Hollywood? Braucht’s nicht – 10 tolle Science-Fiction-Filme, die nicht aus den USA kommen

© Capelight Pictures

FILM

10 tolle Science-Fiction-Filme, die nicht aus den USA kommen


Peter Osteried
08.08.2019

Selbstredend gibt es auch interessante Science-Fiction-Filme, die nicht aus Hollywood kommen, oftmals mit kleineren Budgets, aber nicht minder kühneren Geschichten. Wir haben für euch zehn Highlights zusammengestellt.

 

10. DER WILDE PLANET (Frankreich/Tschechoslowakei 1973)

Der surrealistische, an ein erwachsenes Publikum gerichtete Film spielt in einer fernen Galaxie. Dort sind die riesigen blauhäutigen Draags eine hoch entwickelte Gesellschaft, während die versehentlich vom Planeten Terra eingeschleppten winzigen Menschen, genannt Oms, geknechtet werden. Nach Jahren als „Haustier“ entflieht Terr aus der Gefangenschaft und schließt sich wild lebenden Oms an, die eine Revolte planen.

Der Film ist ungeheuer atmosphärisch erzählt. Die Zeichnungen erscheinen einfach, der Wirkkraft dieses Werks aus dem Jahr 1973 ist das aber sogar noch förderlich. Camera Obscura hat ein Mediabook des französisch-tschechischen Zeichentrickklassikers DER WILDE PLANET auf den Markt gebracht.

Trailer: Fantastic Planet (1973)

9. GODZILLA (Japan 1954)

Dies ist der Film, mit dem im Jahr 1954 alles begann. In Inoshiro Hondas Film werden vor Japans Küste Boote von einer Kreatur attackiert. Schon bald hat man einen Namen für das Monster: Godzilla. Man versucht nun, das Monster, das durch Atombomben aufgeschreckt wurde, zu vernichten, doch Godzilla legt Tokio in Schutt und Asche.

Hier wird natürlich auch nach Herzenslust eine Papp-Stadt in Kleinteile zerschlagen. Der Film setzt aber nicht nur auf den Reiz der Zerstörung, sondern funktioniert auch als ernsthafter SF-Monsterfilm sehr gut – etwas, das vor allem in den 60er Jahren der Serie abging. Wichtig ist der Film abgesehen davon, weil er ein ganzes Genre begründete.

Trailer: Godzilla (1954)

8. DAS FÜNFTE ELEMENT (Frankreich 1997)

Luc Bessons Film spielt in einer farbenfrohen Zukunft, die direkt den Comics von Moebius zu entstammen scheint. Bruce Willis ist der Taxi-Fahrer Dallas Korben, der über Leeloo stolpert, die nicht seiner Sprache mächtig ist, aber seiner Hilfe bedarf, da unzählige Parteien hinter ihr her sind. Milla Jovovich ist ätherisch schön, jedoch längst nicht das Hauptaugenmerk von DAS FÜNFTE ELEMENT.

Der Film ist das französische Äquivalent zu einem US-Blockbuster, nur schräger, eigensinniger und origineller. Was hier geboten wird, würde man in einem US-Film wohl niemals sehen. Das verleiht dem Streifen ein zutiefst französisches Flair, das sein Fundament in den französischen Science-Fiction-Comics der 1970er Jahre hat.

Trailer: Das fünfte Element (1997)

7. DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN (Großbritannien 1967)

Der britische Wissenschaftler Bernard Quatermass tauche in drei Fernseh-Serials und zwei Filmen auf, die in den 1950er Jahren produziert wurden. Das Highlight ist jedoch der dritte Film: DAS GRÜNE BLUT DER DÄMONEN. Der Film kam 1967 und wurde von Nigel Kneale, dem Schöpfer der Figur, geschrieben, wobei er zum Teil dieselben Dialoge benutzte wie bei der Serie – denn jeder der drei Filme adaptiert „nur“ eine der TV-Miniserien.

In die Rolle von Quatermass schlüpfte dieses Mal Andrew Keir, der eine beeindruckende Darstellung abliefert. Der Film selbst wurde von Roy Ward Baker inszeniert, der seinerzeit bei Hammer gern gesehen war und einen äußert atmosphärischen Streifen schuf. Die Geschichte hält sich eng an die Vorlage und präsentiert eine aufregende Auflösung, nachdem zuvor im Londoner Underground ein Raumschiff entdeckt worden ist. Es kommt heraus, dass die Marsianer vor Jahrmillionen die Entwicklung des Menschen eingeleitet haben, um sich später eine Sklavenrasse halten zu können. 

