Der Marsianer: Rettet Mark Wattney

© 2015 Twentieth Century Fox

FILM

Reisen zum roten Planet: Eine (unvollständige) Chronik der Marsfilme


Mal wird er kolonisiert, mal werden wir von bösen Aliens angegriffen oder wir vergessen einfach unsere Leute dort ... Der Mars wartet - im Gegensatz zu Freund Mond - mit einer sehr wechselhaften Filmgeschichte auf. Ein Überblick.

Noch faszinierender als der Mond war von jeher der Mars, was sich in der Literatur, vor allem aber auch im Kino niederschlug. Weit mehr Filme befassen sich seit der Frühzeit des Films mit dem Roten Planeten, was auch daran lag, dass die Menschen zum Ende des 19. Jahrhunderts glaubten, auf dem Mars gäbe es Kanäle. Weitere Beobachtungen im 20. Jahrhundert heizten das Interesse der Menschen am Mars auf, was zur Produktion einiger Filme in den 1950er und 1960er Jahren führte, doch mit dem Mariner- und dem Viking-Programm erfuhr man mehr wissenschaftliche Fakten über den Mars, was wiederum das Interesse der Menschen abebben ließ. Denn dass dort Leben möglich war, war nun höchst ausgeschlossen. Damit veränderte sich auch der Science-Fiction-Film, da der Mars nun in erster Linie weniger als ein Planet gezeigt wurde, von dem Bedrohungen kommen, sondern als eine Welt, die kolonisiert werden kann. 

Flash Gordons Trip to Mars

Als der Mars noch wild war

Schon im Jahr 1910 reiste ein Professor mit Hilfe eines magischen Puders in A TRIP TO MARS zum roten Planeten und findet dort gefährliche Kreaturen vor, aber nur acht Jahre später traf ein anderer Abenteurer im gleich betitelten Film auf ein harmonisch lebendes Volk. Mit Harmonie hatte man es im Folgenden aber nicht mehr so besonders, wie sich schon bei FLASH GORDON’S TRIP TO MARS (1938) zeigte. In zweitem Serial mit dem Comic-Helden, der von Buster Crabbe dargestellt wurde, müssen seine Freunde und er zum Mars, da der böse Ming von dort aus die Erde mit tödlichen Strahlen angreift. 

Trailer: Red Planet Mars 1952

In den 1950er Jahren sollte sich daran nichts ändern. Wenn man auf den Mars flog, wurde man angegriffen, wenn man zuhause blieb, kamen die fiesen Marsianer einfach her. Das fing mit FLYING DISC MEN FROM MARS (1950) an und sollte auch so weitergehen. Hierbei handelt es sich um ein zwölfteiliges Serial, das hierzulande nie ausgewertet wurde. Auch FLIGHT TO MARS (1951) schaffte es nicht nach Deutschland. Hier kommen die Erdenbesucher auf den Mars und finden tatsächlich freundliche Leute vor, aber das ist alles nur Lug und Trug, denn die Marsianer wollen das Raumschiff der Menschen, um damit eine Invasion der Erde starten zu können. Auch RED PLANET MARS (1952) hat es nicht nach Deutschland geschafft. Schade, ist dies doch einer der gerade für seine Zeit ungewöhnlichsten SF-Filme überhaupt. Denn hier sieht man Marsianer und Mars nicht, einem Wissenschaftler gelingt es jedoch, mit den Marsbewohnern zu kommunizieren. Was die Menschen dadurch erfahren, führt zu soziokulturellen Umbrüchen überall auf der Welt. Heutzutage mag die christliche Botschaft des Films ein wenig zu plakativ erscheinen, der Film nutzt seine Prämisse jedoch für ein interessantes Gedankenexperiment.

Trailer: Kampf der Welten (1953)

Das wiederum ist beim Mars-Film jener Dekade selten. Sowohl in KAMPF DER WELTEN (1953) als auch in INVASION VOM MARS (1953) greifen die Außerirdischen an – mal offener, mal verdeckter, aber immer mit dem Ziel, die Erde zu erobern. Ersterer ist großes Effektkino, das auch heute noch mit seinen liebevollen Effekten und dem interessanten Marsianer-Design überzeugt, letzterer ist dagegen nur so etwas wie der schäbige Verwandte, der aber über reichlich Charme verfügt. Zu beiden Filmen gab es später Remakes: Tobe Hoopers INVASION VOM MARS (1986) und Steven Spielbergs KRIEG DER WELTEN (2005).

