Doctor Who

FILM

Doctor Who – Ein Abenteuer durch Raum und Zeit (Teil 1)


»Doctor Who« ist die am längsten laufende Science-Fiction-Fernsehserie der Welt. Doch wer kam auf die Idee, einen Mann in eine Polizeinotrufzelle zu packen? Warum reist er durch Raum und Zeit? Wer sind die Leute an seiner Seite?

In dieser dreiteiligen Reihe beantwortet Grit Richter euch diese Fragen und noch viele mehr.

Wie alles begann

1963 suchte die BBC nach einem 20 Minütigen Lückenfüller für den freien Sendeplatz vor den Nachrichten. Sydney Newman, der damals Head of Drama war, schlug ein Science-Fiction-Projekt vor, und da er vorher sehr erfolgreich die Serie »Mit Schirm, Charme und Melone« erschaffen hatte, ließ man ihm freie Hand.

Newman holte Verity Lambert mit ins Boot und machte sie zur jüngsten und ersten weiblichen Produzentin der BBC. Seine Vorgaben waren klar: Die Serie sollte sich um Zeitreisen drehen und spielerisch Naturwissenschaft und Geschichte miteinander verbinden. Ein gutaussehender Mann solle dabei sein und eine gutaussehende Frau. Dazu ein Kind, das sich ständig in Schwierigkeiten bringt und ein alter Mann, namens The Doctor.

Der erste Doctor

Wer ist der Doctor und wenn ja, wann?

Nach einer langen Suche fand man schließlich den perfekten Schauspieler für die Rolle des Doctors. William Harnell war bereits 55 Jahre alt, als die Dreharbeiten begannen und ist bis heute der älteste Darsteller, der den Doctor spielte.

Neben zahlreichen Begleiter*innen ist eine schon seit der ersten Folge an seiner Seite: Die TARDIS.

Das Akronym steht für Time and Relative Dimensions in Space (oder, so die alten deutschen Übersetzungen: Trips aufgrund relativer Dimensionen im Sternenzelt).

Das Raum-Zeit-Schiff des Doctors ist keine Maschine, sondern ein lebender Organismus, der nicht selten seinen eigenen Kopf hat. Von außen sieht sie aus wie eine Polizeinotrufzelle aus den 60ern – damals ein ganz normaler Anblick für die britische Bevölkerung – doch von innen ist sie viel größer.

Die Macher der Serie hatten Spaß mit der Vorstellung, dass ein Gegenstand, der für sie alltäglich ist, auf anderen Planeten steht. Und tatsächlich macht die TARDIS einen guten Eindruck, wenn ihr Blau in einer weißen Schneelandschaft leuchtet, von einer Wüstensonne angestrahlt wird oder sich in einem Urwald versteckt.

So ein Schiff kommt nicht von der Erde, genauso wenig wie der Doctor selbst. Doch von wo er stammt, soll erst viel später bekanntgegeben werden. Aber schon in der ersten Folge wird gefragt »Doctor who? Perhaps if we knew his name we might have a clue to all this.«

Den wahren Namen hinter der Bezeichnung »Doctor« kennen die Fans bis heute noch nicht, so wie auch vieles um ihn herum vorerst ein Mysterium blieb. Der Name »Doctor« ist ein Versprechen, dass sich der Zeitreisende selbst gegeben hat. »Never be cruel or cowardly. Never give up, never give in« – niemals grausam oder feige sein. Niemals aufgeben, niemals nachgeben.

Der momentane Doctor beantwortet die Frage nach dem Namen mit: Doktor der Medizin, Naturwissenschaften, Technik, Zuckerwatte, Lego, Philosophie, Musik, Probleme, Menschen, Hoffnung, am allermeisten Hoffnung.

TARDIS

Skripte aus Sternenstaub und Gegner aus Plastik

Das geringe Budget machte die Serie mit klugen und unterhaltsamen Storys wieder wett. 3 bis 10 Folgen, von je 20 Minuten Länge, ergeben zusammen eine Geschichte. Dabei begegneten der Doctor und seine Begleiter*innen allerlei fremden Wesen und historischen Persönlichkeiten wie Marco Polo oder Maximilien Robespierre.