Trailer: Das Grüne Blut der Dämonen (1967)

6. SOLARIS (Sowjetunion 1972)

Mit einer Laufzeit von fast drei Stunden ist dieser sowjetische Film nach einem Roman von Stanislaw Lem alles andere als leichte Kost. Er erzählt von einem Psychologen, der auf eine Raumstation nahe einem entfernten Planeten geschickt wird, um herauszufinden, was dazu geführt hat, dass die Crew wahnsinnig wurde.

Dies ist ein beeindruckender Film, der langsam erzählt, aber dafür clever ist und die Intelligenz des Zuschauers herausfordert. Dreißig Jahre später machte Steven Soderbergh mit George Clooney ein Remake, über das Original geht aber nichts. Der Genuss dieses Films hängt auch sehr davon ab, was man als Zuschauer selbst mitbringt, da man mitdenken und -fühlen muss.

Trailer: Solaris (1972)

5. CUBE (Kanada, 1997)

In Vincenzo Natalis Debütfilm finden sich sechs Fremde in einem Würfel wieder. Es gibt nur einen Ausgang. Sie gehen hindurch und kommen in den nächsten Würfel. Doch wie sich herausstellt, gibt es dort tödliche Fallen.

Der Film spielt mit einem klaustrophobischen Gefühl und etabliert einen Story-Prototyp, der in den kommenden zwei Jahrzehnten häufig variiert wurde, dabei auch von zwei uninspirierten Sequels. Dieser Film ist aber extrem intensiv und dabei ausgesprochen minimalistisch, da es im Grunde immer dasselbe Set ist – nur die tödliche Falle wechselt. Mit Nicole de Boer (STAR TREK: DEEP SPACE NINE) und David Hewlett (STARGATE: ATLANTIS) sind zwei spätere SF-Stars mit im Würfel.

Trailer: Cube Trailer

4. MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (Australien, 1981)

Was MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER zu einem grandiosen Film macht, ist nicht die Tatsache, dass er die Quintessenz eines Actionfilms ist, sondern dass George Miller hier ein Sequel ersonnen hat, das sich sehr deutlich vom Erstling abhebt. Man erwartet bei Sequels, dass man das Gleiche wie beim ersten Mal vorgesetzt bekommt – nur größer.

Mit dem zweiten Teil hat Miller seinen Mad Max zu einer mythologischen Figur gemacht. Sieht man sich alle drei Teile an, so kann man eine Entwicklung der Figur Max erkennen. Aber jeder Film steht auch für sich. Und jeder Film zeigt eine Facette derselben Figur, die dann stärker herausgearbeitet wird. In diesem zweiten Film ist Max eine Figur nicht unähnlich dem Mann ohne Namen, den Clint Eastwood in den Dollar-Filmen von Sergio Leone gespielt hat.

Er ist ein namenloser Western-Held, jemand, er nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, dann jedoch das Stückchen Menschlichkeit in sich wiederfindet, das ihn dazu verleitet, einen selbstlosen Akt zu begehen.

Um seinen Helden mythologisch aufzuwerten, war es notwendig, die Welt von MAD MAX zu verändern. Gab es im ersten Teil noch so etwas wie Zivilisation, so zeigt eine Montage am Anfang dieses zweiten Teils, dass eben diese Zivilisation sich selbst verschlungen hat. Was bleibt, ist ein Ödland, eine Welt bar jeder Hoffnung, in der die Starken überleben und Menschen für einen vollen Tank töten.

Trailer: Mad Max 2: The Road Warrior (1981)

3. BATTLE ROYALE (Japan 2000)

Der auf einem Roman basierende Film erzählt von einem Japan der nahen Zukunft, in der die Gesellschaft der Jugend nicht mehr Herr wird, weswegen jedes Jahr ein Battle Royale veranstaltet wird. Eine Schulklasse wird entführt, auf einer Insel ausgesetzt und gezwungen, sich gegenseitig abzuschlachten, bis nur noch einer übrig ist. Regisseur Kinji Fukasaku ist ein Meister seines Fachs und hat in seiner langen Karriere einige intensive Filme gedreht. Dies wurde sein letzter, da beim halbgaren Sequel sein Sohn übernehmen musste, als Fukasaku nicht mehr konnte und kurz darauf starb.

