Der Traum vom Mond

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FILM

Der Traum vom Mond


Der Gedanke, den Mond besuchen zu können, war lange Science Fiction. Visionäre wie Jules Verne und H.G. Wells befassten sich mit dem Mond, und mit Beginn des filmischen Zeitalters erkundeten auch die Regisseure, wie es um den Erdtrabanten steht. Hier eine kleine Filmgeschichte der Mondfahrt.

Das frühe Kino

Der wohl erste Science-Fiction-Film war auch der erste Film, der den Zuschauer zum Mond bringt. Der Franzose Georges Mèliès, der seit 1896 Filme inszenierte und dabei technisch nicht nur versierter wurde, sondern bahnbrechend in der Entwicklung der filmischen Sprache war, produzierte im Jahr 1902 den 13-minütigen Film DIE REISE ZUM MOND, in dem eine Gruppe von Astronauten sich aufmacht, den Mond zu erobern und mit ihrer Rakete dem Mondmann direkt eins aufs Auge zu geben. Mèliès ließ sich von Verne und Wells inspirieren, ohne diese natürlich in seinem Film zu nennen. Dies ist der berühmteste der 520 (!) Filme des Regisseurs. Ein Werk, das verspielt ist und ein ikonisches Bild hat, das unzählige Male kopiert wurde: die Rakete im Gesicht des Mondmannes.

Knapp 30 Jahre später kam aus Deutschland FRAU IM MOND (1929), der auf Thea von Harbous gleichnamigen Roman basiert. Sie erzählt von einem Wissenschaftler, der einen Weg findet, zum Mond zu fliegen, weil er glaubt, sich dort immense Schätze aneignen zu können. Die Regie übernahm Fritz Lang. Dies ist einer der ersten Filme, der den Weltraumflug einigermaßen realistisch gestaltet, aber sich dann wiederum Dinge erlaubt, die selbst damals schon eher hanebüchen waren. So findet der Wissenschaftler auf dem Mond eine Atmosphäre vor und kann natürlich atmen.

Le Voyage dans la lune - Georges Méliès (1902)

Die wilden 50er

In den 50er Jahren sah der US-amerikanische Science-Fiction-Film mehrheitlich so aus, dass von Monstern und Außerirdischen erzählt wurde, die auf der Erde ihr Unwesen treiben. Aber ein paar Ausreißer aus dem Gros der Invasionsfilme gab es dann doch, so schon zu Beginn des Jahrzehnts RAKETE MOND STARTET (1950), in dem ein Raumschiff zum Mond aufbricht, aber wegen Störungen auf dem Mars landet. Im selben Jahr kam die Robert-A.-Heinlein-Verfilmung ENDSTATION MOND (1950) in die Kinos. Die Reise zum Mond wird nur in der zweiten Hälfte des Films gezeigt, die erste dient ganz und gar der Vorbereitung des Raketenstarts.

Dies ist einer der interessantesten Science-Fiction-Filme seiner Zeit, weil er fast schon in Richtung Science Fact geht, zumindest aber, weil er versucht, eine solche Reise akkurat und glaubwürdig darzustellen. Das Auge fürs Detail verhindert jedoch, dass eine packende Geschichte erzählt wird. Diese ist eher langweilig, aber die Umsetzung macht den Film dennoch sehenswert. 

Trailer: Destination Moon (1950)

Die Raumanzüge des Films tauchten später in PROJECT MOON BASE (1953) wieder auf, die Helme waren dort allerdings neu. Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch hier diente ein Heinlein-Roman als Vorlage. Heinlein war von dem Film zutiefst enttäuscht, denn eigentlich sollte er die Pilotfolge einer Fernsehserie werden, der Produzent erkannte aber den SF-Trend im Kino und ließ Material nachdrehen, um das Ganze auf Filmlänge zu strecken.

