Die 10 besten Science-Fiction-Filme ganz ohne Außerirdische

© 20th Century Fox

FILM

Die 10 besten Science-Fiction-Filme ganz ohne Außerirdische


Peter Osteried
28.07.2019

Zum echten Science-Fiction-Film gehören Aliens wie Ketchup zu den Pommes? Falsch! Hier kommen zehn Beispiele für Science-Fiction-Produktionen ohne extraterrestrischen Einfluss.

10. MINORITY REPORT (2002)

MINORITY REPORT ist eine Kurzgeschichte von Philip K. Dick, die von Steven Spielberg 2002 in die Kinos gebracht wurde. Zuvor drehte er übrigens A.I., auf den die Dick-Verfilmung wie der dunkeldüstere Gegenpart erscheint. Erzählt wird von der nahen Zukunft, in der die Polizeieinheit Pre-Crime Verbrechen verhindert, bevor sie begangen werden. Aber dann gerät ihr Leiter in den Fokus, denn er soll bald eines Mordes schuldig sein, weswegen er flieht und versucht, seine Unschuld zu beweisen.

Spielberg wollte einen Film, dessen wissenschaftliche Prämisse in der Realität verankert ist und der die Zukunft so plausibel wie möglich darstellt. So lud er 16 der bekanntesten Futuristen zu einer Diskussionsrunde in einem Hotel in Santa Monica ein, um den Denkern ein möglichst glaubhaftes Bild einer Zivilisation in fünfzig Jahren zu entlocken: „Ich hielt es für eine gute Idee, die klügsten Köpfe aus den Gebieten Technologie, Verbrechensbekämpfung, Medizin, Gesundheitswesens, Computertechnologie, Sozialdienste und Umwelt zusammenzubringen.“

Trailer: Minority Report

9. LOOPER

In Rian Johnsons Science-Fiction-Film LOOPER stellt Joseph Gordon-Levitt die jüngere Version von Bruce Willis dar. Um die Illusion zu stärken, hat man ihm eine künstliche Nase verpasst. Aber eigentlich wirkt sie eher störend; man hätte Gordon-Levitt auch so abgenommen, dass er der jüngere Willis ist. Immerhin hat er sich ein paar Ticks und Manierismen angeeignet, die man von Willis in den 80er Jahren zu sehen bekam. Beide sind Looper – und ein und dieselbe Figur, nur unterschiedlich alt. Hier soll die jüngere Version die ältere kaltmachen, aber daraus ergeben sich einige Schwierigkeiten.

Beinahe nebenbei spielt der Film mit der Frage, wie Entscheidungen neue Zeitlinien beeinflussen können. Ein schönes Element und einem Zeitreisefilm auch mehr als angemessen.

Der Großteil des Films spielt in den 2040er Jahren. Interessant ist der Look, für den sich Johnson entschieden hat. Er ist futuristisch, hat aber auch Retro-Chic. So sehen viele Gebäude aus, als wären sie in den 1930er und 1940er Jahren entstanden. Die Gangster wiederum erinnern mit ihrer Kleidung auch an ihre Kollegen aus den 1930er Jahren, aber dabei gibt es immer futuristische Elemente, die eine genaue Einordnung nicht erlauben. Tatsächlich wird so eine ganz eigene, durchaus plausibel erscheinende Zukunft erschaffen, ist es doch nicht ungewöhnlich, dass Kleidungsstile wieder in Mode kommen. 

Trailer: Looper

8. GATTACA (1997)

Ethan Hawke spielt die Hauptrolle in Andrew Niccols SF-Film GATTACA. Es ist Science Fiction im besten Sinne des Begriffs. Ein Blick auf eine Dystopie, die eine Utopie hätte werden sollen. In der nahen Zukunft von GATTACA werden Menschen nach ihrem genetischen Erbgut eingeteilt. Es gibt die Valids und die Invalids. Während Ersteren alle Türen offenstehen, bleibt für den genetischen Müll nur der soziale Abstieg. Doch Hawkes Figur, ein Invalid, träumt von einem besseren Leben. Er erhält es, indem er sich das genetische Material besorgt, mit dem er ein falsches Leben führen kann.

