Gutes Buch, schlechter Film - Misslungene Phantastikverfilmungen

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FILM

Transfer misslungen: Phantastische Buchstoffe auf der großen Leinwand


Nicht alles, was zwischen zwei Buchdeckeln funktioniert hat, überzeugt auch in bewegten Bildern – und manchmal ärgert man sich sogar richtig über eine miese Filmadaption. Henning Mützlitz stellt drei besonders misslungene Fälle vor.

Am 12. Dezember kommt der neue Peter-Jackson-Film „Mortal Engines“ ins Kino. Der Blockbuster des Neuseeländers basiert auf den gleichnamigen Büchern von Philip Reeve, deren erster Band mit dem Untertitel „Krieg der Städte“ gerade bei Fischer Tor erschienen ist (Band 2 mit dem Titel „Jagd durchs Eis“ folgt am 28. November). Wir hoffen natürlich, dass sich „Mortal Engines“ in die Reihe sehenswerter Verfilmungen von Romanstoffen einreiht, von denen wir letzthin einige vorgestellt haben – eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht, wie diverse Beispiele zeigen.

Natürlich werden vielen von euch sofort eine ganze Reihe Titel in den Kopf schießen, manche grauenvolle Verhunzungen, manche davon aber auch Filme, die gemeinhin als eher gelungen betrachtet werden, die aber mit der persönlichen Vorstellung eines Romanstoffs völlig konträr gehen oder durch Verkürzungen und Veränderungen hinsichtlich des Plots für eine „Verfälschung“ des Werks gesorgt haben (Wat war dat mit dem Phönixorden in Hogwarts? Und hatte dieser Peter Jackson nicht auch mal was mit fünf Heeren gemacht?!). In wiederum anderen Fällen hätte man auf eine Verfilmung getrost verzichten können, da man dem Erfolg der zugrundeliegenden Romane bereits fassungslos gegenüberstand (ihr ahnt unter Umständen, wovon ich rede – sparkle and shine, baby ...). Hier kommen drei ausgewählte cineastische Schnitzer aus dem Genre des Phantastischen.

Total Recall

Von Philip K. Dicks Kurzgeschichten und Romanen existieren eine ganze Menge Verfilmungen, und viele davon besitzen nicht nur Kultstatus, sondern haben die SF und Popkultur in den vergangenen Jahren entscheidend mitgeprägt (man denkt dabei natürlich zuerst an „Blade Runner“). „Total Recall“ basiert auf der Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros“ aus dem Jahr 1966 und wurde bereits 1990 als „Total Recall – Die totale Erinnerung“ mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle umgesetzt. Diese erste Adaption von Paul Verhoeven erhielt damals gute Kritiken, und im Zuge der Retrowelle der vergangenen Jahre inszenierte man 2012 eine Neufassung mit Colin Farrell in der Hauptrolle. Man passte den Look an einen zeitgeistigen cyberpunkigen Stil an, machte sich also frei vom bunten Verhoeven-Pulp und legte den Schwerpunkt der Handlung vor allem auf Action. Vereinfacht gesagt besteht „Total Recall“ aus nichts anderem als einer großen Verfolgungsjagd mit ein wenig Verwirrspiel um echte und falsche Erinnerungen. Farell als Protagonist Douglas muss sich als ehemaliger Agent den wechselnden falschen Erinnerungen in seinem Kopf und den Häschern der Föderation von Britannien erwehren und deren überbevölkerte Kolonie Australien vor einem Massenmord bewahren. Trotz überraschender Wendungen betreffs des Hintergrunds der Hauptfigur und seiner wechselnden Erinnerungen bleibt Douglas äußerst eindimensional, auch die von Jessica Biel und Kate Beckinsale gespielten Figuren werden nicht vertieft. Die Inszenierung ist zwar visuell beeindruckend, allerdings recht generisch und macht das Remake von „Total Recall“ zu einem Film, den man fast sofort vergisst, kaum dass man ihn gesehen hat. Dann doch lieber aufgrund ihrer Originalität zur Arnie-Fassung von 1990 greifen.

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Der Dunkle Turm

Es stellte von Anfang an ein wahnwitziges Unternehmen dar, sich des Stoffs von Stephen Kings Megaepos „Der dunkle Turm“ anzunehmen und daraus einen Kinofilm zu drehen. 1978 begonnen, ist die Dunkler Turm-Saga im literarischen Grenzland zwischen dunkler Fantasy, Western und Horror angesiedelt und erzählt in epischer Breite die Odyssee des letzten Revolvermanns Roland, von dessen Heimatwelt nicht viel mehr als eine alptraumhafte Apokalypse übriggeblieben ist. In den unwirtlichen Ruinenstädten und Wüsten der sogenannten „Mittwelt“ tummeln sich Mutanten, Dämonen und dem Wahnsinn verfallene Maschinen. Der namensgebende „Dunkle Turm“ hält verschiedene Dimensionen des Daseins zusammen, doch es zeigen sich Risse darin.