Erzählt wird von einem Saboteur, der sich als Wissenschaftler auf die erste Raumstation der Menschheit einschleicht und sie zerstören will. Die Effekte sind für die Fernsehverhältnisse der damaligen Zeit gut, der Film insgesamt aber nicht der Rede wert.

Trailer: Project Moonbase (1953)

Noch alberner ist CAT WOMEN ON THE MOON (1953), in dem Astronauten auf dem Mond jede Menge Damen in engen Bodysuits zu Gesicht bekommen. Der Film wurde Jahrzehnte später in AMAZONEN AUF DEM MOND (1987) kräftig veräppelt.

Auf einer Vorlage von Jules Verne basiert VON DER ERDE ZUM MOND (1958). Erzählt wird davon, wie der US-amerikanische Erfinder Victor Barbicane im Jahr 1868 einen Explosivstoff entwickelt, den er nutzt, um eine Rakete zum Mond anzutreiben – mit sich und ein paar anderen an Bord. Vom Mond bekommt man allerdings nicht viel zu sehen, da das Studio, das den Film finanzierte, kurz vor dem Kollaps stand und das Budget vor Drehbeginn empfindlich kürzte.

Trailer: From the Earth to the Moon

Die ersten Menschen im Mond

Schon im Jahr 1919 wurde H. G. Wells‘ im Jahre 1901 veröffentlichten Geschichte »Die ersten Menschen im Mond« verfilmt. Dabei machte man aus der Geschichte vor allem eine, in der es um eine Liebesbeziehung zwischen drei Menschen geht. Mehr als 40 Jahre später folgte der neue Versuch einer Adaption. Als der Stop-Motion-Künstler Ray Harryhausen seinem Partner Charles Schneer von dem Stoff erzählte, war dieser unsicher, aber dennoch beauftragte er den britischen Autor Nigel Kneale damit, ein Drehbuch zu entwickeln. Daraus wurde DIE ERSTE FAHRT ZUM MOND (1964).

Ein paar Jahre vor der echten Mondlandung wird erzählt, wie US-amerikanische Astronauten den Mond betreten und dort eine Nachricht vorfinden – von britischen Forschern, die schon zur Jahrhundertwende hier waren. Sie begegneten den Seleniten, die auf dem Mond leben und von den Menschen Angst hatten, weswegen sie eine Invasion planten, die die britischen Raumfahrer jedoch verhindern können.

Damals war das Wettrennen zum Mond schon im vollen Gange. Präsident John F. Kennedy hatte versprochen, dass eine Mondlandung noch in diesem Jahrzehnt glücken würde. Darum kam Kneale auf die Idee, der Geschichte eine Rahmenhandlung zu verpassen, in der eine von der UN geleitete Weltraummission zum Mond stattfindet und man dort die Überbleibsel der Seleniten-Zivilisation findet. Die Idee hatte er, weil er sich sicher war, dass eine Landung auf dem Mond wohl keine Seleniten zum Vorschein bringen würde. Aber man könnte erklären, wieso sie nicht mehr da waren. Für die Auflösung wandte er sich an Wells selbst und griff auf dessen Der Krieg der Welten zurück. Denn die Seleniten wurden allesamt von einem harmlosen Schnupfen, den der britische Wissenschaftler eingeschleppt hatte, ausgerottet.

In diesem Film sieht man die Erde vom Mond aus, aber im Jahr 1963 wusste niemand, wie das aus dieser Entfernung wirken würde. Das berühmte Foto der Apollo-8-Mission kam erst 1968 zustande, so dass sich die Macher 1963 fragen mussten, wie die Erde wohl aussehen würde. Würde man die Wolken sehen, und wenn ja, wären sie eher grau oder weiß.

Ebenso wenig wusste man, wie die Mondoberfläche aussehen würde. Sicher war nur, dass es, anders als bei Wells‘ Roman, keine Atmosphäre auf dem Mond gab. Hier war die Phantasie der Künstler gefragt.

