Blutsauger im Fernsehen: Highlights der letzten zehn Jahre

© Universal Pictures Germany GmbH / Warner Home Video / Paramount

FILM

Blutsauger im Fernsehen: Highlights der letzten zehn Jahre


Die Verfilmung von Jonathan Maberry V-WARS ist unter Dach und Fach. Netflix hat den Herbst 2019 als Ausstrahlungstermin für die erste Staffel genannt. Grund genug, sich einmal anzusehen, was die Vampire in den letzten zehn Jahren auf der Mattscheibe so geleistet haben. Knapp dabei rausgeflogen ist TRUE BLOOD, das bereits im Jahr 2008 gestartet ist, aber trotz einiger Defizite mit Beginn der dritten Staffel zu den besten modernen Vampir-Serien gehört.

 

10. Death Valley (2011)

MTV hat die DEATH VALLEY produziert. Die Prämisse ist, dass vor gut einem Jahr Zombies, Werwölfe und Vampire ins Valley in Los Angeles eingefallen sind und nicht mehr weggingen. Die UTF wurde gegründet, eine Polizeieinheit, die sich mit den Monstern beschäftigt. Und während die Polizisten unterwegs sind, das untote Gesocks aus dem Weg zu räumen, werden sie von einem Kamera-Team begleitet.

Die Idee hinter dieser Show ist amüsant, aber ermüdend. Reality-TV mit Monstern. Das ist bei nur gut 20-minütigen Folgen durchaus anschaubar, aber letzten Endes ist dies eine Idee für einen Kurzfilm. Dementsprechend ist es durchaus ganz nett, eine Folge anzusehen, aber darüber hinaus hält sich das Interesse an weiteren Episoden in Grenzen. Es gibt keine Geschichten, keine hinter all dem steckende Mythologie, einfach nur Fake-Reality. Um Zeit totzuschlagen ist das Ganze okay (und hat ein paar ganz coole Oneliner zu bieten), aber unterm Strich hat es keinen erzählerischen Nährwert. Das Publikum sah es ähnlich – es gab nur eine Staffel.

Trailer: Death Valley

9. Being Human (2011-2014)

Das Remake der britischen Serie stellt drei übernatürliche Gestalten in den Mittelpunkt. Da wäre Werwolf Josh, der diesen Fluch am liebsten loswerden würde. Dann Vampir Aidan, der versucht, abstinent zu leben, was aber auch nicht immer klappt. Und schließlich Geist Sally, die in dem Appartement starb, in dem Josh und Aidan einziehen. Zu dritt versuchen sie aller Probleme zum Trotz ein so normales Leben wie möglich zu führen. Aber das ist leichter gesagt als getan. In der ersten Staffel orientiert sich die Serie nah am Original, baut die Geschichten aber deutlich aus, da 13 anstelle der sechs britischen Episoden zur Verfügung stehen.

Die neue Serie wurde von Jeremy Carver und seiner Frau Anna Fricke entwickelt, die beide hofften, sich vom Original freistrampeln zu können. Sie wollen der britischen Serie gegenüber respektvoll sein, zugleich aber auch die Show zu ihrer eigenen machen. Da einige neue Figuren und natürlich auch originäre Geschichten in die Show einflossen, ist ihnen das auch gelungen. Speziell die ersten beiden Folgen der Serie sind dem Original aber sehr ähnlich, zum Teil sogar ein Szene-für-Szene-Remake. Aber das lockert sich im Verlauf der ersten Staffel auf und wird mit der zweiten etwas ganz Eigenes.

Natürlich geht es in der Serie nicht nur darum, dass ein Werwolf, ein Vampir und ein Geist ein normales Leben führen wollen. Es gibt auch allerhand phantastische Elemente. So hat Aidan Probleme mit seinem ehemaligen Mentor Bishop, dargestellt von SUPERNATURAL-Veteran Mark Pellegrino, Josh trifft auf seinen Schöpfer und findet heraus, wie leicht man einen Menschen zum Werwolf machen kann, und Sally muss sich fragen, ob sie wirklich bei einem Unfall ums Leben kam. Vier Staffeln wurden von BEING HUMAN produziert. 

