Alles über die Serie "Lovecraft Country"

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FILM

Lovecraft Country: Die Serie zu Matt Ruffs Roman


Am 16. August startet auf HBO (bei uns auf Sky) die Serie "Lovecraft Country", die auf dem gleichnamigen Roman von Matt Ruff basiert. Wir erklären, was es mit dem Roman auf sich hat, wer Matt Ruff ist und welche Bezüge es zu H. P. Lovecraft gibt.

Der Roman

Der von Matt Ruff geschriebene Roman Lovecraft Country erzählt in lose zusammenhängenden Episoden die Geschichte der afroamerikanischen Familie Turner in den 1950er Jahren in den USA. In Zeiten der Segregation müssen sie sich nicht nur mit Rassismus und Gewalt gegen Schwarze herumschlagen, sondern auch mit übernatürlichen Phänomenen, die sich für jedes Familienmitglied, dem jeweils eine Episode gewidmet ist (acht insgesamt), auf andere Weise manifestieren.

Fixpunkt der Geschichte ist der junge Schwarze Atticus Turner, der frisch nach dem Koreakrieg aus der Armee entlassen mit Hilfe des von seinem Onkel George verfassten Safe Negro Travel Guide durch feindliches Gebiet reist. Er begibt sich auf die Suche nach seinem Vater Montrose Turner, von dem er einen mysteriösen Brief erhalten hat. Dabei stößt er auf eine geheimnisvolle Aristokratenfamilie – die Braithwhites –, die ein kosmisches Geheimnis birgt, das eng mit der Geschichte der Turners verknüpft ist.

Neben diesem roten Faden des Buches werden aber auch die Geschichten anderer Mitglieder der Turner-Familie erzählt, die mehr oder weniger mit dem Hauptplot zusammenhängen, was dem Roman den episodenhaften Charakter verleiht. Letitia, die in eine weiße Nachbarschaft zieht und in einem Spukhaus landet, mit dem sie auf ganz eigene Weise umgeht. Hippolyta, die es gar auf eine andere Welt verschlägt. Ruby, die die Welt plötzlich aus ungewohnt weißer Perspektive betrachten darf. Hinzu kommen einige weitere Nebenstränge, die alle Kurzgeschichtencharakter haben, aber irgendwie mit Caleb Braithwhite in Zusammenhang stehen.

Lovecraft Country: Lesung von Matt Ruff

Lovecraft

Lovecraft-Bezüge gibt es reichlich. Der Titel des Romans ist doppeldeutig, spielt einerseits auf den von Lovecraft geschaffenen Cthulhu-Mythos und den kosmischen Schrecken um die großen Alten an, aber auch auf den tatsächlichen Rassismus des Menschen Howard Philip Lovecraft, der vor allem in seinem Privatleben zutage trat, sich teilweise aber auch in seinem Werk widerspiegelt.

Anders als in zahllosen Lovecraft-Epigonen hält Ruff sich mit der direkten Einflechtung des Werks stark zurück. Hier geht es mehr um die Erzeugung einer bestimmten Atmosphäre, auch wenn es durchaus übernatürlich zugeht. Schatten über Innsmouth dürfte eine Inspiration für die Grundkonstellation gewesen sein.

Ansonsten gibt es auch direkte Anspielungen in den Kapitelüberschriften. Dreams of the Which House ist ein Wortspiel, das auf Lovecrafts Kurzgeschichte Dreams in the Witch-House (Träume im Hexenhaus) anspielt, in der deutschen Übersetzung Träume vom Which-Haus aber verloren geht. Abdhulla’s Book ist natürlich ein Verweis auf das Necronomicon von Abdul Alhazred. Zu viel zum Verlauf der Geschichte mit weiteren Lovecraft-Bezügen möchte ich hier jetzt nicht verraten.

Lovecraft Country: Official Trailer

Die Serie

Die Serienumsetzung wird am 16. August auf HBO anlaufen, jenem Pay-TV-Sender, der im letzten Jahr mit Watchmen schon eine ähnliche Thematik erfolgreich aufgriff. Entwickelt wurde Lovecraft Country von Misha Green, die zuvor an Serien wie Sons of Anarchy, Heroes und Helix mitgearbeitet hat und die Serie Underground (über die Underground Railroad) für WGN America erschuf.

Die Rolle des Atticus Black übernimmt Jonathan Majors, der zuletzt in Spike Lees Da 5 Bloods zusehen war. Montrose Freeman wird von Michael K. Williams gespielt, bekannt durch Serien wie The Wire, Boardwalk Empire oder Hap & Leonard. Letitia wird verkörpert durch Jurnee Smollett-Bell die in Misha Greens Underground mitspielte und in der in den USA sehr beliebten Kleinstadtserie Friday Night Lights. Und Hippolyta wird von Aunjanue Ellis dargestellt, bekannt aus Filmen wie Men of Honor oder Ray.