Im selben Jahr wurde es dann noch lustig, als es hieß: ABBOTT AND COSTELLO GO TO MARS (1953). Die beiden Komiker, die in den USA sehr beliebt waren, starten versehentlich eine Rakete, die zum Mars fliegen soll. Sie landen aber in New Orleans während Mardi Gras und werden dann von Gaunern gezwungen, zur Venus zu fliegen, da dort nur Frauen leben sollen. Im Grunde kann man fast froh sein, dass diese „Perle“ nie den Weg nach Deutschland gefunden hat. Da hätte man doch lieber das DEVIL GIRL FROM MARS (1954) gesehen, das vom Mars zur Erde kommt, um Männer zu entführen, die zur Fortpflanzung benötigt werden. Das ist krude, wirklich sehr, sehr krude. Das Jahrzehnt wurde dann mit WELTRAUMSCHIFF MR-1 GIBT KEINE ANTWORT (1959) von Ib Melchior beschlossen, der in seiner Hochphase einige feine Science-Fiction-Filme inszeniert hat. Der Film erzählt von zwei Überlebenden einer Marsmission – einer ist davon so schwer traumatisiert, dass er sich nicht erinnern kann, wie er zurückgekommen ist. Der mit weniger als 60.000 Dollar gedrehte Film wartet mit einem marsianischen Spinnen-Monster auf, das ausgesprochen albern aussieht. Der Film selbst ist dennoch stimmungsvoll, da die Mars-Szenen rot eingefärbt wurden. 

Trailer: Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort (1959)

Übergangsjahre

THE DAY MARS INVADED EARTH (1962) ist ein typischer Invasionsfilm, bei dem Marsianer einen Wissenschaftler und seine Familie austauchen, um alles für den Einmarsch vorzubereiten. Weit abstruser ist da schon SANTA CLAUS CONQUERS THE MARTIANS (1964), in dem der Weihnachtsmann von den Marsianern entführt wird, weil bei ihnen zuhause niemand den Kindern Geschenke bringt. THE WIZARD OF MARS (1965) ist eine SF-Variante von DER ZAUBERER VON OZ (1939) und MARS NEEDS WOMEN (1967) zeigt Marsianer auf der Suche nach Erdenfrauen, weil es zuhause keine gibt. Ernst nehmen kann man das alles natürlich nicht.

Trailer: Robinson Crusoe on Mars

In den 1960er Jahren gab es aber auch ernsthafte Versuche, sich mit der Mars-Thematik auseinanderzusetzen. Bei einem Titel wie ROBINSON CRUSOE AUF DEM MARS (1964) sollte man das nicht unbedingt erwarten, aber die freie Adaption von Daniel Defoes Geschichte funktioniert gut. Byron Haskin inszenierte 1964 den SF-Film, der mit kleiner Besetzung auskommt. Über weite Strecken ist Paul Mantee ganz alleine. Das könnte langweilig sein, wird hier jedoch sehr ansprechend umgesetzt. Der Kampf ums Überleben sorgt für Spannung. Anfangs denkt man noch, der Film würde vielleicht auch ein paar Mars-Monster bieten, die zur Bedrohung werden könnten (und die von Ib Melchior in seinem ersten Drehbuchentwurf noch vorgesehen waren), aber diese tauchen nie auf. Das trägt dazu bei, dass ROBINSON CRUSOE AUF DEM MARS ein sehr authentisches Feeling hat; und das, obwohl der Mars hier noch über Luft verfügt, wenn auch über eine mit weniger starker Sauerstoffkonzentration als auf der Erde.

Was 1964 noch als wissenschaftlich akkurat angepriesen wurde, ist mittlerweile natürlich von der Realität überholt worden. Aber Jahre vor der ersten Mondlandung erweist sich gerade dieser Film als recht visionär, was Weltraumreisen und Landungen auf anderen Planeten betrifft.