Dies ist Science Fiction, die zum Nachdenken anregt. Ein Film, der das Beste dessen nimmt, was die SF-Literatur bieten kann, und eine filmische Version dieser hässlichen Gesellschaft erzeugt. 

Trailer: Gattaca

7. MOON (2009)

Eine Idee, fünf Millionen Dollar, wegen Streiks unbeschäftigte Spezialeffektkünstler – es kann (fast) so einfach sein, einen großen Independent-Film zu machen. Als sich Duncan Jones, der Sohn von Sänger David Bowie, an die Umsetzung seines Films MOON machte, da hätte er nie vermutet, dass er die Effektkünstler bekäme, die letzten Endes am Film mitwirkten. Doch aufgrund eines amerikanischen Autorenstreiks gab es keine laufenden Produktionen in den Shepperton Studios, und so konnte sich Jones die Leute aussuchen, mit denen er arbeiten wollte. Interessanter als die Effekte ist aber die Geschichte mit ihrer menschlichen Ebene, wird doch von einem Astronauten auf einer Mondstation erzählt, der plötzlich seltsame Dinge sieht und an seinem Verstand zweifelt.

Dies ist Science Fiction, die den Blick nach innen richtet, die auf den Menschen fokussiert ist. Die Geschichte kann nur in einem SF-Setting funktionieren, aber die psychologische Komponente ist frei von Genre-Bezug. Sie beschäftigt sich damit, wie ein Mann zu sich selbst findet, wie er in der Isolation zu einem gänzlich neuen Menschen wird. So präsentiert sich MOON vor allem als ein Film über die Selbstfindung und die Arbeit daran, mehr aus sich zu machen, als man war.

Ein wunderbares Beispiel intelligenter Science Fiction, von Stil und Aussage nicht unähnlich den sozialkritischen Werken der 70er Jahre. Und: Sam Rockwell ist grandios. Eine der ganz großen darstellerischen Glanzleistungen der letzten Jahre!

Trailer: Moon

6. DONNIE DARKO (2001)

Selten versperrt sich ein Film so konsequent einer Kategorisierung, wie es Richard Kellys Debütwerk tut. DONNIE DARKO wurde von Kritikern als psychologischer Thriller, als Science Fiction und auch als Teenie-Film klassifiziert – und tatsächlich, der Film ist all dies, aber er ist auch weit mehr als das und entzieht sich konsequent dem Schubladendenken, das für Hollywood so unendlich typisch ist.

Alles beginnt im Oktober 1988. Der junge Donnie Darko hat emotionale Probleme und wird deswegen auch von einer Therapeutin behandelt. Donnie hat Freunde, jedoch nicht nur echte, sondern auch imaginäre. So wie den 1,80 m großen Hasen Frank, der ihn immer wieder aus dem Haus lockt und ihn dazu bringt, Dinge zu tun, die er eigentlich gar nicht machen will. Doch in jener Nacht des 2. Oktobers 1988 rettet Frank ihm das Leben. Wäre Donnie im Haus geblieben, hätte ihn das Triebwerk einer Boeing 747, das in sein Zimmer kracht, erschlagen. Merkwürdigerweise gehört dieses Triebwerk scheinbar keinem Flugzeug an – niemand vermisst es. Für Donnie beginnt ein Countdown von 28 Tagen, denn Frank hat ihm klargemacht, dass dann die Welt enden wird.

In den verbleibenden Wochen findet Donnie eine Freundin, erlebt Halluzinationen, die ihn immer mehr von seiner Familie entfernen, und findet heraus, dass die alte verrückte Grandma Death ein Buch – „Die Philosophie der Zeitreise“ – geschrieben hat, das für ihn von immenser Bedeutung wird. Immerhin kann Donnie erkennen, wie es die Menschen in die Zukunft zieht. Die Frage ist nur, ist die Zukunft vorherbestimmt oder kann man den Pfad, den Gott für einen auserkoren hat, ändern?

