Replay: Zak McKracken and the Alien Mindbenders

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Replay Zak McKracken and the Alien Mindbenders


Interface: vorsintflutlich. Story: flach. Und die Rätselei: abseitig. Nach heutigen Game-Design-Maßstäben ist Zak McKracken eine Zumutung. Warum es trotzdem immer einen Platz im Herzen unseres Games-Redakteurs Achim Fehrenbach haben wird ...

Atlantis existiert. Und ist von San Francisco aus auch problemlos zu erreichen. Zak muss dafür nur nach Miami fliegen (305 Dollar) – und von dort weiter ins Bermudadreieck (99 Dollar). Auf keinen Fall vergessen sollte er bei seinem Trip allerdings die Kazoo, den blauen Kristall und die Beschwörungskompetenz, die er sich in Kathmandu draufgeschafft hat. Im Bermudadreieck wird das Flugzeug planmäßig von Aliens entführt; wenn Zak aus dem Raumschiff ins Wasser springt, braucht er ganz selbstverständlich Kazoo und Kristall, um einen Delfin anzulocken und fernzulenken. Der Delfin taucht hinab zu den Ruinen von Atlantis. Und bringt von dort was Praktisches mit.

Die Episode beschreibt ziemlich gut den Wahnsinn, der sich durch Zak McKracken and the Alien Mindbenders zieht. Das Point-and-Click-Adventure von 1988 verrührt allerlei Mythen, Mysterien und Verschwörungstheorien zu einem schwindelerregenden Gesöff – von Prä-Astronautik über Stonehenge bis zum Marsgesicht. Hauptfigur ist der Klatschreporter Zak, der eigentlich nur einen Sensationsbericht über ein zweiköpfiges Eichhörnchen in Seattle schreiben soll, dabei aber einer Alien-Invasion auf die Schliche kommt. Die Caponier planen, die Menschen mit einer Brummtonmaschine zu verdummen, stellen sich dabei aber selbst ziemlich dämlich an. Das Spiel läuft mit der bereits in Maniac Mansion erprobten SCUMM-Engine, die Wortkombinationen in Befehle übersetzt ("use egg with microwave", "put on nose glasses" etc.). Das Spiel wurde zunächst für den C64 entwickelt, kurz darauf aber auch auf Amiga und Atari portiert. Zak McKracken wurde von Lucasfilm Games produziert, zum Kreis der Mitwirkenden zählte auch Ron Gilbert, der erst kürzlich mit Thimbleweed Park ein neues Adventure vorgelegt hat.

Zak McKracken and the Alien Mindbenders

Das erste Mal spielte ich Zak McKracken mit 14: Ich war bei meinem Cousin in Speyer zu Besuch, der einen Amiga-Heimcomputer besaß. Die Achtziger waren gerade zuende, das Internet für uns noch nicht mal Neuland. Kam man bei einem Rätsel nicht weiter, konnte man nicht einfach online gehen und einen Walkthrough lesen oder ein Let's-Play-Video anschauen. Hilfe in der Not kam nur von Spielemagazinen, die Lösungen abdruckten – oder von Freunden, die sich bereits tapfer durchs verworrene Geschehen gekämpft hatten. Das klingt jetzt alles zu negativ: Für uns war das Rätseln in Zak McKracken keine Zeitverschwendung. Stattdessen probierten wir nach Herzenslust alle möglichen Lösungsansätze aus, mochten sie auch noch so abstrus erscheinen. Wobei selbst die abstrusesten Lösungen einer inneren Logik folgten und bisweilen fatale Folgen hatten. Natürlich konnte Zak seinen Goldfisch im Häcksler zu Sushi verarbeiten. Er musste dann aber auch in Kauf nehmen, dass der Guru in Kathmandu ihm wegen schlechten Karmas die kalte Schulter zeigte. Das Spiel war für seine toten Enden berüchtigt: Wer Fehler machte, konnte sich in einen unwinnable state manövrieren.

 

Nach heutigen Game-Design-Maßstäben ist Zak McKracken eine Zumutung: Das SCUMM-Interface ist vorsintflutlich, die Story flach und die Rätselei abseitig. Schon 1988 regten sich Spieler über die randomisierten Irrgärten auf, durch die sie sich immer wieder quälen mussten. Zak war als Protagonist auch einfach zu blass, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen – er konnte nicht mal mit anderen Figuren reden. Dem Spiel fehlte einfach die erzählerische Dichte und Eleganz eines Maniac Mansion oder eines Day of the Tentacle. Dass es für immer einen Platz in meinem Gamer-Herzen haben wird, lag zum einen an dem bizarren, anspielungsreichen Setting. (Ok, ich war damals noch nicht Nerd genug, um alle popkulturellen Seitenhiebe zu kapieren.) Zum anderen faszinierte mich an diesem Spiel die Möglichkeit, in Sekundenschnelle um die Welt zu reisen. Lange, bevor ich einige der Schauplätze tatsächlich kennenlernen sollte.

 

Ja, Zak McKracken war ein Abenteuer-Jetset vom Feinsten. Als Klatschreporter hatte Zak ein prall gefülltes Spesenkonto, das sich durch den Verkauf von Fundstücken auch immer wieder nachfüllen ließ; ich verprasste das Geld durch etliche Fernflüge, ohne mir groß Gedanken zu machen, wofür ich es später noch würde einsetzen müssen. Ob Katmandu, Kinshasa oder Kairo, ob London, Lima, Miami oder Mexiko-City: Die Reiseziele klangen einfach zu verlockend, um ihnen nicht flugs einen Besuch abzustatten. Der gute Zak hatte auch nicht mit verspäteten Fliegern oder Massentourismus zu kämpfen, wie das heute gang und gäbe ist: Er setzte sich ins Flugzeug, war sofort am Ziel und musste dann nur noch ein paar Meter durch den Dschungel laufen, um auf Jahrtausende alte Ruinen und obskure Charaktere zu treffen. Womöglich hat mich dieses Spiel erst zu dem Reise-Enthusiasten gemacht, der ich heute bin. Auch wenn es keine 99-Dollar-Flüge ins Bermudadreieck gibt.

 

Zak McKracken and the Alien Mindbenders ist – mit aufpolierter Grafik und kompatibel zu heutigen Rechnern – bei GOG.com erschienen. Zu empfehlen ist auch das von Fans programmierte Spiel Zak McKracken – Between Time and Space, das es hier gratis gibt.

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