Dispatches From Elswhere

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FILM

Von Batwoman zu Star Wars: Die zehn besten Streaming-Tipps für diesen Sommer


Netflix, Disney+, Amazon: Was lohnt sich im Angebot der drei Streaming-Riesen gerade besonders, wenn man den phantastischen Genres zugetan ist? Zehn Tipps mit südkoreanischen Zombies, gesellschaftskritischen Superhelden, außergalaktischen Kopfgeldjägern, schwedischem Surrealismus, kosmischen Rebellenprinzessinnen und einem kriminell guten Bonustipp von Stephen King.

Star Wars: The Mandalorian • Staffel 1 (Disney+)

Das Angebot von Disney+, dem neuen Streaming-Dienst des Maus-Imperiums, ist riesig. Kein Wunder, bei diesem Backlist-Katalog, der Jahrzehnte zurückreicht. Disney-Zeichentrickklassiker, Pixar-Animationsfilme, Marvel-Blockbuster – „Avengers“, „Gargoyles“, „DuckTales“, „Gummibärenbande“ oder „Herbie“, und natürlich die „Star Wars“-Backlist, eine Galaxie für sich. Beeindruckend. Fans, Nostalgiker und sowieso Familien mit Kindern können hier ewig und drei Tage stöbern und streamen, Kurzfilme, Serien, Filme, Dokus, ganz egal. Neuer Stoff ist dagegen rar gesät. Frisches Material wie die charmante Buchverfilmung „Timmy Flop“ muss man erst mal finden, am Ende läuft es für den Anfang daher immer auf „Star Wars: The Mandalorian“ hinaus. Jon „Iron Man“ Favreaus Weltraum-Western über den Kopfgeldjäger mit Herz ist nicht perfekt, aber großartig genug und ferner alles, was man sich als Star Wars-Geek immer gewünscht hat. Klare Sache: Der Mandalorianer begeistert. Trotzdem braucht Disney+ viel mehr neuen eigenen Content, um mit Netflix und Amazon an dieser Front konkurrieren zu können.

The Mandalorian: Official Trailer

Tales from the Loop • Staffel 1 (Amazon)

Die illustrierten Science-Fiction-Bücher des schwedischen Multitalents Simon Stålenhag lieferten den Machern der „Tales from the Loop“-Serienadaption bereits einen narrensicheren Leitfaden für Look und Stimmung des Projekts. Riesenroboter und Nostalgie in Skandinavien, daraus hätten andere in dieser Ära sicher ein zweites „Stranger Things“ gemacht. „Tales from the Loop“ geht in eine ganz andere Richtung. Die Story, das dramatische Element? Beinahe Nebensache. In den zum Leben erweckten Bildern kann man sich allerdings auch nach dem Transport von der Buchseite auf die Mattscheibe gut verlieren. Wer Spannung und Action braucht, wird an der surreal-retrofuturistischen Welt um die Loop-Forschungsanlage wenig Freude haben. Wer aber kleine große Augenblicke mag, im Ruhigen eine eigene, aufregende Art von Schönheit findet und sich nicht sattsehen kann an Stålenhags Setting, bekommt hier ein wahres Sammelalbum für Eindrücke und Motive geboten.

Tales From the Loop: Official Trailer

I Am Not Okay With This • Staffel 1 (Netflix)

Keine Sorge, wir haben natürlich auch etwas für alle „Stranger Things“-Enthusiasten im Programm, oder besser gesagt, im Streaming-Angebot. Nach „The End of the F***ing World“ hat Netflix mit „I Am Not Okay With This“ einen weiteren Indie-Comic des Amerikaners Charles Forsman adaptiert. Die Geschichte der Schülerin Sydney, die ihre gewaltigen telekinetischen Kräfte entdeckt, präsentiert sich als gut funktionierende Mischung aus dem angesagten Netflix-Programm der Saison: Das Mysteriöse und Übersinnliche aus „Stranger Things“, das leicht nostalgische Kleinstadtfeeling aus „Riverdale“, das Merkwürdige und die Coming-of-Age-Aspekte aus „Sex Education“, das Freche aus „Daybreak“ und eben „The End of the F***ing World“. Ganz schön viel Kalkül, aber zugleich ordentliche Genre-Kost mit einem guten Vibe.