Im Jahr 2010 erschien eine neue Adaption des Stoffs, diesmal für das Fernsehen. Der Film hält sich näher an Wells‘ Vorlage und erzählt davon, wie Cavor auf dem Mond zurückbleibt, während Bedford via Funk mitbekommt, dass der Wissenschaftler sich das Leben nimmt, um zu verhindern, dass die Seleniten das Geheimnis des Raumflugs aus ihm herauspressen und die Erde angreifen können.

Trailer: First Men in the Moon (1963)

Abstruses und Authentisches

Im Jahr 1967 wurde die deutsch-italienische Ko-Produktion PERRY RHODAN – S.O.S. IM WELTALL gedreht, ein Film, der auf der Heftserie basiert, aber sehr eigene Wege geht: Astronauten reisen zum Mond, wo sie auf gestrandete Außerirdische treffen, die auf einer höheren Bewusstseinsebene sind, aber nach wie vor wie Menschen aussehen. Da ihr Oberhaupt krank ist, benötigen sie die Hilfe von Perry Rhodan und seinen Kameraden. Sie bringen den Anführer der Außerirdischen zur Erde, wo man ihn heilen soll. Als Dank erwartet man technische Errungenschaften der Außerirdischen. Doch auf der Erde werden Gangster auf die hochentwickelte Technik aufmerksam und wollen sie an sich bringen.

Klingt mau, ist es auch. Dies ist ein stumpfes Abenteuer, in dem das SF-Element immer weiter in den Hintergrund rückt, um stattdessen eine lahme Gangster-Geschichte zu erzählen. Einzig die Effekte mit den Raumschiffen sind recht gut gelungen, wenn man die Zeit der Entstehung berücksichtigt. Doch für den ersten (und einzigen!) Filmausflug von Perry Rhodan ist das schlichtweg zu wenig.

Seinerzeit extrem aktuell war Robert Altmanns COUNTDOWN: START ZUM MOND (1967), der zwei Jahre vor der echten Mondlandung davon erzählt, wie die USA das Rennen zum Mond gewinnen wollen: indem sie schon vor der Apollo eine Kapsel zum Mond schicken, bemannt mit einem Astronauten, der dann seine separat geschickte Unterkunft finden muss, um bis zur Ankunft der anderen Astronauten zu überleben. Die NASA kooperierte mit dem Film und ließ die Produktion auch in ihren Einrichtungen drehen. Die Szenen mit der Mondlandung wurden in der Mojave-Wüste umgesetzt. Entsprechend ist der Film in seiner Darstellung äußerst authentisch.

Trailer: Countdown (1967)

Die Monster auf dem Mond

Im Jahr 1989 untersuchte der kleine Film MOONTRAP, was sich auf dem Mond wirklich entdecken lässt. Dazu schickte man  Walter Koenig aus STAR TREK und TANZ DER TEUFEL-Star Bruce Campbell ins All. Sie bringen vom Mond einen Kampfroboter mit, der biologisches Material benutzt, um sich immer weiter auszubauen. Auf dem Mond wiederum befindet sich eine außerirdische Basis, die die Astronauten schließlich untersuchen. Die Szenen auf dem Mond sind toll, obwohl das Budget des Films klein war. Aber wie der Roboter sich unter der Oberfläche bewegt, während die Astronauten herumhüpfen, ist schon schön anzusehen.

Es wurde immer wieder versucht, eine Fortsetzung zu stemmen, erst knapp 30 Jahre später kam es mit MOONTRAP: TARGET EARTH (2017) dazu, ein Film, der allerdings noch billiger war und keinerlei eigenständigen Qualitäten besitzt.

Trailer: Moontrap (1989)

Der Film beginnt damit, dass die Mondlandung im Jahr 1969 gezeigt wird, aber es wird bald klar, dass hier mehr lauert, als die Astronauten bemerken. APOLLO 18 (2011) ging Jahre später in eine ähnliche Richtung. Apollo 17 war im Jahr 1973 die letzte Mission zum Mond, der Film berichtet aber von einer weiteren, geheimen Mission. Hier erfährt man durch »Found Footage«, warum der Mensch es seitdem nie wieder gewagt hat, den Mond zu betreten.