Eine wirklich befriedigende Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Kelly will sie auch gar nicht geben. Vielmehr versucht er, den Zuschauer dazu zu bringen, sich seine eigenen Antworten zu geben. Das ist auch die größte Kritik, die man an DONNIE DARKO üben kann. Das Ende ist zu diffus, als dass das Publikum es wirklich verstehen könnte. Man kann allenfalls versuchen, der Geschichte durch das Wissen um das Finale auf den Grund zu gehen, doch eine allgemeingültige Antwort gibt es auch dann nicht. Letztlich verlangt DONNIE DARKO von seinen Betrachtern verlangt, sich absolut auf ihn einzulassen und all das, was geschieht, als gegeben hinzunehmen. Im Grunde genommen tritt man praktisch an Donnies Seite, da man wie er nicht weiß, was auf einen zukommt.

Trailer: Donnie Darko

5. PERFECT SENSE (2011)

Es ist das Ende der Welt – und so anders, als man das gewöhnt ist. Es ist ein Ende, das leise und still kommt, mit dem Verlust aller Sinne. Ein Ende, das den Menschen in Dunkelheit und Stille zurücklässt. Exemplarisch wird das anhand eines Paares gezeigt, das von Ewan McGregor und Eva Green gespielt wird.

Mackenzie erzählt mit PERFECT SENSE eine packende Geschichte, die ein SF-Element als Auslöser benötigt, aber sich mehr für die Menschen interessiert.

Ihm ist ein Drama gelungen, das das schottische Glasgow in einer Mixtur aus Schönheit und Zerfall präsentiert, das eine Welt zeigt, die nach und nach aus den Angeln gehoben wird. Nicht mit Effektbombast, sondern mit der Erkenntnis, was ein jeder im Laufe dieser Katastrophe verliert.

Mackenzie scheut nicht davor zurück, auch ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. Eine Kamerafahrt auf einem Fahrrad – ohne Steadycam – ruckelt gewaltig, führt dem Zuschauer aber auch vor Augen, dass er überhaupt sehen kann. Es ist eine Art schmerzlicher Erinnerung daran, was die Figuren bald verlieren werden.

Auch was den Hörsinn betrifft, findet Mackenzie ein Mittel, ihn kurz vor dem Verschwinden noch einmal umso mehr zu fordern: als er eine Kakophonie der Geräuschkulisse unserer Welt zeigt, beginnend mit Kirchenglocken. Es ist ein Moment des Innehaltens, in dem die Hauptfiguren all die klanglichen Reize noch einmal genießen, bevor es langsam still wird.

PERFECT SENSEist ein sehr bewegender, emotional packender Film, der sich mit den Dingen beschäftigt, die wir als Menschen als gegeben hinnehmen. Erst wenn wir verlieren, was wir für selbstverständlich erachten, merken wir, wie besonders es eigentlich war.

Genau dieses Gefühl kann der Film erzeugen und den Zuschauer damit berühren. Ein großer, kleiner Film, der all die Blockbuster, die mit Effektorgien und Bombast versuchen, eine emotionale Reaktion beim Zuschauer zu erzeugen, alt aussehen lässt. PERFECT SENSE ist ein Film, den man mit allen Sinnen erfassen sollte. 

Trailer: Perfect Sense

4. THX 1138 (1971)

Als George Lucas THX 1138 entwickelte, da hätte wohl noch niemand geahnt, dass er schon bald einer der einflussreichsten Filmemacher aller Zeiten werden sollte. Denn die Anfänge waren bescheiden und legten nicht die Vermutung nahe, dass Lucas in der Lage wäre, ein großes Publikum anzusprechen. 

Zu Beginn der 70er Jahre konnte Lucas seinen ersten richtigen Film machen. THX 1138 war Science Fiction, wie sie in diesem Jahrzehnt vorherrschte: düster, deprimierend, pessimistisch. Trotzdem ist die Geschichte um ein totalitäres System, in dem ein Arbeiter endlich den freien Willen erlangt und daraufhin gejagt wird, recht spannend und war auch vielversprechend. Bei Warner sah man das anfangs nicht so, aber nach einer Wiederaufführung nach STAR WARS erwies sich auch dieser kleine Film als recht profitabel.

Anders als STAR WARS ist THX 1138 keine leichte Science-Fiction-Kost. Er zeichnet ein düsteres Bild einer emotional toten Gesellschaft. 