I Am Not Okay With This: Official Trailer

Upload • Staffel 1 (Amazon)

Der Tod ist in „Upload“ nicht das Ende, nur der Anfang vom Rest des Lebens – in einer virtuellen, personalisierten Welt, die nach dem Sterben der fleischlichen Hülle kommt. Serien-Gott Greg Daniels („The Office“, „Parks and Recreation", „King of the Hill“) hat sich für „Upload“ eine glaubwürdige, griffige Zukunft ausgedacht, und gleich noch das digitalisierte Jenseits dazu. Trotz der Technik, die in beiden Welten steckt und sie verbindet, ist keine der beiden Sphären perfekt. Das gilt ebenso für den Humor und die Tiefe in „Upload“, Spaß macht dieses SF-Nachleben dennoch. In den letzten Jahren gab es einige Serien über das Jenseits – „Upload“, von dem schon eine zweite Season in Auftrag gegeben wurde, könnte die Beste von ihnen werden und am Ende sogar „The Good Place“ vom Thron im Serienhimmel stoßen. Wobei das gerade am Ende natürlich immer relativ ist.

Upload: Official Trailer

Kingdom • Staffeln 1–2 (Netflix)

Ob man der südkoreanischen Fantasy-Serie „Kingdom“ einen Gefallen damit tut, sie ständig als Mix aus „Game of Thrones“ und „The Walking Dead“ zu bezeichnen, sei mal dahingestellt. Richtig ist in jedem Fall: Wer seine Fantasy voller politischer Intrigen und gesellschaftskritischem Subtext mag, historisches asiatisches Ambiente als faszinierende Kulisse zu schätzen weiß und es bereitwillig mit einer erfrischenden Variante des finsteren Zombie-Horrors versucht, für den ist „Kingdom“ nach den Comics von Kim Eun-hee genau das Richtige. Manchmal wirken die Mischung oder die Inszenierung etwas ungewohnt, doch wer Kung-Fu-Filme oder andere fernöstliche Fantasy kennt, weiß in etwa, was für eine Bandbreite an Figuren und Szenen ihn erwartet. Außergewöhnlich ist „Kingdom“ definitiv, in mehr als einer Weise.

Kingdom: Official Trailer

Batwoman • Staffel 1 (Amazon)

Das vorweg, um Missverständnisse und hochgezogene Augenbrauen zu vermeiden: Es gibt definitiv bessere Superheldenserien als „Batwoman“, etwa „Supergirl“ aus demselben Universum und Stall oder „Marvel’s Agents of S.H.I.E.L.D.“ von der direkten Konkurrenz. Doch „Batwoman“ ist die Art von ernsthaftem Trash, die gut unterhält, solange man sich drauf einlässt und es nicht kaputtdenkt. Dann funktioniert die simple, grelle Mischung aus dysfunktionalen Beziehungen, harter Vigilanten-Action und Psycho-Horror. Die TV-Adaption der taffen Heldin stützt sich vor allem auf die tollen Comics von Autor Greg Rucka und Zeichner J. H. Williams III, die Batman Bruce Waynes Cousine Kate Kane als neue, knallharte und lesbische Ex-Soldatin und Batwoman im modernen DC-Universum installierten. Schade, dass Hauptdarstellerin Ruby Rose nach Staffel 1 die Flatter macht und die Hauptrolle neu besetzt werden muss. So etwas tut einer Serie nie gut und kann ihr das Genick brechen.

Batwoman: Official Trailer

4.The Boys • Staffel 1 (Amazon)

Superhelden müssen nicht zwangsläufig von Marvel oder DC kommen, und es muss auch nicht immer sofort „Watchmen“ sein, damit es Anspruch und Gehalt hat. Dafür, dass die „The Boys“-Comics von Garth Ennis („Preacher“) und Darick Robertson („Deadpool“) eine recht vulgäre Superhelden-Satire boten, ist ihre Wiedergeburt als Amazon-Webserie ein verblüffend vielseitiger und zeitgeistkritischer Remix aus Vorlage und eigenen Ideen geworden. Zynischer, brutaler und cooler Antisuperheldenstoff, und gleichzeitig eine substanzvolle Kritik an unserer globalisierten, kapitalistischen Welt. Die zweite Staffel kann gar nicht früh genug kommen. Demnächst gibt es auf Netflix Konkurrenz durch „Jupiter’s Legacy“ nach den Comics von Mark „Kick-Ass“ Millar und Frank Quitely.