Trailer: Being Human

8. Dracula (2013-2014)

Die Geschichte von Bram Stokers DRACULA ist altbekannt. Kann man ihr da überhaupt noch neue Seiten abgewinnen? Man kann, wie die leider nur aus einer Staffel bestehende Serie DRACULA eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Dracula kommt in London an und gibt sich als Amerikaner Alexander Grayson aus, ein Geschäftsmann, der die Welt revolutionieren will. Tatsächlich möchte Dracula aber den Orden des Drachen vernichten, der als Geheimbund über diese Welt herrscht. Unterstützung erhält er dabei von Abraham van Helsing, der Dracula wiederbelebt hat, damit er sich dieser Aufgabe widmen kann.

Es handelt sich also nicht um eine Adaption von Stokers Roman, sondern man greift die Handlungsträger auf und entwickelt eine ganz neue Geschichte, bei der Dracula zu einer Art Held wird. Aber Blut braucht er dennoch und besorgt es sich auch!

In der Hauptrolle agiert Jonathan Rhys Meyers, der seiner Drogenprobleme wegen notorisch ist. Van Helsing wird von Thomas Kretschmann gespielt, der vor kurzen noch für Dario Argentos neuesten Film den Grafen selbst darstellte. 

Die in London und Budapest gedrehte Serie ist sehr aufwendig gestaltet. Man sieht ihr das in die Bauten und die Kostüme geflossene Budget deutlich an. Aber sie ist auch inhaltlich interessant, denn die Serie folgt klassischen Erzählmustern. Hier gibt es weniger Schnellschnittorgien, als vielmehr eine geschmeidige Kamera, die auch mal verweilt.

Schade, dass es nur eine Staffel wurde, aber wenigstens ist sie wie ein langer Film.

Trailer: Dracula

7. The Originals (2013-2016)

Der Spin-off von THE VAMPIRE DIARIES ist zugleich auch die erwachsenere Version. Klaus will New Orleans unter seine Kontrolle kriegen, muss die Stadt dafür aber seinem Protegé Marcel entreißen. Vor langer Zeit war Klaus es, der New Orleans gegründet hat, musste die Stadt aber verlassen, als ihn sein Vater Mikael verfolgte.

Mit Klaus‘ Rückkehr ändert sich einiges. Er sieht sich als König der Stadt und benötigt einen Erben – das ungeborene Kind, das von einem Hybriden (halb Werwolf, halb Vampir) und einem Werwolf abstammt.

So wie Joseph Morgan und Daniel Gillies kennt man auch Claire Holt aus VAMPIRE DIARIES. Neu dabei sind Charles Michael Davis als Marcel, Daniella Pineda als Sophie Devereaux, Leah Pipes als Camille, Danielle Campbell als Davina und Phoebe Tonkin als Hayley.

Hayley ist ein Werwolf – mal was Neues für Tonkin, die in Kevin Williamsons THE SECRET CIRCLE eine Hexe gespielt hat. Der Produzent mochte ihre Arbeit dort so sehr, dass er sie für die Rolle von Hayley holte.  

Tonal unterscheidet sich THE ORIGINALS sehr deutlich von VAMPIRE DIARIES. Man hat hier den seltenen Fall eines Spin-offs, der voll und ganz auf eigenen Beinen steht. Das geht sogar so weit, dass man die Serie anschauen kann, selbst wenn man sich für die Muttershow nicht interessiert.

Fünf Staffeln wurden produziert, damit ist der Spin-off ein bisschen weniger erfolgreich als die Hauptserie. 

Trailer: The Originals

6. The Vampire Diaries (2009-2017)

Es wirkt natürlich so, als ob man sich mit der Serie THE VAMPIRE DIARIES an den Erfolg von TWILIGHT dranhängen wollte. Die Ähnlichkeiten sind vorhanden: In beiden Stoffen sind die Protagonisten Teenager oder erscheinen zumindest jung, beide basieren auf erfolgreichen Romanen und beide stellen nicht nur Vampire, sondern auch andere übernatürliche Wesen in den Mittelpunkt.

Man würde den VAMPIRE DIARIES aber Unrecht tun, wenn man sie als simple Anbiederung an das TWILIGHT-Publikum verstehen würde. Das gilt auch umso mehr, da L.J. Smiths ursprüngliche Roman-Trilogie bereits 1991 auf den Markt kam. Nach der ursprünglichen Trilogie schrieb Smith 1992 einen vierten Teil, zog sich 1998 für zehn Jahre vom Schreiben zurück und startete 2009 eine zweite Trilogie.

