieler selbst gesteuert wird. Außerdem ist er nicht nur possierlich, sondern auch erstaunlich wehrhaft: Zu Beginn der Jump'n'Run-Serie rammte er Feinde mit seinen Hörnern und spieh Feuer, später spuckte er auch Eis und Strom. Hin und wieder trat er auch als Gast bei den „Skylanders“ auf. Im September 2018 soll übrigens ein Remaster für PS4 und Xbox One erscheinen: „Spyro The Reignited Trilogy“ umfasst die drei ersten Serienteile „Spyro the Dragon“, „Spyro 2: Gateway to Glimmer“ und „Spyro: Year of the Dragon“.

Spyro the Dragon

Blood Dragon - Far Cry 3 Blood Dragon (2013)

Endlich mal Drachen mit einem futuristischen Touch! Ubisofts Standalone-Add-on zum Shooter "Far Cry 3" ist eine Liebeserklärung an die Achtzigerjahre, die vor schwarzem Humor und Anspielungen ("Terminator", "Predator" usw.) nur so strotzt. Die Handlung der dystopischen Alternativweltgeschichte ist schnell umrissen: Ein Atomkrieg hat die Erde weitgehend zerstört, im Jahr 2007 kämpfen wir als Cyborg Rex „Power“ Colt gegen die feindliche Cyborg-Armee Omega Force – und zwar auf einer entlegenen Insel, die vor Blood Dragons und Mutanten nur so wimmelt. Blood Dragons sind kurzsichtige, biolumineszente Drachen, die Atomlaserstrahlen aus ihren Augen schießen. Yeehaa!

Far Cry 3 Blood Dragon - Fighting a Blood Dragon First Impressions

Nergigante - Monster Hunter: World (2018)

Unter den vielen Kreaturen von „Monster Hunter: World“ zählen die Drachenältesten zu den stärksten. Nergigante ist ein solcher Drachenältester – und äußerst aggressiv. Neben Klauen, Zähnen, Flügeln und Hörnern besitzt er auch noch eine besondere Waffe: einen Panzer voller Stacheln, die von selbst in Sekundenschnelle nachwachsen. Zudem ist Nergigante immun gegen Fallen und kann auch nicht gefangengenommen werden. Bleibt also nichts anderes übrig, als ihn zu besiegen. Viel Erfolg!

Monster Hunter World: Nergigante Boss Fight

Bahamut - Final Fantasy XV (2016)

Bahamut, der „Drachenkönig“, gehört zum Stammpersonal der „Final-Fantasy“-Reihe – seinen ersten Auftritt hatte er bereits 1987. Er muss meist besiegt werden, bevor er sich uns anschließt; gelingt dies, können wir ihn in brenzligen Situationen beschwören. Ihm ist sogar ein eigenes Spiel gewidmet („Bahamut Lagoon“, 1996), das allerdings nur in Japan erschien. Über die Jahre hinweg hat Bahamut sein Aussehen immer wieder den jeweiligen Drachen-Moden angepasst. Beibehalten hat er seinen Signaturangriff „Mega Flare“: einen tödlichen Energiestrahl, der Rüstungen mühelos durchdringt.

Final Fantasy BAHAMUT EVOLUTION

Dies war nur eine kleine Auswahl der Drachen, die durch die Computerspielgeschichte toben. Zum erweiterten Kreis der Schuppen-All-Stars gehören unserer Meinung nach auch Phalanx aus „Shadow of the Colossus“, die Uralten Drachen der Zerstörung aus „Borderlands 2“, der Enderdrache aus „Minecraft“ sowie diverse Monster aus „ARK: Survival Evolved“. Und wer schon immer auf einem Drachenrücken reiten wollte, kann das in „Dragonflight VR“ tun. Den knuffigen Yoshi aus den Nintendo-Spielen haben wir übrigens nicht vergessen: Er ist kein Drache, sondern ein Dinosaurier...

 

Welche Drachen in Computerspielen haben euch am meisten beeindruckt? Schreibt eure Kandidaten in die Kommentare!

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