Der Film ist eine extrem intensive Erfahrung. Die Amerikaner haben die Geschichte später mehrheitlich mit HUNGER GAMES kopiert, aber BATTLE ROYALE zeigt, wieso sie in einem Land wie Japan besser aufgehoben ist. Weil hier ohne Kompromisse erzählt wird, wodurch der Zuschauer praktisch attackiert und gezwungen wird, sich Gedanken zu machen, wie er in dieser Situation reagieren würde.

Trailer: Battle Royale

2. ATTACK THE BLOCK (Großbritannien 2011)

Auf dem Weg durch die Straßen von Süd-London wird Sam (Jodie Whittaker, die mittlerweile 13. Inkarnation von DOCTOR WHO) gerade von einer Teenager-Gang überfallen, als plötzlich etwas vom Himmel stürzt und eine Kreatur sie angreift. Für die Jugendlichen ist die Sache schnell klar: Die Invasion der Aliens ist angebrochen. Nur kurze Zeit später wird London von den Aliens belagert, und die Teenager haben keine andere Wahl, als sich zusammen zu tun, um ihr Viertel mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen.

Joe Cornishs Film ist recht mutig, denn er stellt mit den Gang-Mitgliedern ein paar echt unsympathische Figuren in den Mittelpunkt. Umso bemerkenswerter, dass es Cornish gelingt, im Verlauf des Films das Ruder herumzureißen. So sehr man Moses (Joseph Boyega, der später Finn bei STAR WARS wurde) und seine Kumpels anfangs nicht mochte und ihnen eigentlich eine Begegnung mit den leuchtenden Fängen der außerirdischen Monster an den Hals wünscht, ertappt man sich im Verlauf des Films plötzlich und unvermittelt, dass sich die eigene Wahrnehmung verändert hat. Die Figuren erscheinen auf einmal sympathischer, menschlicher, weil es Cornish gelingt, inmitten der actionreichen Geschichte Momente einzubauen, die uns das Leben im heruntergekommenen South London näherbringen. Was zuvor nur gefährliche Gang-Mitglieder waren, werden plötzlich Menschen, die ob ihrer Taten ebenso verängstigt sind wie ihre Opfer und noch dazu durch ihre Umgebung zu dem wurden, was sie sind.

ATTACK THE BLOCK funktioniert jedoch nicht nur wegen seiner interessanten Figuren, sondern auch wegen der außerirdischen Bedrohung. Der Film konzentriert diese Invasion auf einen ganz bestimmten Bereich in South London – und mehr noch: Er findet einen plausiblen Grund, das Geschehen örtlich einzugrenzen. Das Design der Außerirdischen ist so simpel wie effektiv. Sie sind eine Art riesige, pechschwarze Wölfe ohne Augen. Das einzige, was sich vom Körper abhebt, sind die neonleuchtenden Fangzähne.

Cornishs Film ist flott erzählt, bietet gute Humor- und ebensolche Splatter-Spitzen. Origineller Filmspaß aus Großbritannien, der den großen Blockbustern zeigt, was eine Harke ist.

Trailer: Attack the Block

1. METROPOLIS (Deutschland 1927)

Auf dem ersten Platz steht ein Film, der fast schon 100 Jahre auf dem Buckel, aber nichts von seiner Wirkkraft verloren hat: Fritz Langs METROPOLIS. In einer Stadt der Zukunft sind Arbeiterklasse und Reiche getrennt – Verbindungen darf es nicht geben. Und doch verlieben sich zwei Menschen, die es nicht dürfen, während in diesem städtischen Moloch die Lust auf Revolution immer weiter angeheizt wird.

Anders als Langs vorherige Werke DR. MABUSE, DER SPIELER und DIE NIBELUNGEN sollte METROPOLIS nicht als Zweiteiler, sondern als ein Film realisiert werden, wenngleich auch mit epischer Laufzeit. METROPOLIS wurde von der UFA produziert und war das mit Abstand teuerste Projekt, das das Studio angegangen war. Es lohnte sich, weil die Bauten und das futuristische Ambiente auch heute noch Aufmerksamkeit erregen. Langs Inszenierung ist erstaunlich modern, was die Bildsprache betrifft, weswegen es auch nicht weiter stört, dass dies ein Stummfilm ist.

Trailer: Metropolis (1927)

Share:   Facebook