Die Hauptfigur der Serie ist Elena Gilbert, die sich an der High School in den Vampir Stefan Salvatore verliebt. Was folgt, ist eine Dreiecksgeschichte, denn auch Stefans Bruder Damon hat ein Auge auf Elena geworfen. Die Geschichte spielt im fiktiven Ort Mystic Falls, Virginia, und TV-Entwickler Kevin Williamson beschreibt sie als eine Serie, die sich weniger um die High School dreht, als vielmehr die Geschichte einer Kleinstadt ist. Das ist aber nur der Ausgangspunkt, da die Serie im Verlauf von acht Staffeln eine wirklich umfassende und komplexe Mythologie entwickelt hat. 

Trailer: The Vampire Diaries

5. Preacher (2016-2019)

In diesem Jahr findet PREACHER mit der vierten Staffel ihren Abschluss. Produziert wurde die Show von Seth Rogen und Evan Goldberg. Die beiden sind eher für Komik und Humor bekannt, aber auch den besitzt PREACHER, wenngleich einen eher grimmigen und sehr schwarzen. Dass es noch schwärzer geht, beweisen beide gerade mit der neuen Adaption eines Garth-Ennis-Comics: THE BOYS.

Jesse Custer ist ein Prediger in einer kleinen Gemeinde irgendwo im Nirgendwo. Genauer: in Texas. In ihn dringt Genesis ein, ein Wesen, das der Spross eines Engels und eines Menschen ist. Damit wird Custer eine unglaubliche Gabe verliehen – das Wort Gottes. Wenn er spricht, dann müssen alle tun, was er will. Seine Freundin Tulip kommt in die Stadt. Mit ihr verbindet ihn eine mysteriöse Vergangenheit. Darüber hinaus taucht der irische Vampir Cassidy auf, mit dem sich Jesse auf Anhieb gut versteht. Er wird von Vampirjägern gejagt.

Und nicht nur das: Auch hinter der Macht von Genesis sind sinistere Kräfte her. Jesse Custer, der von seiner eigenen Vergangenheit heimgesucht wird, hat indes einen Schuldigen für all das Elend aus gemacht. Gott. Er will ihn finden und töten!

Die Ausgangslage ist die gleiche wie im Comic, darüber hinaus nimmt man sich aber schon Freiheiten. Das fängt bei der Charakterisierung von Tulip an, die hier deutlich unsympathischer gestaltet ist, und endet dabei, dass die erste Staffel mehrheitlich nur in dem einen Kaff spielt, in dem der Prediger aktiv ist. Der Comic ist da weiter aufgezogen, weil die Suche nach Gott das Trio quer durch die USA führt.

PREACHER ist eine gute Adaption des Comics. Sie erlaubt sich einige Freiheiten, womit es auch für Kenner der Vorlage spannend bleibt.

Trailer: Preacher

4. From Dusk Till Dawn (2014-2016)

Nach seinem Kinofilm und zwei halbgaren DVD-Sequels machte sich Robert Rodriguez daran, aus FROM DUSK TILL DAWN eine Fernsehserie zu machen. Die erste Staffel besteht aus zehn Episoden und erzählt, ganz grob gesagt, die Handlung des 1996er-Films noch einmal, das aber natürlich ausführlicher und mit allerhand kleinen und großen Veränderungen. In den beiden weiteren Staffeln wird die Geschichte dann größer aufgezogen und ist entsprechend auch interessanter. Aber einen Wermutstropfen gibt es: Ein echtes Ende fehlt!

Die Inszenierung orientiert sich an der filmischen Vorlage, was nicht zuletzt an Robert Rodriguez liegt. Der zitiert sich bisweilen selbst, versucht aber auch, der Geschichte neue visuelle Aspekte abzugewinnen. 

3. Penny Dreadful (2014-2016)

Eigentlich hatte Autor und Produzent John Logan vor, seine Verbeugung vor den klassischen Monstern weit umfangreicher zu gestalten, letztlich sind es aber nur drei Staffeln geworden. Die haben es aber in sich.

Im viktorianischen London müssen sich verschiedene Helden moderner Literatur zusammentun, um gegen das Böse zu kämpfen.

