„Rollenspiel war für mich Liebe auf den ersten Blick.“  Interview mit Lena Falkenhagen

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KOLUMNE

„Rollenspiel war für mich Liebe auf den ersten Blick.“ - Interview mit Lena Falkenhagen


In Teil 3 unserer Reihe zu deutschen Phantastikautoren, der Ursprünge im Pen&Paper-Rollenspiel liegen, haben wir Lena Falkenhagen befragt.

(Wer Teil 1 mit Markus Heitz noch einmal nachlesen möchte, hier entlang. Teil 2 mit Robert Corvus gibt es hier.)

Die dritte Vertreterin in unserer Reihe über Phantastikautoren mit Wurzeln im Pen&Paper-Rollenspiel zeichnet sich vor allem durch die große Bandbreite ihrer Tätigkeiten aus. Ob aufgrund ihrer Romane und Kurzgeschichten, der Texte für Computerspiele, durch Vorträge und als eloquente Vertreterin des Phantastik-Autoren-Netzwerks (PAN) sowie nicht zuletzt als Kolumnistin für TOR-Online – bewegt man sich in jüngerer Zeit in der deutschen Phantastikszene, wird man Lena Falkenhagen über kurz oder lang über den Weg laufen. 

Lena Falkenhagen

Angefangen hat auch bei ihr alles mit dem Pen&Paper-Rollenspiel – wie bei so vielen ihrer Kolleg/innen mit dem deutschen Platzhirsch Das Schwarze Auge. 1996 erschien in der DSA-Romanreihe mit Schlange und Schwert ihr erster Roman, dem drei weitere folgten. Daneben war sie jahrelang Redaktionsmitglied des Rollenspiels, entwickelte die Welt Aventurien fort, die sich durch eine kontinuierliche Geschichtsschreibung (den sog. „Metaplot“) auszeichnet, und trug viele Texte zu Hintergrundbänden sowie einige Abenteuerbände bei. 

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Die Karriere bei DSA ging nahtlos in eine weitere erfolgreiche Phase über, in der Lena Falkenhagen historische Romane veröffentlichte, die vor allem im norddeutsch-hanseatischen Raum angesiedelt sind. Dabei erhielt sie im Jahr 2010 den Delia-Preis als „Bester Roman“ für Die Lichtermagd. Doch der Phantastik ging sie nicht verloren: Markus Heitz holte sie 2011 bei seiner Romanreihe zum Rollenspiel Justifiers mit ins Boot. Gleichzeitig gehörte sie zum Autorenteam des überaus erfolgreichen Computer-Rollenspiels Drakensang – Am Fluss der Zeit und erschloss sich damit ein neues Betätigungsfeld, dem sie bis heute treu geblieben ist. Seit Drakensang Online ohne DSA-Lizenz eigene Wege beschreitet, zeichnet sie dort hauptverantwortlich für Story und Weltenbau. Das Magazin Gameswirtschaft zählt sie nicht zuletzt deshalb aktuell zu den Top 10 der deutschen Games-Entwicklerinnen.

 

Kurzinterview Lena Falkenhagen

TOR Online: Wie und wann bist du zum Rollenspiel gekommen?

Lena Falkenhagen: Ich spiele seit Ende 1984 Rollenspiele. Damals war ich elf Jahre alt und wurde von drei, vier Jungs aus dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gefragt, ob ich Lust hätte, mitzumachen. Ich hatte keine Ahnung, was das war und habe mich trotzdem darauf eingelassen, weil unser Dorf gar nicht so groß war und Kontakte zwischen Jugendlichen daher sehr wertig waren. Die Beziehung zum Rollenspiel war für mich als Leseratte und Tagträumerin Liebe auf den ersten Blick.

Was war deiner Meinung nach der wichtigste Effekt des Rollenspiels für dich – gerade auch im Hinblick auf deine spätere Autorenschaft?

Das Tischrollenspiel hat mich viele Dinge gelernt. Geschichten erfinden und augenblicklich zu improvisieren, auf Menschen eingehen, sich schnell auf neue Situationen einlassen, vor Menschen sprechen, Rollen verkörpern … Die Liste könnte ich endlos fortsetzen. Ich bin sehr froh, dass ich im sehr jungen Alter zu diesem Hobby gefunden habe, denn sonst wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin, und hätte vermutlich eine andere Laufbahn eingeschlagen.

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1996 erschien dein erster DSA-Roman Schlange und Schwert, danach kamen drei weitere hinzu, während du gleichzeitig an Spielhilfen und Abenteuermodulen im Rahmen deiner Redakteurstätigkeit für DSA gearbeitet hast. Hast du dich damals bereits als „Romanautorin“ verstanden, mit dem Ziel, eines Tages über Aventurien hinauszuwachsen, oder stellten die Romanveröffentlichungen lediglich eine „Zusatzbeschäftigung“ zur Rollenspielredaktion dar?

Ich habe sowohl das Romanschreiben wie auch die Rollenspielredaktion mit gleich viel Freude gemacht. Dass ich mehr und weiter Romane schreiben wollte, stand aber nie außer Frage. Das große Vorbild war damals natürlich immer der Herr der Ringe (wie für so viele von uns, denke ich).

Wie kam es, dass du danach vor allem historische Romane geschrieben hast?

Deutsche fantastische Romane verkauften sich damals noch nicht so gut (das war, bevor sich die Phantastik mit den Völkerromanen in alle Herzen geschrieben hatte), und ich liebte Geschichte und die Geschichten historischer Figuren ebenso wie Phantastik. Also war es für mich ein natürlicher Schritt, Historische Romane zu schreiben. Ich habe davon auch viel für meine Fantasy-Geschichten gelernt, denn nur wenn man historische Gegebenheiten kennt, kann man auch gut fantastische Kulturen erfinden.

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Wie unterscheidet sich die Arbeit an einem Rollenspielroman für ein fiktives Shared-World-Projekt wie Das Schwarze Auge von einem historischen Roman? Gibt es dabei überhaupt große Unterschiede?

Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen einem Roman für Das Schwarze Auge und einem historischen Roman eher gering. Beide sind sehr Recherche-intensiv (DSA hat inzwischen ja über 30 Jahre fortgeschriebener Geschichte und über 200 Produkte, in denen Setzungen stehen können). Der große Unterschied ist natürlich, dass man sich bei DSA zum Schluss das Schicksal der Figuren selbst ausdenken kann (und sie im Zweifel auch sterben lassen kann). Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber der irdischen Historie, die sich eben nicht korrigieren lässt, ohne, dass man sich den Vorwurf schlechter Recherche machen lassen muss. 

Woran arbeitest du derzeit – was können wir als nächstes von dir erwarten?

Ich arbeite momentan mit dem Carlsen Verlag an einer interaktiven Story sowie mit einem polnischen Entwicklungsstudio an einem narrativen Spiel. Gleichzeitig sitze ich an der Leseprobe meines dreibändigen Fantasy-Epos, das mich gedanklich bereits seit mehreren Jahren beschäftigt. 

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