Die Namen der Figuren scheint man symbolträchtig geändert zu haben. Atticus Turner heißt jetzt Black, Montrose Turner in der Serie Freeman. Wirkt auf mich aber eher wie Holzhammertaktik.

Zu den Produzenten der Serie gehört Jordan Peele, was das Marketing nach dessen Erfolg mit Get Out und Us reichlich ausschlachtet. Er ist schon selbst zu einer Art Marke geworden, liefert in der Regel aber auch hohe Qualität ab. Ebenfalls involviert ist J. J. Abrams Produktionsfirma Bad Robot. Showrunnerin ist aber Misha Green.

Den bisherigen Trailern ist zu entnehmen, dass auch alle im Buch vorhandenen Episoden in der Serie aufgegriffen werden. Wie und in welchem Rahmen, werden wir dann ab dem 16. August erfahren. Ich könnte mir vorstellen, dass man in der Serie versucht, eine etwas geradlinigere Handlung zu erzählen.

88 Names Podcast: Episode 0: Matt Ruff über die Serie "Lovecraft Country"

Der Autor

Matt Ruff wurde 1964 in Queen, New York geboren, studierte an der Cornell University und reichte mit seiner Abschlussarbeit 1987 gleichzeitig auch seinen ersten Roman Fool On The Hill ein. Danach soll die Universität eine maximale Seitenzahl für Abschlussarbeiten eingeführt haben. Mit diesem Debütroman gelang ihm gleich der Durchbruch. Ein wilder Mix aus Urban Fantasy, griechischer Tragödie und College-Roman, ein Wunderwerk an Ideen und voller sympathischer Figuren. Hat mich übrigens ein Semester an der Uni gekostet, weil ich ihn unbedingt in einer Nacht durchlesen musste und dadurch eine Prüfungsanmeldung am nächsten Morgen verpasst habe (ganz im Sinne des Romans).

Ruff ist bekannt dafür, mit jedem Roman über etwas völlig Neues zu schreiben. Ein Autor wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie, was man bekommt. In der Regel ist es aber meisterhaft erzählt, sprüht vor Ideen und geht auch kontroverse Themen an.

G.A.S. Die Trilogie der Stadtwerke spielt in einer wilden Zukunft (im Jahr 2023), in der alle schwarze Menschen durch ein genmanipuliertes Virus ausgelöscht wurden und ein mutierter weißer Hai mit Vorliebe für klassische Musik die New Yorker Kanalisation unsicher macht.

In Ich und die anderen geht es in den Kopf einer multiplen Persönlichkeit, nicht nach realistischen medizinischen Standpunkten, aber mit viel Gefühl und Herz. Bad Monkeys erzählt von einer Geheimorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt von allen bösen Menschen zu befreien.

Fool on the Hill
G.A.S.: Die Trilogie der Stadtwerke
Ich und die anderen

Mirage dürfe sein ungewöhnlichstes Buch unter den ungewöhnlichen sein, ein Alternativweltroman, in dem am 11. September 2001 christliche Fundamentalisten mit entführten Flugzeugen verheerende Anschläge in der arabischen Welt verüben.

Mit 88 Namen erscheint demnächst ein Science-Fiction-Roman auf Deutsch (auf Englisch ist er schon veröffentlicht), der in der Welt von Onlinerollenspielen angesiedelt ist. Hier die offizielle Inhaltsangabe:

Wer bist du – und wenn ja, wie viele? Ein Roman über das Einzige, das es im Internetzeitalter nicht gibt: fixe Identitäten und die Sicherheit, zu wissen, mit wem man eigentlich gerade spricht.

John Chu liebt seinen Job. Als Sherpa begleitet er zahlungskräftige Kunden in Online-Rollenspiele wie das populäre »Call of Wizardry« und zeigt ihnen die Kniffe der Games. Das Geschäft brummt, und John würde sich als glücklich bezeichnen, wären da nicht zwei klitzekleine Probleme:

Zum einen hat seine Ex-Freundin nach einer unglücklich verlaufenen Trennung geschworen, seine berufliche und private Existenz zu vernichten. Zum anderen vermutet er, dass es sich bei seinem neuesten, steinreichen Kunden in Wirklichkeit um den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un handelt, der die virtuelle Welt für seine politischen Zwecke instrumentalisieren möchte.

John versucht, der wahren Identität des mysteriösen „Mr. Jones“ auf die Spur zu kommen. Und schon bald sorgt sich John nicht nur um seine Miete, sondern um sein Leben.

88 Names Podcast: Episode 2: Matt Ruff über seinen neuen Roman

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