Im Mittelpunkt steht Sir Malcolm Murray, dargestellt von Timothy, der ein Abenteurer ist und den Großteil seines Lebens in Afrika verbracht hat, nun jedoch alles daransetzt, seine Tochter Mina zu retten, die zum Vampir geworden ist. Hilfe erhält er dabei von Vanessa Ives, die mehr ist, als sie zu sein scheint und Mina gegenüber eine immense Schuld abtragen muss. Unterstützung erhalten die beiden von dem Amerikaner Ethan Chandler, der von Josh Hartnett gespielt wird. Er ist ein Cowboy, der die USA überstürzt verlassen musste, sich nun in Westernshows herumschlägt und bereit ist, sein Geld auch im Kampf gegen das Übernatürliche zu verdienen.

Im Dunstkreis der Drei agieren weitere Figuren der Schauerromantik: Dorian Gray ist ein Dandy, der ein Geheimnis mit sich herumträgt, Victor Frankenstein ein Mann, der Leben aus dem Tod erschaffen will, und auch Vampire gibt es.

Trailer: Penny Dreadful

2. The Strain (2014-2017)

Eigentlich wollte Guillermo del Toro von Anfang an eine Fernsehserie machen, fand aber keine Interessenten und ging so den Umweg über eine erfolgreiche Roman-Trilogie. Chuck Hogan war der Mann, der del Toros Ideen ausfabulieren sollte. Der Erfolg der Romane sorgte dann dafür, dass THE STRAIN doch noch zur Fernsehserie werden konnte.

Alles beginnt am New Yorker JFK-Flughafen, als eine Passagiermaschine aus Deutschland landet. Statt ans Gate zu rollen, bleibt sie abrupt stehen, der Funkkontakt bricht ab. Sämtliche Fenster des Flugzeugs sind verdunkelt, kein Lebenszeichen dringt aus der Maschine. Die New Yorker Seuchenschutzbehörde wird hinzugerufen, und als deren Chef, Ephraim Goodweather, und seine Assistentin, die Epidemiologin Nora, schließlich das Flugzeug betreten, können sie nicht glauben, was sie sehen: Alle Insassen, von den Passagieren bis zum Piloten, sind tot. Das Merkwürdige daran: Sie sitzen alle friedlich auf ihren Plätzen; es sind weder Anzeichen eines Kampfes noch einer Panik zu erkennen. Goodweather ist ratlos, und seine tiefe Irritation steigert sich noch, als einige der Toten spurlos verschwinden. Doch dann wendet sich ein alter rumänischer Einwanderer, Professor Setrakian, an ihn und erzählt ihm eine Geschichte, die er kaum glauben kann.

Das ist nur der Auftakt, die Geschichte wird im Lauf von vier Staffeln weit, weit größer. Interessant ist auch, wie die Vampire gezeichnet sind. Del Toro präsentiert die Vampire als Lebensformen, die durch einen Parasiten, einen Wurm, zu dem gemacht werden, was sie sind. Einiges ist an ihnen anders, aber eines ist klassisch: Sie sind unsterblich. 

Trailer: The Strain

1. What We Do in the Shadows (2019-)

Ganz neu ist die Serie WHAT WE DO IN THE SHADOWS, die auf dem gleichnamigen Film basiert, der hierzulande den Titel 5 ZIMMER, KÜCHE, SARG trägt. Taika Waititi hat zusammen mit Jemaine Clement im Jahr 2014 eine grandiose Mockumentary gemacht, die darüber berichtet, wie das Leben von ganz normalen Vampiren aussieht. Fünf Jahre später kam die Serie, die das Format und auch einige Figuren aufgreift, aber die Örtlichkeit verlagert. Spielt der Film im neuseeländischen Wellington, so ist die Serie im New Yorker Bezirk Staten Island angesiedelt. Taika Waititi, der als Regisseur mittlerweile immens gefragt ist und mit dem dritten THOR-Film einen riesigen Erfolg hatte, und Jemaine Clement tauchen in der ersten Staffel nur in einer Folge in ihren Rollen aus dem Film auf, ansonsten konzentriert man sich auf neue Figuren.

Sehr schön ist aber auch, wie wundervoll meta die Serie werden kann, gibt es doch ein Treffen des Rats der Vampire, bei dem bekannte Stars zu sehen sind, die sich selbst spielen, aber im Outfit von Vampir-Rollen, die sie schon einmal gespielt haben, so Tilda Swinton, die wie aus Jim Jarmushs ONLY LOVERS LEFT ALIVE aussieht.

Die zweite Staffel wurde bereits bewilligt. 

Trailer: What We Do in the Shadows

Share:   Facebook