Von der außerirdischen Bedrohung bekommt man nicht viel zu sehen. Man hätte den Film mit Untertitel auch »Angriff der Steine« nennen können, wobei das noch aufregender klingt, als es in APOLLO 18 letzten Endes ist, denn bei den wenigen Szenen mit den Mondbewohnern gibt es kaum etwas zu sehen.

Der Film wurde von manchen gelobt, weil er in seiner Darstellung äußerst detailverliebt und authentisch ist. Allerdings leistet sich APOLLO 18 einen groben Schnitzer: Wenn man sieht, wie sich die Astronauten auf dem Mond bewegen, dann tun sie das wie unter Erdschwerkraft. Die Mondschwerkraft ist jedoch weit niedriger, was zu einem ganz anderen Bewegungsmuster führt (wie man es auch von Aufnahmen der historischen Mondlandung kennt).

Im selben Jahr gab es in TRANSFORMERS 3 – DIE DUNKLE SEITE DES MONDES (2011) etwas Action auf dem Erdtrabanten, viel geboten war hier aber nicht. Da machte IRON SKY (2012) schon mehr Spaß, denn dieser Film zeigte, wie die Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Mond geflohen sind und dort alles für die Invasion der Erde vorbereitet haben.

Trailer: Apollo 18

Man setzt auf Realismus

APOLLO 13 (1995) mit Tom Hanks in der Hauptrolle hat weniger mit dem Mond zu tun, erzählt aber von einer Havarie im All und wie die Astronauten sicher zur Erde zurückgebracht werden. Der Pluspunkt des Films ist seine große Authentizität.

Die hat Duncan Jones bei MOON (2009) auch eingebracht – soweit man bei einer Station auf dem Mond von Authentizität sprechen kann. Die Hauptfigur befindet sich hier seit drei Jahren alleine auf der Raumstation, doch dann tut sich etwas – eine Gefahr von draußen oder ein Verstand, der langsam in die Brüche geht? Die Mondszenen sind toll, in erster Linie ist dies aber ein philosophisch angehauchter Film, der sich mit dem auseinandersetzt, was Menschlichkeit ausmacht.

Der neueste Eintrag in die Annalen realistischer Raumfahrerfilme ist AUFBRUCH ZUM MOND (2018), der sich mit dem Leben von Neil Armstrong, dem ersten Menschen auf dem Mond, befasst und natürlich mit der Mondlandung ein wahres Highlight zu bieten hat.

Trailer: Aufbruch zum Mond (2018)

Aber das ist ja total ernsthaft und aufs menschliche Drama abgestellt. Da muss es doch noch mehr geben, einen Höhepunkt mit dem diese kleine Betrachtung des filmischen Mondbesuchs ihr großartiges Ende findet. Und fürwahr, diesen Film gibt es: PLUTO NASH – IM KAMPF GEGEN DIE MONDMAFIA (2002). Kennt ihr nicht? Kaum überraschen, den hat fast niemand gesehen. Bei einem Budget von 120 Millionen Dollar hat er in den USA ganze sieben Millionen eingespielt. Eddie Murphy spielt Pluto Nash, der versucht, seinen Lunar-Night-Club nur ja nicht in die Hände der Mondmafia fallen zu lassen. Die 120 Millionen sieht man dem Film übrigens nicht an. Die Kulissen sehen günstiger aus als die von BABYLON 5. Der Mond ist hier so realistisch dargestellt wie in der Frühzeit des Kinos. Überhaupt: Dieser Film erinnert an die wildesten SF-Heuler der 1950er Jahre, aber so schlecht er auch ist, die Faszination, die der Mond auch heute noch ausstrahlt, kann auch ein Trashfilm wie dieser nicht schmälern.

Darum ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Fahrt zum Mond in Film oder Fernsehen ansteht.

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