The Boys: Final Trailer

She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen • Staffeln 1–5 (Netflix)

Als man in den 1980ern He-Man und Barbie für die weibliche Zielgruppe im Kinderzimmer auf altmodische Art fusionierte, kam dabei He-Mans Schwester She-Ra heraus. Die junge Comic-Künstlerin Noelle „Nimona“ Stevenson und DreamWorks haben das Eternia-Universum der magisch-blonden Schwertkämpferin für Netflix nun in fünf Staffeln einer erfrischenden Animationsserie völlig neu erfunden. Der Reboot ist große, moderne, witzige und actionreiche Science-Fantasy, die Diversität groß schreibt und mit vielen LGBT-Figuren geradezu Pionierarbeit im Trickserienbereich leistet, sodass man schon irgendwie versucht ist, das Wort bahnbrechend zu benutzen. Verdient hätten es sich She-Ra, Catra, Glimmer, Bow und Co. in dieser herrlichen Interpretation für Groß und Klein allemal. Das vorläufige Finale in der fünften Season beginnt mit She-Ra in Space und feiert am Ende die Freundschaft und die Liebe, und zwar in allen Formen.

She-Ra Princess of Power: Season 5 Trailer

Dispatches from Elsewhere • Staffel 1 (Amazon)

Jason Segel (Marshall aus „How I Met Your Mother“) ist als Erfinder, Autor, Regisseur und Hauptdarsteller die treibende Kraft hinter „Dispatches from Elsewhere“, in dem es um eine Schnitzeljagd und Sinnsuche in der modernen US-Großstadt geht, die alles sein kann: Ein Krieg zweier Geheimgesellschaften, ein verrücktes Experiment oder lediglich ein besonders krasses Alternate Reality Game mit wildfremden Menschen. Ist auch erst mal egal, denn die Anthologie-Serie „Dispatches from Elsewhere“ will in erster Linie mit unseren modernen Sehgewohnheiten spielen. Das ist nichts, was man nach der ersten oder der selbst vierten Folge als Lieblingsserie bezeichnen würde – und nichts, das man mal mit halbem Auge abends nebenbei wegguckt oder gar relaxt binge-watched. Auf diese Show muss man sich komplett einlassen, weil man bewusst etwas völlig anderes konsumieren möchte. Dann jedoch kann es sehr gut sein, dass die feinen Charaktere und die definitiv vorhandene Magie einem auch ein wirklich andersartiges TV-Erlebnis bescheren.

Dispatches from Elsewhere S1: Official Trailer

Community • Staffeln 1–6 (Netflix)

Solange alle Staffeln auf Netflix stehen, ist „Community“ der Klassiker-Tipp, der gerade nicht fehlen darf. Auf den ersten Blick inszenierten Serienerfinder Dan Harmon (später „Rick and Morty), die Russo Brothers (später „Avengers: Endgame“) und ihre Mitstreiter eine wilde, witzige Sitcom über eine eingeschworene Lerngruppe an einem unterdurchschnittlichen Community-College. Aber es ist der helle Wahnsinn, was an Verrücktheiten, Details, Meta-Gags, Geek-Referenzen und sogar multiversalen Science-Fiction-Handlungssträngen in diese ungewöhnliche Sitcom hineingepackt wurden. „Community“ durchlebt ein oder zwei Täler unterwegs, in der Summe ist es trotzdem unfassbar lustig, smart, unberechenbar und zuweilen mächtig finster. Das kann man mehr als einmal in seinem Serienjunkie-Leben genießen. Und obwohl die Serie mit Joel McHale, Alison Brie, Donald Glover, Chevy Chase, Gillian Jacobs, Danny Pudi, Yvette Nicole Brown und Ken Jeong bereits 2015 endete, spricht man bis heute über die Idee eines abschließenden Films.

Community: Season 1 Trailer

Bonus-Tipp vom King: Bosch • Staffel 1–6 (Amazon)

Im Sinne des Genres kein bisschen fantastisch, aber am Ende doch die fantastischste Serie, die man seit ein paar Jahren streamen kann: „Bosch“ mit Titus Welliver in der Hauptrolle und nach den erfolgreichen Romanen von Michael Connelly. Schade, dass Amazon nur noch eine letzte, siebte Staffel springen lässt, wie es aussieht. Stephen King bezeichnete das Cop-Crime-Drama kürzlich auf Twitter als „eine der derzeit besten Serien im TV“. Womit der König vollkommen Recht hat. „Bosch“ muss bingen oder schweren Herzens vernünftig portionieren, wer handwerklich exzellentes Serienfernsehen zu schätzen weiß.

Bosch: Staffel 1 Offizieller Trailer

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