Trailer: THX 1138

3. OUTLAND (1981)

Die Verwandtschaft des Westerns zum Science-Fiction-Film war schon immer gegeben. Mit OUTLAND versetzte Autor und Regisseur Peter Hyams im Jahr 1981 die Geschichte des Western-Klassikers HIGH NOON ins All, genauer: in eine Station auf dem Jupiter-Mond Io. Dort ist Sean Connery als Marshall zu sehen, der einen Rauschgiftring ausheben will, wobei er aber ganz und gar auf sich allein gestellt ist. Eine universelle Geschichte, eine, die das Sci-Fi-Setting nicht braucht. Aber Hyams macht daraus einen packenden, auch technisch beeindruckenden Sci-Fi-Thriller. 

Trailer: Outland - Planet der Verdammten (1981)

2. INCEPTION (2010)

INCEPTION verfügt über ein einzigartiges Drehbuch, an dessen Konzept Nolan bereits seit zehn Jahren getüftelt hatte: „Das Zentrum des Films bildet die These, dass eine Idee ein sehr widerstandsfähiger und mächtiger Parasit sein kann. Spuren davon bleiben stets im Unterbewusstsein zurück. Es ist ein mitreißender Gedanke, wenn man sich vorstellt, dass jemand physisch in die Traumwelt einer Person eindringen und selbst die intimste Idee stehlen könnte.“

INCEPTION ist ein filmischer Traum, der nach den Mechanismen der Traumwelt funktioniert. In einer Schlüsselsequenz des Films offenbart Nolan dem Zuschauer eine Wahrheit, die den meisten niemals bewusst wird: Ein Traum hat keinen Anfang. Man befindet sich immer sofort in der Geschichte. Genauso verfährt auch INCEPTION, der sich keine Zeit nimmt, langwierig vorzubereiten. Er beginnt – und sofort befindet man sich inmitten des Traums, inmitten der Story.

Die Struktur des Films ist klar, aber zugleich komplex. Sie wird stringent erzählt, das aber auf verschiedenen Ebenen, so dass der Zuschauer sich immer selbst verdeutlichen will, in welcher Realitäts- oder Traumebene er sich nun befindet.

Nolan stellt die alles entscheidende Frage: Was ist Realität? Und wie wird sie wahrgenommen? Das Gedankenkonstrukt des Films fordert die eigene Definition der Realität heraus. Es ist die alte Frage, ob das Leben selbst real ist oder wir nicht alle auch nur Teil eines Traums sind.

In der Welt von INCEPTION ist nichts und alles real: weil Träume dort denselben Stellenwert wie das „echte“ Leben haben. Das Ende verdeutlicht dies noch mal. Es pflanzt im Zuschauer einen Gedanken ein: Ist Cobb nun in der Realität oder befindet er sich in einem süßen Traum? Die Antwort muss man selbst finden. 

Trailer: Inception

1. BLADE RUNNER (1982)

Als Ridley Scotts bahnbrechender SF-Film Anfang der 80er Jahre in die Kinos kam, da war ihm kein allzu großer Erfolg beschieden. Er war zu ernsthaft, zu düster, zu überwältigend, um in Zeiten von STAR WARS und E.T. das Publikum ansprechen zu können. Doch jene, die ihn sahen, waren sofort von seiner unglaublichen Kraft geblendet. Zum Inhalt müssen nicht viele Worte verloren werden: In der Verfilmung der Buchvorlage von Philip K. Dick wird Rick Deckard losgeschickt, um abtrünnige Replikanten aus dem Verkehr zu ziehen. Doch je näher er ihnen kommt, desto mehr stellt er seine eigene Existenz in Frage.

Seitdem sind viele Jahre ins Land gegangen, und es gibt kaum einen anderen Film, von dem derart viele verschiedene Versionen existieren: die US-Kinoversion von 1982, die internationale Kinoversion von 1982, der Director’s Cut von 1992, der Workprint und Ridley Scotts jüngste Variante, der Final Cut.

Schon von der ersten Einstellung an nimmt BLADE RUNNER den Zuschauer gefangen. Was Scott hier zusammen mit Syd Mead erschaffen hat, ist wahrlich einzigartig.  

Trailer: Blade Runner

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