Großartig an dem Film ist die Landschaft des Mars. Gedreht wurde zum Teil in Zabriskie Point im Death Valley. Dazu kamen wunderbare Matte Paintings von Chesley Bonestell. Das Ergebnis ist eine unglaublich desolate und einsame Gegend, die aber mit dem roten Horizont und dem schwarzen Himmel sehr erhaben wirkt.

Wieder etwas phantastischer gestaltet sich ENDSTATION MARS (1968), in dem drei Astronauten auf dem Mars landen und die Leiche eines erfrorenen russischen Kosmonauten finden.

Und jetzt mit (gewolltem) Humor

Die Filme der 1950er und 1960er Jahre sind in vielerlei Hinsicht unfreiwillig komisch. Ein paar Jahrzehnte später fanden einige Filmemacher, dass man das auch freiwillig sein könnte, aber die Ergebnisse waren durchwachsen. Da hätte man LOBSTER MANN VOM MARS (1989), der aber nur ein Film im Film ist, denn es geht um einen Filmproduzenten, der das Werk produziert, um Steuern sparen zu können. Entsprechend gibt es Szenen, die wie die Science-Fiction-Filme der 1950er Jahre anmuten, inklusive reichlich abstruser Kostüme und Monster. Der Film hat seine Momente, was für MARTIANS (1990) eigentlich nicht gilt.

Trailer: Martians (1990)

Hier tauchen reichlich dumme grüne Männchen vom Mars just in dem Moment auf, als 1938 Orson Welles‘ Radiostück vom Krieg der Welten ausgestrahlt wird. Zu lachen gibt es hier nicht viel, auch nicht für Hauptdarsteller Douglas Barr, der einst der Sidekick in der Serie EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE war. Und die Marsianer? Die sehen in etwa so aufwendig auf wie die außerirdischen Besucher in der Episode „Al und die Außerirdischen“ aus der Serie EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE. 

Al Bundy - Some Pictures... With Aliens

Der Mars macht mobil

Einer der besten Mars-Filme überhaupt ist einer, der sich gar nicht so sehr mit dem roten Planeten auseinandersetzt: Paul Verhoevens TOTAL RECALL – DIE TOTALE ERINNERUNG (1990), der auf einer Geschichte von Philip K. Dick basiert, sich aber weit davon entfernt. Arnold Schwarzenegger ist Quaid, ein Mann, dem falsche Erinnerungen implantiert wurden, und der nun zum Mars aufbricht, um mehr über sich und die Verschwörung gegen ihn herauszufinden. Reizvoll am Film ist die Darstellung der Mars-Kolonie – etwas, das in Dicks Geschichte und dem Remake des Films nicht vorhanden ist. 

Trailer: Mars Attacks! (1996)

Tim Burton präsentierte mit MARS ATTACKS (1996) einen Film, der auf Trading Cards basiert und um die wilden Motive von Menschen mordenden Marsianern eine ausgeflippte, mit vielen Stars garnierte Geschichte gestrickt hat, die herrlich schräg ist.

Zum Ende des Jahrzehnts gab es dann mit dem Fernsehfilm FLUCHTPUNKT MARS (1999) noch eine realistische Betrachtung, wie die Reise zu dem fernen Planeten aussehen und welche Probleme damit einhergehen würden.

Mal ernst, mal nicht so sehr

Im Jahr 2000 gab es gleich zwei konkurrierende Mars-Filme, die beide versuchten, ein Mysterium rund um die rote Welt aufzubauen. Gelungen ist das weder RED PLANET, in dem Val Kilmer im Zuge einer Terraforming-Mission auf dem Planeten herumstiefelt, noch Brian De Palma, der mit MISSION TO MARS versucht, dem faszinierenden Mars-Gesicht, eine Bergformation, die wie ein menschliches Gesicht aussieht, eine interessante Geschichte zu verpassen. Sein Film ist der bessere der beiden, aber das will nicht viel heißen.