Zwei seiner bekanntesten Gegner trifft der Doctor schon früh in der Seriengeschichte. In einem der ersten Abenteuer landet die TARDIS auf dem Planeten Skaro, der bevölkert ist von Wesen, die sich nach einem Atomkrieg selbst in Hüllen aus Metall zurückgezogen haben, wodurch ihre Stimmen verzerrt und blechern wurden. Sie nennen sich Daleks und hassen alles, was nicht so ist wie sie. Nicht umsonst sind die schrecklichsten Wesen des Universums des Nazis nachempfunden. Sie bestehen auf die Reinheit ihrer Rasse und wollen alles vernichten, was nicht Dalek ist.

Bei seinem letzten Abenteuer trifft der Doctor auf die Cybermen. Humanoide, die in Exoskelette gezwängt und all ihrer Emotion beraubt wurden. Diese ikonischen Gegner sollten später auch die Macher von »Star Trek – The Next Generation« zu den Borg inspirieren.

Cybermen & Daleks

Tod oder Regeneration

Drei Jahre lang spielte William Hartnell den Doctor, doch er wurde krank und konnte sich z.B. Texte nicht mehr merken. Alle Zeichen standen schlecht für »Doctor Who«, obwohl die Einschaltquoten zufriedenstellend waren. Doch wie sollte man eine Serie ohne ihren Hauptdarsteller weiterführen?

In einem Geniestreich stellt das Produktionsteam die Idee der Regeneration vor und die BBC willigt ein. Der Doctor ist eine Person von einem anderen Planeten und besitzt zwei Herzen, warum sollten für ihn die gleichen Regeln gelten, wie für Menschen?

Wenn er schwer verletzt ist, stirbt er nicht, er regeneriert. Sein Körper verändert sich und nimmt eine neue Gestalt an. So wurde William Hartnell zum 1. Doctor und sein Nachfolger Patrick Troughton zum 2. Doctor.

Nun kennt das Produktionsteam keine Grenzen mehr, mit Troughton werden auch andere Neuheiten in die Serie eingeführt. Beispielsweise der Sonic Screwdriver (der zu dieser Zeit wirklich noch ein normaler, wenn auch spaciger, Schraubenzieher war, bevor er später zur Allzweckwaffe wurde).

Begleiter hat der 2. Doctor viele, doch keiner bleibt so lange bei ihm wie Jamie McCrimmon, ein junger Mann aus dem Schottland des 18. Jahrhunderts. Er begleitet den Doctor 113 Folgen lang und hält damit den bisherigen Begleiter-Rekord. Außerdem wurde die Autorin Diana Gabaldon von ihm zu ihrer Buchreihe »The Outlander« inspiriert.

Leider war es in den 70er Jahren üblich, Serien nicht lange aufzubewahren. Bänder, auf denen man die Folgen aufnahm, lagerten nur eine kurze Zeit und wurden dann für andere Produktionen wiederverwendet. Dies führte dazu, dass bis heute 97 Episoden verschollen sind, die meisten davon sind Abenteuer des 2. Doctors.

Zahlreiche dieser »Lost Episodes« konnte man mithilfe von Tonmitschnitten, privaten Aufnahmen, Flash-Animationen und vielen anderen Verfahren und Techniken rekonstruieren. 2013 wurden elf Episoden bei einem nigerianischen Fernsehsender gefunden. Neun davon galten bis dahin als verschollen. Bis heute sucht die BBC auf der ganzen Welt nach Kopien der »Lost Episodes«.

Nach drei Jahren gibt Troughton die Rolle des Doctors an Jon Pertwee ab und seine Regeneration ist so kraftvoll, dass das Fernseh-Universum nicht mehr schwarz-weiß ist. Mit dem 3. Doctor gibt es die ersten »Doctor Who«-Folgen in Farbe.

Fortsetzung folgt

In Teil 2 erzähle ich euch von den Höhen und Tiefen des Zeitreisens, warum ausgerechnet dieser Planet namens Amerika so eine große Rolle in der »Doctor Who«-Geschichte spielt und weshalb die Serie 1989 eingestellt wurde.

Über die Autorin

Grit Richter ist Verlegerin und staatlich geprüfte Grafik-Designerin. 2012 gründete sie den Art Skript Phantastik Verlag der mittlerweile auf Dark Fantasy, Steampunk und Space Opera spezialisiert ist. Drei Genre, die sie selbst mit viel Passion im Bereich Buch und Film verfolgt. Wenn sie nicht gerade ihre Bücher auf Messen anpreist, entdeckt Grit die neusten Serien auf Netflix und Co.

Grit Richter

© Privat

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