Aufgrund des schieren Umfangs der Vorlage war es klar, dass man lediglich in den Kampf des Revolvermanns Roland Deschain von Gilead um den Erhalt des Dunklen Turms eingeführt werden kann. Daher kann man vielleicht eher von einer Verfilmung auf Basis der Motive von King anstatt einer richtigen Romanadaption sprechen. Demzufolge werden die Leser der Bücher wohl enttäuscht werden, bedient sich „Der Dunkle Turm“ zwar einer Reihe Motive der Romane, packt diese aber in das Mainstreamgewand eines opulent inszenierten Action-Blockbusters und vermag es nicht, die Tiefe der Handlung oder der wichtigsten Figuren auszufüllen. Man hatte natürlich auf den Start für ein Franchise gehofft, doch nachdem der Film bei der Kritik und an den Kinokassen floppte, muss man jetzt die Hoffnung auf die kommende Serien-Adaption von Amazon setzen, die ein komplettes Reboot hinlegen soll. Aufgrund der Vorlage wäre dies ohnehin von Anfang an der bessere Weg gewesen, anstatt zu versuchen, einen Kinofilm zu produzieren, der weder die Fans der Bücher noch Jaqueline Normalkinogängerin anspricht.

Trailer: Der dunkle Turm

John Carter – Zwischen zwei Welten

Die Buchvorlage von Edgar Rice Burroughs aus dem Jahr 1912 mit dem Titel „Die Prinzessin vom Mars“ ist vielleicht nur wenigen bekannt, ebenso wie die komplette Reihe „John Carter vom Mars“, die zuerst in Pulpheften, später auch in Buchform veröffentlicht wurde, bei uns aber kommerziell wenig erfolgreich war. Den letzten Versuch unternahm der Kranichbornverlag in den 90er Jahren, produzierte aber nur die ersten beiden von fünfzehn Bänden.

Dennoch wagte sich Disney im Jahr 2012 an eine Verfilmung des ersten Romans, in der Hoffnung, ein neues abenteuerliches Weltraum-Franchise aufzubauen. Der Goldsucher John Carter wird aus Arizona unvermittelt auf den Mars teleportiert, der von verschiedenen Spezies bevölkert wird, dessen Zivilisationen allerdings im Niedergang begriffen sind. Carter erlangt die Gunst des Königs, will jedoch primär nach Hause zurückkehren. Als er nach einer Möglichkeit dafür sucht, wird er tief in die Intrigen zwischen den verschiedenen Marsvölkern verstrickt und erfährt, dass vom roten Planeten auch das Schicksal der Erde bestimmt wird.

„John Carter – Zwischen zwei Welten“ ist das beste Beispiel dafür, dass nicht alles, was Disney in den letzten Jahren angefasst hat, zu Gold wird, und stellt einen der größten Flops der jüngeren Filmgeschichte dar. Das ganze Projekt hat mit so vielen konzeptionellen und inhaltlichen Problemen zu kämpfen, dass es umso unverständlicher wirkt, dass man bei Disney 250 Millionen US-Dollar für die Produktion freigegeben hat. Ein Setting, das keinen hinter dem Ofen hervorlockt, sondern in Optik und Inszenierung wie ein modernisierter SF-Streifen aus den 50ern wirkt, auf der Grundlage einer kaum bekannten Pulpgeschichte aus einer Epoche, in der Fiktionen über den Mars noch Faszination ausübten, ohne großen Hollywoodstar als Köder zu verfilmen, ist schon – sagen wir es mal freundlich – sehr optimistisch gedacht. Es reicht eben nicht aus, „irgendwas im Weltraum“ zu machen, mit Effekten und Action zu versehen und dann zu denken, dass einem die Kinogänger die Bude einrennen, weil sie ja auch „Star Wars“ und die Marvel-Verfilmungen lieben. Disney hat das 2012 schmerzhaft lernen müssen – ebenso wie fünf Jahre später Luc Besson mit „Valerian“, aber das ist ein anderes Thema ...

Trailer: John Carter - Zwischen zwei Welten

„Aber hier fehlt doch ...!“ Ja, klar, natürlich haben wir hier nur einige Beispiele nicht gerade besonders gelungener Buchverfilmungen geliefert. Was denkt ihr? Welche Verfilmungen phantastischer Romane oder Kurzgeschichten aus den vergangenen Jahren erachtet ihr als ganz besonders misslungen und würdet davon abraten, sich diese zu Gemüte zu führen, sondern stattdessen zum Buch zu greifen?

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