Trailer: Mission to Mars (2000)

Allerdings übertreffen wiederum beide John Carpenters GHOSTS OF MARS (2001), der eine Action-Geschichte auf dem Planeten ansiedelt, dann noch die brutalen Geister alter Marsbewohner einführt und seinen wabbeligen Helden Ice Cube ins Gefecht schickt. Aus Spanien kam NAUFRAGOS (2001), in dem einige Astronauten auf dem Planeten stranden. Der Film ist etwas langsam erzählt, versucht aber, das Ganze sehr realistisch darzustellen.

Nach drei Mars-Flops war man in Hollywood mal wieder vorsichtig, aber 2012 gab es dann die Verfilmung von Edgar Rice Burroughs Mars-Helden JOHN CARTER. Groß, aufwendig, mit phantasievollen Wesen und reichlich Action wurde der Film ein Flop – und Sequels anhand der zahlreichen Romane, die es gibt, wurden ad acta gelegt. Einer dieser Romane ist übrigens PRINCESS OF MARS, der 2009 als Billigheuler verfilmt wurde, wobei man die Geschichte in die Gegenwart versetzte.

Die britische Produktion THE LAST DAYS ON MARS (2013) spielt dem Titel zum Trotz am letzten Tag auf dem Mars, denn eine von der Erde geschickte Mannschaft dort bis zur Wachablösung aushalten muss. Man findet einen Mikroorganismus, was der Stoff für eine spannende Geschichte ist, aber dann muss das Ganze in Richtung Horror schwenken und verliert den Zuschauer. Was der Film aber kann: Er ist exzellent darin, die Mars-Oberfläche nachzustellen.

Das gilt auch für die Roman-Verfilmung DER MARSIANER (2015), in dem Matt Damons Figur alleine auf dem Mars zurückbleibt und versucht, dort zu überleben, während eine Rettungsmission geschickt wird.

Einfach nur des Titels wegen sei noch der Animationsfilm STARSHIP TROOPERS: TRAITOR OF MARS (2017) erwähnt, der auf dem Roten Planeten spielt, aber ansonsten Arachnidenkampf üblicher Art bietet. 

Trailer: Last Days on Mars

Im Fernsehen

Der Mars spielte nicht nur im Film immer wieder eine Rolle, auch Fernsehserien griffen ihn auf. Mehrere Folgen von BABYLON 5 (1994-1998) spielen auf dem Planeten, MEIN ONKEL VOM MARS (1963-1966) kam gleich von dort zu Besuch und bei KRIEG DER WELTEN (1988-1990) wurde der Kampf aus den 1950er Jahren fortgesetzt.

Beeindruckend ist die Verfilmung von Ray Bradburys DIE MARS-CHRONIKEN (1980), die in drei Episoden erzählt wurde und in der Frühzeit des Mars beginnt, dann von der Kolonisation durch den Menschen berichtet und damit endet, dass die dort lebenden Menschen die neuen Marsianer geworden sind.

Großartig ist auch die französische Serie MISSIONS (2017), die jüngst auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Hier wird von einer Reise zum Mars erzählt, bei der die Astronauten schnell auf einige Mysterien stoßen, die sich schon lange vor der eigentlichen Landung manifestieren, dann aber immer größer werden. Die jeweils nur gut 20 Minuten langen Folgen sind flott erzählt und haben immer wieder spannende Überraschungen parat, so dass man bis zum Ende gebannt zusieht und dem Geheimnis des Planeten auf die Spur kommt. Die Effekte sind toll, und das nicht nur mit dem Schiff im Weltraum, sondern auch auf dem Mars, dessen Oberfläche überzeugend aussieht. Zudem spielt man mit Theorien und Ideen, die es rund um den Mars schon immer gegeben hat, die hier aber sehr harmonisch zusammenfinden.

Trailer: Missions Staffel 1

Die Art, wie der Mars in Film und Fernsehen dargestellt wird, hat sich verändert. Weil man dank weiterer Mars-Missionen der NASA und das ferngesteuerte Fahrzeug Rover mehr über den roten Planeten herausgefunden hat, aber noch längst nicht alles weiß. Die Phantasie ist also nach wie vor gefragt, wird aber immer mehr mit Fakten unterfüttert. Die erzählerische Beschäftigung damit mag Science Fiction sein, aber die Science wird dabei auch immer wichtiger …

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